Möllegabet mit Horn belegen - ist das sinnvoll?

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Neumi
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Möllegabet mit Horn belegen - ist das sinnvoll?

Beitrag von Neumi » 24.10.2014, 20:19

Hallo Allerseits, ich bin Heute unverhofft (aber schon länger dran gearbeitet) in den Besitz von einer schönen Menge Widderhörnern (Schaf) gekommen. Und so ganz spontan hat sich eine Spinnerei aufgetan:
Ich muss dazu sagen, dass ich zur Zeit noch keinerlei Ahnung von hornbelegten Bogen habe, aber mir klar ist, dass Horn extremen Druck auf den Bogenbauch ausübt.
Hat schon mal jemand versucht einen einem Möllegabet ähnlichen Bogen mit Hornbelag auf dem Rücken im biegenden Bereich zu bauen. Iss das totaler Käse und ich sollte den Gedanken wieder aus meinem Kopf streichen? Als Holz für den Bogen käme dann eigentlich nur ne qualitativ hochwertige Eibe in Frage, um dem Druck des Rückens standzuhalten?
Und bitte geht mit Euren Kommentaren nicht zu hart mit mir ins Gericht :) - Danke ;D
Viele Grüsse - Neumi
Zuletzt geändert von Neumi am 25.10.2014, 19:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Sateless
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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von Sateless » 24.10.2014, 20:32

Deine Beschreibung klingt so, als wolltest du das Horn auf den Rücken kleben. Das macht jedoch ganz genau überhauptkeinen Sinn. Mit dem Horn auf dem Bauch macht das ganze viel mehr Sinn. Hier hat das schon mal jemand umgesetzt.
Vielleicht ist das ja eine schöne Inspiration für dich.
Ich schreibe ohne Autokorrektur lesenswerter. Du etwa auch?
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Neumi
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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von Neumi » 24.10.2014, 20:37

Hallo Sateless, ja, danke. Warum macht das Horn auf dem Rücken keinen Sinn? - weils den Bauch zerquetscht? (ich bin im Moment zu faul, ums nachzulesen - also zu suchen).
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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von killerkarpfen » 24.10.2014, 20:38

Spontan würde ich sagen mach es umgekehrt. Das Horn auf den Bauch wie immer und als Rücken Eibensplint. Eventuell sogar mit Sehnenbelag oder Rohhaut.
Ich habe noch nie etwas gehört oder gesehen, dass es einen Bogen mit Horn auf dem Rücken gibt. Ob das Zeugs zugelastisch ist oder so ähnlich.

Was ich weiss, es gibt Armbrustbögen die voll aus verleimten, stehende Hornplatten gebaut wurden mit einem liegenden Deck- und Bauchblatt. Die waren allerdings in Rohhaut eingepackt.

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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von Sateless » 24.10.2014, 20:56

Neumi hat geschrieben:Hallo Sateless, ja, danke. Warum macht das Horn auf dem Rücken keinen Sinn? - weils den Bauch zerquetscht? (ich bin im Moment zu faul, ums nachzulesen - also zu suchen).


Horn ist super auf Druck, und Mist auf Zug. Würde mich nicht Wundern, wenn ein Haselbauch das Horn killen könnte. Ob das jedoch auch außerhalb meiner Phantasie so ist, weiß ich nicht. Trotzdem ist Horn auf Druck halt klasse.
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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von Neumi » 24.10.2014, 21:11

Ah OK, dann muss ich jetzt halt doch mal anfangen zu lesen (freu mich drauf, ehrlich :) ). Das iss jetzt echt die Euphorie, wegen den geilen Hörnern (da steckt jetzt auch kurzfristig viel Arbeit drin, die Dinger vom Müll zu befreien, vor allem, da ich sowas noch nie gemacht hab unds natürlich nicht versauen will und keinen Bock hab den Geruch von Verwesung zu geniessen ;D ).
Viele Grüsse und vielen Dank - Neumi
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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von Squid » 24.10.2014, 21:23

Nix für Ungut, aber was soll den das Horn auf dem RÜCKEN?
Da haben nun Generationen von Bogenbauern über Jahrhunderte herausgefunden, dass das Zeug super für den Belly ist, weil es Druckkräfte wie blöde aufnehmen kann, während man für den Rücken möglichst faseriges, leichtes, zähes Zeugs suchte. Sehne, Bambus, Hanf und Rohhaut sind gute Beispiele.

Was du bauen willst, ist im Prinzip eine Art Bilam nur eben mit Horn statt Holz als Rücken. Das ist auch deswegen sinnlos, weil Horn viel zu schwer ist.

Abgesehen davon, dass Horn mit Zug gar nicht mal so gut klar kommt, hat deine Idee noch einen großen Haken: Ich befürchte, die Hörner bzw. Hornstreifen werden nicht lang genug sein, um den Rücken ausreichend lang abzudecken. Sobald es aber irgendwo Lücken bzw. auslaufende Enden gibt, flext der Bogen umgehend auseinander. Das ließe sich wiederum nur mit wirklich massiven Wicklungen verhindern (noch mal: Horn will nicht auf den Rücken und da schon gar keine Zugkräfte aufnehmen). Selbst wenn die Eibe am Belly das Ganze überleben würde, wäre der Bogen so schwer, dass dir der Pfeil nach 17 metern vor die Füße fällt.
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.

