Esche mit Facing retten?

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ralfmcghee
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Esche mit Facing retten?

Beitrag von ralfmcghee » 29.06.2015, 22:55

Dies hier ist das Mahnmal eines bogenbauerischen Blackouts.

Bild

Ich habe eine wunderschöne gerade Esche vor längerer Zeit durch völlig hirnrissiges Holzabtragen am Bauch so vertillert, dass sie jetzt ein kaum mehr wahrnehmbares bzw. nicht messbares Zuggewicht hat. Zumindest traue ich mich nicht, den Bogen soweit auszuziehen, dass die Waage etwas anzeigt.

Ich überlege nun, ob ich dieser Baupleite noch etwas Gutes tun kann, indem ich mich mit einem Facing versuche. Einen entsprechenden Tipp habe ich vor geraumer Zeit schon bekommen. Natürlich schaffe ich damit die Basis für jede Menge Probleme, bei denen ich Null Erfahrung habe.

Bisher habe ich folgende Vorgehensweise im Sinn:

Zunächst den Bogenbauch unter Rückwärtsspannung des Bogens tempern, um den Set zu eliminieren. Dann den Bauch noch ein wenig mehr planieren, damit ich ein Facing aufbringen kann. Richtig soweit?

Nun fangen die Probleme an: Ich habe noch nie irgendetwas auf einen Bogen geklebt. Deshalb würde ich die Klebestellen mit der Raspel ein wenig anrauhen und dann das Facing aufkleben. Geht das mit Ponal oder sollte ich Epoxy nehmen? Und überhaupt: Ist meine Vorgehensweise hier grundsätzlich richtig?

Zum Aufkleben eines Facing benötige ich natürlich geeignetes Material. Bei Galighenna habe ich einen Bogen gesehen, der es mir total angetan hat: Esche mit Bongossi-Facing. Den Kontrast der beiden Hölzer finde ich klasse. Aber woher bekommt man denn Bongossi, wenn man es nicht im Netz kaufen möchte? Der Baumarkt bei mir um die Ecke hat nur Fichte oder Douglasie. Die werde ich sicher nicht verarbeiten, denn sonst werde ich mit Recht geteert und gefedert. ;D

Nun muss es aber nicht unbedingt Bongossi sein. Welche gut verfügbaren Hölzer kämen denn alternativ in Frage? Mir geistern gerade die Stichworte "drucktolerant" und "gute Rückstellkraft" durch den Kopf.

Und zum guten Schluss: Bei Galighennas Bogen reicht das Facing in die Fade-outs hinein. So müsste ich das wohl auch machen. Aber: Wie macht man das denn? Reicht es, einfach eine Leiste aufzukleben, mit Schraubzwingen bzw. Fahrradschlauch zu sichern und darauf vertrauen, dass sich das Facing in die Fade-outs einfügt oder muss ich da irgendwie biegen?

Wenn ich dann endlich das Facing drauf habe und seitlich verschliffen habe, würde ich den Bogen neu tillern - diesmal aber langsam und vorsichtig. Richtig so? ;-)

Das sind einmal wieder Fragen über Fragen. Aber vielleicht kriege ich mit Eurer Hilfe aus dem Schrotthaufen im obigen Bild noch einen akzeptablen Bogen hin. Schön wär's. :-) Insofern freue ich mich jetzt schon auf Eure Kommentare.

LG
Ralf
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schnabelkanne
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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von schnabelkanne » 29.06.2015, 23:03

Hi,
ich würd als Facing Hickory nehmen weil es günstig und druckstabil ist. Bei Holzleim sollen die Klebeflächen möglichst plan sein, Epoxy ist halt besser wenn die Flächen nicht so plan sind. An den Enden kannst du das Facing ja leicht über Dampf biegen, damit es an die Fades passt.
Gruss Thomas
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Squid
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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von Squid » 29.06.2015, 23:34

Kleber: Egal. Beides geht.
Aaaaaaber: Epoxy füllt Lücken, Holzleim braucht GENAUE Passform.
Tempern und so: Das ganze Gelöte bringt gar nix, wenn nicht mehr genug Holz da ist.

Bellyholz: Druckfest oder drucktolerant? Beides geht.

Druckfest ist z. B. Bongossi. Oder Massaranduba. Das sind Hölzer, die so dicht und in ihrer Struktur so fest sind, dass sie dem gestaucht werden widerstehen. WENN aber etwas schief geht (Überlastung), dann gibts Stauchbruch und Bogentod.
Grande Maleur du Cack.
Diese Bögen sind tendenziell rasanter.

