Ziehmesser schärfen

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shokunin
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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von shokunin » 26.06.2015, 14:59

So, als alter Verfechter der Diamantsteine melde ich mich hier nun auch mal...

Zuerst aber mal : Nette Anleitung :)

Diamantsteine...:
Weiche Materialien (alles was schmieren kann - also auch Eisen, ungehärteten Stahl...) schleifen die Diamantsteine nicht wirklich gut. Da entsteht z.B. ein Problem mit laminierten Klingen im japanischen Stil, oder auch Hobeleisen alter Bauart mit angeschmiedeter Schneide. Da gibt es oft ein echt grottiges Schliffbild im weichen Teil.
Für manche Dinge ist Diamant wahrlich nicht ideal... da hat Haitha mit dem was er schreibt nicht unrecht.

Auch was die Haltbarkeit angeht stimmt es, dass die sehr groben Steine schnell ihren fabrikneuen Biss verlieren...
...danach bleiben sie aber sehr sehr lang noch gut brauchbar.
Und auch ein eingearbeiteter Diamantstein schleift lange gut genug um es mit jedem Naturstein aufnehmen zu können - nur neu schleift er halt drei mal besser...
Ich hab' Steine, die ich seit 20+ Jahren täglich benutze und die noch wunderbar arbeiten, alles schleifen, immer plan sind ohne je eine Sekunde Pflege gebraucht zu haben...
Diamant hat seine Vorzüge...

Ich verwende Diamant hauptsächlich weil es bequem ist und mir für Stichel und Bohrer mit z.T. unter 1 Quadratmillimeter Schneidfläche auch nix anderes taugt. Und ich schleife auch Steine, Hartmetall,...
Mir sind weiche Wassersteine einfach zu wenig universell und zu pflegebedürftig.

Das gesagt, muss man da aber auch auf ein paar Dinge achten...
Zu allererst mal nicht trocken schleifen und NIE mit Druck den Vorgang beschleunigen... Diamantwerkzeuge arbeiten nur schneller wenn man sie schneller bewegt... mit mehr Druck gehen sie nur schneller kaputt.
Das Andere ist: je feiner sie sind desto länger halten sie...
Ein 140er Stein verliert schnell an Leistung, das stimmt schon.
Meine 600er, die ich 1992 gekauft habe, schleifen nach 20 Jahren nicht mehr wie neu, aber gut genug für den täglichen professionellen Gebrauch. Und was will man mehr...? Mehr Arbeit mit der Pflege...? Irgendwo spring da die Katze wieder auf die Füsse... Auch wenn der Naturstein "ewig" scharf bleibt...in der Summe arbeitet Diamant auch stumpf schneller weil er immer und sofort einsatzbereit ist.

Das gesagt, kombiniere ich meist z.B. auch Schleifbock mit SC-Scheibe und Diamantwerkzeug...
Ein 140er wäre mir in Diamant auch zu grob. Ich hab' die schon für die Maschine, verwende sie aber nur für Stein.
Wirklich sinnvoll ist Diamant für den feinen Schliff bei harten Materialien.
Alles was man wetzen kann braucht man eigentlich nicht mit Diamant bearbeiten, das stimmt schon irgendwie...
Nachdem man Ziehmesser in aller Regel aber nicht wetzen kann... thumbs up for diamond :D

Gruss,
Mark
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Silberwolke
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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von Silberwolke » 26.06.2015, 15:12

Die Methode mit dem Bandschleifer habe ich noch nicht probiert. Ich traue mich nicht. Zu viel Wasser und der Bandschleifer ist futsch, zu wenig und das (Zieh)Messer ist verbrannt. Die ist mir zu heikel. Für grobe Schleifereien benutze ich eine Trocken- und Nassschleifmaschine von Aldi. Die hat CHF 30.- gekostet. Sicherlich ist sie punkto Qualität nicht mit Tormek vergleichbar, aber der Unterschied im Preis ist noch viel grösser. Naher benutze ich Wasser Schleifblock. Ich habe 3 Stück 250/350. 1000/3000 und 3000/7000. Mit dieser Kombination bin ich bis jetzt sehr zufrieden. Preis/Leistung Verhältnis stimmt für mich. Danach Spanne ich eine Polierscheibe aus Stoff in meine Bohrmaschine. Mit Polierpaste geht es einigermassen, aber da bin ich nicht ganz zufrieden. Weiss jemand wo ich eine solche Scheibe aus Leder bekommen konnte?

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shokunin
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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von shokunin » 26.06.2015, 15:21

Sorry OT...

so eine Scheibe macht man wohl am Leichtesten aus Holz und beklebt sie mit dem Leder der Wahl...
Entweder drechseln, oder kleine Version z.B. vielleicht einfach mit der Lochsäge schneiden...

