Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

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AbuSalim
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Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von AbuSalim » 30.01.2018, 15:24

Hallo Zusammen,

Kennt jemand die Methode, den Pfeilschaft an der zu befiedernden Seite mit einer Mischung aus Bienenwachs und Fichtenharz einzustreichen, die Federn draufzuwickeln und das ganze dann zu erwärmen, so dass die Mischung schmilzt und sich die Federn dann festkleben?

Mick Grewcock da machts vor:

https://youtu.be/Zd8shBqmvyE?t=58s

Zum Hintergrund:
Ich habe kürzlich versucht, einen Satz Pfeile passend auf meinen Bogen zu bauen. Dazu habe ich Haselstecken geschnitten, entrindet, gespined, gewogen, gerichtet und etwas zurechtgehobelt, damit die Spitzen passen. Soweit hat alles wunderbar Freude gemacht. Beim Befiedern allerdings bin ich an die Grenzen meiner Geduld gestossen: Ich habe zehn ganze Pelikanfedern geschenkt bekommen, die ich mit der Rasierklinge gespalten habe und mithilfe von Klebeband und Schablone mit dem Rasiermesser zurechtgeschnitten habe. (Wie ich später herausgefunden habe wäre ein Rollcutter sauberer gewesen. Dabei habe ich schon einiges verschnitten, so dass nur 15 Federn mit jeweils 4" dabei rausgekommen sind. Ich vermute, der sechste Pfeil wird ein Fluflu..)

Das Aufkleben der Federn mit Holzleim war mir ein Graus, und das Resultat ist eher bescheiden: Die Federn lösen sich in der Mitte von den Schäften, die Federn sind kreuz und quer und alles ist voll mit Leim. OK, wickeln wollte ich sowieso noch, aber vielleicht wäre oben genannte Methode eleganter als das geleime, kennt sich da jemand aus?

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Ragnar_AT
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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von Ragnar_AT » 30.01.2018, 15:45

Kennt jemand die Methode, den Pfeilschaft an der zu befiedernden Seite mit einer Mischung aus Bienenwachs und Fichtenharz einzustreichen, die Federn draufzuwickeln und das ganze dann zu erwärmen, so dass die Mischung schmilzt und sich die Federn dann festkleben?


Ich nicht.
Aber ich kenne das mit Birkenteer.
Würde ich mir aber nicht antun wollen, außer du willst die Pfeile unbedingt paleo-mäßig anfertigen. Inklusive Knochen- oder Feuersteinspitze.

Das Aufkleben der Federn mit Holzleim war mir ein Graus, und das Resultat ist eher bescheiden: ...


Kein Wunder, deswegen heißt er ja Holzleim. Dafür müssen beide Klebeteile zumindest einigermaßen saugfähig sein.
Leder auf Holz oder Leder auf Leder mache ich manchmal mit Holzleim, vernähe aber immer noch.

Nimm doch einfach Sekundenkleber (Cyanacrylat) oder Eule MaxRepair.
Mit letzterem klebe ich meine Federn, und das hält länger als der Pfeil ...
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AbuSalim
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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von AbuSalim » 30.01.2018, 15:54

Vielen Dank, Ragnar, für die schnelle Antwort!

UHU Max-Repair habe ich noch zuhause rumliegen, das werde ich als nächstes probieren. Dass es am Leim liegt war mir so nicht bewusst. Mir geht es nicht um die Paläo-Pluspunkte, sondern darum, das zu nutzen was ich gerade verfügbar habe.

Grüsse!

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Ragnar_AT
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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von Ragnar_AT » 30.01.2018, 16:12

Weil das aus deiner ursprünglichen Frage nicht so ersichtlich ist - ein Befiederungsgerät ist unbedingt zu empfehlen.
Entweder Eigenbau, oder ein preiswertes Teil aus einem Fachgeschäft (ich hab ein einfaches Cartel-Teil).
Wenn die Federn nicht gleichmäßig geklebt sind, fliegt der Pfeil sche**e.
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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von killerkarpfen » 30.01.2018, 17:26

Mit Harz und Wachs geht das Befiedern auch. Nur wie Rangar sagt, genau gleich wie mit Birkenpech.
Ich würde aber trockenes Harz mit bis 20% Bienenwachs schmelzen. Die Feder dann mit heissem Harz aufkleben.
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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von killerkarpfen » 30.01.2018, 20:52

1.JPG


My way
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AbuSalim
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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von AbuSalim » 31.01.2018, 09:04

Danke vielmals, für die Formel mit Wachs und Harz und das bild.

