Die Sache mit der Eibe.

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Stefan73
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Die Sache mit der Eibe.

Beitrag von Stefan73 » 04.02.2020, 16:33

Hallo alle :)

Während die letzte Lackschicht auf meinem sehr kürzlich fertig gestellten ersten Projekt noch trocknet (Präsentation folgt), arbeitet es in meinem Kopf schon wieder heftig, was man denn als nächstes machen könnte. Die Antwort liegt nahe. Und zwar bin ich ja Anfang Oktober beim Joggen an einem Holzhaufen hängen geblieben, mit allerhand Eibe-Material darinnen. Den größten Teil davon habe ich versiegelt und eingelagert, das wird eine Weile lang reichen.

Von einem einzelnen Ast allerdings konnte ich seinerzeit nicht die Finger lassen und habe ihn frühzeitig in Bogenform gebracht. Ursprünglich war das Stück stark deflex geformt, wie eine Banane. Die reflexe Seite war nicht zu gebrauchen, wegen Ast-Aufkommen. Deswegen hatte ich das ganze Ding eher so als Fingerübung verstanden, um mich der Eibe als solcher überhaupt mal zu nähern. Beim Trocknen allerdings hat sich der anfängliche Deflex ins genaue Gegenteil verkehrt - und auch noch sehr gleichmäßig.

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Jetzt ist die Frage: Was mache ich am besten aus dem guten Stück? Ich halte die Holzqualität für bestenfalls mittelmäßig und der Splint ist nicht gleichmäßig verteilt (siehe Bilder) und er war auch relativ dick, weswegen ich eine Reihe von Ringen abgenommen habe. Wenns also in die Hose geht, mit dem Stave, dann ist das zu verschmerzen.

Aber: Ich habe in der Bogenbauerbibel was gelesen von Backings, die unter reflexer Vorspannung aufgebracht werden und so einen wohl mehr als bemerkenswerten Schub in Sachen Geschwindigkeit bringen sollen. Das Thema interessiert mich und da ist mir meine Eibe eingefallen. Meine Idee wäre, den Rücken komplett plan zu machen und dann eine relativ schlanke Schicht Bambus aufzubringen. Ist das völlig bescheuert oder klingt das irgendwie nach einer brauchbaren Idee?

Würd mich freuen über Eure Meinung :)


Viele Grüße!

Stefan

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Hieronymus
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Re: Die Sache mit der Eibe.

Beitrag von Hieronymus » 04.02.2020, 17:01

Hi

wenn du ein Bambusbacking aufbringen willst(was nicht nötig ist) befürchte ich , dass der Stave an den vielen Ästen am Bauch kollabieren könnte. Die Äste solltest du , wenn es nötig ist( wie z.B. auf Bild 4 ) mit einem Eibendübel füllen. Der Bauch ist an einigen sehr blass bzw. das sieht für mich nach Gammel aus (kann mich aber täuschen).

Gruß Markus
«Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen, daß das, was wir Wirklichkeit getauft haben, eine noch größere Illusion ist als die Welt des Traumes.»
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Stefan73
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Re: Die Sache mit der Eibe.

Beitrag von Stefan73 » 04.02.2020, 19:19

Hey Markus :)

Danke für die Einschätzung. Du meinst, es wäre sinnvoller, den Ast einfach so wie er ist, weiterzubearbeiten? Dann würde ich auf einen schlichten Langbogen mit biegendem Griff gehen. Das würde mir auch gefallen.

Was mich zur Idee getrieben hat, war jedenfalls das hier: https://books.google.de/books?id=EsR1Dw ... ex&f=false

Ist Eibe dafür grundsätzlich ungeeignet? Und meint dieses Prinzip, das Backing muss unter Spannung aufgeklebt werden und nicht - wie bei meinem Ast - auf einen natürlichen Reflex?

Das Prinzip finde ich hoch spannend. Muss dringend mal ein Stück Holz organsieren, mit dem sich das probieren lässt.

Grüße!

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Stefan73
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Re: Die Sache mit der Eibe.

Beitrag von Stefan73 » 04.02.2020, 19:24

Habs grad selber nochmal überflogen. Ist tatsächlich so gedacht, dass das Holz in den Reflex gezwungen wird und dann auf die so gespannte Oberfläche das Bambusbacking aufgebracht wird. Also eh nix für meine Eibe.

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Hieronymus
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Re: Die Sache mit der Eibe.

Beitrag von Hieronymus » 04.02.2020, 19:37

Man kann schon Bambus auf Eibe kleben, nur sehe ich da keinen Sinn drin. Das wäre so, als wenn man in einen Porsche mit 300PS einen neuen Motor mit 320PS einbauen wolltest. Kann man machen muss aber nicht ;) Bambus ist sehr zugstark und zerquetscht alles , was nicht stabil genug dafür ist. Bei deiner Eibe sind sehr viele kleine/große seitliche Äste drin, die unter so einem Druck, kollabieren können. Das Kernholz sieht an manchen Stellen etwas porös aus(die nicht rötlichen Teile) .Daher würde ich bei deiner Eibe kein Backing drauf machen. Ich würde den Ast als Übung nehmen und einen ELB daraus bauen. Natürlich die Äste vorher mit Eibendübel füllen und Risse mit Epoxidharz stabilisieren. Dann bekommst du schon mal ein Gefühl für die Eibe.

