Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

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Uranus79
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Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von Uranus79 » 21.02.2020, 15:44

Hallo zusammen,
ich hätte hier eher mal eine theoretische Frage zu den vier genannten Holzsorten. Es gibt ja einige von Euch die wohl schon alle genannten Hölzer verbaut haben, Eure Meinung dazu würde mich interessieren. Jede der vier Sorten hat unterschiedliche Eigenschaften. Das FC-Wiki gibt da nur bedingt Informationen zu her.

Allen gemeinsam wird nachgesagt, dass sie nicht so druckfest sind. Wo liegen denn dann die wesentlichen Unterschiede oder "Vorteile" der Sorten? Soweit man das aus vielen Beiträgen rauslesen kann ist die Qualität innerhalb einer Sorte ziemlich schwankend bei Esche und Ahorn, bei Hasel vermutlich auch. Hasel gilt als "weniger haltbar".

Wenn man davon ausgeht, dass diese vier Hölzer eher häufig sind, aber z.B. es Hasel wie Sand am Meer gibt, wo läge denn beispielsweise der Vorteil statt Hasel Esche, Ahorn oder Robinie zu verbauen?

Bei den Staves, die ich bis jetzt hatte, war Ahorn irgendwie kein bißchen besser als Hasel. Esche und Robinie kenne ich noch nicht. Es soll aber nicht auf ein "X ist besser als Y" herauslaufen, sondern welche der Holzeigenschaften, die für den Bogenbau interessant sind, sind bei den vier Hölzern unterschiedlich?

Viele Grüße, Uranus

Wirrwarr
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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von Wirrwarr » 21.02.2020, 16:56

Ich würde mal annehmen, dass Hasel, Esche und Ahorn durch die Verfügbarkeit und einfache Bearbeitung so präsent sind. Wenn es einfach ist geeignets Holz in der Gegend zu finden baust du halt damit.
In den Eigenschaften sind sie sehr ähnlich und der Spätholzanteil sollte da das entscheidende Kriterium für die Nutzbarkeit sein.

Robinie ist optisch sehr ansprechend und kann wenn man an das Belastungslimit geht sehr gute Ergebnisse liefern.
Also sowohl von der Leistung als auch vom Anspruch über den vorher genannten.
Das gilt natürlich nur für gute Qualität mit dicken Jahresringen und viel Spätholz.

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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von Bowster » 21.02.2020, 17:12

Danach hast Du zwar nicht gefragt, aber ein Holz, dass zumindest bei uns nahezu grenzenlos verfügbar ist, wäre Hartriegel.
Ich persönlich würde es auf Grund guter Erfahrungen den im Betreff genannten Hölzern ganz klar vorziehen.

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Uranus79
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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von Uranus79 » 21.02.2020, 17:29

Hartriegel kenne ich, der verträgt mehr Druck, deswegen habe ich ihn explizit von dieser Liste ausgenommen. Der Hintergrund meiner Frage ist eigentlich, ob es sich überhaupt lohnen würde, Esche oder Ahorn zu verwenden, wenn man Hasel verfügbar hat. Mir war ein Vorteil von Esche oder Ahorn gegenüber Hasel nicht bekannt, aus persönlicher Erfahrung kenne ich keinen, und aus vielen Threads hier im Forum konnte ich auch nicht direkt einen herauslesen. Ich wollte aber keine voreiligen Schlüsse ziehen, deswegen frage ich nach euren Meinungen. Robinie scheint etwas mehr herzugeben, aber verträgt Druck auch nicht viel besser als Hasel, zumindest soweit ich das schlussfolgern kann. Mit Verallgemeinerungen muss man aber vorsichtig sein.

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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von fatz » 21.02.2020, 19:14

Kann dem Bowster nur beipflichten. Wenn ich Harteriegel oder auch Ulme haben kann, mach ich aus den andern definitiv keinen Bogen. Da ich beides hier in Menge hab...
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von Heidelzerg » 21.02.2020, 19:34

Lieber Uranus,
Sehr gute Frage, habe ich mir auch schon öfters gestellt! Meine beschränkte Erfahrung hat zu persönlichen Präferenzen ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit geführt.
Meine persönliche Reihenfolge ist:
1. Robinie: Verträgt Druck gut, macht starke kurze Bögen ohne Stauchrisse (n = 1)
2. Ahorn: (n = 3)
+ Hart, wenig Set, gute Rückstellleistung. Hält die Biegung wenn über Dampf gebogen (z.B. in Osmanen).
- Wächst selten grade, hat oft viele Äste. Sehr unterschiedlich in der Holzqualität (n = 4)
3. Hasel: (n= 6)
+ Leicht zu beschaffen, oft ganz ohne Äste, leicht zu bearbeiten. Leichtes Holz, schnelle Bögen.
- Öfters drehwüchsig. Kleine Tillerfehler werden nicht verziehen. Neigt bei starken Bögen (50#+) zu Stauchrissen und mehr Set (zumindest bei meinem Tiller...)
4. Esche. (n= 4)
+ Wächst meist schön gerade, wenig Äste
- Hart, schwer zu bearbeiten, aber auch nicht mehr Rückstellkraft als weicheres Holz wie z.B. Hasel
- stirbt grade aus....

