Design bei Esche mit natürl. Setback

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klausmann84
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Design bei Esche mit natürl. Setback

Beitrag von klausmann84 » 21.01.2020, 19:32

Hallo!

Wie der Titel schon verrät versuche ich mich wieder an Eschenholz.

Eigentlich hatte ich nur vor den Bauversuch Nr.2 hier ein wenig ausführlicher zu dokumentieren, aber es scheint nach intensiver Recherche mittels SuFu und Literatur doch ein bisschen kompelizierter und dazu hätte ich gerne doch noch Meinungen, wenn ihr mögt… Ich versuchen mich kurz zu fassen!

Der Plan war:
Flachbogen aus Esche

über alles ca. 67“/~170 cm; 1/2 - 2/3 pyramidial
ca. 1,75“/ 4,5 cm breite WA
diesmal KEIN Backing ;)
ca. 45# bei 28“ Auszug

Der Stave:
Da es hier in der Stadt nicht so viel Holz gibt, was man ernten könnte, habe ich mir einen Stave bestellt. Holzqualität scheint okay, nix dolles, dafür auch nicht sehr teuer. Für den Standard Biegetest ist leider nicht genug Überschuss am Stave. Schade, hätte ich gern mal probiert, auch um wenigstens etwas an Daten über das Holz zu ermitteln.

Hier mal der Querschnitt, Foto ist nicht so gut, aber der Jahresring ist markiert, den ich nehmen will.
IMG_2019.JPG
Auch wenn man es vielleicht nicht gut erkennt, hat der relativ zu den meisten anderen viel Spätholzanteil und naja, immerhin 2 mm Dicke. Weiter unten wäre ein noch leicht besserer (blau markiert), aber der liegt teilweise schon zu nah am Bauch im Stave.

Dieser ist im Seitenverlauf kerzengerade und hat auch keine starken re-/deflexen Wellen in den WA, aber ziemlich in der Mitte einen Reflex, wo ich gleich dachte da den Griff reinzulegen.
IMG_2018_01.JPG
Foto fast unwürdig, ich brauch mal eine vernünftige Kamera, man erkennt aber den Reflex.

Durch Zufall bin ich in diesem Faden (viewtopic.php?f=15&t=26066) darauf gestoßen, dass ein Reflex im Griffbereich Setback heißt und nicht unbedingt so eine super Sache ist, weil die WA dann ja bis zum Vollauszug mehr arbeiten/biegen müssen. Das passt wohl eher zu Highend-Holz. Der Höhenunterschied zwischen der tiefsten Stelle und den angedachten Tips: ca. 1,5“/ 3,5 - 4cm (Hängt natürlich dann auch von der Lage des Rohlings im Stave und dessen Länge ab) Ich habe mir relativ viele theoretische Gedanken gemacht, die Literatur konsultiert und versucht hier im FC relevante Themen zu finden. Das vorläufige Ergebnis:

Mein Plan, wenn ich es jetzt versuchen müsste:
Bogen wie geplant, aber mit 2/3 pyramid. auf 5cm Breite, dann verjüngend auf recht schmale Tips wie üblich. Keine Overlays, die erhöhen ja im Zweifel die Tips nochmal ein wenig.

Ich habe eine Zeichnung mit einem theoretischen Tiller angefertigt, die ziemlich maßstabsgerecht ist, damit ich mal eine Vorstellung habe, wie das aussehen kann.
echeII_design_tiller_zeichnung_01_2020.jpg
Ich denke anhand dessen, dass ich bei 28“ Auszug einen ziemlich hohen Sehnenwinkel bekommen kann, wie es auch in der Bibel, Teil 1, für Setbackbögen beschrieben wird. Also müsste ich die Enden wohl flippen, die dann, wie üblich, statisch bleiben sollen.

