Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

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schnabelkanne
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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von schnabelkanne » 27.10.2021, 16:57

Haselschreck hat geschrieben:
27.10.2021, 15:47
Schade, dass ich den thread nicht vor ein paar Wochen gelesen habe. Meine beiden Erstlingswerke aus 7 und 8 cm dicker Hasel sind ohne (von mir als noob) erkennbaren Baufehler und ohne erkennbare Holzverletzung gebrochen. Der erste beim Tillern, da hielt ich es noch für eigene Blödheit, der zweite bei Vollauszug ungefähr beim 30. Schuss. Ganz komisches Bruchbild. Jeder Jahresring ist an einer anderen Stelle gerissen, mal 5cm Richtung Tip, mal Richtung Griff.

Die Haselstämme lagen auch seit letztem Winter draußen im Garten, Wurmfraß, Pilz oder dergleichen hatten sie allerdings nicht.

Jetzt versuche ich mich erst mal an idiotensicherem Rattan, dann gehe ich mir frische Hasel abschneiden.
Servus und herzlich willkommen,
ohne Bilder kann man nicht sagen warum deine Bögen gebrochen sind.
Wenn du Lust hast dann schreib uns bitte mal etwas über dich, woher du kommst wie lange du Bögen baust usw…. In der Rubrik „Vorstellungen“.
Lg Thomas
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Haselschreck
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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von Haselschreck » 27.10.2021, 17:53

schnabelkanne hat geschrieben:
27.10.2021, 16:57
Wenn du Lust hast dann schreib uns bitte mal etwas über dich, woher du kommst wie lange du Bögen baust usw…. In der Rubrik „Vorstellungen“.
Lg Thomas
Erledigt ;) ;)

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fatz
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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von fatz » 27.10.2021, 21:13

Haselschreck hat geschrieben:
27.10.2021, 15:47
Die Haselstämme lagen auch seit letztem Winter draußen im Garten, Wurmfraß, Pilz oder dergleichen hatten sie allerdings nicht.
Willst wetten? ;D Ich wuerd schon nix mehr anfassen, was ein paar Wochen rumgelegen hat.
Jetzt versuche ich mich erst mal an idiotensicherem Rattan, dann gehe ich mir frische Hasel abschneiden.
Mach's umgekehrt. Rattan ist eh bloed. Das gibt noch eine schlimmere Nudel als Hasel
Haben ist besser als brauchen.

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Snake-Jo
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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von Snake-Jo » 28.10.2021, 07:56

fatz hat geschrieben:
27.10.2021, 21:13
Mach's umgekehrt. Rattan ist eh bloed. Das gibt noch eine schlimmere Nudel als Hasel
Einspruch: Es kommt auch auf das Rattan an, dort gibt es Qualitätsunterschiede. Ein Rattanbogen im Möwendesign und ca. 160 cm lang mit 50 lb/28" ist der Hammer!
Tipp: Schweres und dichtes Rattan nehmen, also mit eng stehenden Fasern im Querschnitt zu sehen.

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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von MrCanister123 » 28.10.2021, 07:59

Ich würd auch umgekehrt bevorzugen.

Aus Rattan kannst zwar wahnsinnig schnelle und gute Bögen bauen, aber da brauchts ein bissle Erfahrung weil eben Punkte wie Recourves reinbiegen + Bogenbauch härten etc notwendig sind um viel rauszuholen.
Ein normaler Selfbow aus Rattan ist wie Franz geschrieben hat ne schlaffe Nudel.

Geh in den nächsten Tagen raus und such nach ein paar Hasel > 50mm Durchmesser. (40mm geht natürlich au, aber je dicker desto härter ist das Holz) und Schäl die Bogenrückenseite. Dann geht der Trocknungsprozess schneller.
Die Bogenbauchseite bis auf den Markkanal runterarbeiten und dann trocknen lassen.
Mehr als 10cm würde ich aber nimmer nehmen (nur auf Hasel bezogen) weil dann schnell Drehwuchs dabei ist.
Schaffa Schaffa

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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von Snake-Jo » 28.10.2021, 08:19

Man kann frische Hasel auch problemlos zu einem Stave mit Übermaßen runterschnitzen und dann reflex aufgebaut (Sehne oder Klötzchen) trocknen lassen.
Nochmals: Haselstaves bzw. Stangen werden beim Lagern draußen unheimlich schnell spröde. Einen Pilzbefall sieht man nicht immer, aber spröde werden sie.
Lackierte Bögen sind dauerhaft, ich hab hier einen 20 Jahre alten.

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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von Haselschreck » 28.10.2021, 10:57

Danke für euren Input!

Wie gesagt ziele ich auf 30 Pfund ab, da das ganze erstens im besten Falle auch larptauglich sein soll und weil ich, was das Schießen mit Selfbows angeht, blutiger Anfänger bin.

Hasel geht also ab 4-5cm? Reichen denn da die ca. 1,5cm Dicke, die übrigbleiben, wenn der Markkanal abgetragen ist?

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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von Snake-Jo » 28.10.2021, 11:57

Ja, 50 mm Hasel reichen, ich geb dir mal die Maße durch von meinem 35 lb/ 28" Hasel:
Nockkerbe zu Kerbe 186 cm, ent-kront ca 25 mm Breite der flachen Entkronung am Rücken, das Querprofil ist also ein Trapez

halbpyramidal, Breite: 38 mm griffnähe zu 14 mm an den Tipps
Stärke: nach Fadeout am Griff 22 mm zu 12 mm (10 cm vor Tipp)
Griffsektion 15 cm plus Fadeouts ca 60 mm beidseitig

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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von klausmann84 » 28.10.2021, 13:50

Gut, das Entkronen würde ich nem Anfänger aber auch nicht ohne Zusatzinfos und Hinweise empfehlen. ;D Muss man das nicht mit nem Backing absichern? Als erstes Projekt fände ich das schon anspruchsvoll je nach Vorerfahrung im Handwerk.