Drucktolerant ist z. B. Eibenkern. Oder Hick. Das sind Hölzer, die ih ihrer Struktur weich sind, aber sich nicht verformen lassen bzw. in ihre Ausgangsform zurückschnellen. Gewissermaßen Gummiholz im positiven Sinne. Im Überlastungsfalle wird die Gurke krumm. Oder noch krummer.
Diese Bögen sind tendenziell sicherer.

Welche Hölzer sich als Belly gut machen steht im Bogenwiki. Startseite, Menü oben links.
Hick, Kirsche, Eibenkern, Holler, Massa, Osage, Nuss, etc. etc...

Vorgehensweise: Schei** was auf tempern. Wozu? Tempern eliminiert keinen Set. Das soll doch der neue Belly übernehmen.
Das Ding wird gerade auf ein Brett gespannt, 2 cm Reflex können auch nicht schaden. Ein Holzklötzchen unterm Griff reicht.
Die Bellylagen werden vorbereitet. Dicke ca 3 mm, Fadeouts ggf vorbiegen.
Bei deinem Eschenrest möglicherweise auch 4 oder 5 mm - kann ich von hier nicht beurteilen.
Aufrauhen: Ja, aber keine tiefen Riefen fabrizieren.
Kleber: Siehe oben. Wenns stimmig passt, dann Holzleim. Sind Lücken von 0,5 mm und größer da, dann Epoxy.
Mit diversen Zwingen fixieren.
Nach dem Trocknen neu tillern und schleifen. Und siehe: KANN was werden. MUSS es aber nicht.


Hier: Wir kleben Walnuss unter Ahorn. Weils besser ist und der Ahorn erheblich Stauchrisse entwickelte.

Ahorn Reparatur01a.jpg


Kann schick aussehen und schießen tut er auch.

Ahorn Nussbaum Griff Detail a.jpg
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.

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zwirn
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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von zwirn » 30.06.2015, 02:03

Wie wäre es mit Hainbuche?

LG Zwirn
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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von Kemoauc » 30.06.2015, 03:00

Hallo, Ralf,
- tempern und dann auflaminieren, keine gute idee, bringt nix ,ausser Arbeit und kaputtem Holz
- Bauch planieren: ja
- anrauhen mit der Raspel: nein, ist nicht nötig, denn Du durchtrennst möglicherweise noch tragfähige Fasern und vergrösserst die Klebefuge durch aufgestellte Fasern.
- nimm Epoxidharz, wenn sich einer damit auskennt, dann Du, ist nicht ironisch gemeint, Ich habe viele deiner Rettungsversuche mit Interesse verfolgt und war immer von deinem verbissenen willen zum Erfolg beeindruckt.

Als Facing würde ich Hartriegel vorschlagen, ein Holz das mit der Zugfestigkeit von Esche locker klar kommt (enorm druckbelastbar) und gleichzeitig wie Unkraut wächst.
Der nächste Vorteil liegt beim Kleben: Hartriegel ist nahezu ölfrei, also entfällt das lästige Acetonbad.

Bei Tropenhölzern ist das (fast) immer ein Problem,denn Öle und Kleber sind nicht die besten Freunde.

Nur meine Gedanken dazu,
Gruß von der Nachtschicht,
Kemoauc
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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von Jophipa » 30.06.2015, 08:36

Moinsen,
gibt es eigentlich irgendwo einen Build Along wo jemand einmal ein Facing beschreibt ??
Ich weiß nämlich immer noch nicht was Ihr da so auf eure Bögen klebt ... ???
Ist das ein "einfaches" Laminat aus dem Baumarkt (unabhängig vom Holz) oder muss man da etwas spezieles kaufen ??
Wie ist das wenn man Äste auf dem Rücken hat ?? Funktioniert das dann auch noch ??
Wäre nett wenn das schon mal jemand gemacht hat und sowas einstellt ... :)

Wolle

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Felsenbirne
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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von Felsenbirne » 30.06.2015, 08:46

Unter Esche geht halt sehr gut Massa aus dem Baumarkt. Hier sollte dann dringend an das Entfetten gedacht werden (siehe oben). Epoxi geht besser als Holzleim, da Du händisch kaum solche planen Flächen hinbekommst (es sei denn Du hast das gelernt)
Ich pers. klebe sowas ausschließlich mit Bindan (kommt man aber nur als Gewerbetreibender ran)
Deswegen ist Epoxy sicher erste Wahl.
Idealerweise beim Tischler plan hobeln lassen und dann mit leichtem Reflex verkleben.
Tempern: Nein!
Gruss Matthias

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Squid
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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von Squid » 30.06.2015, 09:12

@ Jophipa

Manches Baumarktholz geht - die berühmten Terassenbolen aus Massa oder Bongossi z. B.
Ansonsten nimmt man das "normale" Bogenholz, was man eben so hat.
Man kann auch Laminate im Holzfachhandel kaufen, dabei ist aber wichtig, dass sie eine gewisse Dicke haben. Bei Streifen unter 3 mm ist oftmals die Holzfaser versaut. Furniere gehen darum gar nicht.