Guter Input auch mit dem Befiederungsgerät. Ich fürchte ich komme nicht darum mir so eins zu basteln oder anzuschaffen.

Ich habe es auch schon probiert mit erst wickeln, dann kleben, aber das Resultat war gleichfalls unschön. Auch die Methode, die Feder mit Malerkrepp einzukleben und dann das Malerkrepp als Versteifung zu nutzen brachte nicht den Durchbruch. Allerdings muss ich anfügen dass es wohl auch daran liegt dass meine Federkiele nicht geschliffen waren und die Haselstecken wohl an der Befiederungsstelle doch nicht ganz bolzengrad sind.

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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von fatz » 31.01.2018, 09:26

Befiederungsgeraet brauchst du nicht zwingend. Ich hab mir ein gleichseitiges Dreieck mit 5cm Kantenlaenge aus Buchenholz gesaegt, mittig ein Loch mit Pfeildurchmesser gebohrt und das ganze dann mit der Japansaege in zwei gleiche Teile geschnitten. Noch ein Stueck Fahradschlauch drumrum und schon hast du eine Lehre, die den Schaft in die richtige Lage bringt. Die auf Laenge geschnittene Feder papp ich dann von oben mit einer Klemme wie vom Befiederungsgeraet mit Sekundenkleber auf. Nach dem Wickeln (meist nur vorn) bring ich dann die Feder mit einem selbstgebauten Federbrenner in Form. Mit Federn schneiden bin ich nie zurecht gekommen. Was auch noch ganz gut geht, ist eine Schablone aus duenner Pappe neben die Feder tapen und die Feder mit einem heissen Flacheisen in Form brennen. Die Brennerei auf alle Faelle im Freien machen. Stinkt ziemlich.
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von Ravenheart » 31.01.2018, 09:53

Wachs und Harz - das hält nicht! Nicht lange genug zumindest. Da hast Du wenig Spaß mit. Wenn man immer wieder Federn verliert gibt das nur Frust!

Ich habe, ehe ich ein Befiederungsgerät hatte, das so gemacht:

1. Stück Pappe mit Loch (im Schaftdurchmesser). Um das Loch 3 Striche in je 120° Abstand (Per Geodreieck VOR Ausschneiden des Loches um den Mittelpunkt angezieichnet).

2. Pappe auf den Schaft geschoben, zur Nocke ausgerichtet, die 3 Strich-Positionen übertragen.

3. Mit dem Geodreieck je eine schaftparallele Linie längs auf den Schaft gezeichnet (Bleistift).

4. Entlang der Linie den Schaft und den Federkiel mit Pattex transparent eingestrichen. Pattex ist ein Kontaktkleber, den man leicht antrocknen lassen muss.

5. Die Federn frei Hand aufgesetzt, und zwar an einem Ende beginnend, cm für cm. Der Kontaktkleber zieht sofort an, Korrigieren geht minimal ein paar Sekunden lang, dann sitzen die 100% zuverlässig. Noch 1x mit etwas Druck lang drüber streichen und gut.

Rabe

Tipp: Zeiche die Striche 2 mm NEBEN der Linie auf der die Feder sitzen soll. Dann kannst Du den Kleber und danach den Kiel exakt NEBEBN der Linie setzen, das wird genauer als wenn Du AUF den Strich klebst.

