kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

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Snightlo
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kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Snightlo » 15.10.2013, 09:17

Moin Moin,
Ich melde mich mal wieder mit vielen Interessanten Fragen direkt aus dem Kriesengebiet ;)
Ich habe ja schon mal erwähnt das ich ein 144cm Eibenstück habe. Da hatte ich 3 Ringe freigelegt, bis auf einige Stellen an Ästen. Im Endeffekt war es ne gute Übung, denn ich habe mich auf Grund eines Astes, der seitlich lag und über dem es keinen Rückenring gab, dann doch für ein Backing entschieden. Die Idee kam als ich Bambus für einen Massa-Bambus vorbereitet habe. Also habe ich den Splint dann weggesägt und beides mit Ponal Blau, 2 Klötzchen für den Reflex und einer Armee von Zwingen verleimt.

Maße:
Länge 144cm
Breite am Griff 4cm ( an Aststellen wo es das Bambus hergegeben hat breiter)
Breitenverlauf ab den Fadeouts nach 1/3 WA pyramidial auf 1cm an den Tipps
Dicke: noch dick

Geplantes Design: (voll-) mitbiegender Griff
Geplantes Zuggewicht: irgendwas zwischen 30-50#

Nach dem Verleimen habe ich das noch leicht überstehende Bambus abgeschliffen und bis auf einige Stellen sah es eigentlich ganz gut aus. Die Lücken habe ich mit Uhu Endfest (2k epoxi) ausgefönt. Leider gab es aber auch eine Stelle an der gleich 3 Äste sitzen, in denen sich Risse gebildet haben, durch das einleimen des Refxlexes. Die habe ich auch versucht auszufönen. Bei einer Stelle merke ich mit dem Fingernagel aber noch einen Spalt.

So nun zu den Fragen:
1.) Wie schlimm sind die eingerissenen Äste? Sie befinden sich bei 1/3 Wa (vom Griff aus gesehen). Entstanden sind sie ja durch eine Biegung entgegen der Belastungsrichtung.
2.) Wie gestalte ich den Breitenverlauf für den mitbiegenden Griff und lasse ich ihn voll oder teilweise mitbiegen.
3.) Klingen 28" Auszug realistisch oder ist das utopisch?
4.) Glaubt ihr die NSA liest das mit?
5.) Habe ich noch Probleme übersehen?

So dann hänge ich mal noch die Bilder an und freue mich auf ein paar Antworten.

Mfg Ronn
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Seite.jpg
Seitenansicht
Rücken.jpg
Rückenansicht
Weiterer-3Ast.jpg
Eine zweite Stelle mit 3 Ästen, aber die ist brav geblieben
3ASt-Rechts.jpg
Die 3 Äste von rechts auch hier gehen die Risse durch die ganzen Äste
3Ast-Links.jpg
die 3 Äste von Links, der Riss geht durch den ganzen Ast (sieht man schlecht)
3Ast-Bauch.jpg
Die 3 Äste vom Bauch mit rissen

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Heidjer
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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Heidjer » 15.10.2013, 12:00

Zu 1) Maximal Schlimm, sowohl das sie schon eingerissen sind und erst recht ihre Lage im Bogen.
Zu 2) Egal, mit den Ästen überlebt der Bogen nicht mal das Einschiessen.
Zu 3) 28" sind utopisch, ohne die Äste gingen vielleicht 24" mit diesen Ästen hält der Bogen möglicherweise 20" aus.
Zu 4) Selbstverständlich, nur es Interressiert sie nicht weiter.
Zu 5) Keine Ahnung, die Äste allein sind schon ein riesen Problem.


Gruß Dirk
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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von benzi » 15.10.2013, 12:36

ich hab zwar nicht SO viel Erfahrung mit Eibe, aber ich würde Dirk zustimmen!

Grüße benzi
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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Wilfrid (✝) » 15.10.2013, 13:24

da, wo noch Spalt ist, noch mal Epoxi einföhnen, dann eben dünn bauen. Die Äste müssen nur Druck aushalten, sind die Risse voll, tun die das auch. Eventuell kann man seitlich Hanf aufleimen , das hilft. Ansonsten auf eine Dicke von < 15 mm die WA runterarbeiten und die gefährdeten Stellen mit einem Hanf/Leinen o.ä.Pflaster und einer Wicklung verstärken.
Hier ist mal wieder breit gescheit

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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Snightlo » 15.10.2013, 13:36

Die Aussage von Wilfried hört sich ja schon wieder etwas optimistischer an. Ich bin mir noch unschlüssig ob ich weiter werkel an dem Stück. Mich würden noch andere Meinungen interessieren.
@heidjer kannst du mir erklären warum der Auszug selbst ohne diese Äste nicht bis 28 gehen sollte? Bei einem voll mibiegendem Griff hätte ich ja 144/2=72--> Auszug. Oder lässt sich das hier nicht anwenden, ist der Reflex schuld?

