Gewandung

Fragen und Antworten zu Gewandungen.
Uli
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Beitrag von Uli » 04.03.2004, 11:37

Jetzt muss ich nochmal nachfragen. Ich habe hier im Forum irgendwo gelesen, Samt sei nicht "mittelaltertauglich" oder "A" wie es hier viele nennen. Deshalb habe ich bis jetzt noch kein Samtkleid für meine Frau genäht. Ich wollte ein Samtkleid mit Schleppenärmeln nähen. Würde das auch so um 1400 durchgehen?
@Schneiderlein
Das rote Samtkleid ist übrigens wunderschön. Ich trau mir garnicht, es meiner Frau zu zeigen.

Uli
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Schneiderlein
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Beitrag von Schneiderlein » 04.03.2004, 16:32

@ Haynrych

Ok, weis Bescheid. Ich werde Dir am Montag nochmal schreiben. Vorher hab ich alle Hände voll zu tun. Graubart hat mir am Montag erzählt, daß die Geburtstagsfeier am Samstag in Gewandung stattfindet, und jetzt kleide ich meinen Gatten und mich grad von Kopf bis Fuß wikingisch ein (inkl. Borten...).

Mit Müller&Sohn ist ein Schnittsystem der gleichnamigen Firma gemeint, nach dem viele Schneider die Schnittaufstellung lernen.

@ Uli

Schön, daß es Dir gefällt. Samt ist seit dem 14ten Jahrhundert für Italien nachgewiesen. Die Quellen sagen aber nicht wann im 14ten Jahrhundert. Sollten die Quellen die ich habe 1390 meinen, kratzt das in Italien schon an der Renaissance. Den Stoff des Kleides auf der Gemäldevorlage würde ich auch als Samt deuten, mein Kleid habe ich allerdings aus einem Baumwollkettsatin gemacht. Wenn Du Schleppenärmel sagst möchtest Du wahrscheinlich ein burgundisches Kleid machen, oder? Ich weis nicht ob Samt für burgundische Mode nachgewiesen ist, was ich allerdings weis ist, daß die Burgunder Brokat und Atlas (Satin) liebten. Wenn Du also auf Nummer sicher gehen willst, dann nimm lieber keinen Samt.
Bin ein Schneiderlein, bin ein kleines Schneiderlein!

Elebridith
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Highland woman

Beitrag von Elebridith » 18.05.2004, 13:16

Seid gegrüsst,

war schon lange net mehr hier. Aber in der Zwischenzeit hab ich ja Martin und Willow aus meiner Bogenschießen-Gruppe kennengelernt, die auch MA-märkte und Lager veranstalten und auch welche, die bei mir in der Nähe sind, so um stuttgart rum und Richtung Bodensee. (schaut hier:http://www.neckar-highlanders.gmxhome.de/term.html)
Bin eben z.Zt in keiner guten finanziellen Lage um weit zu reisen und aus anderen Gründen kann ich nie über Nacht wegbleiben, aaaaber...ich kann immerhin für einen Tag auf nen markt kommen. Daher hab ich mich also eine Woche lang hingesetzt und mir ein Kostüm genäht. Hab ja leider keine Nähmaschine und musste alles von Hand machen, macht ja aber nix, war ja früher auch so. Am 6.6. bin ich also dann auf Burg Hornstein.

Also, da ich eh im Herzen british bin, und besonders zu den Schotten einen besonderen Draht hab, wollte ich also eine Gewandung für eine Schottische Highlanderin machen. Und zwar in der Zeit so um 1700 - 1750 rum. Leider trugen die Highland-Frauen auch nix anderes als die Engländerinnen auf dem Land. Daher kann man im Kostüm selber nicht erkennen, daß meine Person aus Schottland stammen soll. Allerdings wenn ihr mich reden hören würdet, dann wäre es ganz klar. *lach*

Das einzige was an Schottland und Clans bei einer Frau erinnert ist das Arisaid aus Tartan, jedoch mitte 1700 ist es so langsam ausgestorben und nur noch schottische Hinterwälderinnen haben eins getragen. Aber wenn ich so mal ende 1600 oder Anfang 1700 als Zeit nehme, könnte man sagen, die stolze Schottin trug den Arisaid noch. Auf meinen Bildern is noch kein Arisaid, denn der kommt noch und zwar aus Schottland im MacGreogor Stil. War schon immer mein Lieblingsname, auch schon bevor ich Rob Roy gesehen hab. (ich hab ja viele viele jahre in Britain gelebt! nicht vergessen)

Viel geschwatzt. Hier ist was bei der Näherei rausgekommen ist. Ich bin leider nicht die begnadete Schneiderin, aber ich hoff man kanns so lassen für den Anfang. Schuhe hab ich leider noch keine.
BildBild
*Cunnen linnatha go len*

Taran
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Gratulation

Beitrag von Taran » 18.05.2004, 14:43

Das sieht sehr gut aus! Schottische Hinterwäldlerinnen haben offenbar Geschmack, und sooo schlechte Schneiderinnen können sie auch nicht sein, wenn man das Ergebnis betrachtet (sage ich als Gewandungs- und Nählaie )!!!
Taran von Caer Dallben

... και δόξα τω Θεώ !

