Qualität Bambus in bezug auf Nodienabstand

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Rubberduck
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Qualität Bambus in bezug auf Nodienabstand

Beitrag von Rubberduck » 25.04.2022, 19:14

Hallo zusammen,

mir sind gerade Gedanken bezüglich wachstum und stabilität bei Holz durch den Kopf geschossen. Dabei bin ich auf folgenden Widerspruch gestoßen.

Bei Holz nimmt man ja langsam gewachsenes bei Bögen, da dieses dickere Jahresringe ausgeprägt hat.

Bei Bambus wird ein hoher Nodienabstand empfohlen. Dies ist doch dann der am schnellsten gewachsene Bambus, oder sehe ich das falsch? Was machst diesen Bambus besonders Robust? Erhöht sich durch die Wuchsgeschwindigkeit die Faserlängen?

Grüße

Mike
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fatz
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Re: Qualität Bambus in bezug auf Nodienabstand

Beitrag von fatz » 25.04.2022, 19:24

Rubberduck hat geschrieben:
25.04.2022, 19:14
Bei Holz nimmt man ja langsam gewachsenes bei Bögen, da dieses dickere Jahresringe ausgeprägt hat.
Falsch! Wenn's langsam waechst, gibt's duenne Ringe. ::) Willst du eig. nur bei Eibe.
Bei Laubholz eher dicker. Allerdings ist ein gutes Verhaeltniss zwischen Frueh- und Spaetholz meist wichtiger
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Qualität Bambus in bezug auf Nodienabstand

Beitrag von Becknbauer » 25.04.2022, 20:13

hoher Nodienabstand empfohlen
Der Nodienabstand beim Bambus sagt nichts über die Qualität des Bambus aus. Aber beim Verarbeiten stören die Nodien die gleichmäßige Biegung, je weniger Nodien im Biegebereich um so besser lässt sich der Bogen tillern.
Dabei bin ich auf folgenden Widerspruch gestoßen
Irgendwie hast du da ein paar völlig verschiedene Dinge durcheinander gebracht.
Gruß Wolfgang/Beck ' n ' Bauer

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Re: Qualität Bambus in bezug auf Nodienabstand

Beitrag von Bogenbas » 25.04.2022, 21:29

Ergänzend noch: was die Qualität von Bambus angeht kann man darauf achten wie groß die Fasern (da gibts sicher auch einen Begriff dafür) im Anschnitt sind. Je kleiner desdo besser. Und ich schreibe das man darauf achten KANN, weil das für durchschnittliche Bögen meines Wissens nach unwichtig ist, weil Bambus sowieso extrem Zugstark ist. Das kommt dann eher nur bei extrem auf Kante gebauten Bögen zum tragen.

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kra
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Re: Qualität Bambus in bezug auf Nodienabstand

Beitrag von kra » 25.04.2022, 22:49

Das sehe ich durchaus anders. Zuerst mal kommt es auf die Menge der sogen. Kraftfasern im Bereich unter der äußersten Rinde des Bambus an. Je mehr -> desto besser (weil zugfester). Diese Fasern haben eine spezifische Zugfestigkeit im Bereich oder oberhalb von Stahldraht! Ob jetzt wenige dicke oder viele dünnere spielt keine so große Rolle, wenn nur der Anteil der Kraftfasern im Querschnitt möglichst hoch ist (also der dunkle Teil im Anschnitt). Btw, die Kraftfasern gehen durch die ganze Länge des Halmes.

Des weiteren möchte man Bambushalme mit einer möglichst großen Wandstärke, die zudem bis ins Innere mit den Kraftfasern durchsetzt ist. Eine weiche Innenschicht ist nicht sonderlich solide und hilfreich. Und bei einem Backing möchte man die Bambuslatte ja fast bis auf eine messerscharfe Kante abschleifen. Das geht am besten mit Bambus, der auf der Außenseite möglichst viele Kraftfasern hat.
Btw, ich habe schon Latten aus Indonesischem Bambus gehabt, die eigentlich nur für Kinderbögen verwendbar sind, weil zu dünnwandig, zu wenig Kraftfasern und zu 'bröselige' Innenwandung. Aber diese Latten hatten sehr erfreulich lange und gleichmäßige Nodienabständen. Von daher ist es wenig hilfreich, nur auf die Nodienabstände zu achten.
Zudem, hohe Wandstärke hat Bambus, der älter ist und unter widrigen (Wind-)Bedingungen wächst - sonst bräuchte er keine so hohe Wandstärke. Also der untere Bereich der Halme, der die höchste Biegebelastung auszuhalten hatte. Und nicht zuletzt stellen die Nodien beim Tillern kein großes Problem dar, wenn sie an einigermaßen gleichen Stellen im oberen und unteren Wurfarm liegen. Gleichmäßige Nodienabstände hat man aber wiederum eher im oberen (dünnwandigeren) Teil der Halme.

Zum Anderen sollen die Halme einen möglichst großen Durchmesser haben, damit die Wölbung klein bleibt. Und das ist in der Regel Bambus, der sehr hoch wächst und so auch große Nodienabstände hat.

