Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

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Bogenhannes
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Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Bogenhannes » 03.05.2014, 14:41

Mit dem Bau dieses Bogens möchte ich etwas ausprobieren...Blackys Anleitung auf eine andere Holzsorte angewendet.

Andernorts wurde die Behauptung aufgestellt, dass es allein auf die maßgetreue Übertragung der Maße ankomme, um das gleiche Biegeverhältnis wie der 6-footer zu erhalten. Das heißt, die Eigenschaften des Holzes kämen nur im unterschiedlichen Zuggewicht bei gleichen Maßen zum Ausdruck.
Blackys Anleitung bezieht sich auf Holzeigenschaften wie E-Modul, Grenzformänderung, etc. Diese Eigenschaften sind geometrieunabhängig, und damit gilt die Bemaßung für alle Materialien, die elastisch verformt werden...
Der Rücken muß nur relativ eben sein !!! Und es darf keine Plastische Verformung stattfinden


Das hört sich alles ganz schön an, aber eigentlich will ich nur einen Bogen bauen ;D

Holz hat IMMER unterschiedliche Eigenschaften, auch wenn es vom selben Baum stammt. Daher geht es mir vor allem darum einen funktionierenden Bogen zu bauen. Falls sich irgend jemand durch das Ergebnis bestätigt fühlt - Gut!

Bei dem Hartriegel-Stave habe ich keine sechs Fuß, sondern lediglich eine Länge von 173,5 cm NTN. Das ergibt einen Umrechnungsfaktor von 5%. Alle Längen- und Breitenmaße sind also um 5% angepasst.
Einen kleinen Schönheitsfehler hat das Ganze: Dicke am Griffbereich 2,5cm. Da kriegt Wilfrid wieder einen roten Kopf ;)

Wie gesagt, ich will nur einen Bogen bauen.

Also:

Hartriegel-Stave
Hartriegel Stave.jpg


Liegend
Hartriegel Stave liegend.jpg


Verlauf
Hartriegel Stave Verlauf.jpg


Abmessungen
Hartriegel sonstige Abmessungen.jpg


Breitenabmessungen
Hartriegel Breitenabmessungen.jpg


Hartriegel gut Holz.jpg


... ;)
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Jannik
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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Jannik » 03.05.2014, 15:08

Hallo Hannes,

viel Gelingen bei deinem Projekt :D Eine tolle alte Schnitzbank hast du!

Gruß Jannik

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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Blacksmith77K » 03.05.2014, 15:08

Weist du, so'n 6-footer aus Eibe ist auf die Fähigkeiten sowie Eigenschaften von Eibesplint und Eibekernholz idealisiert. Aufreißen am Rücken sowie Stauchfalten durch das tiefe Profil sind bei anderen Hölzern die Regel. Aber mach mal... ;)
...du biegst nicht den Bogen, der Bogen biegt Dich!

76" Yew Warbow (ELB) 135#@32"
74" Yew Warbow (ELB) 105#@32"



...and several yew warbows...

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Bogenhannes
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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Bogenhannes » 03.05.2014, 16:49

Blacksmith77K hat geschrieben: Aufreißen am Rücken sowie Stauchfalten durch das tiefe Profil sind bei anderen Hölzern die Regel.

Ja, bei Hartriegel wohl eher Set...Ich denke das ist der letzte Versuch in der Richtung.
Ich denke auch, wenn man einen D-Bogen aus "anderen Hölzern" baut erreicht man andere Maße.

Breite und Dicke sind IMMER variabel beim Erreichen eines Tillerbildes. Hier habe ich eine Breite von 3,2cm im Mittenbereich. So aus dem Bauch raus hätte ich mehr Breite gewählt. Aber es ist ja auch ein kleines Experiment.
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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Heidjer » 03.05.2014, 18:26

Ich verstehe nicht warum dieser schöne Stave versaut werden muß? ???

Zweifellos wird der Bogen bei gleichen Maßen, ein gleiches Biegeverhalten zeigen, das ist Geometrie! Er wird die volle Biegung nur nicht aushalten sondern vom Rücken weg brechen.
Hartriegel baut viel mehr Druck wie Eibe auf, ist dabei aber nicht so Drucktolerant wie Eibe, auch ist der Rücken hier nicht so Zugfest wie ein flacher Rücken aus Eibensplint, dafür dürfte das E-Modul wiederum höher wie bei Eibe sein.

Also wieder ein klassischer Fall von falschem Design fürs Holz. ::)

Es gibt nur wenige Hölzer die ein hohes (oder dickes) Profil sicher aushalten, Eibe, Goldregen, Osage und gutes Hickory sind solche Hölzer, bei anderen Hölzern halten solche Profile nur bei ausnahme Qualitäten das aus, zumindest wenn wir von Bögen von 50# oder mehr sprechen.


Gruß Dirk
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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Bogenhannes » 03.05.2014, 20:09

Warum? Tja , weil... ich werde es dann ja SELBER sehen.
Es heißt doch Hartriegel zählt dazu und sei eins der Hölzer, die ein solches Profil verragen können.
Übrigens ist das Profil nicht ganz so hoch. 2,5cm Dicke linear weggehend...

Du hast geschrieben
Zweifellos wird der Bogen bei gleichen Maßen, ein gleiches Biegeverhalten zeigen, das ist Geometrie!

Das ist ja der Grund für meinen Versuch: Ich möchte ausprobieren, ob die Eigenschaften von Hartriegel nicht ein anderes Biegeverhalten hervorrufen ... und wenn mir das Ding um die Ohren fliegt...
Mit anderen Worten: Ich GLAUBE das nicht so ganz.

