Holunder-Bambus-Kombi

Themen zum Bogenbau
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Doktor Snuggles
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Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Doktor Snuggles » 12.08.2011, 15:50

Hallo Bogenbauer,

ich hätte mal drei Fragen zu meinem neuen Projekt.
Ich möchte einen Bogen aus Holunder und Bambus bauen. Der Bogen soll 35 - 40 lb haben und für einen Auszug bis 29 Zoll passen. Er soll ein pyramidiales Design bekommen und einen Perry-Reflex. Der Holunder ist seit Oktober 2010 getrocknet, und gestern von mir entrindet worden. Die Länge beträgt derzeit 185 cm, der Durchmesser 6-7cm. Drehwuchs ist nicht zu erkennen.
Der Bambus ist zugekauft, hat 2m Länge und 5-6cm Breite.
Meine Fragen:
1) Soll der Bambus mit den Nodien auf die Astüberwachsungen des Holunder geklebt werden oder versetzt dazu?
2) Der Holunder hat einen Wurfarm, der schon etwas Reflex hat. Soll ich den anderen Wurfarm vor dem Kleben mit Dampf ebenso biegen oder mit ensprechend mehr Reflex verkleben?
3) Welchen Kleber würdet Ihr empfehlen? Vorhanden ist wasserfester Holzleim oder ein Rest UHU- Endfest.
Wenn euch beim Lesen noch weitere Tips einfallen, schreibt Sie auch noch rein.
Hier noch ein paar Bilder:

Gruß
Jörg aus C.- R.

12082011237.jpg
Holunder und Bambus parallel
12082011238.jpg
Reflex des einen Wurfarmes
12082011239.jpg
Nodienstärke des Bambus

Windmann
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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Windmann » 12.08.2011, 17:41

Also,
es sieht auf dem Foto ja tatsächlich so aus, als würden Äste und Nodien ziemlich ähnlich stehen. Ich habe beim Anpassen immer versucht, wenigstens einen leichten Versatz zu haben, und sei es auch nur 5mm. So mache ich es bis heute und es hält und hält und hält und...
Den Reflex würde ich auch in den anderen Wurfarm dämpfen, und zwar vor dem Verkleben. Ansonsten hast Du einmal eine Vorspannung und am anderen Ende nicht.
Tja, Kleber ... eine heikle Sache. Da schwört jeder auf sein Rezept und seine Erfahrung. Ohne eine Empfehlung zu geben, sage ich Dir lieber nur, was ich für so etwas verwende: wasserfesten Holzleim. Hat immer gehalten, ein sauberes Arbeiten vorausgesetzt. damit meine ich beide Lagen, Holz und Bambus. Zur Fixierung benutze ich heutzutage Fahrradschläuche und keine Zwingen mehr.

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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Galighenna » 12.08.2011, 17:53

Beim Holzleim ist zu beachten das dieser halt nicht SPaltfüllend ist. die Laminate müssen daher unbedingt an Jeder Stelle absolut aufeinander passen. Holräume im inneren sind manchmal schwer zu erkennen und naja. Also man muss schon sehr sauber arbeiten um mit Holzleim 2 so große Flächen aufeinander zu kleben.

Als Alternative kann man Epoxy empfehlen. Ich zum Beispiel habe mir von R&G das Harz L mit Härter EPH500 bestellt. Das hat eine Topfzeit von 60min, so das man total entspannt alles einschmieren kann und in Ruhe alles aufeinanderlegen ausrichten udn dann mit der Methode deiner Wahl LEICHT zusammen drücken.
Ist der Pressdruck zu hoch bekommt man trockene stellen...
Der Epoxy ist völlig transparent. Später ist eine Leimfuge also quasi nciht mehr sichtbar. Beim Verarbeiten gibt das Harzt so gut wie keine Gerüche ab denn es ist Lösemittelfrei. (natürlich aber nicht unbedingt ungiftig, besonders der Härter)
Wichtig ist noch, das man Hölzer die mit Epoxy verklebt werden sollen, nicht zu Glatt verleimt. Gehobelte Flächen können sehr glatt sein wenn das Eisen sehr sehr scharf war. Solche Flächen sollten mit 40er oder 60er Sandpapier gerauht werden. Ausserdem ampfiehlt sich, zur Sicherheit, die Flächen mit Aceton zu entfetten. Epoxy reagiert sehr empfindlich auf fettige Klebeflächen (Fingerabdrücke etc)
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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Snake-Jo » 12.08.2011, 18:12

Hallo,
die Stellen mit Nodien und Ästen sind steifer, daher würde ich sie genau mittig versetzt verkleben, sonst hat man Probleme beim Tillern. Da Holunder insbesondere seine Schwachpunkte an den Ästen hat und dann meist am Rücken, ist das Belegen mit Bambus sicher eine gute Wahl. Ich schlage so ca 45 mm Breite vor, die Äststellen dabei möglichst mittig plazieren.
Bambusbacking in 4 mm Stärke (Internodien).

