Öltuch?

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doubleD
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Öltuch?

Beitrag von doubleD » 14.11.2012, 08:33

... also um meine Pfeile zu Ölen hab ich letzthin ein Stück Leinenstoff benutzt .. und weil ich's nicht entsorgen wollte hab ich's dann wie zum Trocknen aufgehängt um Feuer vermeiden. Das Ergebniss war ein an Wachscotton erinnerndes Stück Stoff von dem unter dem Wasserhahn das Wasser abperlte.
Da es Leinen und Leinöl schon undencklich lange gibt, die Menschen nicht schlauer geworden sind (leider) und trocken zu bleiben zu den Grundbedürfnissen gehört würde es mich sehr wundern wenn es in alten Zeiten keine regenfesten Umhänge oder ähnliches gegeben hätte. Vieleicht gibt es da ja sogar Funde, Schnitte oder ähnliches.

Würde mich wirklich intresieren.

Gruß Jochen
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KnechtKarl
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Re: Öltuch?

Beitrag von KnechtKarl » 14.11.2012, 09:14

Habe ich noch nichts von gehört. Eventuell gab sowas auf Schiffen....

Für Zelte ist es nicht nötig, da der Leinenstoff bei Nässe von selbst dicht wird und ansonsten für Kleidung halte ich nen vernünftigen Wollmantel für sinniger. Der is auch dicht und hält warm.

Ich halt aber mal Augen und Ohren auf, ob in den mir zugänglichen Quellen was zu finden ist.

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arcus
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Re: Öltuch?

Beitrag von arcus » 14.11.2012, 09:15

kann ich mir schon vorstellen, daß es sowas gegeben hat.
nur wäre dann di Mischung : Leinöl und Bienenwachs !

Arcus

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eddytwobows
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Re: Öltuch?

Beitrag von eddytwobows » 14.11.2012, 10:38

KnechtKarl hat geschrieben:Habe ich noch nichts von gehört. Eventuell gab sowas auf Schiffen....
.../...


Mit 100% ´iger Sicherheit gab / gibt es "sowas" auf Schiffen... :D :D :D

Die Schlechtwetterkleidung / Überkleidung, die man an Bord bei Schlechtwetter / starkem Seegang, etc. trägt, heißt nicht umsonst seit annähernd ewigen Zeiten "Ölzeug"... :) :)
Selbst heute noch, in Zeiten des gummierten Regenmantels, wird an Bord Ölzeug gesagt... :)

LG
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Re: Öltuch?

Beitrag von Idariod » 14.11.2012, 11:02

Naja, das Ölzeug hat angeblich ein Schotte im 19. Jahrhundert erstmals zusammengenäht. Angeblich. Andere behaupten, dass Öltuch in der Seefahrt schon seit 1500 vor Dschihsas in Verwendung ist. Interessant wären nur verlässliche Quellen, mit denen ich hier überhaupt nicht dienen kann.
Teile dein Wissen und gib nicht vor zu wissen was du nicht weißt - ein guter Ratschlag von einem tüchtigen Tischler. Das steht hier um mich daran immer zu erinnern, und für alle denen der Schuh passt.

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Re: Öltuch?

Beitrag von Yumiya » 14.11.2012, 11:04

Es gibt Ölstoffe. Das was ich kenne ist aber mehr ein Modegag - ein spezieller Knitterlook!
Leinöl trocknet sehr langsam und wird dabei eigentlich immer spröder. Leinöl ist das meist verendete Öl in Ölfarben der Kunstmalerei. Durch den langsamen Trocknungsprozess ist es möglich über einen sehr langen Zeitraum an einem Gemälde weiterzuarbeiten. - Aber versuch mal eine über Wochen durchgetrocknete Leinwand zu verbiegen oder zu rollen, dann erhältst du den Knittereffekt, und das Material wird undicht.
Das sogenannte "Ölzeug" hat vermutlich seinen Namen daher, fühlt sich für mich aber eher wie Gummizeug an.
Leinöl und Bienenwachs, wie Arcus meint (geht aber wahrscheinlich nicht ohne Emulgator), könnte etwas länger gut gehen.

Dass sich aber die englische Wachskleidung durchgesetzt hat, hat bestimmt seinen Grund darin, dass sie langfristig elastischer und damit länger dicht bleibt.