Ist ein Versuchsstave Dirk, sei nicht traurig... :)
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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Jannik » 03.05.2014, 22:05

Guten Abend,

Heidjer hat geschrieben:Hartriegel baut viel mehr Druck wie Eibe auf


Warum das? Wenn der Querschnitt gleich groß ist und Hartriegel sogar weniger Zugstark als Eibesplint, kann ich nicht erkennen, warum Hartriegel mehr Druck aufbauen sollte.

Gruß Jannik

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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Neugier » 03.05.2014, 22:33

Welches Zuggewicht planst Du denn?

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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Heidjer » 04.05.2014, 01:55

Das Biegeverhalten ist tatsächlich nur pure Geometrie, wenn sich der Hartriegel nicht wie ein ELB biegt, ist er anders getillert. ;)
Etwas völlig anderes ist das Wurfverhalten bzw die Auszugcharakteristik, die wird eine andere sein, sollte der Bogen halten, dann wird er sehr hart zu ziehen sein und die Pfeile sehr nervös werfen.

@ Jannik, der Hartriegel ist in seiner Zugfestigkeit - Druckfestigkeit nicht so ausgeglichen wie Eibe, er ist deutlich Druckstärker als Zugstark. Dazu kommt das der Bogenrücken stark gewölbt ist und eine gewisse Spannrückigkeit hat. Das bedeutet, dass wenige, wellig verlaufende Holzfasern auf der Mitte des Bogenrückens die gesammten Zugkräfte eines sehr starken Bogenbauches aushalten müssen. Dazu ist Hartriegel nicht Drucktolerant wie Eibe, das Holz läßt sich lange nicht so stark Komprimieren wie Eibe, wenn der Bogenrücken aus welchen Grund auch immer halten sollte, dann würde der Bogenbauch zerknittern wie Sicherheitsglas. Aber wahrscheinlicher ist, dass die Holzfasern am Bogenrücken reißen und Hochspringen.

Bei einer Profilhöhe von über 20mm und der gewünschten Bauform gibt es eine Längenänderung von über 2cm von Abgespannt zu Vollauszug und soviel Dehnung macht der Rücken nicht mit und der Bauch läßt soviel Stauchung auch nicht zu!
Wer Hartriegel mit einer Profilhöhe von über 18mm ELB-mäßig biegt, macht Feuerholz oder er braucht dazu einen Genmanipulierten Hartriegel.


Gruß Dirk
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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Bogenhannes » 04.05.2014, 19:50

Ich komme mir gerade vor wie ein Selbstmörder auf dem Hochhaus...Dirk mach mich nicht so nachdenklich :)

OK, ich mach einfach mal weiter und wenn mir irgendwas beim Tillern bedenklich erscheint mache ich das Profil dünner. Die Breite steht schon...
Ich arbeite auch gar nicht auf ein hohes Zuggewicht hin...

Viele Grüße
Johannes
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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Snightlo » 04.05.2014, 20:47

Ich bin gespannt wie dein Versuch sich entwickelt, drücke dir die Daumen das der Hartriegel es mitmacht.

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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Spanmacher » 04.05.2014, 21:13

Ich wünsche sowohl Dir als auch dem Hartriegel, dass ihr den Versuch unbeschadet übersteht.

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Ein zu hohes Zuggewicht ist nichts anderes als Körperverletzung und verhindert darüber hinaus einen brauchbaren Trainingseffekt.

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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Palmstroem » 05.05.2014, 00:38

Ich fürchte, ich habe auch keinen sonderlich mutmachenden Beitrag zum Thema.
Auf dem letzten SBBT hatte ich einen Hartriegelrohling, auch mit eher hohem Profil, den ich dort unbedingt mal fertig machen wollte. Er bog sich prima und war fast soweit, dass man die ersten Pfeile fliegen lassen konnte, da ist er mir über den Rücken gerissen. Ich (und andere) haben keine eindeutigen Fehler gesehen, die zum Anreißen geführt haben könnten. Letztendlich habe ich es darauf geschoben, dass ich vielleicht beim Entrinden einen Fehler gemacht habe. Ich war sonst sehr überzeugt vom Hartriegel, die Überzeugung hat da einen Dämpfer bekommen. Dirk hat recht, glaube ich.
Allerdings würde ich es trotzdem probieren, ich halte das Zeug trotz allem für ein tolles Bogenholz, mit dem man ordentliche Wummen bauen kann.

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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von tom.smile » 05.05.2014, 16:49

Von welche Sorte Hartriegel wird eigentlich geredet?

Betrifft das beschriebene auch die Kornellkirsche? Cornus mas
"The best way to get the right answer on the Internet is not to ask a question, it's to post the wrong answer."
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Re: Der Bau eines D-Bogens aus Hartriegel

Beitrag von Heidjer » 05.05.2014, 17:06

Wenn hier im Bogenbaubereich von Hartriegel geschrieben wird, ist fast immer der Rote Hartriegel Cornus sanguinea gemeint, ansonsten schreibt man das dabei.

Was meine Meinung aber betrifft, gilt sie für alle Arten von Hartriegel, das Holz ist allgemein viel fester, härter und schwerer als Eibe, ganz Besonders aber die Kornelkirsche. Die Kornelkirsche kann man fast mit den Tropenhölzern Ipe und Massaranduba vergleichen, unter optimalen Wuchsbedingungen erreicht es eine Dichte von über 1,0. ;)

Das D-Profil wiederum, wurde vor ungefähr 10 000 Jahren speziell für Eibe entwickelt um aus dem leichten und weichen Holz das Maximum an Leistung zu holen und nur da und vielleicht noch bei Goldregen macht dieses Profil richtig Sinn. ;)


Gruß Dirk
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