Irgendwo, den Faden finde ich gerade nicht mehr, hat jemand vorgeschlagen den Griffbereich etwas leichter bzw. dünner anzulegen, damit er leicht mit biegt und nicht die ganze Biegung auf der kurzen Strecke zwischen Fadeouts und den steifen Enden geschehen muss. Das scheint mir Sinn zu machen, also würde ich versuchen, Griff und Fades so anzulegen, dass eben spätestens in den Fades der Bogen leicht mit biegt um den Rest der WA zu entlasten. Also nicht mehr ganz der klassische Flachbogentiller mit vollkommen steifem Griff. Bei meiner Zeichnung biegt der Bogen ja auch schon recht früh in den Fades mit, ist aber einfach beim Erstellen der runden Biegung am PC passiert... :P

Was hier ich noch gelesen habe (viewtopic.php?f=15&t=31405), dass ein Trapping ganz sinnvoll sein kann, um die Masse der Wurfarme zu reduzieren, wenn das Holz Zug-Belastung ganz gut, Stauch-Belastung aber schlecht verträgt (Esche eben). Klingt sinnvoll, machen!


Fazit:
Ich selbst kann nicht einschätzen, ob diese Maßnahmen im Design reichen, um aus dem Holz einen halbwegs vernünftigen Bogen werden zu lassen oder ob ich den Setback zu kritisch sehe. Das sind alles theoretische Überlegungen, nach dem was ich gelesen habe. Die spez. Holzeigenschaften kennen wir gar nicht, die Tendenz bei Esche ist klar. Ist hier der Versuch schon ein Irrtum oder gibts eigentlich kein Problem?

Wenn es theoretisch gehen kann, muss man es dann noch praktisch umsetzen. Wäre schon eine Herausforderung, vor allem beim Tillern mit dem leicht biegenden Griff. Geflippte Enden habe ich auch noch nicht gemacht. Aber ich würde es probieren, wenn es eben theoretisch noch Sinn ergäbe.

weitere Überlegungen:
Ansonsten könnte man den Bogen sicherlich: verlängern, noch breiter machen, das Zuggewichtziel herabsetzen 40# statt 45#? (alles eher ungern) oder, ganz doll rumgesponnen, die WA leicht deflex verbiegen??? (sehr ungern und ob es Sinn ergäbe weiß ich auch nicht)

keine Alternative:
Ich habe auch schon überlegt ob man den Reflex „einfach“ rausbiegt, wenn das überhaupt geht. Dann muss man sicher den Griffbereich vor dem Biegen auch weit runterarbeiten und später wieder aufbauen. Da glaube ich nicht, dass ich das handwerklich sauber hinbekomme. Lass ich...

Letzte Alternative:
Finger weg und was Einfacheres suchen? Da denke ich gerade ernsthaft drüber nach.

So das war natürlich ein ganz schön langer Text, ich hoffe man konnte mir folgen! Was meint ihr dazu? Über Rückmeldungen zu meinen Gedanken würde ich mich freuen, ansonsten werde ich das "Drama" auch gerne hier dokumentieren, in Zukunft auch mit besseren Fotos. ;)


Danke schonmal und viele Grüße,

Klausmann

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Ravenheart
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Re: Design bei Esche mit natürl. Setback

Beitrag von Ravenheart » 22.01.2020, 09:21

Deine Skizzen sind plausibel.
Rausdämpfen des Setbacks wäre schade.
Wenn Du es Dir noch nicht zutraust, lass ihn noch liegen. Esche ist sehr gut lagerfähig!

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Re: Design bei Esche mit natürl. Setback

Beitrag von schnabelkanne » 22.01.2020, 10:42

Servus, der Reflex ist doch nicht so viel das kannst du schon versuchen und die Idee die Biegung möglichst griffnah zu gestalten ist auch gut und Esche ist nicht so ein teures Bogenholz.
Die Qualität deines Staves sieht gut aus, wie du sagst wenig Frühholz, ein Trapping ist bei Esche auch sinnvoll.
Die Enden flippen wegen dem Sehnenwinkel würde ich nur wenn es unbedingt sein muss, Biegen ist immer mit Risiko verbunden.
Ein Bogen mit Setback hat doch mehr Vorspannung, das ist doch immer gut...
Lg Thomas
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F'al Gran
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Re: Design bei Esche mit natürl. Setback