An sonsten gibt es Filzscheiben - ich hab' bis 20cm Durchmesser und 25mm dick...
Filz gibt es unterschiedlich hart... müsstest Du aber googeln für CH.

Gruss,
Mark
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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von Silberwolke » 26.06.2015, 16:10

@shokunin Ich finde Lederscheiben für Tormek, aber die habe ich nicht. Eine Scheibe aus mehreren Lagen Stoff für Bohrmaschine habe ich. Sie verformt sich schnell und Polierpaste verschwindet zwischen den Lagen. Ich glaube, ich werde deinen Rat folgen und mir eine solche Scheibe selber basteln.

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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von Gornarak » 26.06.2015, 16:44

Hihi - na wenigstens hab ich ne Diskussion losgetreten. Ist ja auch was feines :)

Am Bandschleifer hab ich trocken geschliffen. Allerdings ohne Handschuhe. Da hätte ich dann sofort gemerkt, wenn da was zu heiß wird. Die Klinge is ja auch recht dick und lang. Dadurch ist eigentlich kein Abschnitt wirklich heiß geworden.

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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von arcbel » 10.08.2015, 17:34

Hallo,

die Anleitung finde ich gut und einleuchtend.
Kann das auch funktionieren, wenn die Klinge in der anderen Achse des Messers (s. Bild) leicht gebogen ist, oder habt Ihr da noch eine andere Idee zu?
Die Schneide ist leicht ballig und der Winkel liegt so ca. zwischen 25 u. 35°.
Bild
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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von Gornarak » 13.08.2015, 09:12

Ich glaube, in dem Fall ist es einfacher, den Schleifstein ein kreisenden Bewegungen and der Klinge entlangzuführen. Dazu gibst auf YouTube mehrere Videos.

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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von Balian79 » 13.10.2015, 11:20

Also ich hatte auch das Problem mit dem Ziehmesser habe es dann einfach gelöst.
Da mein altes Ziehmesser mindestens 80 Jahre alt ist ist die Qualität des Stahls hervorragend das ist aber ein Problem beim schärfen also habe ich im Net gesucht und bei mir in der Ecke ein Schleifer gefunden, habe es dann da abgegeben und einen Tag später wieder abgeholt Sauscharf habe mich sofort geschnitten der Schleifer erzählte mir das seine Maschinen fast kapituliert hätten bei den Stahl.
Bezahlt habe ich 10€ das war fair fand ich,wollte dann auch mal sehen wie er das macht er zeigte mir die 8 Gänge die nötig waren und sind .Mein Fazit :für10€ bekommst du keinen schleifstein der an die Qualität rankommt und auch wenn ich da 20-30 mal war habe ich gespart gegenüber einen hochpreisigen Schleifmittel.
Mfg Martin
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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von Haitha » 20.10.2015, 14:22

Hm...ich bin ja der Meinung, dass jeder (!) Handwerker sein Handwerkszeug zumindest selber scharf halten können sollte...

Einen guten Kombistein gibt es für unter 70 Euro, der reicht für eine Freizeitkarriere viele viele Jahre. Die Rechnung geht also nicht auf.
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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von Gornarak » 06.11.2015, 14:41

Zumal ich den Eindruck habe, dass schärfen von Hand deutlich schonender ist, als schärfen mit Maschine.

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Eulenspiegel
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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von Eulenspiegel » 15.10.2016, 23:21

Mein Ziehmesser von Kirschen mit seinen 35° kommt mir schon relativ "stumpf" vor.
Das nehm ich eigentlich nur zum Entrinden oder wenn man etwas Hebeln muß.

Jetzt hab ich ein Ziehmesser bekommen, das hat einen Schneidenwinkel von 45°. >:(
Jemand eine Idee, wie ich da einen Winkel (ca. 30°) sauber hinbekomme?
Irgendwie kommt mir das etwas viel Schleiferei vor... ???

ddr.JPG
Ziehmesser

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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von Haitha » 16.10.2016, 00:30

@Eulenspiegel: Ohne Fleiß... kein Preis...

Sorry Leute, aber Werkzeugpflege- und Instandhaltung ist die Basis für alles. Wer versucht, Abkürzungen zu nehmen, bereut es auf die eine oder andere Weise.

Gornarak hat geschrieben:Zumal ich den Eindruck habe, dass schärfen von Hand deutlich schonender ist, als schärfen mit Maschine.


Nö, alles eine Frage des Könnens und Übung. Aber klar, das Risiko des übermäßigen Erwärmens gibts nicht beim Handschliff.

H
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shokunin
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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von shokunin » 16.10.2016, 08:16

Ja, man spart definitiv an der falschen Stelle, wenn man das Arbeiten mit stumpfen Werkzeug lieber übt als das Schärfen... ;D
Und das Schärfen braucht halt auch ein wenig Erfahrung und Übung. Die Investition zahlt sich aber eben schnell aus, weil man mit gutem Werkzeug so viel schneller und sauberer arbeiten kann.