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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von Neumi » 24.10.2014, 21:33

Danke Squid, deswegen, weil ich so gar keine Ahnung von Horn habe, habe ich bewusst das Wort Spinnerei benutzt. Und jetzt ist für mich klar: zum einen - das trifft zu (die Spinnerei, besser gesagt: keene Ahnung und was gesabbert) , zum anderen - das Horn muss aufn Bauch. Wie gesagt, es iss eine euphorische Spinnerei, mal ganz davon abgesehen, dass die Widderhörner gewunden sind und beim gerade biegen keine Gerade bilden werden und deswegen nach dem gerade biegen die geraden Abschnitte klein sein werden und verklebt werden müssen.
Danke, dass Du mich nicht zu hart rangenommen hast :)
Viele Grüsse - Neumi
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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von Zoffti » 24.10.2014, 21:42

Neumi,
mal ne andere Frage: wie lang sind denn diese deine Widderhörner? (Bin gespannt wie du diesen krummen Knochen da rausbringst... :o und die Hornstreifen gradedämpfst.. bin für jeden Tipp dankbar.
Viel Glück dabei!
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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von Squid » 24.10.2014, 22:00

Neumi: Blödsinn machen ist doch fein ;)
Und besser du fragst nach, als dass du das schöne Material versaust. DAS würde zickige Reaktionen hervorrufen. ;D

Was gehen soll, ist ein Holzbogen mit einem sehr dünnen Hornbelly. Wir hatten oben schon ein Beispiel, mir ist allerdings schleierhaft, was diese kurzen eingelassenen Hornabschnitte bewirken sollen. Ich hätte Angst, dass an den Stellen, an denen das Horn ausläuft, der Bogen Knicks entwickelt.

Aber ein mölleähnliches Gebilde mit einer Länge von 160 cm und kurzen Biegebereichen (etwa: 2 x 30 cm Nadel, 12 cm Griff, 2 x 4 cm Fades, 2 x 40 cm Biegebereich) aus einem zähen Holz (Ulme, Hick, Eibensplint) oder gar mit 2 mm Bambus belegt, würde durch eine Hornunterfütterung der Biegebereiche von nur etwa 1 mm Stärke wahrscheinlich nicht nur überlebensfähig werden, sondern ordentlich Schub haben.
Wenn da nur nicht die Gefahr wäre, dass die Nadeln wegbrechen (und die müssen bei dem Design wirklich schlank sein um sich den Geschwindigkeitsvorteil zu sichern), weil sie mit dem Horn nicht klar kommen.

Wie gesagt: Andere haben auch verrückte Ideen... ;)
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von bulletknives » 24.10.2014, 22:47

Ich hab zwar noch keinen Bogen mit Horn beleg aber aus anderweitiger eigenerErfahrung weiß ich dass Widder verdammt dünne Hornschläuche haben. Ich frag mich grad wie man da draus Platten zum Bogen belegen gewinnen will.
Wäre Kuhhorn nicht sinnvoller?
Gruß aus der Schmiede

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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von Squid » 24.10.2014, 22:56

Bei hiesiger Kuh ist die Stückelei zu heftig. Is wie Puzzle...
Widder ist laaaang und man braucht nicht immer eine besonders dicke Schicht.
Optimal sind Longhorns oder afrikanische Rinder (Watussis, Büffel, Wasserbüffel).
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von bulletknives » 24.10.2014, 23:05

Watussi, die hatte ich auch im Kopf. Hätte ich dabei schreiben sollen... unsere Kühe hier haben meist ja keine Hörner mehr und kurz sind sie von Haus aus.

Letztens im Zoo ... ich staune immer wieder was Watussi Rinder auf dem Kopf haben ... kann ja aber schlecht eins absägen ...
Gruß aus der Schmiede

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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von Neumi » 24.10.2014, 23:28

So sehn die aus
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Re: Möllegabet mit Horn belegen - Eine Spinnerei!?

Beitrag von Heidjer » 24.10.2014, 23:46

Watussihorn ist sehr dünn, aber okay, für so ein Vorhaben braucht man eh keine dicke Hornschicht. ;)

Aber was ich schreiben will, ist, Horn ist nicht Druckfest sondern Drucktolerant, es kann bis zu 5% komprimiert werden und geht in seine Ausgangsstellung zurück.
Horn ist aber nicht schnell, es federt eher träge und Horn ist schwerer wie Holz.
Diese Eigenheiten vom Horn bedeuten, das der Bogen einige wichtige Eigenschaften haben muß. Der Biegebereich muß möglichst kurz gehalten werden damit die Hornschicht nicht zu lang und schwer wird. Der Biegerbereich muß einen großen Bereich umfassen damit man viel von den 5% Drucktoleranz ausnutzt. Das alles führt dann zu den typischen Hornkompositbögen, sehr viel Reflex im abgespannten Zustand und lange Hebel am Ende des Biegebereiches. Dazu kommt dann noch, das kaum ein Holz so Zugtolerant ist das es zum Horn paßt, also muß auf den Rücken dann Sehne. ;)

Ach ja, zum Schluß noch, damit ein Hornkompositbogen seinen Gewichtsnachteil gegenüber einen reinen Holzbogen überwindet, sollte der Bogen über 50# angelegt sein. ;)


Gruß Dirk
Ein Pfeil, den Schaft gemacht aus der Pflanzen hölzern Teil, versehen mit eines Vogels Federn und einer Spitze, aus der Erde Mineral, wird von der Natur gern zurückgenommen.

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