Brennholz oder aus Fehlern lernen

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fatz
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Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von fatz » 29.07.2015, 10:01

Ich hoffe, dass das der richtige Platz ist, ansonsten kann das gerne in die Ausheulecke verschoben werden.

Irgendwie muss ich mich grad mal auskotzen, sonst nagel ich das Ziehmesser noch an die Wand und such mir ein anderes
Hobby wie Hallenschach. Meine derzeitige Bogenbauerlaufbahn besteht zur Zeit aus ein bischen viel Brennholz.

- Der nr.2 (Hasel), den ich euch ja praesentiert hab, hat aufgrund des halbrunden Querschnitts Knautschfalten gekriegt.
- Seinen Zwillingsbruder schiesst zwar, hat aber keinen guten Tiller. Den hab ich euch deswegen auch unterschlagen.
- Das naechste war ein Holler. Geplatzter Rueckenring, vermutlich weil zu trocken oder nicht fertiger Jahrring und ein wenig
zu kurz (gut 160cm) fuer meinen Auszug (32"). Haette evtl. ein Backing gebraucht. s.u.
- Der darauf folgende Hasel war wohl doch ein bissl zu reflex (gut 12cm) ist mir bei Tillern auch am Ruecken geplatzt
- Dann hab ich zufaellig einen toten Hartriegel gefunden und mir gedacht, probier's einfach, da kannst nix mehr versauen,
der ist schon hin. Eigentlich wollt ich den schon beim Tillern 2mal wegschmeissen (Faserriss am Ruecken und ein bloeder
Trocknungsriss, der am Bauch rauskam) aber ich hab ihn dann doch nochmal zusammengepappt und vorgestern damit geschossen. Ging ab wie Nachbars Lumpi. Hartriegel ist eine gaaaaanz andere Nummer als das Haselzeugs. Ich war echt
begeistert. Dann hab ich noch ein besseres Pflaster auf die Stelle mit derm Faserriss gepappt (da hatte er einen leichten
Knick bekommen) und wollt ihn gestern schiesen. Erster Auszug: PENG! Ruecken ab. Im Nachhinein ist mir klar was ich
haette machen sollen: der Ruecken ist vermutlich nicht komplett ausgebildet und evtl auch ein bissl angemorscht gewesen.
Mit eine gescheiten Backing haett er evtl. ueberlebt.

Ich hoffe dass der gestern angefangene Hasel was wird und sobald die Blaetter unten sind, brauch ich Hartriegel.....

...und nochmal Entschuldigung, dass ich grad einen seelischen Kotzeimer brauch ;)
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Rotzeklotz
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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von Rotzeklotz » 29.07.2015, 10:09

Aller Anfang ist schwer...Hollunder ist mir am Anfang auch einmal gebrochen, mein zweiter Versuch hat Risse an einem Astloch bekommen. Tückisches Zeug. Wobei 32" macht auch der beste Holler bei 1,6m Länge nicht mit ;)
Warum probierst du es nicht einfach mal mit Rattan? Als Übergangslösung bis du einwandfreies Holz bekommen hast, ist das super. Kostet wenig, bricht dir garantiert nicht am Rücken und Tillern etc. kann man dabei auch wunderbar üben. Und schnelle Bögen gibt das auch.

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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von fatz » 29.07.2015, 10:15

Rotzeklotz hat geschrieben:Warum probierst du es nicht einfach mal mit Rattan? Als Übergangslösung bis du einwandfreies Holz bekommen hast, ist das super.

naja, Holz hab ich eigentlich genug. Halt fast nur Hasel.

Kostet wenig, bricht dir garantiert nicht am Rücken und Tillern etc. kann man dabei auch wunderbar üben. Und schnelle Bögen gibt das auch.

Wirklich? Ich meine hier gelesen zu haben, dass Rattan eher langsam ist.
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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von Rotzeklotz » 29.07.2015, 10:40

Ja und Nein
Der Clou an dem Zeug ist ja, dass es extreme Biegeradien verträgt - 32 Auszug bei 1,6m Länge wäre hier z.B. locker drinne, wahrscheinlich ist auch noch deutlich kürzer möglich. Wenn du das Zeug im ELB-Design verwurschtelst, wirds wirklich ein langsamer Bogen. Schön kurz gebaut kann Rattan aber eigentlich mit jedem Holz konkurrieren oder es sogar deutlich übertreffen. 180, 190 fps sind bei gut gebauten Rattanbögen glaube ich keine Seltenheit.

