Projekt erster Holzbogen (Holler)

Themen zum Bogenbau
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Wazuka
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Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von Wazuka » 18.04.2013, 11:45

Mit Rattan war ich ja schon mal halbwegs erfolgreich. Aber nun will ich meinen ersten Holzbogen angehen. Den Holunder-Stave hab ich diesen Winter bei mir im Garten abgesäbelt. Leider nur ca. 140 cm, also wird ein Kinderbogen draus gemacht. Ziel ungefähr 20# auf 18", oder so ähnlich. Die Form hab ich inzwischen grob rausgearbeitet. Wegen Rissen beim Trocknen mußte ich leider auf die komplette Länge bis zum Markkanal runtergehen. Griff wird später wieder aufgebaut.

P2225673.JPG
Der Stave kurz nach Schnitt.

IMG_1217_web.jpg
Rücken

IMG_1220_web.jpg
Bauch

IMG_1221_web.jpg
Schöner, natürlich gewachsener Reflex.


Bei einem WA muß/darf ich gleich mal einen Ast im Rücken mit verarbeiten. Plan ist, hier mit der Dicke erst mal so bleiben, die Stelle möglichst steif lassen, und die Bereiche davor und dahinter entsprechend biegen zu lassen. Hier die Bilder vom Ast:

IMG_1218_web.jpg
In diesem WA ist ein "hübscher" Ast auf dem Rücken.

IMG_1219_web.jpg
Ast im Detail.


Momentan biegt sich noch nicht viel. Ich kann ihn in etwa bis zur Geraden biegen. Werde jetzt anfangen, ganz langsam die Dicke der WA zu verringern, bis sich ein annehmbarer Bodentiller abzeichnet.

Falls ihr irgendwelche Tips im Vorfeld habt, immer her damit! Ansonsten werde ich nach und nach über die Fortschritte berichten.

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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von don_quichotte » 18.04.2013, 11:56

Bei solchen Ästen musst du aufpassen! Immer schön der Faser folgen, wie ichs mit der roten linie eingezeichnet habe. Gibbet dann halt seitliche Buckel, dafür hast du keine Fasern durchtrennt.
Unbenannt.jpg

Dann kannst du die betreffende Stelle auch mitbiegen lassen. Für einen Kinderbogen denke ich ist das jetzt aber nur halb so schlimm, das sollte trotzdem halten.

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Wazuka
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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von Wazuka » 18.04.2013, 12:02

Sprich, ich hab da jetzt schon zu viel seitlich weggenommen, oder? Ich denke auch, daß bei dem niedrigen Zuggewicht nix passieren sollte, aber den Tip werde ich auf jeden Fall beherzigen, wenn ich mich mal an was "erwachsenes" ranmache.

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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von Gornarak » 18.04.2013, 13:51

Ja, prinzipiell hast du da schon zu viel weggenommen. Du könntest den Rest des Bogens auf der Seite etwas schmaler machen, aber komplett bekomsmt du das nicht mehr ausgebügelt. Muss die Stelle halt steifer bleiben.

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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von zwirn » 18.04.2013, 15:01

Mal nen Eindruck was beim 10. Schuss passieren kann:
http://www.fletchers-corner.de/viewtopic.php?f=15&t=21903&p=385952#p385934

LG Zwirn
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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von arcus » 18.04.2013, 22:13

der Ast sieht ziemlich tot aus-- i würde den rauspuhlen ( Dremel) und dann mit Epoxy füllen.

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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von Blacksmith77K » 18.04.2013, 23:00

Wazuka hat geschrieben:Sprich, ich hab da jetzt schon zu viel seitlich weggenommen, oder?


Nein, hast du nicht. Die Wuchsrichtung des Astes geht logischerweise in Richtung Markkanal. (...schwarze Linie...)

Ich (...gilt nur für mich...) würde den Bogen schneiden wie er sein soll (...blaue Linie...) und auf den Ast pfeifen. Bestenfalls, wie Arcus auch schon schreibt, den Ast rauspopeln und mit Epoxy verfüllen.

Unbenannt.jpg
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76" Yew Warbow (ELB) 135#@32"
74" Yew Warbow (ELB) 105#@32"



...and several yew warbows...

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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von zwirn » 19.04.2013, 11:31

Die "Totastwulst_ränder" liegen manchmal nen Zentimeter höher als der Rest.
Sie laufen auf eine schmale dünne Kante zu.
Ich denke auf dem dünnen Rand liegt einiges an Zug ???

Liege ich da falsch in der Betrachtung???