Wenn ich mir solche Bilder anschaue, dann ist das schon eine interessante Überlegung.
Bild

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arcus
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Re: Öltuch?

Beitrag von arcus » 14.11.2012, 12:37

Yumiya hat geschrieben:Leinöl und Bienenwachs, wie Arcus meint (geht aber wahrscheinlich nicht ohne Emulgator), könnte etwas länger gut gehen.
Yumiya


einen Emulgator brauche ich nur, wenn ich z.B. wasser und Öl mischen will. Bienenwachs und Leinol zu vermischen bedarf es nur das Leinöl und Bienenwach leicht zu erwärmen.

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Re: Öltuch?

Beitrag von Yumiya » 14.11.2012, 13:16

Wenn du Leinöl und Bienenwachs erwärmst kannst du sie beide gut verrühren, das ist richtig. Du erhältst aber bestimmt keine dauerhafte Verbindung. Manche Kunstmaler haben dafür als Emulgator ihre Spucke verwendet. Dabei hat es sich aber meist nur um kleine örtlich begrenzte Areale gehandelt.

Meine Vermutung war aber auch, dass Leinöl mit Bienenwachs geeigneter wäre als Leinöl alleine. Wie lange das gut geht kann ich auch nicht sagen.

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Re: Öltuch?

Beitrag von Galighenna » 14.11.2012, 13:20

Also ich hab ein wenig gesucht und gelesen und dabei herausgefunden, das es das Ölzeug wohl wirklich schon lange gibt. Zeitangaben habe ich nicht gefunden.
Die Verwendung liegt auf der Hand, Dünnes Gewebe das nicht zu stark mit Öl getränkt ist, wird nicht sehr spröde (eigene Erfahrung mit Küchentüchern) und ist dennoch ziemlich Wasserdicht.
Die Reste von Leinöl die an dem Behälter in Reinform aushärten sind übrigens so gar nicht hart und Spröde, sondern weich und Gummiartig. Deshalb: Wird Stoff wirklich so hart und spröde wenn es mit Leinöl härtet? Ich kanns mir nicht recht vorstellen...

Gelesen habe ich allerdings, z.B. bei Wiki, das solches Gewebe erst mit der Erfindung das Vulkanisierens (also eine dichte Gummibeschichtung) 100% Wasserdicht wurde.
Richtig dicht war es also wohl vorher nie. Dennoch war es sicher auf See um ein Vielfaches dichter als alle Gewebe die man sonst kannte, und daher ein wichtiges Hilfsmittel um bei diesen Extremen auf See nicht zu erfrieren.

Hier mal der passende Auszug aus WIkipedia:
Wikipedia - Ölzeug hat geschrieben:Ursprünglich wurde diese Kleidung aus einem Leinenstoff hergestellt, dessen Oberfläche mit Öl, oftmals Leinöl, imprägniert wurde, um ihn wasserdicht zu machen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch Kautschuk zum Abdichten des Gewebes genutzt. Doch erst mit der Erfindung der Vulkanisation durch Charles Goodyear konnten erstmals 100 % wasserdichte und stabile Textilien gefertigt werden.
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Re: Öltuch?

Beitrag von Sherrif Sherwood » 14.11.2012, 13:24

Määäääääääääääääänners,
habt acht.
Ich habe das mit dem Ölzeug schon öfters gehört und auch persönlich bei einem alten U-Bootfahrer gesehen, welcher schon im 1.WK mitfuhr. Das war recht schmieriges Zeug.(eckelig und stinkig) Was es aber genau war, konnte er mir auch nicht sagen.
Meine alte Motorradjacke war eine engl. Wachsjacke die sich mit der Zeit und dem Dreck der sich darauf bildete, fast von selbst abdichtete. Irgendwan stank das Teil wie Sau und ich konnte mich im Wald so manchen Tierchen nähern.

Da ich aber ein schlaues Kerlchen bin, habe ich eine Anfrage an einen bekannten Archäologen ( Prof) aus dem hohen Norden gesendet, vielleicht hat er einen fundierten Beweis oder gar Quellen für das sogenannte Ölzeug.
Ich selbst habe das mal mit Talg ausprobiert und nur mässigen Erfolg erziehlt bei der Beschichtung von Leinenstoff.

