Verdrehter Ahorn brauchbar?

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Dongelong
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Verdrehter Ahorn brauchbar?

Beitrag von Dongelong » 06.04.2019, 19:24

Hallo zusammen,
komme gerade aus dem Wald und habe von meinem Brennholz einen schönen Ahornstamm mitgebracht.
Ob Feld- oder Spitzahorn kann ich nicht sagen, nur Bergahorn kann ich wegen der Rinde ausschließen.
Er wurde gleich gespaltet und dabei habe ich leider Drehwuchs feststellen müssen. Ca.45° auf 1,90m.
Ahorn Stamm.jpg
zwei Stücke mit je 1,90m
verdrehung.jpg
die ca 45° Drehung
Per Suchfunktion hab ich jetzt schon raus, dass Verdrehung bei Ahorn nicht gut funktioniert. Aber wieviel Grad ich einem Ahornbogen zumuten kann dazu habe ich nichts gefunden.
Ich möchte im nächsten Jahr ein Flachbogen mit 45# daraus machen (wenn nicht muss Hasel herhalten).

Ich würde den Stamm ungerne zu seinen Brennholzkameraden zurückbringen, genausowenig möchte ich aber auch unnötige Arbeit in die Staves stecken wenn sie für Bögen nix taugen.

Was meint ihr?

Gruß
Dongelong
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Spanmacher
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Re: Verdrehter Ahorn brauchbar?

Beitrag von Spanmacher » 06.04.2019, 19:45

Ich würde deas Holz erstmal in Ruhe trocknen lassen. Dabei kann sich noch Einiges verändern.
Ein zu hohes Zuggewicht ist nichts anderes als Körperverletzung und verhindert darüber hinaus einen brauchbaren Trainingseffekt.

Hetzer
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Re: Verdrehter Ahorn brauchbar?

Beitrag von Hetzer » 07.04.2019, 11:50

Entweder das, oder du könntest den stave auch grob vorarbeiten, ihn dann auf 'ne schöne gerade Bohle zwingen und dann so trocknen lassen - dann wird er auch gerade.
Zweite, bzw. dritte Möglichkeit wäre: Erst trocknen lassen, dann grob vorarbeiten und die Drehung herausdämpfen od. per Wärmebehandlung mit 'nem Heißluftföhn.
Wenn das alles nicht dein Fall ist, könntest du das Teil nach der Trocknung auch in ein paar Laminate zersägen, wobei du in dem Fall weder auf Verdrehung noch auf den Faserverlauf achten müßtest und das ganze Ensemble dann hinterher wieder zusammenleimen -- hättest dann zwar keinen selfbow mehr, but who cares... als Laminat winken dir am Ende meist immer noch ein paar fps als Belohnung obendrauf und vor allem wird das Ding dann schnurgerade.
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Tom Tom
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Re: Verdrehter Ahorn brauchbar?

Beitrag von Tom Tom » 07.04.2019, 15:32

Also ich seh da definitiv nur Bergahorn.

Lg Tom Tom
Zeit ist eine durchaus relative Angelegenheit

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Dongelong
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Re: Verdrehter Ahorn brauchbar?

Beitrag von Dongelong » 08.04.2019, 14:41

Erstmal Danke für die Antworten
@ Spanmacher
Ja beim trocknen tut sich auch noch was.
Aber da ich gelesen habe "verdrehter Ahorn = Brennholz" wollte ich, wenn es wirklich so drastisch ist, nicht mal die Rinde entfernen und gleich entsorgen.

@ Hetzer
- die Verdrehung beim trocknen "herauszwingen" hört sich gut an
- dämpfen/wärmebehandeln möchte ich nicht, zudem ich da von Gummiholz bei Ahorn gelesen habe
- das mit dem zersägen hört sich gut an. Wenn dabei der Faserverlauf keine rolle spielt werde ich das mal mit einem ausprobieren.

Das heißs also ich schneide nach dem trocknen eifach Streifen vom abgerichteten Rücken aus?