Ich bin ja wie immer für nen guten langweiligen gekauften Eschen oder Hickorystave mit wenig Wölbung, Ästen und geradem Verlauf als Anfängermaterial, vermutlich weil ich so angefangen habe. Aber rein objektiv ist das wirklich eine sehr einsteigerfreundliche Option, bis auf dass man dafür Geld bezahlen muss und die Qualität nicht unbedingt gut sein muss. Aber die Qualität ist im Wald auch nicht immer prickelnd zumal die letzte Jahre hart waren.

"Charakter" kann man dem Bogen dann auch mit Lasuren, Bemalung usw verleihen, wenn es etwas LARP tauglicher sein soll. Rattan macht ja allein visuell auch nicht so viel her.

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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von MrCanister123 » 28.10.2021, 13:56

@klaus: ich find halt immer wenn man mit den Leuten redet (ist bei mir so) freut sich jeder 2. von den Wald/Grundstücksbesitzer wenn man das "Unkraut" Hasel/Hartriegel/Schwarzdorn etc schneidet und dann bekommt man es fürn Kasten ;)
Halt die ganzen Buschgewächse.
Aber das ist natürlcih immer ne Geschmackssache. :)
Schaffa Schaffa

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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von klausmann84 » 28.10.2021, 14:05

Depends. Wenn du im bevölkerungreichsten Bundesland Deutschlands lebst mit geringer Waldfläche dann kannst du den Wald/ Grundsücksbesitzer nicht fragen. Es gibt ihn nicht. Es gibt hier Stellen da kannst du locker 20/ 30 km über Felder gucken ohne dass die ein Baum die Sicht blockiert. Und das bisschen "Natur" dass es hier gibt, ist direkt Naturschutzgebiet, Friedhof, Park, Bahndammbegrünung usw. Da wird es wirklich schwer. Aber klar, da gibt es regionale Unterschiede. Auch hier ist es nicht überall so, nur in meinem direkten Umgebung leben 1 Million Menschen auf emgstem Raum.

Einen geraden gekauften Stave finde ich so oder so einfacher für den Anfang als Saps aus der Natur. Die sehen oft im Habitat schön gerade aus und dann geerntet sinds doch krumme Hunde mit vielen Ästen und evtl Schadstellen unter der Rinde. Aber falsch ist es nicht so vorzugehen. Jeder wie er mag.

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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von MrCanister123 » 28.10.2021, 14:32

Geb ich dir voll und ganz Recht, kommt natürlich immer drauf an wo genau man ist.
Da ists hier auf der schwäbischen Alb natürlich ein klarer Vorteil.
Schaffa Schaffa

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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von Snake-Jo » 28.10.2021, 15:23

klausmann84 hat geschrieben:
28.10.2021, 13:50
Gut, das Entkronen würde ich nem Anfänger aber auch nicht ohne Zusatzinfos und Hinweise empfehlen. ;D Muss man das nicht mit nem Backing absichern? Als erstes Projekt fände ich das schon anspruchsvoll je nach Vorerfahrung im Handwerk.
...ich auch nicht, aber der genannte Haselbogen ist nun mal entkront und die Daten gehören zu einem entkronten Bogen. ;)
Backing hat der nicht. Beim Entkronen wird ja keine Faser quer zerschnitten, sondern der Anschnitt läuft parallel zur Bogenkante.
Aber eventuell stellt ja jemand noch Daten von einem "Rundrücken" ein.... :)

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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von Haselschreck » 28.10.2021, 17:31

klausmann84 hat geschrieben:
28.10.2021, 13:50
Gut, das Entkronen würde ich nem Anfänger aber auch nicht ohne Zusatzinfos und Hinweise empfehlen.
Ist auch nicht geplant. Am Rücken wird nur die Rinde entfernt.
Snake-Jo hat geschrieben:
28.10.2021, 11:57
halbpyramidal, Breite: 38 mm griffnähe zu 14 mm an den Tipps
Stärke: nach Fadeout am Griff 22 mm zu 12 mm (10 cm vor Tipp)
Griffsektion 15 cm plus Fadeouts ca 60 mm beidseitig
Danke! Grob Trapezform mit dem Bauch ca. 1/4 breiter als der Rücken hab ich auch im Sinn.
Stimmt doch, dass Hasel Druck weniger abkann als Zug?

An frisches Holz zu kommen ist glücklicherweise nicht so das Problem für mich. Hasel, Ahorn, Holunder und diverse Obstgehölze sind ausreichend im Garten vorhanden. Für Hasel habe ich mich entschieden, weil man nicht auf spezielle Jahresringe gehen muss, sondern einfach den äußeren als Rücken hernimmt. Sehr anfängerfreundlich.

Sobald ich ein Stämmchen abschneide, kommt ein neuer Thread unter Bogenbau mit Bildern.

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Re: Stave nach monatelanger Trocknung im Freien noch geeignet?

Beitrag von schnabelkanne » 28.10.2021, 22:26

Holunder ist auch top Bogenholz, ist halt immer schwer ein Stück ohne Drehwuchs zu finden.
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