Gruss Jürgen

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Re: Öltuch?

Beitrag von Galighenna » 14.11.2012, 14:30

Naja ich meine mit "Auf See" auch nicht Opa der damals im 1WK unterwegs war. Da gab es schon Gummi und Vulkanisierungstechniken etc.
Eher sowas wie Fischer Hannes der um 14hundert mit seinem Kahn aufm Meer unterwegs war und in schlechtes Wetter kam. Nur einfach als Beispiel zum verdeutlichen... (das 14hdt nicht wörtlich nehmen !!! Ich hasse A-Diskussionen und gedödel um Jahreszahlen!!! )
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Re: Öltuch?

Beitrag von doubleD » 14.11.2012, 18:58

Aye ich dachte auch eher an den Fischer Hannes .. oder Hingis ... oder an die zu Pfred reisende Kunigunde..

Das mit der Brüchigkeit von alten Ölfarben liegt eher am Pigment- / Ölverhältniss und ein grosse Teil des Wasserabweisens liegt in der unterbrochen Kapilarität der Gewebefäden weniger in den verstopften Löchern zwischen den Fäden.
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Re: Öltuch?

Beitrag von kra » 15.11.2012, 07:24

Und der Tatsache, das ein Stoff niemals mit derselben Farbdicke bestrichen für Kleidung verwendet wird.

Es geht ums tränken von Stoff mit Leinöl, nicht ums bedecken mit einer dicken Schicht.

nebenbei - auch Ölgemälde lassen sich einrollen ohne das die Farbschicht bröckelt.

Hosen, die ich (versehentlich und teilweise) mit Hartöl getränkt hatte blieben auch nach Jahren noch flexibel
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Re: Öltuch?

Beitrag von Yumiya » 15.11.2012, 10:59

kra hat geschrieben:Und der Tatsache, das ein Stoff niemals mit derselben Farbdicke bestrichen für Kleidung verwendet wird.
Es geht ums tränken von Stoff mit Leinöl, nicht ums bedecken mit einer dicken Schicht.

Ich bin nicht davon ausgegangen, dass jemand meinen Hinweis auf Ölgemälde dahingehend versteht, dass man sich derart bestrichene Klamotten anziehen sollte. Es ging mir eher darum die Vorstellungskraft etwas anzuregen.
kra hat geschrieben:nebenbei - auch Ölgemälde lassen sich einrollen ohne das die Farbschicht bröckelt.

Klar, so was sieht man beim Kunstraub in schlechten Spielfilmen ;)
Nicht alles was die Diebe da einrollen sind Ölgemälde. Da gibt es diverse Maltechniken die so was zulassen oder auch nicht.
Bei reinen Ölgemälden hängt es entscheiden vom Alter des Bildes ab. Wer selbst schon mal ein Ölbild gemalt hat, der wird es meist zu seinen Lebzeiten auch noch einrollen können. Eine endgültige Aushärtung kann Jahrzehnte dauern.

Aber, um beim Thema zu bleiben - die Überlegung eingangs war: Kann man aus mit Leinöl getränktem Stoff/Leinen regenfeste Kleidung erstellen, und gibt es dafür vielleicht sogar Belege? Mein gedanklicher Beitrag war: Ölmalerei auf Leinen, hier gibt es Erfahrungen die man in Betracht ziehen könnte.

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Re: Öltuch?

Beitrag von Galighenna » 15.11.2012, 12:21

yumiya hat geschrieben:Wer selbst schon mal ein Ölbild gemalt hat, der wird es meist zu seinen Lebzeiten auch noch einrollen können. Eine endgültige Aushärtung kann Jahrzehnte dauern.

Genau das ist der springende Punkt. Wenn ein Ölgemälde nach 2, 3, 4 oder 500 Jahren hart und spröde ist, hat das für die Verwendung eines solchen Stoffen zu Lebzeiten irgendwie keine Auswirkungen. Der Stoff wird fester und steifer, aber nicht gleich brüchig. Selbst wenn man alle 10 Jahre mal was neues machen muss, ist das sicher immer noch hinnehmbar, besonders wenn man auf solche wasserfeste Kleidung angewiesen ist.
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