@Tom Tom
Ich habe hinterm Haus einen Bergahorn (zumindest dachte ich das) der hat eine längsrissige Rinde. Nachdem dieser hier aus dem Wald eine absolut glatte Rinde hat war ich der Meinung es muss wohl was anderes sein.
Nach deinem Hinweis glaube ich aber jetzt das hinterm Haus seit Jahren was anderes wächst, könnte
Italienischer Ahorn https://www.baumkunde.de/Acer_opalus_ssp_obtusatum/ sein
danke für den Hinweis

@ all
nachdem hier keiner generell was gegen Verdrehung bei Ahorn hat, ordne ich meine 4 hälften auf jeden Fall mal nicht im Brennholz ein.

Danke und Gruß
Dongelong
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Tom Tom
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Re: Verdrehter Ahorn brauchbar?

Beitrag von Tom Tom » 08.04.2019, 16:41

Längsrissig wird höchstwahrscheinlich der Spitzahorn sein ;D .
Im Sommer lässt sich das ganze anhand der Blätter recht gut zuordnen.

Lg Tom Tom
Zeit ist eine durchaus relative Angelegenheit

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Re: Verdrehter Ahorn brauchbar?

Beitrag von Hetzer » 08.04.2019, 22:07

Dongelong hat geschrieben:
08.04.2019, 14:41

@ Hetzer
- die Verdrehung beim trocknen "herauszwingen" hört sich gut an
- dämpfen/wärmebehandeln möchte ich nicht, zudem ich da von Gummiholz bei Ahorn gelesen habe
- das mit dem zersägen hört sich gut an. Wenn dabei der Faserverlauf keine rolle spielt werde ich das mal mit einem ausprobieren.

Das heißs also ich schneide nach dem trocknen eifach Streifen vom abgerichteten Rücken aus?
Bis auf die letzte Lösung ist das, was die Qualität des Bogen betrifft, alles nicht das Optimum, das sollte klar sein. Es sind halt Möglichkeiten, die dir für eine "Rettung" und zum Bau eines selfbow zur Verfügung stehen, da in beiden Fällen in die Struktur des Holzes eingegriffen wird und immer noch ein gewisses Restrisiko bzgl. Spannungen, bzw., Schwächungen bestehen bleibt.
Wie gesagt: Wenn es dieses Holz sein soll und du trotzdem einen ansehlichen Bogen bauen willst, mach ein paar Laminate draus und kleb die anschließend wieder zusammen - der Bogen dankt es dir in jedem Fall mit längerer Lebensdauer und mehr Tempo. Einen durchgehenden Jahrring als Rücken kannst du, mußt du aber nicht machen [ehrlich gesagt, würde ich auch einen laminierten Bogen möglichst immer mit durchgehendem Jahrring versehen. Sieht einfach wertiger aus und ist es letztlich auch - es sei denn, du planst noch irgend ein Furnier, Rohhaut od. Glas-/Carbonbacking].
Je nach Durchmesser könntest du als Rücken ja ein Laminat mit stehenden Jahrringen wählen od. als Kern und dann wechselseitig verklebt - also liegend/stehend/liegend - Ahorn ist da zugstabil genug, gerade auch, was dein angepeiltes Zuggewicht betrifft. Sollte also keine Probleme geben.
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Re: Verdrehter Ahorn brauchbar?

Beitrag von Kemoauc » 10.04.2019, 22:49

Dongelong hat geschrieben:
08.04.2019, 14:41
nachdem hier keiner generell was gegen Verdrehung bei Ahorn hat, ordne ich meine 4 hälften auf jeden Fall mal nicht im Brennholz ein.
Danke und Gruß
Dongelong
HI,Dongelong,
so seh ich's auch, bei ner Länge von 190cm und 45# angepeilt kannst Du locker am Bauch "ein wenig nicht nach der Faser" arbeiten und ihn etwas durch angepasstes Schnitzen begradigen. Einfach beim Tillern auch mal von Oben draufschauen, ob er sich zur Seite wegdreht. Rabe hat sehr gute Beschreibungen gemacht, wie man damit umgeht. Wobei ich davon ausgehe, das bei 45# noch nix dramatisches passiert. M.M.n. ist dieser Dreh über diese Länge kein Problem und gut beherrschbar.
Grüßle,
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