Dagmar
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Frage an Highlandwoman

Beitrag von Dagmar » 18.05.2004, 14:51

Die Kleider sehen wirklich prima aus. In welche Zeit sollen die gehören und hast Du eine Anleitung oder ähnliches übrig?
Gruß Dagmar

Elebridith
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welche zeit?

Beitrag von Elebridith » 19.05.2004, 20:45

Nun die Zeit, es ist nicht grade Medieval, sondern eher so um die 1700 rum. Ich hatte extra im Internet herumgesucht um den richtigen Kopfschmuck zu finden. ich weiß net was des eine auf deutsch heißt aber im englishen isses ein Kertch (von kerchief - vier-eck-tuch) oder, wie die 18th century frauen diese Hauben mit Rüschen, ebenso diese art Röcke besonders wenn der obere etwas an den Seiten gerauft ist.

Nee, eine Anleitung hatte ich nicht. Ich hab mir halt bilder angeguckt von Rob Roy...:-) und andere Historische Seiten aufgesucht.
So halt.:-)
*Cunnen linnatha go len*

Lumpi
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Beitrag von Lumpi » 12.02.2005, 20:16

Hallo,
gibt es schon einen Gewandungspräsentationstread?
Ich weiß nicht so recht in welchen Tread ich posten soll, daher versuch ich es hier mal.

Meine frisch genähte Gewandung:
[url=http://www.fletchers-corner.de/cpg/albums/userpics/10487/a2j_KIF_0625.jpg]
Bild[/url]

Das Schnürhemd ist aus grobem Leinen und der Mantel aus einem Baumwollstoff, der Loden ähnelt.
Mit der Hose beginne ich morgen.

In welche Zeit das passt weiß ich ehrlich gesagt garnicht, es war halt recht einfach zu schneidern.

Darf/ kann ich eigendlich ein Schwert dazu tragen?
Wie stehts mit den Gesetzen diesbezüglich?

Gruß
Lumpi

horsebow
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RE:

Beitrag von horsebow » 12.02.2005, 20:52

Original geschrieben von Lumpi

In welche Zeit das passt weiß ich ehrlich gesagt garnicht, es war halt recht einfach zu schneidern.


@Lumpi: Je einfacher die Gewandung, desto größer der Zeitraum, in den sie paßt. Eine einfache Tunika paßt bei einem Bauern oder anderen Vertreter niederen Standes vom Früh- bis ins Hochmittelalter. Bei höheren Ständen änderte sich die Mode eher...
In den Klamotten wirst Du jedenfalls auf den allermeisten MA-Märkten als "gewandet" reingelassen.

Darf/ kann ich eigendlich ein Schwert dazu tragen?
Wie stehts mit den Gesetzen diesbezüglich?


Ein Schaukampfschwert ist nach dem Gesetz keine Waffe, also kannst Du es auch tragen. Ob das authentisch ist, darüber streiten sich die Geister, denn
1. wurden Schwerter in der Regel nur von Rittern, also Angehörigen eines höheren Standes, als Deine Gewandung repräsentiert, getragen und
2. galt im MA auf Märkten der sog. "Marktfriede", das Tragen von Waffen war gar nicht erlaubt (weil die sich wohl ständig die Köpfe eingeschlagen hätten...).

Gruß, horsebow
I shot an arrow in the air,
it fell to earth, I knew not where;
for so swiftly it flew, the sight
could not follow it in its flight.
Longfellow, Oct. 16, 1845

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Schwert

Beitrag von Lumpi » 12.02.2005, 22:42

@Horsebow:
Das Schwert das ich gedenke zu tragen ist aus Stahl, nicht aus Kunststoff. Gilt das dann noch als Schaukampfwaffe?
Ob´s zu meiner Gewandung "passt" weis ich nicht, ihr seid die Experten.
Es sieht jedenfalls sehr gut damit aus.

Wenn es nicht 100 Prozent legal ist, werde ichs wohl lieber zu haus lassen. Sicher ist sicher.

Gruß
Lumpi:-)

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Netzwanze
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Beitrag von Netzwanze » 12.02.2005, 23:39

Schaukampfschwerter sind aus Stahl. Haben aber anstatt einer scharfen Kante eine 3mm breite Schlagkante, sind also stumpf. Da mit diesen Schwertern richtig gekämpft wird, müssen sie auch einiges aushalten. Daher wird auch immer sehr guter Stahl und verwendet.

Kunststoffschwerter hingegen sind Spielzeug oder werden höchstens als Larpschwerter bezeichnet.

Ob´s zu meiner Gewandung "passt" weis ich nicht, ihr seid die Experten.

Wie ja schon gesagt wurde, trugen einfache Leute keine Schwerter (zu teuer; außerdem durften sie sich nicht damit sehen lassen daher war "gefunden" auch keine Entschuldigung). Ein Messer hingegen hatten auch Bauern.