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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von schnabelkanne » 29.07.2015, 10:54

Mir sind bis jetzt auch alle meine Versuche mit Holler misslungen, war aber auf meine Ungeduld zurückzuführen. Man lernt aus den Fehlern, problematisch ist nur wenn Mann nicht weis woran es liegt.
Haselnuss ist ein gutes Bogenholz, aber 12 cm Reflex sind halt schon zuviel. Du hast schon eine Menge gelernt und Ehrfarung angesammelt, wäre doch schade wenn du aufhörst.
Ich habe meinen nächsten Holler auch schon im Fokus, wird im Winter erlegt und im Frühjahr in Angriff genommen.
Gruß Thomas
Nachtrag: Fatz hat geschrieben: "der 2. hasel hat aufgrund seines halbrunden Querschnitts Knautschfalten gekriegt"
Eigentlich verteilt ein halbrunden Rücken ja die Kräfte und es sollte so keine Stauchbrüche am Bauch geben, oder bin ich da im Irrtum???.
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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von fatz » 29.07.2015, 11:23

schnabelkanne hat geschrieben:Eigentlich verteilt ein halbrunden Rücken ja die Kräfte und es sollte so keine Stauchbrüche am Bauch geben, oder bin ich da im Irrtum???.

Da hast du schon recht, nur war's beim nr2 gerade andersrum: Der Ruecken recht flach (ca 10cm Stammdurchmesser) und
der Bauch halbrund. Scheint's mag das Hasel nicht, auch wenn die Hoehe nur gut die Haelfte der Breite ist. Wusste ich aber
beim Bauen noch nicht.

Von Holler lass ich erstmal die Finger. Von Hartriegel definitiv nicht. Das Zeug ist Hammer und waechst hier ueberall.
Mir schnappt schon staendig die Saege in der Hosentasche auf.

@Rotzeklotz:
kein ELB-Desing heisst dann welcher Querschnitt? Oder einfach nur kuerzer?
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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von Idariod » 29.07.2015, 11:34

fatz, such hier im forum mal (am besten mit der Suche) nach Rattanbögen von Firestorm, Eddy2bows etc.
Es gibt sogar komplette Anleitungen im HowTo von denen.
Dann weiß man auch über Rattanbögen bescheid.

LG

Idariod
Teile dein Wissen und gib nicht vor zu wissen was du nicht weißt - ein guter Ratschlag von einem tüchtigen Tischler. Das steht hier um mich daran immer zu erinnern, und für alle denen der Schuh passt.

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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von Rotzeklotz » 29.07.2015, 12:15

Jo genau...muss ja auch nicht gleich mit Setback sein, ein einfacher Recurve tuts auch und ist schön flott

Onkel Tom
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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von Onkel Tom » 29.07.2015, 13:09

Ach Fatz, Kopf hoch und das Ziehmesser frisch geschärft :) Hasel mit 12 cm Reflex ist schon nicht einfach. Ich hab einen Bogen mit so einem Reflex gebaut, 1,78 m lang und "nur" 28" Auszug mit 35 lbs. Den schießt meine Freundin mit Begeisterung, sie will gar keinen andern. Aus demselben Stämmchen (6cm Durchmesser, original 3,6m lang) habe ich einen etwas kürzeren Bogen mit flachem Bauch gebaut und eventuell etwas zu voreilig getillert. Der hatte nur 4 cm Reflex. Ergebnis war eine Knitterparade Nähe des oberen Fades. Der schießt aber trotzdem und knittert nicht weiter bei ca 25 lbs. Du bist mit deinem Können also nicht allein, auch Anfängern wie mir geht's nicht besser :)
Ach, halbrunder Rücken vs halbrunder Bauch: Wenn ich das richtig verstanden habe, teilt die neutrale Zone (kein Zug, kein Druck) die Querschnittsfläche des Wurfarms in 2 Flächen mit gleich großem Inhalt. Der Abstand der neutralen Zone von Rücken- und Bauchaußenkante ist bei einem rechteckigen Querschnitt gleich groß. Gleich großer Abstand heißt hier gleich große Kräfte. Zugzone Richtung Rücken, Druckzone Richtung Bauch. Ist der Rücken halbrund und der Bauch flach, ist der Abstand der neutralen Zone zur Bauchaußenkante kleiner, als zur Rückenaußenkante weil die Flächeninhalte auch hier gleich groß sein müssen. (Dem Halbkreis fehlt ja links und rechts eine Ecke) Folge: der Rücken wird durch den größeren Abstand zur neutralen Zone mehr gezogen, als der Bauch gestaucht wird. Hasel verträgt das.
Anders ist der Fall, wenn der Bauch (auch) halbrund wird. Dadurch verschiebt sich die neutrale Zone wieder in Richtung Rücken, die Druckkraft auf den Bauch wird größer und die Zugkraft am Rücken kleiner als eben oben betrachtet. Eibe zB verträgt das.
Zuletzt geändert von Onkel Tom am 29.07.2015, 13:35, insgesamt 1-mal geändert.
Kaum macht man es richtig, schon funktioniert es.

