Jahresringe beachten Pflicht?

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LucasB
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Jahresringe beachten Pflicht?

Beitrag von LucasB » 09.10.2017, 10:38

Hallo zusammen,

hiermit eröffne ich mal meine erste Frage in diesem Forum - ich lese zwar schon seit Jahren immer mal wieder mit, bin aber jetzt neuerdings erst selbst aktiv und hoffe, dass das hier alles so richtig ist.

Zur Frage:
Ich habe kürzlich einen wunderbaren Stave aus Esche bekommen, den ich jetzt bearbeiten möchte. Einmal habe ich bereits mit Esche gearbeitet und es ist ein klasse Flachbogen dabei herausgekommen. Wie ich mir jetzt das neue Holz angeschaut habe, kam mir die Frage, ob man bei Esche die Jahresringe immer unbedingt beachten muss oder ob der Bogen auch noch sehr gut funktioniert, wenn man ein von den Ringen unabhängiges Muster reinmacht.
Als Beispiel: Könnte man aus dem Holz direkt eine Recurve-Form herausarbeiten, bei der dann natürlich die Jahresringe nicht beachtet werden können? Also sozusagen das Holz (ohne Dampf, nur mit den Werkzeugen) in eine Wellenform schneiden und trotzdem erfolgreich schießen?

Ich kann es mir selbst kaum vorstellen, bin aber auf eure geschätzten Meinungen gespannt! Bei Rattan / Manau sollen die Ringe ja auch egal sein.
Danke!
"Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen." - Das Restaurant am Ende des Universums. Ullstein, 1994.

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tomytom
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Re: Jahresringe beachten Pflicht?

Beitrag von tomytom » 09.10.2017, 10:59

Wird auf jeden Fall nicht funktionieren.
Rattan Manau hat ja eigentlich keine Jahresringe sondern Röhrchen.
Falls ich dich richtig verstehe, wie auf dem Bild, wirst du ohne Backing scheitern.
Snapshot_20171009.JPG
Was zählt ist nicht etwa die Grösse des Mannes im Kampf, sondern die Grösse des Kampfes im Mann!

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Haitha
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Re: Jahresringe beachten Pflicht?

Beitrag von Haitha » 09.10.2017, 11:01

Hallo,

da Manau eine Grasart ist, hat es auch keine Jahresringe in dem Sinne, nur Fasern. Daher ist Manau in seiner Nutzung für den Bogenbau nicht mit Holz vergleichbar.

Schau mal ins Bogewiki (Portal - Wiki), da findest Du eigentlich alles Wichtige.

Gruß
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fatz
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Re: Jahresringe beachten Pflicht?

Beitrag von fatz » 09.10.2017, 11:11

Wenn, dann geht's nur mit Backing und wenig Zuggewicht, wobei die Kombination fast eine Garantie fuer einen lahme Nudel ist und mit Esche hast du zusaetzlich das Problem, dass die i.d.R kein Backing vertraegt und dann den Bauch in Falten legt. Zusammengefasst: Bloede Idee. Lass es.
Haben ist besser als brauchen.

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Ravenheart
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Re: Jahresringe beachten Pflicht?

Beitrag von Ravenheart » 09.10.2017, 14:23

Haitha hat geschrieben:da Manau eine Grasart ist, ....

Manau ist eine lianenartig wachsende Palme (Rotang). 8) :)

Und nein, Esche ohne durchgehenden Jahresring funzt nicht.
Wenn es Recurve sein MUSS (macht bei Esche wenig Sinn!), baue ihn (mit durchgehendem Rückenring) ETWAS (5mm) DICKER als Ziel ist, dämpfe und biege ihn in Form, und arbeite dann die Wurfarme AUSGENOMMEN den gebogenen Bereich auf Zugstärke runter.

Rabe

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Re: Jahresringe beachten Pflicht?

Beitrag von Ravenheart » 09.10.2017, 14:24

Haitha hat geschrieben:da Manau eine Grasart ist, ....

Manau ist eine lianenartig wachsende Palme (Rotang). 8) :)

Und nein, Esche ohne durchgehenden Jahresring funzt nicht.
Wenn es Recurve sein MUSS (macht bei Esche wenig Sinn!), baue ihn (mit durchgehendem Rückenring) ETWAS (5mm) DICKER als Ziel ist, dämpfe und biege ihn in Form, und arbeite dann die Wurfarme AUSGENOMMEN den gebogenen Bereich auf Zugstärke runter.

Rabe

PS: Esche mit Recurves macht wenig Sinn, weil Esche sehr schwer ist. In Vollholz gebogene Recurves müssen immer überdimensioniert dick ausgeführt werden, damit die Biegung erhalten bleibt. Du hast dann am Ende lange, schwere "Keulen", die nix zur Biegung beitragen, aber mit bewegt werden müssen. Baust Du Esche hingegen gerade, mit Biegung bis 10 cm vor dem (zierlichen) Ende, kannst Du viel mehr Effektivität raus holen!

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Re: Jahresringe beachten Pflicht?

Beitrag von Wilfrid » 09.10.2017, 21:40

So, wie du das vorhast, als aus der Bohle geschnittene Siyahs, ist das wenig sinnvoll....
Ansonsten, natürlich kann man auch aus Esche n Bogen mit arbeitenden Recurves bauen, wenn man ´s kann, viel Lust hat, ne hohe Frustrationsgrenze und des Wahnsinns fette Beute ist. Mit Erfahrung, Glück und keiner Hoffnung auf Gelingen.

Allerdings schießen sich diese Bögen auch sehr weich, stacken nicht und sind relativ flott. Nur, nochmal würde ich so einen bogen nicht bauen...

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Re: Jahresringe beachten Pflicht?

Beitrag von Ravenheart » 10.10.2017, 11:06

Um einen Vollholzbogen mit arbeitenden Recurves zu versehen, muss man so vorgehen:

1. ein durchgehender Rückenring bis zum Ende ist Pflicht
2. Der Teil, der Recurve werden soll, wird erst mal mit gleichmäßiger Dicke zugeschnitten
3. Dann wird der Teil, der Recurve werden soll, horizontal, also parallel zum Rückenring, auf halber (End-)Dicke aufgesägt, (möglichst dünnes Blatt, Japan-Säge!)
4. dann mit Hitze gebogen, und nach dem Trocknen gekrümmt (in eine Form) wieder verklebt.

Dann kann man tillern.

Rabe

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Re: Jahresringe beachten Pflicht?

Beitrag von LucasB » 11.10.2017, 16:25

Danke allerseits für die vielen Antworten.

Ein Recurve *muss* es natürlich nicht sein, es war nur mal aus einfachem Anfänger-Interesse.
Nachdem ihr also meine Vermutung bestätigen konntet, werde ich das alles schön gemütlich mit intaktem Jahresring etc angehen. Als Langbogen, schätzungsweise. Wäre dann mein zweiter Bogen im dritten Versuch :D

Merci nochmal!
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