Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

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Uranus79
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Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von Uranus79 » 14.05.2020, 16:27

Hallo zusammen,
ich bekam 5 Hartriegel-Stämmchen, die alle mit irgend welchen Problemen sind (reflex, starker Drehwuchs, seitlich schief usw.) Den noch viel versprechensten habe ich die Tage mal bearbeitet. Seitlich biegen mit HLP und Leinölfirnis geht bei Hartriegel gut, er behielt sogar die Form. Dann habe ich an dem rumgeschnitzt und getillert und kam schneller voran, als ich dachte. Das Holz riß gerade an Ästen beim Schneiden gerne ein, ließ sich aber gut schleifen. Länge 172cm. Gestern abend konnte ich ihn Einschießen (100 Schuß). Zur Überraschung schoß der sich total flott und ich traf gut. Für 38# erschien mir das ein sehr schneller Bogen, Hartriegel hat mich beeindruckt. Er macht Spaß. Heute habe ich dann noch Kleinigkeiten korrigiert, Stiftnocken gemacht, alles schön poliert, Totholz-Löcher mit braunem Holzstaub und Sekundenkleber gefüllt, geölt, Sehne gebaut, aufgespannt, gezogen. Paßte alles. Dann wollte ich nochmals das Zuggewicht messen. Die Sehne hatte vielleicht 1cm mehr Standhöhe als gestern (17cm). Dann zog ich auf 28", hielt 2 Sekunden und es tut einen Riesenschlag!
Blutender Kratzer an der Hand aber vor allem totaler Frust! Nach der anfänglichen Skepsis war ich von Hartriegel doch sehr zugetan und dieser Bogen gefiel mir. Wieso riss er dann? Er war nicht extrem schmal und auch nicht zu dick, der Tiller ist griffnah vielleicht ein wenig zu steif, aber nicht so schlimm, siehe Bilder. Set hatte er ganz wenig.
Das einzige, was ich mir erklären kann ist, dass er an wenigen Stellen der Länge nach kleinere Trockungsrisse hatte. Ich habe das Holz draußen auf der Terrasse, das ist entweder zu trocken oder speziell bei Hartriegel zu schnell oder zu viel getrocknet, ich weiß es nicht...
Hier die Fotos, vielleicht habt Ihr eine Idee, was falsch lief. Also vom Tiller her sehe ich da nicht so das große Problem, aber vielleicht sehe ich was falsch? Der Rücken war auch nicht (sichtbar) irgendwo verletzt. Ist der über Bauch oder Rücken gerissen? Keine Ahnung, aber Frust... >:(
HartriegelTW1.jpg
Tillerbild
Viele Grüße,
Uranus
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HartriegelTW1Crash7.jpg
HartriegelTW1Crash6.jpg
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HartriegelTW1Crash4.jpg
HartriegelTW1Crash3.jpg
HartriegelTW1Crash2.jpg
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Uranus79
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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von Uranus79 » 14.05.2020, 16:28

Achja, Stauchbrüche hatte er auch keine...

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Neumi
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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von Neumi » 14.05.2020, 18:58

Ist die bruchstelle im erhitzen und gebogenen Bereich?
...Versuch und Fehler bevor die Sarg-Nägel eingeschlagen werden...

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Uranus79
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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von Uranus79 » 14.05.2020, 19:30

da fragst du mich was... Der Riss geht über einen langen Teil des Wurfarms, ich meine, dass ich weiter außen die Biegung korrigiert habe, vielleicht aber auch an der Stelle, wo der Riss endet. Ich weiß es leider nicht mehr ganz genau. Und am Holz hat man leider auch nicht mehr gesehen, wo ich gebogen habe, vielleicht erkenne ich auf dem Rücken noch etwas davon, da muss ich mir die Teile noch mal anschauen.
Als ich vorhin noch mal schaute, hatte ich den Eindruck, dass das Holz ziemlich trocken war. Aber bei Hartriegel fehlt mir da die Erfahrung, wie sich (zu) trockener Hartriegel anfühlt.
Nach der Erfahrung frage ich mich, ob ich in die anderen Stücke überhaupt Arbeit reinstecken sollte...

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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von Uranus79 » 14.05.2020, 21:43

Also für den Fall dass ich das blöd beschrieben habe, das seitliche Richten war vor 1-2 Wochen. Änderungen seit gestern waren nur am Arrowpass den breiter werdenden Griff schmäler, die vorhandenen Löcher kosmetisch füllen und die Nocken. Dann habe ich mit der gedrehten Sehne selbst einige Male voll gezogen, und ich habe etwa 28" AMO Auszug. Ging alles und gestern 100 Schuß. Und am Tillerbaum sind die 28" AMO markiert zum messen - warum auch immer es dann riss ... Vielleicht wie bei meiner Eibe, eine gewisse Zeit geht's gut, aber überlastet schien mir das Holz nicht zu sein

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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von fatz » 14.05.2020, 22:28

Hm! Sieht aus, als waer er am Rueckenring gerissen. Hab ich bei Hartriegel noch nie gesehen. Mir ist bis dato nie einer gerissen. Die sind irgendwann nur am Set eingegangen. Ich wuerd mal auf die Aktion mit der HLP tippen. Kannst mal die Stelle, wo der Ruecken abgerissen ist in den Tillerfotos markieren?
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von MrCanister123 » 15.05.2020, 07:44

