Was tun mit der Eibe

Themen zum Bogenbau
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Uranus79
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Re: Was tun mit der Eibe

Beitrag von Uranus79 » 17.04.2020, 08:03

Ich vermute mal, diese Übertrocknung ist bei der Lagerung des Holzes entstanden, und nicht nach der Fertigstellung des Bogens? Ansonsten müssten ja Risse und Spalten in dem Bogen selbst aufgetreten sein. Ich habe in der Nachbarschaft eine Eibe gesehen, deren Nadeln schon braun waren, die also trocken war, ein 5 bis 6 m hoher Baum. Die Besitzer waren beim Fällen so nett, mir das Holz zu geben. Am Stamm unten gab es frische grüne Triebe. Wie schätzt ihr das ein, müsste das Holz auch zu trocken sein? Oder kann man das gar nicht so beurteilen? Kann man das bei der Bearbeitung irgendwie merken? Das Stück hat auch Drehwuchs, bevor ich zu viel Arbeit reinstecke, wollte ich etwas sicherer sein bei der Qualität.
Viele Grüße, Uranus

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Neumi
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Re: Was tun mit der Eibe

Beitrag von Neumi » 17.04.2020, 08:59

Sicher kann man das bei der Bearbeitung merken, vor allem am Splint. Zum einen an der Farbe (eher Richtung rosa oder caramel), zum anderen beim schneiden (das Holz muss sich beim schneiden ähnlich wie ein cremiger Hartkäse anfühlen, nicht wie ein Keks). Außerdem kannst Du Dir mal den Standard-Bruchtest hier im Forum suchen.
Wenn der Splint, wie bei dem gebrochenen Stück trotz Rinde, zerrissen ist, ist das auf jeden Fall schon mal ein lautes Warnsignal. Bei richtigen Lagerbedingungen zerreißt der Splint nicht unter der Rinde.
Bei dem gebrochenen Bogen lag aber auch der relativ große Totast ungünstig am Rand, man sollte immer versuchen zu schauen wie tief/groß die Dinger sind, man kann ja die schwarze Gammelmasse ohne Probleme rauspuhlen. Gebrochen wäre der Bogen aber auch ohne den Totast, das ist sicher.
Und außerdem war das keine Hochleistungseibe, bei den Splintringstärken, du hast aber Hochleistungsanforderungen ans Holz gestellt.
...Versuch und Fehler bevor die Sarg-Nägel eingeschlagen werden...

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Uranus79
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Re: Was tun mit der Eibe

Beitrag von Uranus79 » 17.04.2020, 09:46

Hallo Neumi,
Gut ist also rosa/Caramel, trocken wäre dann welche Farbe? Die Größe dieses Totastes konnte man von außen leider auch nicht erahnen, nach dem Bruch war ich überrascht, dass das überhaupt gehalten hat.
Ich gebe Dir Recht, die Anforderungen an das Holz waren ziemlich hoch, kurz aber dick und mit enormen Biegeradius... Vielen Dank für deine ganzen Tipps.
Grüße, Uranus

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Re: Was tun mit der Eibe

Beitrag von Neumi » 17.04.2020, 09:49

Nee, schlecht ist rosa/caramel
...Versuch und Fehler bevor die Sarg-Nägel eingeschlagen werden...

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Ravenheart
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Re: Was tun mit der Eibe

Beitrag von Ravenheart » 17.04.2020, 09:56

Ja, das Holz wurde totgetrocknet!
Und war schon ab Baum nur bedingt geeignet.

Eibe mit Backing… schon das zeigt, dass da was "im Busch" ist.
Normalerweise nimmt man Eibensplint ALS Backing…

Rabe

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Uranus79
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Re: Was tun mit der Eibe

Beitrag von Uranus79 » 17.04.2020, 12:42

Hallo, das backing war deswegen drauf, weil nur noch zwei Jahresringe Splint übrig waren, und die auch nicht mehr ganz unbeschädigt waren.
Grüße, Uranus

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fatz
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Re: Was tun mit der Eibe

Beitrag von fatz » 17.04.2020, 13:53

Ich denk, wenn du den toten Ast richtig verarztet (auspulen, ausfuellen und ein sauberes Pflaster drueber) haettest, haett es vermutlich sogar gehalten
Haben ist besser als brauchen.

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Uranus79
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Re: Was tun mit der Eibe

Beitrag von Uranus79 » 18.04.2020, 09:33

Danke, immerhin kleiner Trost. Das Ding war auch übersäht mit Ästchen etc. Wenn man das alles jetzt weiß, ist es tatsächlich erstaunlich, was das Holz trotzdem geleistet hat.

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Tom Tom
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Re: Was tun mit der Eibe

Beitrag von Tom Tom » 18.04.2020, 10:38

Die Eibe wäre trotzdem gebrochen so trocken wie die war. Zumal das Backing ja auch gerade mit durchgerissen ist. Und Eibe kann man auch ohne Splint bauen.

Lg Tom Tom
Zeit ist eine durchaus relative Angelegenheit

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