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Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Fr 19. Feb 2016, 14:00
von Arcito
Hallo ihr Bogenbauer,

Ich habe mir als neues (Langzeit-) Projekt den Bau eines osmanischen Kompositbogens vorgenommen, dass ich in diesem Thread ein wenig dokumentieren möchte.

Als Literatur dienen mir das Reflexbogenbuch mit dem Artikel von Micha Wolf zum Nachbau eines osmanischen Bogens und das Buch von Adam Karpowicz. Außerdem natürlich der Bauthread von Arrys schönen Osmanen.

Ich habe in einem ersten Schritt jetzt mit dem Bau des Holzkerns begonnen. Ich habe zunächst zweigleisig begonnen, das heißt ich fertige einmal einen Holzkern in 5-teiliger Bauweise nach Micha Wolf und zweitens in 3-teiliger Bauweise nach Karpowicz. Je nachdem, welcher Holzkern mir besser gelingt, werde ich mich für ein Modell entscheiden.
Beide Kerne sind auf eine Länge von 120cm angelegt.

Für die erste Variante habe ich eine schön gerade gewachsene Wildkirsche gefällt und 0,5 cm dicke und 4,5 cm breite Streifen herausgeschnitten und mithilfe einer Biegeform gebogen. Das Holz hatte schon 5 Wochen getrocknet und wurde 30 min gedämpft.
Die Rindenseite mit dem äußersten Jahresring liegt hier auf der späteren Rückenseite:
P1120457_1000x750.jpg


Für die zweite Variante habe ich 2 Streifen aus Hollunder mit 13mm Stärke hergestellt und ebenfalls gebogen. Bei der 3 Teiligen Bauweise werden sowohl Kasan, als auch Tipwinkel mit der entsprechenden Form eingebogen. Der Hollunder war noch tropfnass und ganz frisch und wurde mit der HLP eingebogen, was erstaunlich problemlos ablief. Hier liegt der äußere Ring auf der Seite des späteren Bogenbauchs.
P1120458_1000x750.jpg
P1120459_1000x750.jpg


Als nächste Schritte werde ich, die Griffstücke herstellen und das benötigte Horn und Sehnenmaterial besorgen. Dann steht erstmal die Vorbereitung der Hornstreifen an.

Wahrscheinlich werde ich das Horn bei dictum bestellen. Eine günstigere und schon fertig bearbeitete Alternative wären diese Hornstreifen:
http://www.bogensportshop-hermanski.com ... eifen?c=23

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sie wirklich geeignet sind. Bei dictum gibt es ebenfalls fertige Streifen, die aber für Einlegearbeiten gedacht sind. Ich vermute diese sind aus den für Bogenbau ungeeigneten Seitenwänden der Hörner hergestellt, bei denen der Faserverlauf nicht stimmt. Was meint ihr?

Wo ich die Sehnen bestelle, bin ich mir ebenfalls noch nicht sicher. Ich bin da auf der Suche nach preisgünstigen Angeboten…

Soweit erstmal, viele Grüße

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Fr 19. Feb 2016, 14:16
von Chirion
Fertige Streifen denen man nicht ansieht, dass sie aus dem Rücken des Horns geschnitten wurden, würd ich sicherlich nicht kaufen

Wieso hast den nicht gleich einteilig aus dem Holler gebogen, geht gut siehe hier

Horn bestell ich bei Highland Horn und verarbeite es so

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Fr 19. Feb 2016, 14:38
von Arcito
@Chirion: Danke für den Tip mit Highland Horn, die sind wirklich günstig! Hält sich das Porto denn einigermaßen in Grenzen?

Deinen Sap-Komposit kenne ich natürlich. Mein Gedanke war, dass ich bei dreiteiligem Bau die Mittellinie besser kontrollieren kann. Außerdem hatte ich keinen Holler in entsprechender Breite, der auf 120 cm richtig schön gerade war.

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Fr 19. Feb 2016, 14:49
von Chirion
Porto is leider schon einiges, waren an die 20 Pfund soweit ich mich erinnern kann, zahlt sich vor allem aus wenn du gleich zwei drei Paar bestellst und noch ein paar Seitenteile dazunimmst die man immer für was brauchen kann.

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Fr 19. Feb 2016, 15:40
von Neumi
Hallo Arcito, ich hatte im Okt. 2015 £23,00 für den Versand bezahlt.
Grüsse - Neumi

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Fr 19. Feb 2016, 15:44
von Arcito
Ok, danke euch für die Info. Dann werd ich mal überlegen ob ich gleich 2 Paar bestelle.