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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Squid » 12.08.2011, 18:14

Neneneneneneee! Nich de Bambus und de Hollergage mit de Gnubbeln aufeinander verkleben!
Oder anders: So produziert man harte Stellen, die sich kaum wegtillern lassen. Möglichst weit versetzt verkleben!

Ich würde den deflexen Teil absägen. Etwa 10 cm und schon sieht die Sache viel besser aus. Und auch 175 cm Länge sind bei einem 29er Auszug völlig ausreichend. Die Dämpferei hilft gar nix, wenn der Holler allerdings auf Belly-stärke gebracht ist, also an den Enden um 1 cm, kann man ihn für einen Perry problemlos anpassen.

Kleber: Hat Gali schon gesagt. Holzleim nur, wenn man passgenaue glatte Flächen hat. Sonst Epoxy (sei es UHU oder Bindulin) oder Urac / CIN.
Rest ist übrigens immer schlecht - man sollte schon die nötige Menge an Bord haben...


EDIT: @Snake-Jo: Bei angestrebten 40 lbs halte ich 4 mm Bimbes für viel zu viel. Ich würde mit 2-3 mm 'rangehen, wenn die Rohr- bzw. Wandstärke des Backingstreifens das zulässt...
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.

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Snake-Jo
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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Snake-Jo » 12.08.2011, 19:12

Squid hat geschrieben:Neneneneneneee! Nich de Bambus und de Hollergage mit de Gnubbeln aufeinander verkleben!
Oder anders: So produziert man harte Stellen, die sich kaum wegtillern lassen. Möglichst weit versetzt verkleben!
EDIT: @Snake-Jo: Bei angestrebten 40 lbs halte ich 4 mm Bimbes für viel zu viel. Ich würde mit 2-3 mm 'rangehen, wenn die Rohr- bzw. Wandstärke des Backingstreifens das zulässt...


@Squid: Ja, mein ich ja: Versetzt verkleben.
Bambusstärke: Im Prinzip sind 4 mm zu viel, ja, Aber in der Praxis bekommt man bei 2-3 mm Probleme mit den Nodien im Verhältnis zu den Internodien, da wird es dann schnell zu dünne. Daher empfehle ich meist 4 mm oder aber, wenn man es kann, dann dünner. :)

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Doktor Snuggles
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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Doktor Snuggles » 12.08.2011, 20:02

Hallo und vielen Dank für die ersten Tips.
Ich werde erst mal ne Nacht drüber schlafen. Das Holunderlaminat kann ich ja schon herausarbeiten!
Mir ist da noch eine Frage eingefallen. Ist es sinvoll das Bambus zu den Tips dünner werden zu lassen oder komm ich bei dem pyramidialen Design(z.B. von 4,5 auf 1,0 cm) mit einer nahezu gleich bleibenden Wurfarmdicke hin.

Gruß aus Henrichenburg
Jörg

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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Galighenna » 12.08.2011, 20:09

Bei einem vollpyramidalen Design bleibt der WA meist relativ gleich dick. Trotzdem kann es nicht schaden, das Bambuslaminat von 4 auf 3 oder von 3 auf 2mm zu tapern, denn vernünftiger Bambus ist durch eine Holzbauchlage beinahe nicht zerstörbar.
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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Squid » 13.08.2011, 01:20

@Snake Jo: Hab' ich auch so gelesen und verstanden. :)
Mein Beitrag war nicht auf deinen bezogen, sondern auf die Ausgangsfrage...
Dein Beitrag kam zeitlich knapp vor meinem - da war ich wohl gerade am Tippen, daher die inhaltliche Überschneidung.