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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von Anasazi » 31.01.2018, 12:07

Du kannst die Federn auch komplett ohne Kleber am Schaft befestigen...
1. Position für die Federn markieren (siehe Rabe mit seiner Pappe und den angezeichneten 120° Winkeln)
2. Feder vorbereiten: Kiel spalten und schleifen, dann die Feder auf die richtige Länge kürzen. Dabei darauf achten, dass vor den Federgranen ca. 1-2 cm Kiel und hinter den Granen 2-4cm Kiel herausragen.
3. die hinteren, überragenden Kielteile am Schaft in den richtigen Positionen mit einer Wicklung aus Sehnenfasern (vorher anfeuchten) so befestigen, dass die Federn verkehrt herum (Granen nach innen, die Federn ragen in Richtung Nock über den Pfeil) befestigt sind.
4. die Kiele gleich hinter der angbrachten Wicklung nach vorn überknicken und anschließend dort noch mal einen Sehnenfaden herum wickeln
5. die vorne überragenden Kielteile mit einem Sehnenfaden festwickeln, so dass die Federn richtig am Schaft liegen.

Die Sehnen schrumpfen etwas beim trocknen und dadurch werden die Wicklungen so fest, dass die Federn gut halten - ohne Kleber (wenn man die Sehnenfäden vorher durch Hautleim zieht, wird es allerdings noch besser) und ohne Befiederungsgerät. Passend zu den Schößlingspfeilen.

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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von killerkarpfen » 31.01.2018, 13:23

Ravenheart hat geschrieben:Wachs und Harz - das hält nicht! Nicht lange genug zumindest. Da hast Du wenig Spaß mit. Wenn man immer wieder Federn verliert gibt das nur Frust!


Ja das stimmt. Ich bin natürlich von einer Wicklung ausgegangen, wie sie auch im Video gezeigt wird. Birkenpech eignet sich zum reinen kleben eher, doch auch hier muss der Federansatz gewickelt werden.
Wenn dann das Pech mit der Zeit gänzlich austrocknet wird es brüchig und die Feder fällt ab. Mit einer Wicklung hält sie eigentlich immer.

Die Harz -Wachsmischung ist da genau gleich. Das Wachs behält hier nur das Harz geschmeidiger, es ist weich und die Feder würde schon bei sommerlichen Temperaturen ihren Halt verlieren.
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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von AbuSalim » 31.01.2018, 14:40

Das ist sehr spannend und hilfreich, was ihr mir da für Erfahrungen mitgebt.

Die Linie auf den Schaft habe ich gemacht - die 120° habe ich mithilfe einer Sechskantmutter hinbekommen. Jetzt ist noch die Frage offen, wie die Federn darauf zu bekommen sind.

- Frei Hand (bei meiner Geschicklichkeit eher nicht)
- Mit Klammer oder Befiederungsgerät, marke Eigenbau oder gekauft

Dann der Kleber. Birkenpech hab ich jetzt grad nicht zur Hand, und auch kein Hautleim und keine Sehnenfasern. Ich werde mich mal mit den Produkten von Pattex und UHU vertraut machen. Das mit MAX-Repair habe ich ausprobiert - ich hatte das gefühl, der braucht mit der Freihandmethode lange bis er hält, und das hintere Ende vom Kiel hat sich schon wieder abgelöst, als ich das vordere angedrückt habe.

Federn brennen? Probiere ich mal aus, wenns weiterhin mit dem Schneiden nicht funzt. Ich bin bisher aber recht angetan vom Rollcutter.

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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von Anasazi » 31.01.2018, 15:45

Du kannst auch Stecknadeln zum Fixieren einsetzen.

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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von Neumi » 31.01.2018, 15:58

Tach, diesen Kleber kann ich uneingeschränkt empfehlen: "Pattex Sekundenkleber Ultra Gel". Klebt sehr schnell und ist flexibel.
Grüße - Neumi
...Versuch und Fehler bevor die Sarg-Nägel eingeschlagen werden...

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Re: Pfeile befiedern mit Bienenwachs und Harz

Beitrag von Heiner » 31.01.2018, 16:19

Anasazi hat geschrieben:Du kannst die Federn auch komplett ohne Kleber am Schaft befestigen...


Danke für die Schilderung, Anasazi. Das hört sich nach einer praktikablen Methode an, werde mich mal an einen Versuch machen.

Wie bist Du darauf gekommen? Gibt es eine Zuordnung zu einer "Bogenkultur" (westlich, östlich, dazwischen; Zeitfenster; etc.)?

Gruß,
Heiner
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