Hab ich bei Hartriegel auch noch nie erlebt.. Das ist immer ärgerlich..
Finde eigentlich auf deinem Tillerbildle keine Mängel oder Soll-Bruchstellen..
I wurd stark und groß durch Spätzla mit Soß

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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von Uranus79 » 15.05.2020, 08:52

Hallo zusammen,

die Sache mit dem Reissen am Rücken paßt gut zum Bild, was die Trümmer abgeben. Anbei das Tillerbild mit der Stelle markiert, wo es oben auf dem Rücken riss. Der Riss geht von da seitlich/bauchseitig bis zu dem Knubbel nach rechts und nach links bauchseitig natürlich viel weiter. Direkt an den Teilen kann ich keine Beschädigung des Rückens erkennen. Vom Biegeradius müßte Hartriegel an der Stelle das aushalten, mein 18. Bogen war auch ein Hartriegel und der hatte viel engere Krümmungsradien.
Der da wurde in den ersten Märztagen gefällt - vielleicht zu spät?
Ich bin geneigt, die anderen Hartriegel zu Brennholz zu machen, auch wenn mir dann die Rohlinge ausgehen und ich mit dem Runterarbeiten schon viel Arbeit hatte ::)

Viele Grüße,
Uranus
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HartriegelTW1woBruch.jpg

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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von fatz » 15.05.2020, 14:58

Hm! Schmeiss mal lieber die HLP weg.
Wenn ich das Bild so anseh biegt er links von der Stelle schon ein bissl mehr. Das eigentliche Problem ist das aber glaub ich nicht. Schlagzeit ist auch OK. Vielleicht hat der auch einfach nix getaugt....

Bevor du den Hartriegel einheitzt mach lieber Werkzeugstiele draus.
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von Uranus79 » 15.05.2020, 20:12

Wegschmeißen? Ich brauche die noch ;D
Aber dann bei anderem Holz...
Also es waren fünf Stämmchen von derselben Pflanze, zwei sind so verdreht gewachsen, die habe ich jetzt aussortiert. Neben dem Verstorbenen habe ich noch den, der durch Festzwingen beim Trocknen fiese Risse hat (und dünn ist) und einen der zwar grade und anscheinend nicht verdreht ist, aber kurz unter dem Griff ca 30° reflex ist, siehe Bild.
Ob ich in den da Arbeit reinstecken soll?

ansonsten fällt mir nur ein, vielleicht ist hier in Hessen der Hasel besser und der Hartriegel schlechter, genau umgedreht zu euch da unten in Südbayern ;D

Viele Grüße, Uranus
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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von schnabelkanne » 15.05.2020, 20:43

Servus, wie viel cm ist den der Reflex von Griffoberkante gemessen?
Lg Thomas
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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von Neumi » 15.05.2020, 21:08

Super Stück Holz für nen deflex im Griff und eingespleiste siyahs - das Teil ist nahezu symmetrisch, wenn rechts abgeschnitten wird 🤘👍
Edit: da habe ich den Reflex doch glatt als deflex gesehen ::) die eine Seite ist ja schon abgetragen.
Und HLP und hartriegel iss scheinbar wie Öl und Wasser 😁😶
Kannst dir aber mal den Spaß machen und die holzfeuchte der bruchstücke bestimmen, ich würde fast wetten, dass da weniger als 8% rauskommt.
Zuletzt geändert von Neumi am 16.05.2020, 18:50, insgesamt 1-mal geändert.
...Versuch und Fehler bevor die Sarg-Nägel eingeschlagen werden...

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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von Uranus79 » 16.05.2020, 09:45

Hallo Thomas, wenn man in dem Bild heran zoomt, sieht man zwei Querstriche auf dem Stave. Der linke ist 85 cm vom linken Rand entfernt, die Gesamtlänge ist 170. Das ist also die Mitte.

Nachtrag: ich habe noch mal gemessen, der Knick fängt so richtig an ca 10 cm unter der Mitte des Bogens

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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von Uranus79 » 16.05.2020, 16:39

Ein Messgerät für Holzfeuchte habe ich leider nicht, das Holz wirkte einfach trocken. Ich weiß aber nicht, wie Hartriegel in geeigneter Feuchte für Bogenbau sich anfühlt. die anderen Holzsorten wurden genauso gelagert und getrocknet und waren alle in Ordnung.

wenn man bei Hartriegel keine HLP einsetzen kann, dann ist das eben so, aber dann fallen viele Kandidaten in meinem Umkreis raus. Häufiger gibt es Drehwuchs oder sie sind nun mal krumm...

was haltet ihr von dem gezeigten Kandidaten? Bei soviel Reflex wird wahrscheinlich der Rücken irgendwann auch reißen?

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Re: Hartriegel 38#/28" bitterer Verlust

Beitrag von schnabelkanne » 16.05.2020, 18:06

Servus, wenn der Reflex mehr 10 cm ist dann würde ich so nicht verwenden.
Lg Thomas
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