@Doc: Wie du willst. Bambus wird nicht ohne Grund als die "Glasfaser der Natur" bezeichnet. Das Zeugs ist wirklich zäh und da die stärksten Fasern aussen verlaufen, kannst du ein Backing relativ dünn gestalten. Grenzen setzt da letzlich nur die Wölbung bzw. Wandstärke des Bambusrohres.
Ich bevorzuge einen gewissen Taper und finde das auch optisch schöner, als wenn da sone 4 mm dicke Planke über den Bogen geht. Letzteres ist sicher Geschmackssache, ersteres ist auch physikalisch interessant. Denn je dicker das Backing ist, desto weiter aussen sitzen logischerweise die starken Fasern. Und das kann dann doch schon mal zu einer Überlastung des Bogenbauchs führen, gerade wenn der Bogen naturgemäß schmaler wird...

Die Grundidee eines vollständig pyramidalen Designs ist zwar, dass man die Dicke nur wenig reduziert, aber ganz ohne gehts meistens nicht. Also warum nicht schon am Backing anfangen. Holler ist zwar relativ druckfest, aber man muss es ja nicht übertreiben...
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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Doktor Snuggles » 14.08.2011, 15:22

Hallo alle miteinander,

Nachdem ich den Holunder immer wieder gemessen habe, kam ich zu der Einsicht das der Stave nicht für dieses Design geeignet ist.Der Knüppel ist inder Mitte einfach nicht breit genug, höchstens für 3,5 cm! Also habe den graden Teil auf einen Meter abgeschnitten, längs durchgesägt und den Markkanal entfernt. Dann beide Innenseiten zum Bogenrücken bzw. zur Klebefuge ausgerichtet und mit den krummen Teilen einen Griff und ein Zwischenlaminat gemacht. Der Griff macht dadurch einen Deflex von 5cm auf 180cm.
14082011247.jpg
Einzelteile

14082011248.jpg
so könnte man das Kleben!


Beim Bearbeiten des Holunders fühlte sich Dieser etwas kühl bzw. feucht an. Also habe ich die Einzelteile gestern Abend gewogen. Nach einer Nacht im Heizungskeller heute Mittag wieder gewogen und siehe da, er ist um 5% leichter geworden. Kann es sein , daß der Holunder nach neun Monaten immer noch nicht trocken ist?
Was würdet Ihr machen?
Erst mal länger liegenlassen oder einfach bis zum Tillern weiterbearbeiten?

Gruß vom Jörg

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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Tom Tom » 14.08.2011, 15:28

ich denk dadurch dasser in der ringe gelagert wurde isser noch feucht
ich würd noch liegen lassen regelmäßig wiegen oder messgerät kaufen

lg Tom Tom
Zeit ist eine durchaus relative Angelegenheit

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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Galighenna » 14.08.2011, 16:30

Hmm du musst noch ein bisschen mit dem Fokus der Kamera üben :P aber, ja so könnte man das kleben. Das stimmt.
Wenn das Holz im Haus noch Feuchte verliert ist es noch zu feucht. Daher: liegenlassen. Aber nicht im Heizungskeller wo es vermutlich warm und TROCKEN ist. Das ist dann zu trocken. So im normalen Wohnraum, wo bei um die 20°C etwa 50-60% Luftfeuchte sind, dann passt es ziemlich mit dem Holz. Wenns da nix mehr verliert ist das Holz trocken genug. Sicherheit gibt da aber ein Holzfeuchtemessgerät.
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acker
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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von acker » 14.08.2011, 21:55

Ja das sieht schon nihct übel aus ! Aber wenn , dann wird er doch nihct nur deflex sondern RD verklebt....
Der junge Mensch lernt, was die Erwachsenen wissen und verlernt was er als Kind gewusst hat.

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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Doktor Snuggles » 14.08.2011, 22:32

Hallo liebe Ratgeber,

@Acker: Klar soll der Bogen R/D werden. Den Deflex im Griff erzeuge ich allerdings durch die Geometrie der Einzelteile. Den Reflex der Wurfarme durchs Einspannen in die Form.

@ Galighenna und Tom Tom: Hab die Teile sofort aus dem Heizungskeller geholt. Der Gewichtsverlust geht jetzt langsamer vonstatten. Da werde ich mal die nächsten Tage abwarten und solange den Bambusrücken bearbeiten.

Bis die Tage
Gruß Jörg

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Re: Holunder-Bambus-Kombi

Beitrag von Galighenna » 14.08.2011, 22:39

Super, klingt doch gut! Weitermachen :)
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