Gruß Markus
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Re: Die Sache mit der Eibe.

Beitrag von Stefan73 » 04.02.2020, 20:08

Hm. 996 4s statt 996 Carrera. Da fiele mir die Wahl nicht schwer :) Aber, nö, das ist den Aufwand nicht wert und das erhöhte Risiko wegen des chaotischen Kernholzes reicht mir auch ohne Backing schon. Dann also Langbogen. Wird eh spannend - dass die Äste wohl (teilweise) raus müssen, ist schon Herausforderung genug.

Als erstes muss ich jetzt den Rücken fertig machen. Da sind noch Reste von abgetragenen Ringen drauf. Bin ich da übrigens mit der Ziehklinge halbwegs auf der sicheren Seite, wegen Verletzung des Rückenringes? So völlig ohne Bearbeitungsspuren wird das nicht abgehen.

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Re: Die Sache mit der Eibe.

Beitrag von schnabelkanne » 05.02.2020, 08:22

Servus, um den Rücken würde ich mir bei deinem Stave keine Sorgen machen, einzelne Reste von Jahresringen im Splint sind da auch kein Problem (bei Eibe), der Rücken hält sicher. Nur der Bauch sieht nicht gut aus.
Jetzt ist ja eh Erntezeit, besorg dir neues, besseres Holz, Hartriegel, Hasel.......
lg Thomas
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Re: Die Sache mit der Eibe.

Beitrag von Stefan73 » 07.02.2020, 17:19

Hey :)

Neues Holz werde ich mir definitiv besorgen. Bin sehr begeistert vom Holunder, seit ich meinen ersten Bogen damit gebaut habe, und ein paar sehr viel versprechende Holler-Äste habe ich zwischenzeitlich noch entdeckt. Die werde ich mir demnächst mal holen gehen.

Die Eibe hier aus dem Thread werd ich aber nicht wegwerfen. Als Übungsmaterial taugt der Stave allemal und ich werde das Ding einfach mal tillern. Wenn ein brauchbarer 40-er dabei herauskommt, hat sich die Sache gelohnt. Und wenn er bricht, hab ich wieder was gelernt.

Vielen Dank für Eure Einschätzung!

Stefan

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Re: Die Sache mit der Eibe.

Beitrag von Neumi » 07.02.2020, 20:55

Du kannst mal zum einen den Daumennageltest machen - einfach mal schauen wie fest das Holz ist. Zum anderen mit einem scharfen Ziehmesser etwas abtragen - gutes Eibenholz muss glänzen.
Aber da liegen ein paar definitiv vergammelte Äste an sehr ungünstigen Stellen und die halten keinen Druck aus.
Und da Du wohl schon einen Langbogen-Grundriss geschnitten hast, läßt sich wohl auch kein Flachbogen mehr bauen.
Der Splint sieht auf jeden Fall gut aus, es ist aber immer sinnvoll nur 1-2 Ringe in einem Arbeitsgang abzutragen - man hat einfach einen besseren Überblick, auf welchem Ring man gerade schneidet und vermeidet wildes Ringchaos, obwohl ich sicher bin, dass dieser Splint bei einem moderaten Zuggewicht auch Ringchaos mitmacht.
Grüße - Neumi
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Re: Die Sache mit der Eibe.

Beitrag von Tom Tom » 07.02.2020, 21:23

Ringe abtragen ist bei dem Stück kein Problem. Der "hohe" Druckholzanteil im Splint macht es optisch recht einfsch.

Das angegammelte Kernholz (grauer Bereich) wird dir keinen vernünftigen Druck aufbauen und wahrscheinlich bald kollabieren.

Zum Üben für lau super als ran an den Speck :)

Lg Tom Tom
Zeit ist eine durchaus relative Angelegenheit

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Stefan73
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Re: Die Sache mit der Eibe.

Beitrag von Stefan73 » 07.02.2020, 21:35

Hallo!

Das Holz erscheint mir insgesamt sehr fest. Auch die grauen Bereiche im Kern. Allerdings gibt es einen klaren Unterschied bei der Bearbeitung. Der rote Teil ergibt schöne Locken unter der Ziehklinge, der graue macht eher Krümel.

Im Bodentiller verhält sich der gesamte Ast für mein Gefühl sehr positiv. Ich war echt überrascht davon, wie elastisch das Holz tatsächlich ist.

Die Äste werde ich die Tage ausbohren. Da wird eh die Frage sein, ob der Bogen das übersteht. Falls ja, dann kommen erst mal Overlays drauf und dann schaue ich weiter.

Meine Tendenz ist, den Bauch im Rahmen des jetzt noch Möglichen abzuflachen. Dabei wird allerhand Kernholz flöten gehen, aber auch der graue Anteil wird geringer werden. Momentan hat er noch viel Zuggewicht, es ist also noch genug Substanz da, als dass was Schussfähiges rauskommen kann. Und der Stave war ohnehin immer als Übungsobjekt angelegt.

Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die erste richtige Eibe aus dem vollen Stamm. Der Unterschied zum Holler ist deutlich spürbar - und schon der Holler hat mich sehr begeistert 😊

Viele Grüße!

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