Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

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Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von Gornarak » 20.02.2014, 18:13

Ich hab an einem Wurfarmende die Äste nicht ordentlich entfernt. Deswegen hat sich beim Dämpfen der Recurve nur in einem Punkt reingebogen. Als ich es knirschen ghört habe, war es schon zu spät und der Bauch eingerissen.

20022014597.jpg
Seitenansicht


20022014598.jpg
Bauchansicht


Das muss dann wohl geklebt werden. Zusätzlich muss ich das Ende auch nochmal dämpfen, weil der Recurve schief geworden ist.

Die Frage ist nun, wie genau ich das am besten in welcher Reihenfolge mache. Erst kleben und dann nochmal dämpfen?

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zwirn
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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von zwirn » 20.02.2014, 18:59

Eigentlich ist zu viel Hitze bei Epoxy ein Problem, aber im Beipackzettel vom UHU 300 steht, dass bei 180°C die höste Haftfähigkeit erreicht wird. Also so viel kann es offensichtlich ab.

LG Zwirn
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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von Neumi » 20.02.2014, 22:14

Hallo Zwirn, vorsicht - Du verwechselst da gerade was: die 180° beziehen sich auf das herstellen der grösstmöglichen Festigkeit für das Epoxi, also wenn die Reaktion noch nicht abgeschlossen ist. Wenn der Kleber ausgehärtet ist, sind 100° die max. Temperatur, die der Kleber abkann.
Grüsse - Neumi
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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von Gornarak » 21.02.2014, 06:46

Also vielleicht mit Kleber Dämpfen, der noch nicht ausgehärtet ist?

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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von zwirn » 21.02.2014, 11:05

@Neumi
Das ist der Kontext, um den es im Beipackzettel geht. Aber wenn das Aushärten bei diesen Temperaturen geschieht, dann sollte das Polymer die Temperatur auch ertragen können. Wenn eine Aushärtung stattgefunden hat, dann verschwinden die 180° nicht automatisch. Bestimmte Epoxide können Motorteile verbinden, da müssen sie das auch aushalten.

So, lieber nochmal Tante Google gefragt. Hab den kompletten Beipackzettel von der UHU-Seite gefunden:

http://www.uhu-profi.de/uploads/tx_ihtdatasheets/tds_plus_endfest300.pdf

1. Auf Seite eins steht:
"Temperatureinsatzbereich: - 40°C bis + 100°C (abhängig von Material und Konstruktion; auch höhere Temperaturen möglich – siehe Diagramm Seite 3)"

2. Auf S.2 steht: Je mehr Binder, desto elastischer, und temperaturanfälliger, Je mehr Härter, desto Härter und temperaturunanfälliger

3. Auf S.3 steht: "Verschiedene Mischungsverhältnisse erzeugen verschieden temperaturstabile Polymere. Temperaturen über 200 °C sind weder bei der Härtung noch bei späterer Beanspruchung der Klebung zu überschreiten, weil die Klebefestigkeit und die Stabilität der Substanz beeinträchtigt wird. "

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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von Neumi » 21.02.2014, 11:55

Hallo Zwirn, danke für das techn. Merkblatt - sehr praktisch das zu haben. Wenn ich die Diagramme auf Seite 3 richtig deute, heisst das, dass bei ca. 100° (Wasserdampf beim biegen) und bei einem Mischungsverhältniss von 1:1 (Volumen) die Klebefestigkeit auf ca. 2-3, im besten Fall auf 5 N/mm² abnimmt. Beim 2. Diagramm wären wir dann mit dem reduzierten Härteranteil bei ca. 100° bei max. 10 N/mm². Und das ganze noch bezogen Alu. Bei Holz würde ich es nicht wagen nach der Verklebung zu dämpfen, aber man sollte es durchaus mal ausprobieren.

Viele Grüsse - Neumi
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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von Gornarak » 21.02.2014, 12:30

Dann muss ich wohl "man" sein :)

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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von Ravenheart » 21.02.2014, 16:44

Hatte ich auch mal, bei Traubenkirsche.
Hab's mit Epoxi und Wicklung geklebt.
Hat etwa 2 - 3 Jahre gehalten, dann ist er genau da abgebrochen...

Daher MEIN Tipp:
Bis halbe Dicke wegschneiden (an beiden Enden),
Beide in identische Form biegen,
Gut biegsames Holz (z.B. Robinie-Kern) in eine dünne Leiste schneiden
Beide Enden der Leiste ebenfalls in diese Krümmung biegen
Dann Leiste teilen und als Bauch auf beide Enden aufkleben.
...und in Form bringen

Recurvebruch.jpg

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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von Gornarak » 21.02.2014, 16:51

Guter Vorschlag, aber der kommt nur ein paar Minuten zu spät. Was ähnliches ist mir direkt nach dem Kleben auch eingefallen. Hab jetzt den Riss minimal überbogen, um in zu öffnen, damit der Kleber sich besser verteilt.

DSC_1948.JPG
Riss minimal überbogen


Danach hab ich mit der HLP auf niedrigster Stufe den Kleber verflüssigt und in den Riss gefönt. Danach den Riss gaaaaanz vorsichtig ein bischen auf un zu gebogen, um den Kleber besser zu verteilen.