Es ist also immer eine Abwägung verschiedener Parameter. Ganz pauschal läßt sich das also kaum beurteilen.

Zum Vergleich mit Holz: Das ist einfach nicht sinnhaltig. Die Wachstumsweise von Holz und Bambus ist völlig unterschiedlich. Der Bambushalm wächst praktisch nur von unten. Der Halm wird schon im endgültigen Durchmesser aus dem Rhizom geschoben und ein Dickenwachstum findet praktisch nicht statt, ganz im Gegensatz zu Holz, das Jahresringe anlegt und sowohl in die Breite wie die Höhe wächst. Nur in der Wandstärke legt der BAmbushalm noch zu, aber eher nach Innen den nach Außen. Wenn man den unterirdischen Teil des Halmes betrachtet sieht man auch schon die Abfolge der Nodien angelegt. Nur die Bereiche zwischen den Nodien wachsen (nur) in der Länge und schieben den oberhalb liegen Teil des Halmes nach oben.
Holz das langsam wächst hat dünnere Jahresringe als Holz, das schnell wächst. Und Bambus hat überhaupt keine Jahresringe!
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Re: Qualität Bambus in bezug auf Nodienabstand

Beitrag von Rubberduck » 26.04.2022, 08:47

Erst mal vielen dank für eure Antworten.
kra hat geschrieben:
25.04.2022, 22:49
Zum Vergleich mit Holz: Das ist einfach nicht sinnhaltig. Die Wachstumsweise von Holz und Bambus ist völlig unterschiedlich. Der Bambushalm wächst praktisch nur von unten. Der Halm wird schon im endgültigen Durchmesser aus dem Rhizom geschoben
Ich wollte nicht Holz und Bambus als Material vergleichen. Eher versucht einen Bezug herzustellen über Wachstumsweise und Festigkeit.
Dass Nodienabstand nicht alles sein kann, ist der Grund warum ich den Post auf gemacht habe und ein wenig-viel Grundlagenwissen fehlt mir noch oder hab ich einfach nicht mehr auf dem Schirm. Mit ein Grund warum ich Bambus horizontal geschichtet verwende und Glas laminierte Bögen baue. Aber hab nicht vor mich dauerhaft auf Glasbauten festzubeisen.

@Becknbaur - hier stören die Nodien dann nur noch wegen der erhöhten Härte und man viel stärker schleifen muss beim Tillern.

Hier mal Respekt an alle, die ein naturgewachsenes Stück Holz beurteilen können.

Danke Kra, dass alle Punkte so zusammen gefasst hast. Speziell der Fakt, dass Bambus von unten wächst und dadurch Endlose Fasern bilden kann und tut war entscheidend.

Bei den Jahresringen bin ich von Eibe ausgegangen. Ihr baut ja ständig mit oder ist das meist diskutierte Holz hier im Forum neben Osage.

Grüße

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Re: Qualität Bambus in bezug auf Nodienabstand

Beitrag von kra » 26.04.2022, 10:11

...hier stören die Nodien dann nur noch wegen der erhöhten Härte und man viel stärker schleifen muss beim Tillern...
Wenn man die Nodien beim Backing abschleift riskiert man den Bruch des Bogens, weil man die sich an den Nodien nach Außen wölbenden Kraftfasern auftrennt. Und die kurzen, steiferen Stellen stören wirklich nicht beim Tillern, ähnlich wie kleinere Aststellen in Osagebögen.

Btw, Eibe ist imho das EINZIGE Holz bei dem es sich mit den Jahresringen so verhält, wie du geschrieben hattest.

(PS. das ist auch der Grund, warum die Bambuspfeile zumeist an den Nodien brechen... die Meisten schleifen, unnötigerweise, die Nodien auf die Halmstärke herunter und schwächen so den Schaft)
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Re: Qualität Bambus in bezug auf Nodienabstand

Beitrag von Neumi » 26.04.2022, 12:21

kra hat geschrieben:
25.04.2022, 22:49
Also der untere Bereich der Halme, der die höchste Biegebelastung auszuhalten hatte
Anzumerken ist, dass die Dichte von Bambus von unten nach oben zunimmt und nicht, wie man annehmen könnte, im unteren Bereich am größten ist. "Zhou (1981)"
Grüße - Neumi
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Re: Qualität Bambus in bezug auf Nodienabstand

Beitrag von kra » 26.04.2022, 16:25

Interessant, muß ich mir mal ansehen.
Danke für den Hinweis.
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Re: Qualität Bambus in bezug auf Nodienabstand

Beitrag von Rubberduck » 26.04.2022, 19:05

Nodien im Backing hab ich bis jetzt nicht. Alles Glas bis jetzt. Nodien nicht ab sondern ausschleifen, war mir bekannt. Nur noch nicht, wie das am Ende genau aussieht.
Selbst bei den quer verleimten Bambuslaminaten, sind die Nodien härter als der Rest des Bambuslaminates, was zu ungleichmäßigem Materialabtrag führt, auch beim seitliches Tillern der Wurfarme.

Grüße und Danke nochmal

Mike
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