Wenn man Äste auf dem Rücken hat, sollte man erst mal das Brennholzbündel weglegen und dann mit dem Bogenbau anfangen...
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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von zwirn » 30.06.2015, 09:49

Hainbuche bekommt man im Holzgroßhandel und lässt sich prima mit Epoxy(!!) oder Holzleim verkleben.
Wenn du kein entsprechendes Werkzeug hast, dann lass sie beim Schreiner bearbeiten (Kreissäge oder Bandsäge + Dickenhobel).

Gängig sind die Tropenharthölzer. Diese sollten aber mit Bindan geklebt werden.

Die Oberflächen können mit einem Zahnhobel vergrößert werden. (Einfach mit dem "herausgenommenen" Zahnhobelmesser über die Klebefläche kratzen)

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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von Galighenna » 30.06.2015, 10:36

Ich wollte dir gerade den Link zu meinem Esche-Bongossi Bogen posten, als ich gesehen habe, das du den schon entdeckt hast. :D

Zu deinen Fragen mit den Fades: Die Fades am Griff müsse so beschaffen sein, das sich das Holz in diese Biegung legen kann. Das heißt, du brauchst dort eine gleichmäßige Kurve mit nicht zu kleinem Radius. Das Facing muss biegsam genug sein, damit es sich dort anpressen lässt. Wenn das schwierig ist, kann man das Facing an der entsprechenden Stelle ein wenig vorbiegen durch Dämpfen oder Heißluft, je nachdem was bei dem gewählten Holz besser funktioniert.
Wichtig ist, das der Bauch des jetzigen Bogens wirklich schön plan ist, so das sich das Facing gut anschmiegen kann, und das du vor dem Verkleben trocken Übungen machst, das auch wirklich alles passt.
Es ist ausserdem Hilfreich wenn das Facing bereits eine brauchbar gleichmäßige Biegung hat. Ich habe es tatsächlich etwas länger gelassen, leicht getapert und mir die Biegung angesehen. Beim Verleimen kannst du den Bogen einige Zentimeter reflex spannen. Das verringert den Biegeradius an den Fades, und gleicht Set aus.
Übel übel sprach der Dübel,
als er elegant und entspannt
in der harten Wand verschwand

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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von ralfmcghee » 30.06.2015, 21:49

Erst einmal ganz herzlichen Dank für die vielen super Tipps! Heute habe ich mich im Baumarkt nach Massa oder Bongossi umgesehen. Fehlanzeige. Es gab nur Terrassendielen. Wenn ich daraus Leisten machen wollte, würde ich mir wohl 'nen Wolf hobeln. Also muss ich erst einmal weiter schauen.

Bei der Gelegenheit: Wie gut lässt sich denn Tropenholz überhaupt bearbeiten? Ich hatte so etwas noch nie in der Hand.

Aber vielleicht wird es doch etwas nicht-öliges für das Facing. Ich halte Euch auf dem Laufenden.
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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von Squid » 30.06.2015, 21:59

Öhhhhhmmmm...
Terassendielen IST die Darreichungsform von Massa und Bongossi...

Das Hobeln liegt bei Dir....

Aber ja, ich erkenne das Drama. War bei mir nicht anders.

Wenn wir irgendwie einen kostengünstigen Transportweg basteln können, und es gar nicht anders geht, bekommste von mir 'nen Streifen Massa...
Zuletzt geändert von Squid am 01.07.2015, 06:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von Squid » 30.06.2015, 22:12

Vielleicht kann ja einer der flachen Jungs im Vordergrund punkten.
Übrigends: rechts unter dem Lichtschalter siehst du, wie man das Zeugs bekommt. Das ist nicht grad auf Bogenlaminat geschnitten....

IMG_3557a.jpg
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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von silent-hill » 30.06.2015, 22:19

Würde bei der Gelegenheit gerne ne Frage einwerfen, wie verarbeitet man eigentlich Bambus als Backing... genauer gesagt, auch bei größerem Durchmesser ist so ein Rohr ja sehr gewölbt. Wie bekommt man dass dann plan auf nen Bogenrücken?

Grüße Patrick

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Re: Esche mit Facing retten?

Beitrag von Squid » 30.06.2015, 22:48

Also grob zusammengefasst: Da der Bambus ja nicht nur eine mathematisch Figur ist - Kreis mit Durchmesser x - sondern die Wände der Bambusrohre durchaus zwischen 1 und 2 cm dick sind, kann man daraus Backings schneiden, die auf einer Seite - innen - plan sind und auf der anderen Seite - außen - die typische Bambusstruktur aufweisen.
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