Bei meinem oben genannten Bogen hab ich einiges an Material stehen lassen, und es hat nicht gereicht.

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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von Wazuka » 19.04.2013, 14:26

Hmmm, erst mal danke für all die Tips. Da man wegschneiden nicht mehr rückgängig machen kann, werde ich mich in diesem Fall an Blackys Rat halten. Aushöhlen wollte ich das Loch sowieso, denn, wie ihr richtig gesehen habt, das ist/war ein Totast. Vielleicht find ich auch noch was hübsches zum Auffüllen (außer nur Epoxy). Aber das ist ja eher Look-Kosmetik.

@ Zwirn: Danke fürs Angstmachen :P ;)

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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von zwirn » 20.04.2013, 12:30

Gerngeschehen! Ich befürchte das kann ich ganz gut.

Aber der Knall war wenig spektakulär.

Ich denke Epoxy ist ne gute Wahl, da im Gegensatz zu anderen Klebern "spaltüberbrückend".

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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von Ravenheart » 20.04.2013, 14:48

h..... also ich sehe es auch wie don_quichotte: Die Fasern laufen auch hier (das tun sie immer!) bogenförmig um den Ast herum (grüne Linien!)...:

wazuka1.jpg


Sie gerade ab zu schneiden erhöht massiv die Bruchgefahr.

Im Astbereich ist my way immer: Gib den Durchmesser des Astes in der Breite hinzu.
Bin ich immer gut mit gefahren...

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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von Frankster » 20.04.2013, 15:19

Hallo,
ich konnte den Rohling live begutachten. Seitlich Material abnehmen würde ich nicht. Auch ist rechts und links genug 'Fleisch' so das im derzeitigen Zustand an der Stelle keine Bruchgefahr besteht. Ich würde beim Tillern den Bereich minimal steifer lassen.
Nimm nicht den ganzen Baum wenn Dir ein Ast genügt

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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von Wazuka » 22.04.2013, 12:01

Hab gestern endlich mal Zeit gefunden, um den Bodentiller anzugehen. Hab geraspelt und gehobelt wie ein Blöder, aber bis zum Bodentiller hab ichs noch nicht geschafft. Der dumme Stock will sich einfach nicht biegen ;) . Aber ich bleibe geduldig und werde mich langsam vorwärts bewegen.

Frage zu dem (Tot-)Ast: Sollte ich das Rauspuhlen und Auffüllen mit Epoxy jetzt gleich machen, oder erst beim Finish? Oder ist es wurscht?

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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von don_quichotte » 22.04.2013, 15:37

Hmm, schwer zu sagen. Wenn du wie von Rabe und mir vorgeschlagen den Fasern gefolgt wärst, wäre es kein Problem. Dann wäre es nur eine optische Sache und es spielt keine Rollen, wann du das machst.
So wies jetzt aussieht, würde ich aber dazu tendieren, es gleich zu machen. Dann hast du ein wenig mehr Stabilität an der Stelle. Ich würde die Stelle auch etwas steifer lassen als den Rest.
Edit: Wenn ich mirs recht überlege, Auf der Zugseite brungt das "fast" nichts, wenn du nicht noch ein Pfalster über die Stelle machst. Also kannst du es auch erst nach dem Tillern machen.

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Re: Projekt erster Holzbogen (Holler)

Beitrag von Ravenheart » 22.04.2013, 18:41

b.t.w.: Tipp am Rande:
Wenn ich mich mit dem Ziehmesser - beim Schneiden der WA-SEITE (!) einem Ast nähere und ca. 5 - 6 cm davor bin, verkante ich das Ziehmesser leicht nach hinten, also schneide anheben, so dass - statt zu schneiden - ein Span abGESPALTEN wird. Der folgt dann ganz wundersam genau der Faser... ;) Meist muss man etwas nachschieben, noch mal kanten, schieben, kanten, bis er "am Ast vorbei" ist...

(Man sollte nur nicht ZU dicht an die "Zielgerade" gehen, 5 mm Sicherheitsabstand sind angesagt und wichtig: Nur in Richtung WA-ENDE machen, nicht "gegen den Strich"!)

wg. Rauspulen: Is egal. Auch "Epoxi im Loch" hält den Zugkräften auf dem WA-Rücken NICHT stand! Entweder man schafft ein WA-Design, dass die Kräfte alleine aufnimmt - also TROTZ Loch, oder man muss eine Überbrückung einbauen, die STATT dem Holz die Zugkraft überträgt. In beiden Fällen aber ist es völlig "Banane", ob da Luft, ein Totast, oder Kaugummi im Loch ist...

Rabe

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