Rohautbacking für älteren Bogen

Themen zum Bogenbau
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Wolfric
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Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von Wolfric » 14.05.2017, 20:32

Hat jemand Erfahrung mit Rohautbacking eines Haselbogens? Ich möchte meine Hasel wegen eines kleinen Risses im Rücken, ca. 2mm lang, stabilisieren. Dazu habe ich mir Hautleim und eine Ziegenrohhaut ca. 1 mm dick besorgt.
Da der Hasel mit Tungöl eingelassen ist habe ich da Bedenken wegen der Haftung der Haut. Würde da aufrauhen mit Schmirgelpapier helfen? ???
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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von schnabelkanne » 14.05.2017, 21:09

Servus, 2 mm lang da würde ich kein Backing machen, mit Epoxy ausföhnen und ev. Wicklung.
Aber zeig zuerst mal ein Foto.
Lg Thomas
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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von Roby-Nie » 15.05.2017, 07:37

Ist der Riss quer oder parallel zur Länge?
Wenn parallel, dann reicht das mit dem Harz.
Ansonsten ist anrauen sicher nicht verkehrt.
Wenn das Öl schon langer drauf ist, dann ist es ausgehärtet und sollte beim leimen kein Problem darstellen.

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Ravenheart
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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von Ravenheart » 15.05.2017, 10:08

Querriss im Rücken hält nur, wenn
a) das aufgebrachte Reparatur-Material zugfest genug ist, um die Riss-Stelle, zusammen zu halten und zwar STÄRKER als das Originalholz

Erklärung:
Gibt das Backing auch nur MINIMAL nach, öffnet sich auch der Riss - und arbeitet sich langsam immer tiefer! Es entsteht dann nämlich dort eine minimale "Knickstelle", die dort die Spannung konzentriert, was einen "Teufelskreis" erzeugt:
Mehr Spannung>mehr Dehnung>mehr Riss>mehr Spannung>mehr Dehnung>mehr Riss... u.s.w.

b) Wenn die Reparaturstelle gewickelt wird.

Erklärung:
Die Zugspannung, die auf der Oberfläche des Rückens entsteht, muss ÜBER DEN RISS HINWEG "übertragen" werden. Also in Längsrichtung der Fasern. Da man die "losen Enden" der Fasern nicht "verbinden", sondern nur ein Backing AUFLEGEN kann, muss diese Übertargung per REIBUNG passieren.
Eine ausreichende Reibung erhält man nur über die Kombination "Kleber + Wicklung".

Rabe

PS: Rohhaut ist geeignet, die BILDUNG von Rissen zu behindern.
Zur Reparatur eines vorhandenen Risses aber nicht. Bei abgehobenen SPÄNEN, also "zungenförmigen" Schadstellen, kann es (bei niedrigen Zuggewichten) klappen, wenn man den Span vorher gut anklebt.
Bei Querrissen aber nicht.

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Wolfric
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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von Wolfric » 15.05.2017, 10:45

Vielen Dank für die Hinweise... hier mal noch ein Bild aus dem Nahbereich
nah_riss.jpg
Riss

Wenn der Bogen aufgespannt ist, geht der Riss ein wenig auf.

und von weiter weg:
fern_riss.jpg


Wenn ich da jetzt mit Hautleim verleime dringt dieser ja in den Riss ein. Wobei wenn der natürlich fest ist und der Bogen gebogen wird... ??? .

So wie ich dann Rabe verstanden habe, könnte ich zwar noch ein wenig Zeit für Freude mit dem Bogen gewinnen. Aufhalten kann ich aber die Zerstörung nicht?! :(
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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von Ravenheart » 15.05.2017, 13:42

Na ja, doch, Du kannst (falls der Bogen NICHT geölt ist!) ein 4 cm Stück Glasfasermatte mit Epoxi aufkleben und (in den noch nassen Kleber) mit ner Wicklung versehen. Die Stelle würde quasi versteift, was sich bei 4 cm Länge kaum auswirkt, und der Riss wäre "überbrückt".

Rabe

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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von Wolfric » 15.05.2017, 13:57

Danke, das kann ich mir gut vorstellen. Darüber dann ein Backing und die Stelle ist auch nicht mehr so sichtbar.
:)
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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von Squid » 15.05.2017, 14:14

Rohhaut kostet dich zu viel Leistung wegen ihres Gewichts. Besser ist eine Wicklung z. B. aus schwarzem Zwirn und am anderen Wurfarm an gleicher Stelle ebenfalls. Dann sieht es aus wie gewollt und kostet auch keine Leistung.
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.

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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von Benedikt » 15.05.2017, 14:57

Ravenheart hat geschrieben:Na ja, doch, Du kannst (falls der Bogen NICHT geölt ist!) ein 4 cm Stück Glasfasermatte mit Epoxi aufkleben....

Wolfric hat geschrieben:Da der Hasel mit Tungöl eingelassen ist ......


..... ::)
Zuletzt geändert von Benedikt am 15.05.2017, 16:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von Wolfric » 15.05.2017, 16:48

Squid hat geschrieben:Rohhaut kostet dich zu viel Leistung wegen ihres Gewichts. Besser ist eine Wicklung z. B. aus schwarzem Zwirn und am anderen Wurfarm an gleicher Stelle ebenfalls. Dann sieht es aus wie gewollt und kostet auch keine Leistung.


Ok, gibt es dazu vielleicht ein Bild / Beschreibung? :)
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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von killerkarpfen » 15.05.2017, 17:23

Einen Querriss wickeln was bringt das an Stabilität ???
Man kann ja nicht den Wurfarm längs wickeln damit die Fasern die Zugkräfte aufnehmen können.

Auch wenn der Leim in die Spalte fliesst hält das nie.
Glasfasern oder vielleich ein dicker Sehnenbelag in Längsrichtung könnte helfen. Aber auch da werden die Stelle davor und danach noch mehr belastet. Ob das gut geht glaube ich nicht.

Es ist eher Zeit für einen neuen Bogen.
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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von Squid » 15.05.2017, 18:52

Die Längsstabilisierung kommt vom Glasfaserpflaster. Dehnung = Null
Die Wicklung hält das Pflaster zusätzlich zum Kleber fest und sieht nett aus.
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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von killerkarpfen » 15.05.2017, 18:59

Ah ok, jetzt wo Du es sagst, alles klar.
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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von Squid » 15.05.2017, 19:14

Hier is Bild: Der Schaden war ähnlich (4 mm Querriss).

Reparatur Wicklungen.jpg


Was die Ölung angeht: Das Zeugs dringt nur etwa 1/10 mm ins Holz ein. Dann oxidiert es. Mit Schleifpapier und einer kräftigen Aceton-Spülung bz. Waschung kann man das Holz wieder klebetauglich machen.
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Re: Rohautbacking für älteren Bogen

Beitrag von Wolfric » 16.05.2017, 12:29

Squid hat geschrieben:Was die Ölung angeht: Das Zeugs dringt nur etwa 1/10 mm ins Holz ein. Dann oxidiert es. Mit Schleifpapier und einer kräftigen Aceton-Spülung bz. Waschung kann man das Holz wieder klebetauglich machen.


Dann besteht ja Hoffnung, danke.
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