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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von Galighenna » 29.07.2015, 13:35

Auch Hasel ist als Bogenholz nicht schlecht. Es braucht halt einen eher Flachen, allenfalls ganz leicht runden Bauch von wenigen Millimetern Höhe. Sonst gibt das wirklich Stauchfalten, da sich die Druckbelastung auf der Höhe der Biegung konzentriert. Das hast du ja schon richtig erkannt.
Für den nächsten Hasel plane mal 165cm für 28" Auszug ein. Das ist genau die länge die man braucht um bei einem geraden Bogendesign ca 90° an den Tips zur Sehne zu bekommen. Das hält Hasel auch aus. Wenn du 32" Auszug brauchst, dann gib ihm halt etwas mehr Länge, so 172-175cm sollten passen.
Übel übel sprach der Dübel,
als er elegant und entspannt
in der harten Wand verschwand

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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von arcus » 29.07.2015, 13:47

Hasel verträgt nur einen linsenförmige Bauch.
Bogenholz wo der ring unter der Rinde den rücken bildet erntet man nur im dezember.
Arcus

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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von fatz » 29.07.2015, 14:30

@Galighenna:
deine Laengen beziehen sich auf Boegen mit ca 20cm halbwegs steifem Griff? Ich frag deshalb, weil ich seit gestern grad
einen neuen Haselstave mit derzeit noch 1.90 auf dem Tisch liegen hab.

Zum flachen Baeuchen: iwie gefaellt mir rund besser, aber wenn's ned haelt, hilft's ned.

@arcus:
Das mit der Ernte weiss ich. Deshalb renn ich grad eher mit der Spruehdose als mit der Saege durch den Wald. So find ich
wenigstens einen Teil wieder. Allerdings haett ich gemeint, dass sich ab dem Laubfall wachstumsmaessig nichts mehr tut.


Hab mir mal ein paar Rattan-Boegen angeschaut. So richtig anmachen tut mich das Material jetzt nicht. Mhhh! Mal schaun
wie das in ein paar Wochen ist....

Mein Kernproblem ist halt, dass ich grad ganz gern einen halbwegs brauchbaren Bogen zum Schiessen haette (Oder um
ehrlich zu sein, eigentlich einen, der mich begeistert, so wie die paar Schuss aus dem Hartriegel vorgestern). Aber kaufen
will ich eigentlich auch nix, weil's mir eher um die Selberbauerei geht. Ich weiss schon, da kann mir keiner helfen .....
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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von zwirn » 29.07.2015, 14:30

Vieleicht solltest du mehr Zeit in die Planung des Bogens stecken.
1. Besser 1a-1b Holz wählen(Lieber länger danach suchen), gleichmäßiger Reflex oder Deflex gibt keinen Punktabzug.
2. Wähle die Schokoladenseite und verwerfe den Rest
3. Überlege in Ruhe, wo die Mittenlinie sein soll und wie du auf Astlöcher usw eingehst.

Im Moment ist keine Holzzeit, evtl. geht aber Esche.

LG Zwirn
Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!

Wenn einer, der mit Mühe kaum, gekrochen ist auf einen Baum,
schon meint, daß er ein Vogel wär, so irrt sich der.

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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von fatz » 29.07.2015, 14:37

@zwirn:
das ist leicht gesagt, aber wenn du nur Hasel im Lager liegen hast, ist die Auswahl recht eingeschraenkt.
Ich denk meine Planung war OK, allenfalls war ich beim Tillern ein wenig ungeduldig. Das Rummachen mit zweitklassigen
Staves (der Holler und der Hartriegel) kommt halt von der gigantischen Auswahl in meinem Lager. Egal, Erfahrung war's
allemal. Vor allem weiss ich jetzt, dass ich noch mehr mit Hartriegel bauen will.
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Re: Brennholz oder aus Fehlern lernen

Beitrag von Spanmacher » 29.07.2015, 15:37

Ich finde es vor allem gut, dass Du nicht entmutigt bist.
Darüber hinaus ist es doch nur schön, dass Du aktuell mit Hartriegel "Dein" Bogenholz der Wahl entdeckt hast. Und wenn es darüber hinaus in Deiner Gegend davon wimmelt, dann hast Du spannende Zeiten vor Dir.
Ein zu hohes Zuggewicht ist nichts anderes als Körperverletzung und verhindert darüber hinaus einen brauchbaren Trainingseffekt.

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