Beitrag von F'al Gran » 22.01.2020, 11:45

Hallo, ich habe bei einem Eschenbogen durch Rösten des Bauchs auch gute Erfahrung gamacht. Das Teil ist von einer nassen Nudel mit ca. 10 cm Set bei ca. 150 cm Bogenlänge mit schließlich ca. 2 cm Reflex recht flott geworden. Den Zuggewichtsgewinn schau ich noch mal nach.
Edit sagte soeben folgendes:
Das war ein Eschen-Kinder-Bogen mit 147,5 cm ntn, 9 cm Set, 14,7 cm Standhöhe und 20# @ 26".
Nach dem Set raus- und Setback reinfönen (wobei ich im Griff den Rücken wegen einer zu breiten Auflage mit gegrillt habe) hatte der Bogen am nächsten Tag einen Reflex von 1½". Den Bogen habe ich dann aufgespannt 6 h liegen gelassen (ich meine, in einem Band der TBB so etwas ähnliches gelesen zu haben) und nach weiteren 4 h abgespannt hatte ich noch 1¼" Reflex und 25# @ 26".
Zuletzt geändert von F'al Gran am 22.01.2020, 21:12, insgesamt 1-mal geändert.
Hätte, hätte, Moppedkette...

m(fg)²

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klausmann84
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Re: Design bei Esche mit natürl. Setback

Beitrag von klausmann84 » 22.01.2020, 19:01

Hallo zusammen! Vielen Dank schonmal! Ich plauder so gerne also antworte ich dann auch wieder... ;D
Ravenheart hat geschrieben:
22.01.2020, 09:21
Deine Skizzen sind plausibel.

Puh, da bin ich schon froh, dass ich nicht komplett neben der Spur liege!

Rausdämpfen des Setbacks wäre schade.

Finde ich nämlich auch!
schnabelkanne hat geschrieben:
22.01.2020, 10:42
Servus, der Reflex ist doch nicht so viel das kannst du schon versuchen und die Idee die Biegung möglichst griffnah zu gestalten ist auch gut (...)

Danke, werde es mir jetzt nochmal kurz überlegen und dann lege ich vielleicht bald auch los!

Die Enden flippen wegen dem Sehnenwinkel würde ich nur wenn es unbedingt sein muss, Biegen ist immer mit Risiko verbunden.


Ich denke ich möchte es nur machen wenn es wirklich für die Funktion Sinn ergäbe, und würde dann hoffen dass es kein Gummiholz wird. Denke das entscheide ich dann wenn es absehbar ist, ob ich die Flips wirklich benötige!


Ein Bogen mit Setback hat doch mehr Vorspannung, das ist doch immer gut...

Das war halt auch mein erster Gedanke und dann dachte ich, dass Esche vielleicht bei stärkerem Biegeradius ein hohes Risiko mitbringt am Bauch zu kollabieren. Aber eure Rückmeldungen sind ja eher so, dass man das schon so versuchen kann. Das hatte ich mir erhofft, darüber ein wenig Klarheit zu bekommen. Top!
F'al Gran hat geschrieben:
22.01.2020, 11:45
Hallo, ich habe bei einem Eschenbogen durch Rösten des Bauchs auch gute Erfahrung gamacht. Das Teil ist von einer nassen Nudel mit ca. 10 cm Set bei ca. 150 cm Bogenlänge mit schließlich ca. 2 cm Reflex recht flott geworden. Den Zuggewichtsgewinn schau ich noch mal nach. (*Platzhalter für Edit*)

Da bin ich gespannt, teil das gerne mit! Wenn du damit auf starken Set reagiert hast, kann ich mir das ja auch immer noch später überlegen, ob das nötig ist. Was ich bisher nicht gefunden habe sind Hinweise darauf, ob das Rösten an der Druckstabilität bei Esche etwas ändert. Gibts da Erfahrungen? Meine Bedenken waren ja dass die Esche den Biegeradius nicht mitmacht und im Bauch das Knittern bekommt. Kann mir gerade nicht vorstellen, dass das Rösten das verhindert aber das ist nur son Gefühl. Wenn er jedenfalls starken Set entwickeln würde, würde ich auch das probieren.
Demnächst dann die Entscheidung, gerade tendiere ich zu: Machen!

Nebenbei: Unglaublich wie motivierend ein Handwerk sein kann, bei dem so viel schief geht und gehen kann. Eigentlich müsste ich doch frustriert vom letzten Mal aufgeben, statt dessen hatte ich schon nach fünf Minuten nach dem Misslingen wieder große Lust es wieder zu probieren. Selbst das Drüber-Nachdenken und Planen macht Laune... :D

Danke nochmal und viele Grüße!
Klausmann

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