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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von G_Bee » 15.10.2013, 14:39

Hi Snightlo, schließe mich vollinhaltlich Dirks Meinung an. Mit den Aststellen im Randbereich, die sich bereits beim Verleimen im Perry-Reflex einstellen seh ich keine Überlebenschancen für das Teil, den wirds u.U. schon beim Aufspannen zerlegen.
Ich habe zwar mit Eibe keine Erfahrung, aber Äste im Randbereich sind immer problematisch.
Ich selber habe einen 145 cm langen Robinienbogen ohne mitbiegenden Griff, aber der besteht im Wesentlichen aus 2 Ringen. Die Ringe selbst bestehen 10:1 Spät- / Frühholz und er hat keine Äste im Randbereich, edn Griff nur 10cm und die Fades je 4cm. Den ziehe ich bis 27 Zoll, mehr oder weniger fliegender Anker und das Ganze hat knapp 2 Zoll Set nach mehreren tausend Schuss.

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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Squid » 15.10.2013, 15:54

Ich weiss ja nicht, aber ich finds gar nicht sooo problematisch.
Was soll denn passieren?
Das Backing ist aus Bambus, das hält.
Und die Äste sind kompakt und mit Epoxy gefüllt - bei der Kompression dürfte es keine Probleme geben, eher steife Stellen im Wurfarm.
Klar, es kann sein, dass das Holz NEBEN den Ästen Stauchrisse entwickelt, weil die Äste im Holzgefüge etwas härter sind als das umgebende Holz, aber das merkt man erst nach der Fertigstellung.

Randbereich? So what? ist doch durchs Backing gesichert. Wenn die nun randnah auf dem Rücken lägen... oder bei nem Selfbow... aber hier??

GAU bei diesem Bogen wäre ein Sehnenbruch. Denn dann schnellen die Wurfarmenden unkontrolliert nach vorn und reissen die Risse bzw Äste auseinander. Ein astfreier Bogen KANN das überleben, der hier niemals.
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.

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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Heidjer » 15.10.2013, 17:32

Ein Ast macht nicht nur am Bogenrücken Probleme sondern am Bogenbauch auch!
Ein Ast hat eine gänzlich andere Elastizität wie das durchgehende Holz und ist mit diesem auch nicht fest verwachsen. Die reine Druckbelastung wird der Ast auch aushalten, die Lastwechsel vom Ausziehen und Lösen aber nicht. Das macht er ein paarmal mit und dann fliegt der ganze Ast raus und das danebenliegende Holz bekommt Monsterstauchbrüche. Der Ast wird auch nicht nur auf Druck belastet, sondern auch auf Scherung und das killt diese Stelle. ;)


Gruß Dirk
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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Zoffti » 15.10.2013, 21:07

Könnt man ja fast ne Wette abschliessen wegen dem Teil.:)
Denke aber auch, dass nicht so sehr der Zug das Problem wird für den Bogen sondern das Lösen. Wenigstens nach meiner bisherigen - allerdings eher restauratorischen Erfahrung mit allen möglichen Hölzern...
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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Snightlo » 15.10.2013, 21:50

Oke also wir haben jetzt festgestellt das die Äste den Druck mitmachen, wenn sie gut mit Epoxi verschlossen sind. Dann sind sich auch alle soweit einig, dass der Druck dann kein Problem mehr ist. Aber die Scherkräfte sind wohl ein Problem.

Ich hätte jetzt 2 Ideen wie mal dem ganzen entgegen wirken kann

Nr.1 "das Flicken"
Es wird eine Stabilisierung und anschließende Wicklung angebracht. Hanf habe ich nicht, Leinenstoff aber schon, also würde ich da jetzt über die gesamte Stelle rundherum Leinen wickeln ein mal herum überlappend getränkt mit Ponal Plau und danach eine Wicklung anbringen. Das würde die Äste zumindest im gewissen Maße "in dem Bogen halten"

Nr.2 "das umbauen"
Die Breite vom Bogen wird auf 3cm reduziert(außer die astigen Stellen am Bogen, die in der aktuellen Breite belassen), was bedeuten würde an der Stelle wäre im Verhältnis zum jetzigen Zustand mehr gesundes Holz. Die Methode hat jedoch mehr Nachteile.

Favorisieren würde ich Nr.1 möglich wäre auch eine Kombination aus beidem.

Ich erwarte jetzt nicht da nachher den Monster Bogen zu haben, es geht mir mehr darum einen Bogen daraus gebaut zu haben und dabei Erfahrungen dann noch ein paar Erfahrungen mit schwierigen Stellen gemacht zu haben. Wenn er dabei bricht, ist es halt passiert. Und sollte er brechen, ich habe schon von "explodierender" Eibe gelesen, dann sollte der Bruch doch zumindest vom Bambus gedämpft werden. Wahrscheinlich würde es sich doch auch durch auftrende Stauchrisse andeuten.