Frage an die Experten: Hartriegel ist sehr schwer, was die Effizienz mindert, und hat bei meinem bisher einzigen Versuch sehr viel Set angenommen (170 cm, 55#). Der Bogen war auch für die 55# nicht grade schnell. Ist das eher die Regel oder eher die Ausnahme?

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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von schnabelkanne » 21.02.2020, 21:14

Servus, hab bisher meist Esche, Robinie und Hasel verbaut da die hier am häufigsten vorkommen.
Bei allein drei Sorten hatte ich sehr oft Stauchrisse, ob es jetzt am Tiller lag oder dem Holz keine Ahnung und ja Esche stirbt auch hier gerade.
Bei Hickory oder Osage hatte ich noch nie Probleme mit Stauchrissen, einziger Nachteil Osage ist halt teuer.
Oder eine Kombination mit Hainbuche am Bauch und Esche oder Hasel am Rücken da gibt es auch keine Stauchrisse, Hickory geht auch sehr gut als Bauchlage, Osage ist mir dazu zu schade, außer ev. Reflex verleimt unter Bambus.
Lg Thomas
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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von Kemoauc » 21.02.2020, 23:19

Hi, Uranus,
nur zu den Hölzern die ich gut kenne (also mehr als 2-3 Bögen daraus gemacht hab):
Alphabetisch:
- Ahorn ist nicht wahnsinnig hart, lässt sich gut bearbeiten und ist ziemlich schnell beim Rückstellen. Ist aber für schwere Pfeile (ist ja nur mein eigenes Ding) nicht der Bringer. Dafür aber sehr gut gerade spaltbar .7-8cm dicke Stämme,die nahezu astfrei sind, findet man eigentlich zuhauf. Keine Beschaffungsnot. :D
- Hasel ist ein sehr gutes Holz für Flachbögen und steinzeitliche Designs. und ist sehr haltbar,wenn der Tiller gut ist. da ist halt keine Eile angesagt, wenn's mehr als 50# werden soll. Auch 60#+ ist da kein Problem, kostet halt etwas Zeit und ein gutes Auge beim Tillern. Eile macht Stauchrisse.
- Hartriegel macht so ziemlich jeden Sch##ss mit, ist zugfest und sehr druckfest, aber auch ziemlich schwer. Reine Flachbögen bis ca 40# sind kein Problem, oberhalb fängts an zu "Schildkröten" aufgrund seines Eigengewichts. >60# als breiter American-Flatbow oder "Holmegaard-artig" werden SEHR langsam,wenngleich sie ihre Kraft beibehalten. Dann lieber schmale, dickere Designs wählen --- und die können dann auch sehr schnell werden.Dieses Holz ist nicht langsam, sondern verdammt schwer.
Und ,leider in der erforderlichen Qualität schwer zu finden,ausser man missachtet einfach gängige "Regeln" und nimmt sich einfach nen 4-5cm Stamm und lässt einfach die Hälfte des Markkanals innenliegend. ;D
Das geht ohne Probleme.
Grüßle,
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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von Uranus79 » 23.02.2020, 17:18

Vielen Dank für Eure Informationen. Es bestätigt meine Vermutung, dass man statt Esche oder Ahorn genauso gut Hasel nehmen kann, je nach Verfügbarkeit. Robinie ist etwas leistungsfähiger als diese drei. Die anderen Hölzer natürlich noch mehr (wie Hartriegel).

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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von MrCanister123 » 24.02.2020, 08:32

Also ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass ich da Haselfan bin ;).
Vor allem weil man hier eigentlich nie den obersten Jahresring abnehmen muss (Musst ich jedenfalls noch nie machen) und der Bogenrücken durch die duneklbrauen Bastreste einfach urig aussieht.

Zu Ahorn kann ich leider nix sagen, habe noch nie die Bekanntschaft bzgl. Bogenbauen gemacht.
Wächst hier bei mir irgendwie auch sehr wenig..

Ich weiß zu Hartriegel hast nix gefragt aber ich persönlich beiß mir bei dem Holz immer wieder in *** wenn er (wie für gewöhnlich) einreisst... Oder wenn ich ihn einsägen muss..
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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von fatz » 24.02.2020, 13:00

@Canister: auf die Mitte runterarbeiten schont den Hintern
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von Bowster » 24.02.2020, 13:16

ich verwende Hartriegel normalerweise nur bis 40mm, der trocknet bei mir dann üblicherweise unkritisch ohne zu reissen.

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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von MrCanister123 » 02.03.2020, 08:00

@fatz: Aber der Griff reist für gewöhnlich au immer ein (wenn man ihn ned einsägt). und ohne einsägen würds halt echt besser aussehn:)
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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von fatz » 02.03.2020, 12:53

Dann ist der Pruegel zu duenn. Wenn ich sage runterarbeiten, schliesst das den Griffbereich ein.
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Esche, Ahorn, Robinie, Hasel im Vergleich

Beitrag von MrCanister123 » 02.03.2020, 15:45

Asoo, ich dachte du meinst nur an den beiden WA runterarbeiten und den Griffbereich stehen lassen
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