DSC_1951.JPG
Kleber einfönen


Im Nachhinein betrachtet hab ich wohl ne Chance vertan, das mit Brushtips zu kaschieren oder kann ich Rabes Vorschlag jetzt immer noch umsetzen?.
Robinie hätte ich auch nicht da. Ich hab ne Menge Hasel, ein bischen Esche von geringer Qualität, Feldahorn, Wacholder (ohne Kern), dünne Eibenäste (da könnte ich evtl was von klauen), nen Ulmensapling (wenn ich dem Holz klaue, wird kein Bogen mehr draus), Hainbuche (wär die nicht was?), Zitterpappel, Birke und ein Stück Apfel.

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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von Snightlo » 22.02.2014, 10:11

Hallo, also ich habe auch schon so manchen Versuch unternommen Recurves zu biegen. Deswegen kann ich hier mal was sinnvolles beitragen.
Der erste Fehler war es diesem Rohling Recurves verpassen zu wollen. Das kann nicht gut gehen wenn sich Äste im Bereich der Recurves (zur Sicherheit besser auch 5cm danach keine Äste) befinden. Die äste werden deinem Biegeversuch widerstehen und das Material um die Äste herum, in der Regel die Seite die zur Bogenmitte zeigt, wirdüberbelastet und reißt.
Dämpfen hat zusätzlich ein Problem. Man kocht das Holz ne ganze Weile und dann muss es mit dem Biegen sehr schnell gehen. Auch der Recurve wird dann s hnell gebogen und man überlastet dabei leicht.
Wenn das Holz es mit macht würde ich folgende Methode probieren (getestet an Manau und Hasel)

1. Einen Bauchring freilegen an den letztenca 25 cm
2. Die Kanten abrunden
3. Die Enden mit Leinöl einreiben und ie Stelle von allen Seiten erwärmen bis das Holz schon sehr warm ist.
4. Das erwärmte Ende in die Form einspannen
5. Eine Schraubzwinge ans Andere Ende des Bogens befestigen als Hebelgewicbt.
6. Den Bogen abundzu nachölen schadrt nicht und in der Form weiter fönen
7. Eine zweite Schraubzwinge anhängen Ich benutz mittelgroße oder schnellspann s hraubzwingen 2 reichen vollkommen
8. So lange fònen bis derRecurve komplett an der Form anliegt. Dann fixieren und min 15- 30 min auskühlen lassen. Der Recurve sollte nicht wärmer als lauwarm sein, man kann auch länger warten. Aber die wartezeit sollte bei beiden Seiten ähnlich sein.

Man könne probieren einen gedämpften bogen mit der spitze in der Form zu fixieren, die Schraubzwingen anzuhängen und dann schauen ob er sich an die Form anlegt, wenn nicht weiter dämpfen und nicht drücken. Die Verformung die reingedrückt wird, begünstigt Risse und wahrscheinlich wird die Verformung, beim heraus holen aus der Form vers hwinden

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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von Gornarak » 22.02.2014, 19:48

Momentan ist meine Hoffnung, dass der 2K-Kleber den Riss ausreichend versteift. Deswegen werde ich versuchen, den restlichen Teil auch noch in Form zu biegen. Weil das Holz prinzipiell auf Dampf toll angesprochen hat, werd ich mich wieder daran versuchen. Danach hobel ich den Riss weg und klebe Hainbuche auf, um daraus Brushnocks zu formen.

brushnocks.png
Brushnockplan


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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von Ravenheart » 22.02.2014, 20:16

Das geht schief!
Die Hitze wird den Kleber so weit erweichen, dass der Riss sich DORT verschlimmert!
Und da Kleberreste drin bleiben, lässt es sich danach nicht mal mehr haltbar verkleben.

Mein Tipp 2:
So lassen, anderen WA so ähnlich anpassen, Bauchseite an beiden WA mit wenigstens 2 - 3 mm Furnier oder Horn verstärken.

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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von Gornarak » 22.02.2014, 20:38

OK - das mit dem Kleber seh ich ein. Aber hat Furnier nen Vorteil gegenüber der Brushnock-Lösung?

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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von zwirn » 23.02.2014, 02:44

@Rabe
Wie ist die Begründung für das Erweichen? Das deckt sich erstmal nicht mit dem Datenblatt (100°C). Soll ja bis 180°C kein Problem sein.

LG Zwirn
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Re: Recurve beim Dämpfen am Bauch gerissen

Beitrag von Ravenheart » 26.02.2014, 16:56

Probier's aus... :)

Klebe 2 x 2 gleich breite Holzleistenstücke (von 15 cm Länge) an einem Ende (auf 2 cm Länge) Bauch-an-Bauch mit Epoxi zusammen.

Lasse beide durchhärten.

Dann reiße ein "Pärchen" kalt auseinander.
Dann erhitze das andere "Pärchen" am geklebten Ende auf 100 Grad und reiße auch das auseinander...
;)

Rabe

(Bei 180° ZERSETZT sich das Epoxi. D.h.die Teile FALLEN auseinander! Bei 100° aber ist es schon spürbar WEICH! Nach dem Erkalten wäre es zwar wieder hart, weil es die Temperatur ohne ZERSTÖRUNG aushält - aber dennoch wird es weich..!)

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