Öltuch?

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eddytwobows
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Re: Öltuch?

Beitrag von eddytwobows » 15.11.2012, 13:04

Faenwulf hat geschrieben:Ich würde ja sagen, da sollte sich hier mal jemand als experimenteller Archäologe versuchen. ;)
Alte Kleidung eintunken, einziehen lassen und beim nächsten Regenguss dann raus und austesten wo man nach 5 Minuten Nass ist und wo nicht.
.../...

Wenn Du das dafür notwendige Leinöl, bzw. den Leinölfirnis springen läßt, gerne... ;) :D
Allerdings würde ich aus Kostengründen für ein erstes Experiment eher günstigen Baumwollstoff verwenden, wenn Du damit leben kannst...

@Yumiya...
Ich hab übrigens seit 3 Jahren einen selbstgemachten und rel. Wasserfesten Bogensack aus Jute mit einem eingenähten Innenfutter-/ sack aus Baumwolle, mit Leinölfirniß imprägniert, da knittert nix...

Faenwulf hat geschrieben:.../...
Das Problem hier sehe ich eher beim Leinöl selbst. Leinenstoff war damals schon teurer, weil man dafür eine Pflanze anbauen musste, die man nicht essen konnte und dadurch Platz und Zeit verschenkt, den man auch für andere Lebensmittel hätte verwenden können. Für arme Bauern war das nichts. .../...


Das sehe ich etwas anders...
Flachs ist def. nicht die einzige Pflanze, die entsprechend lange Fasern zum Spinnen und Weben hergibt.
Da hätte es außerdem noch Hanf, etc...
Selbst Brennnesselfaser ist m.M.n. dazu geeignet.

Und außerdem... "Wat de Buur ni freet, dat freet sin Swin..."
Und bei der "Faserernte" sowohl bei Flachs als auch bei Hanf oder Brennnessel fällt genug ab, um noch als Grünfutter fürs Nutzvieh zu dienen... :) :)

LG
etb
Das Volumen einer Minute ist gleich Universal ist gleich die liegende Acht. A. Be.
Die Perversitaet des Universums strebt einem Maximum zu.
Alles was schiefgehen kann wird auch zwangslaeufig schiefgehen. Larry Niven

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doubleD
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Re: Öltuch?

Beitrag von doubleD » 15.11.2012, 14:08

Faenwulf hat geschrieben:Das Problem hier sehe ich eher beim Leinöl selbst. Leinenstoff war damals schon teurer, weil man dafür eine Pflanze anbauen musste, die man nicht essen konnte und dadurch Platz und Zeit verschenkt, den man auch für andere Lebensmittel hätte verwenden können.


Lein baute man an weil man daraus neben der Wolle (schon mal Wolle auf der blosen Haut gehabt? das halten nur die härtesten Schotten aus und auch nur dann wenn's richtig kalt ist " it's a pain in the arse" ) die hauptsächliche Bekleidung gefertigt hat. Wie die Leinenfasern wird auch das Leinöl aus Lein gewonnen... nebenbei wurde Leinsamen auch dem Brotteig zugeschlagen .. is auch gesund
Darüber hinaus wirtschaftet man den Boden ohne Fruchtfolge ab womit sich Lein oder andere Ölpflanzen ( Mohn und Hanf sind nachgewiesen in Nordeuropa) oder auch Futterpflanzen (Saubohne) anboten um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Ewig Rogen und Weizen hintereinander das geht nur 3-4 mal gut.
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btw Duty is ours, consequences are God's

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Sherrif Sherwood
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Re: Öltuch?

Beitrag von Sherrif Sherwood » 22.11.2012, 21:34

So Männer,
hier mal ein Upate (aus Gottdorf) zwecks dem Ölzeug.
Einen Hinweis auf bestimmte Schiffahrtsarchive gabs vorab schon mal. :) Näheres muss ich noch prüfen.

Hinweis 1.
"Heinrich Stettner: Seemansbekleidung aus sechs Jahrhunderten. Eine kommentierte Bildquellen-Auswahl für etwa 1250 bis 1800. Deutsches Schiffahrtsarchiv 15, 1992, 315-340."
Möglicherweise gibt es in dem Material Rückschlüsse auf vergangene Zeiten, bzw. wie die Sachen ausgesehen haben oder verarbeitet wurden.
Hinweis 2.
"Hjalmar Falk, Altnordisches Seewesen. Wörter und Sachen 4, 1912, 1-121."

Dazu sollte man sagen, dass das Archiv bzw. die Bildquellen-Auswahl differenziert betrachtet werden sollte.
Es sind nur mögliche Hinweise auf die Fragestellung nach dem Öltuch und gibt aber keine Garantie dafür, dass dort auch etwas dazu zu lesen ist. Wie gesagt, muss ich noch näher prüfen.
Aber vielleicht gibts ja unter uns FC´ler ja noch nen alten "Seebären", der da noch Hinweise hat?
Gruss Jürgen

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<Bene>
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Re: Öltuch?

Beitrag von <Bene> » 28.12.2012, 02:49

Ich kann nur in Maßen über das 19. Jahrhundert sprechen. Mit Leinölfarbe bestrichenes Gewebe wird im deutschprachigen Raum jener Zeit "Wachstuch" genannt, in den Vereinigten Staaten "oilcloth." Im Amerikanischen Bürgerkrieg 1861-65 waren manche Soldaten mit "oilcloths" als Ponchos zum Regenschutz ausgerüstet, besonders bei den Konföderierten. Im Norden dagegen wurden zumeist "rubber blankets" aus dem uns bekannten vulkanisierten Gummi an die Unionstruppen ausgegeben (welches ja in den 1850ern seinen Siegeszug, auch international, antrat - Goodyear etc.). Die militärischen Brotbeutel und Tornister waren mit Leinölfarbe bestrichen, um sie wasserabweisend zu machen.

Ausgewählte Quellen:

- Bickes, Die ganz Kunst des Lackirens, [...] 1834
- Jöcher, Vollständiges Lexikon der Warenkunde [...] 3. Band, 1843
- Revised United States Army Regulations of 1861
"For a good bow twise paide for is better than an ill bowe once broken."
Roger Asham, "Toxophilus"

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