Wie helfen wir nun aber dem Eulenspiegel...?

Mein Tip hier wäre die Schneide erst grob auf einen eher flacheren Winkel zu schleifen, und dann nur die eigentliche Schneidkante auf die 30 Grad. Dann kannst Du den Hauptteil des Materiales schnell wegnehmen und es ist eigentlich unkritisch wie das aussieht. Du schleifst die Ecke zwischen Schneide und Rücken grosszügig im Winkel von, sagen wir mal, 20 Grad weg, lässt aber 1mm alte Schneide stehen. Den Millimeter schleifst und polierst Du dann auf Deine 30 Grad. Das geht dann natürlich leichter und schneller, weil die Kante dünn ist. Und auch wenn der Bereich drüber keine Schönheitspreise bekommen wird - er ist für die Schneidleistung unkritisch. Du hast halt eine extra Schräge zwischen Schneide und Rücken und mit wiederholtem Schärfen wird die zunehmend auch verschwinden ...irgendwann ist sie ganz weg und Du hast zwischenzeitlich auch das saubere Schärfen gelernt ;D

Wenn Du keine Maschinen mit Kühlung hast, dann wäre auch ein grobes Schleifband oder grobe Scheibe auf dem Schleifbock ok, denke ich. Du musst halt mit wenig Druck schleifen und regelmässig in Wasser durch Eintauchen kühlen. Wenn Du in der Form irgendwas schleifst, sieh zu, dass Du immer etwas Wasser noch auf dem Werkzeugrücken hast. Dann schleifst Du bis diese Wassertropfen zu kochen beginnen und kühlst dann schnell ab. So weiss man in etwa wie rasch man schleifen kann. Zischt das Wasser in 2 Sekunden weg, dann ist Vorsicht geboten - dann ist das Werkstück entweder recht dünn oder der Schleifer zu fein oder Druck zu hoch. Materialstärke ist ein kritischer Faktor - je näher man der Scheidkante kommt, desto schneller wird es heiss.
Und noch ganz allgemein... Fein ist nicht sicherer. Fein ist gefährlich beim Schärfen auf der Maschine und wird sehr schnell heiss weil die Schleifkörper-Oberfläche dichter ist.

Naja, ich mache all solche Arbeiten frei Hand, evtl hat hier aber jemand 'ne günstige Vorrichtung um Winkel zu halten...
Ich würd's aber erst einmal ohne probieren. Grobschliff maschinell - ist ja unkritisch, der muss nur viel flacher sein als das was da ist. Schneide von Hand mit what-have-you...

Für die Schneide nimm Dir vielleicht z.B. eine stramm gehende Schere, wenn Du eine hast, und stelle die mit Geodreieck oder was-auch-immer auf Deine 30 Grad zwischen den Schneidblättern. Dann hast Du eine scharfe Winkel-Lehre - kostet nix und sollte reichen um die 30 Grad in etwa halten zu können. Du hältst einfach die Schere gegen die Schneidkante und schaust damit gegen ein Fenster oder Lichtquelle. Dann siehst Du ob Du über 30 Grad hast oder unter und gibst dann entsprechend weniger Druck auf die Vorder- oder Hinterkante der Schneide.

Wie schon gesagt, ich bin ein Fan von Diamant, probier' da aber einfach was Dich anspricht oder in's Budget passt.
Ich schleife meist grob maschinell mit was-immer, dann ausgenudelter 600er Diamant und dann abziehen auf 2000er Schleifpapier.
Ich nehme da aber eigentlich an, Du hast schon was... und ich hoffe halt Du hast auch 'nen Schleifbock/Bandschleifer, sonst wird's schon eher mühsam...

Gruss,
Mark
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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von Eulenspiegel » 16.10.2016, 13:18

Werkzeugpflege und Instandhaltung ist der angenehme Teil, der Spaß macht.
Aber um hier von 45° auf 20° runterzukommen ist doch eine Strafarbeit,
fast wie U-Stahl feilen...

@ Mark:
Danke für den Tip mit der Hilfsfase!
Das war der Anstoß in die richtige Richtung.
Ich hab das schonmal fürs Schleifen von Beiteln gesehen (hier unter Kapitel 4.5),
bin jetzt aber nicht mehr drauf gekommen... ::)

Mal sehen, was besser funktioniert, Schleifbock oder Schruppstein.
Winkelmesser und -lehren hab ich.
Bin gespannt, wie ich dem Teil beikomme.
:)

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Silberwolke
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Re: Ziehmesser schärfen

Beitrag von Silberwolke » 16.10.2016, 13:46

In der Schweiz hat jetzt Aldi einen Trocken- und Nassschleifer für 30.-. Ich habe in vor Jahren auch bei Aldi gekauft. Ist zwar kein Tormek, aber kostet auch über 10x weniger. Für diese arbeiten taugt er gut.

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