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Fr 19. Feb 2016, 15:56
von JuergenM
Ich war vorhin im Futterhaus, da gibt es Straußensehnen, als Hundefutter. Ob sie für den Bogenbau geeignet sind, weiß ich allerdings nicht, sie sahen aber eigentlich ganz gut aus.
LG Jürgen

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Fr 19. Feb 2016, 16:11
von Tom Tom
Fals jemand da bestellt würde ich gerne ein Pärchen mitbestellen gegen Übernahme der hälfte der Versandkosten natürlich :)

Lg Tom Tom

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Fr 19. Feb 2016, 17:38
von jetsam
Von der Seite reinquatschen eines Sachunkundigen: nach allem was ich bisher von Dir gesehen habe, brauchts eigentlich nicht mehr, daß ich Dir Erfolg wünsche. Tu ich aber trotzdem, ätsch.

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Fr 19. Feb 2016, 18:00
von Arcito
@Jürgen: Die Hundesnacks sind eigentlich immer mit Heißluft getrocknet und damit unbrauchbar, leider!

@Tom Tom: Ich überlege noch. Sollte ich in UK bestellen, kriegst du ne PM

@jetsam: Thanks man. Für mich ist der Weg das Ziel ;) viele der einzelnen Schritte sind für mich Neuland, mal sehen was passiert!

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Fr 19. Feb 2016, 18:02
von kra
Highland Horn hat auch gute Hirschsehnen... vlt. lohnt es sich dann eher. Btw, die Dick-streifen kommen imho auch von Highland.

Straußensehnen vom Hundefutter ist schwierig. Meist werden sie geröstst und taugen dann nur noch zum Leimkochen.

Ich hab da allerdings auch mal luftgetrocknete Sehnen (Hirsch oder Pferd? und auch Rückensehnen) gesehen, die nicht schlecht schienen. Im Zweifelsfall immer die längsten kaufen!

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Sa 20. Feb 2016, 12:17
von Arcito
Hmm, habe gerade entdeckt, dass Highland-Horn zur Zeit nicht außerhalb UK und Irland liefert. Dann werd ich wohl doch bei Dick bestellen...

Zu den Sehnen: Ich bin da am Grübeln welche Länge ich benötige. Zum Beispiel 20cm lange Hirschsehnen als Ausgangsmaterial erscheinen mir doch recht kurz, da Karpowicz empfiehlt zumindest die letzte Sehnenschicht über die komplette Biegezone zu legen. Meint ihr mit den 30cm langen Straussensehnen von Dictum bekomme ich ausreichend lange Fasern oder sollte ich für diese Lage noch extra eine lange Rückensehne vom Hirsch besorgen? Oder sollte man möglichst nur eine Sorte Sehnen verwenden?

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Sa 20. Feb 2016, 14:06
von Snake-Jo
Hirschsehnen haben im Schnitt 32 cm, Straußensehnen sind noch länger. Die von D. sind gut, aber relativ teuer.

Selbstverständlich ist das Optimum:
- lange Sehnen über den ganzen Biegeradius
- feinst gefasert
- wenig Leim, aber auch nicht zu wenig
- gut angepreßt
- laminar verlegt
- elegante Wölbung ohne "Löcher"

Das schafft man jedoch am Anfang nicht so leicht, daher: seis drum. es geht auch bei weniger Qualität. Nicht jeder hat die Ansprüche eines Karpovicz für einen Hochleistungsbogen. ;)

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Sa 20. Feb 2016, 14:44
von Arcito
@Snake-Jo: Stimmt, deswegen hab ich meine Ansprüche auch schon runtergeschraubt und verzichte z.B. auf die Zahnung von Holz und Horn, da ich eh nicht über 60# gehen möchte.

Hast du denn eine andere Quelle für Sehnen? Andere Straussensehnen die ich im Onlinehandel gefunden habe sehen genau aus wie die von D. und kosten auch dasselbe oder vielleicht 2€ weniger oder mehr.

Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

BeitragVerfasst: Di 23. Feb 2016, 20:06
von Heidelzerg
Arcito,

ich kauf meine Straußensehen immer hier: http://www.bogensport-bogenbau.at/pk/73 ... enbacking/
Die Straußensehen sind etwas unterschiedlich in Länge und Dicke, aber wenn man 10 kauft mittelt sich das eh raus (und es gibt ja Scheren). Ich war faul und habe da auch die fertigen 40 cm Hornplatten erstanden. Die sind allerdings oft unterschiedlich dick.

Bin sehr gespannt auf Deinen Bogen! Habe bisher zwei etwas windschiefe Horn-Sehnenbögen gebaut, aber ohne das Holz zu verleimen, also beide aus einem Stück Holz (Esche).

Lg
Heidelzerg