Dann kommt es noch drauf an, welche Zeit und welchen Ort du darstellen willst. Nach deiner Gewandung zu urteilen würde ich sagen Europa, frühes bis mittleres MA, Landbevölkerung,einfaches Volk, Bauer / eventuell auch Handwerker.
Jedoch sind dein Umhang sowie deine Taschen dafür schon zu "gut". Vielleicht doch Handwerker oder auch fahrender Händler.
"Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann was er will, sondern dass er nicht tun muss was er nicht will" (Jean-Jacques Rousseau)

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Beitrag von Beni » 13.02.2005, 19:44

hi!
Nunja, ich wuerde jetzt nicht unbedingt behaupten, dass Schwerter nur von Rittern getragen wurden. Auch der gemeine Kriegsknecht besaß fast immer ein Schwert.

Da deine Klamotten aber wohl wirklich eher fuer eine zivile Darstellung taugen, waere ein Schwert wohl eher unangebracht.

Was du aber (zumindest im SMA in deutschen Raum, wie's damit frueher und in anderen Regionen aussieht, weiss ich nicht) tragen koenntest, waere eine sogenannte Bauernwehr (auch als "Rugger" bezeichnet):
Bild

Natuerlich waere auch ein etwas schlichterer Dolch drin. Vielleicht sowas in der Art oder noch bissel schlichter:
Bild

Aber ich wuerde mich da net so genau festlegen.
Das Sinnvollste waere eben, wenn du dir eine Darstellung, einen Zeitraum und eine Region auswaehlen und dann geziehlt dafuer nach Infos suchen wuerdest. imho ist es sinnlos, sich Klamotten zu naehen und dann zu fragen, was man damit eigentlich darstellen koennte. Sollte genau andersrum erfolgen ;)

Gruesse

Beni

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Beitrag von horsebow » 13.02.2005, 20:00

@Beni: Prinzipiell hast Du ja recht, aber das kommt halt drauf an, ob man "A" sein will oder nur als gewandet billiger/umsonst reinkommen...
Stimmt auch, daß nicht nur die Edlen, sondern eben auch Söldner und Kriegsknechte Schwerter trugen, aber seine Gewandung schließt eine solche Darstellung halt aus...
Übrigens - wunderschöne Blankwaffen hast Du da!

Gruß, horsebow
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Beitrag von Beni » 13.02.2005, 21:11

hi horsebow!
...aber das kommt halt drauf an, ob man "A" sein will...

sicher, aber er fragt ja z.B. auch, ob er mit seiner Klamotte ein Schwert tragen koennte oder nicht. Also vielleicht hat er ja Interesse an etwas mehr "A". Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben ;)

...aber seine Gewandung schließt eine solche Darstellung halt aus...

japp, hab ich ja geschrieben ;) Ich wollte das nur net so stehen lassen, dass "einfache Leute" keine Schwerter trugen. Ein normaler Kriegsknecht war eben auch ein "einfacher Leut" ( das alte Leid: was ist der Singular von "Leute"? Egal, ihr wisst, was ich meine)

Übrigens - wunderschöne Blankwaffen hast Du da!

Waer schoen, wenn ich sie haette. Gehoeren aber leider nicht mir ;)

Viele Gruesse

Beni

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Beitrag von Lumpi » 14.02.2005, 22:33

Hi,
mir ging es nicht darum, irgendwo billiger rein zu kommen oder ähnlich.
Ich wollte einfach nur mal anfangen, mir MA-Kleidung selbst zu nähen, die einfach in der Herstellung sind, damit ich auf dem nächsten MA-Treffen nicht "Nackt" auftauchen muss.
Welchem Zeitalter sie entsprechen war mir eigendlich egal, es sollte nur nach Mittelalterlichem Handwerker aussehen. Außerdem wollte nur wissen ob zu dieser Gewandung ein Schwert "passt", da ich ein da habe.

Ich wollte dadurch keine Disskussion zwischen "A" und nicht "A" anzetteln.

Gruß
Lumpi

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Diskussion "A"

Beitrag von Archiv » 15.02.2005, 01:41

...die kommt Automatisch wenn du in Gewandung irgendwo auftauchst!:D

Wenn du ein Schwert bereits besitzt mach auf Söldner, für Handwerker ist das Schwert eher untypisch, eher im FMA die Sax des gemeinen. Meine Erfahrung und die der meisten mit denen ich gesprochen habe, (viele Historiker und Archäologen) der gemeine MIttelstand hat im FMA und auch im SMA den Bogen nur zur Jagd und zum Wildern benutzt! (Ich rede jetzt nicht von der Englischen sondern von der MItteleuropäischen Einstellung) Schwerter waren gerade im SMA der Söldener und Kriegerkaste vorbehalten, es gab keine Bauern mit Schwert und auch keine Handwerker. (Einzelfälle sind nicht belegt)

Die Rollenspieler Variante des Waldläufers ist ebenfalls nicht "A" :D Was mir sonst noch einfällt wäre der Jagdaufseher, eines Fürsten, allerdings ist dies auch im Spät MA anzusiedeln.

Soviel von meiner einer
Grüße vom Niederrhein Volker ;-)

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