Also eigentlich habe ich bis auf Arbeitszeit ja nichts zu verlieren, entweder ich säge ihn durch um ihn als Feuerholz zu verschenken, es kommt ein Bogen dabei raus, oder ich würde ihn so durchsägen.

Was noch zu klären oder zu experimentieren wäre, ist der Auszug. Wenn der Bogen keinen Makel hätte, welchen AUszug würdet ihr im zutrauen? Wenn ich an den Snakey Eiben Recurve denke der letztens präsentiert wurde würde ich ihm in dem Fall schon locker 28" zutrauen.

Ich will den Bogen jetzt nicht krampfhaft bauen, weil ich mich auf die wenigen positiven Meinungen versteife und die negativen Einschätzungen gar nicht hören will. Ich denke gerade astige Eibe (ich habe noch einiges liegen, da könnte noch mehr astiges dabei sein, zu mal die Äste hier von außen auch nicht zu sehen waren) wird mir (und auch vielen im Forum) noch häufiger begegnen und so könnte man herausfinden was dagegen helfen könnte und was es so mitmacht.

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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Zoffti » 15.10.2013, 23:31

Nee, is klar - weitermachen, bis nichts mehr geht! Is man dem Holz und dem eigenen Erfahrungszuwachs ja sowieso irgendwie schuldig. Und da es bei den Selfbows ja eh eigentlich nur Einzelfälle gibt - wer weiss - vielleicht schafft das Ding ja locker tausend Schuss :)
Aber is Ponal blau eigentlich so hart und elastisch wie zB. Epoxidharz? Wenn nicht, hm, dann könnt man sich ja auch mal heimlich in die Carrosserie-Bastel-Ecke im Baumarkt schleichen und dort nen bisschen feine Glasfasermatte erstehen (die gepresste dünne, nicht die gewobene - die wär zu stabil) und dann statt dem spröden Kunstharz, mit dem man das sonst einmatscht- Epoxidharz nehmen.... Ok ok, das wär dann ein Glasfaser armierter Selfbow, und definitiv nicht mehr mittelaltertauglich ..................... (werde das jedenfalls mal mit meinem kaputten Robinienbogen probieren)
Gruss Z.
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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Snightlo » 16.10.2013, 07:33

Ja habe ich auch schon dran gedacht. Das mit dner Glasfasermatte und Gfk zu machen. Aber das würde das größte Problem der Wicklung noch verstärken. Denn ich muss den Bogen grob tillern, mir scwebt jetzt max 1/2 Auszug vir. Bis dahin sollten sich die meisten Fehler gezeigt haben. Dann würde ich die Wicklung anbringen. Ponal blau + leinen gilt als nicht arbeitendes Backing, als Facing wird es dann bestimmt auch keine Bäume ausreissen.
Bei glasfaser Gfk wäre die Stelle dann sehr hart und die Umgebung würde leiden.
Zu deiner Frage bzgl der Härte von Ponal Blau. Bei sauberen spaltfreien Verleimungen und nicht öligen Hölzern macht es die Arbeit super. Wenn sich bei mir was gelöst hat, 2 Griffe, dann weil ich mist gebaut habe. Der Leinenstoff wird auch sehr hart wenn ordentlich Ponal blau drauf kommt.

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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Zoffti » 16.10.2013, 19:43

Hi Snightlo,
Danke für die Info - das mit dem Ponal blau werd ich am nächsten Griffstück probieren. (Is für mich jetzt auf Winter zu eh einfacher zu händeln als die 2K kleber wegen meiner Werkstatt mit ständig schwankender Temp..:)
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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Snightlo » 16.10.2013, 21:24

Ist vorallem auch wesentlich günstiger als Epoxi. Wenn sich nach der Verklebung noch ein Spalt am Werkstück befindet kann man den immer noch mit etwas Empoxi ausfönen. Achja als Tipp kauf dir das Ponal Blau am besten im Eimer und nicht in der Flasche, preislich das selbe aber der Eimer ist viel praktischer.
Es wird wohl noch etwas dauern bis es weiter geht mit dem Problem Kind, ich habe heute durch einen Zufall Esche in super Qualität ergattern können die Morgen erstmal entrindet werden will.

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Re: kurzer Perryreflex Bambus Eibe mit Problemstellen

Beitrag von Zoffti » 16.10.2013, 22:13

Na dann viel Spass mit der Esche - war heute auch im Wald - Ergebnis: 2 Robins. 1 Esche 3 Hasels - da grinst das Bognerherz über sämtliche Backen .:)
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