Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von Sateless » 12.10.2015, 23:03

Skythenbogen!
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Betelgeuse
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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von Betelgeuse » 13.10.2015, 11:01

@ simon
ich wollt schon wenigstens ungefähr in Deutschland bleiben. ;)
auch wenn ich für einen Skythen durchaus was übrig habe.

@ killerkarpfen
jetzt hab ich das mit dem flitzebagen glaub ich gecheckt; einfach ein selfbiow ohne spezielle Bauart, der nach rein pragmatischen gesichtspunkten gebaut wird.
Aber bekonnt man einen 160cm selfbow stackingfrei bis 30"?
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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von eddytwobows » 13.10.2015, 11:19

Betelgeuse hat geschrieben:.../...Aber bekonnt man einen 160cm selfbow stackingfrei bis 30"?.../...


Gemäß Faustformel (ohne Recurves oder geflippte Enden)... :

Benötigte mindest-Bogenlänge = Auszug x 2 + (Grifflänge + Nocklänge)

...würde das bei einer verfügbaren (gesamt)Stave-/ Bogenlänge von 160 cm ( 62 9/10")
eine Reserve von knapp 3" für Griff und Nocken ergeben...

M.M.n. etwas wenig für einen vernünftigen und zweck-/ funktionserfüllenden steifen Griff... :-\

Wenn Du also ohne steifes Griffstück baust, tät´s passen, geeignetes Holz und einen guten (Kreis)tiller vorrausgesetzt... :) :)

LG
etb
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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von Sateless » 13.10.2015, 11:43

Betelgeuse hat geschrieben:@ simon
ich wollt schon wenigstens ungefähr in Deutschland bleiben. ;)
auch wenn ich für einen Skythen durchaus was übrig habe.


Naja, Jagd ist schon etwas länger ein Adelssport in Europa. Man musste ja Äcker bestellen, weil man nicht mehr ausreichend jagen konnte. Daher ist - für mich - klar, dass es eben ein "Bessergestellter" sein muss, der eben die Zeit fürs Jagen hat. Nach mittelalterlicher Wilderei war ja nicht gefragt. Und so einer wird durchaus in der Lage sein, einen Kompositbogen zu importieren. Und da die 'Ömer sogar Skythen und andere Bogenreiter als Wachtruppen am Limes hatten ... Quellenlage habe ich dazu nicht parat, Eisenzeit ist mir zu früh.
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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von Betelgeuse » 13.10.2015, 12:02

Frühes Mittelalter ist auch ok, muss halt eine Zeit sein, wo man nicht gleich wilderer oder aussenseiter war, weil man zur Jagd einen Bogen benutzt hat, aber der punkt mit bessergestellt, zeit für die Jagd und Import erscheint logisch.
Wie krass offtopic wäre ich mit diesem "Importbogen"?
2015-10-08 17.45.29-1.jpg

2015-10-08 17.45.12-1.jpg

ist hakt kein Skythe
@ETB
Diese Faustregelhatte ich vergessen, also 2x30" biegende länge, 2x1" Nocks, 4" Griff, macht 168cm.
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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von Wilfrid » 13.10.2015, 12:27

naja, da kannst Du für Niedersachsen bis in die frühe Neuzeit und danach auf Niederwild gehen, Wölfe und Füchse sogar noch später.
Von wegen nur der Adel ... Die Waffe der Wahl war so ab ende HoMi die Armbrust, außer du bist Schäfer, dann ist der Bogen wegen Preis und Einsetzbarkeit die Waffe der Wahl.
Da stammt der Flitzebogen ja her. Übrigens : Einfach einen praktischen Bogen gebaut :-)
Es stecken einige Tricks drin, gegenüber dem auf Manufakturfähigkeit entwichelten ELB.
Durch die Fünfeckform kann man eher höher als breit bauen, was vor allem weniger zugstarke Bögen(bis 60#) sehr leicht macht. Durch die starke Asymmetrie hat so ein Teil keinen Handschock.
Naja, und die besondere Form der Tips läßt zu , den Bogen sehr schnell zu spannen.
Aus Eibe oder Ulme sind die auch garnicht sooo langsam.

Die alternative ist jetzt entweder ein ungarischer Bogen oder eben der erwähnte "Skythe". die ungarischen Bögen wurden schon zur Wikingerzeit bis Island verhandelt. Und wer soviel Zeit hatte, jagen zu gehen, war als Niedersachse sowie so Wehrpflichtig und hatte einen Bogen zu haben

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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von grumpf » 13.10.2015, 12:37

Hm,

geht vom Design eher in Richtung mongolisch. Zeitlich für das Frühmittelalter wäre eher hunnisch (ganz früh), avarisch oder ungarisch angesagt. Ungarische Bögen kannst Du auch mit einer RUS-Wikinger Darstellung verbinden. Ungarische Köcher, Daumenring und Bögen wurden in Birka gefunden.
Was ist unter dem Leder im Wurfarm? Fiberglas oder Holz mit Glas? Ist beides nicht ganz historisch. Ich denke mal ein echter Komposit scheidet wegen dem Preis aus oder? Wenn es preislich günstig sein soll und noch halbwegs aus der Ferne authentisch aussehen soll entweder ein Glasfiberprügel mit Leder bezogen oder einen sogenannten Biokomposit von Grozer.

VG grumpf
Beim Bogenschießen sollte auf geeignete Kleidung geachtet werden. ;)

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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von Wilfrid » 13.10.2015, 12:46

Wegen der Verzierungen schon, wäre der RB da oben daneben

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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von killerkarpfen » 13.10.2015, 16:45

Sateless hat geschrieben:Skythenbogen!


Naja wenn man sich die Geschichte nach seinen Vorstellungen zurechtbiegen will... meinetwegen auch ein Skyte :-\
Ich wage einmal die Frage in den Raum zu stellen wo in Westeuropa, noch näher eingegrenzt in Norddeutschland hat man irgend welche Kompositbögen gefunden?
In Osteuropa wo diese herkommen herrscht Kontinentalklima. Die Skyten waren das nicht nomadische Steppenvölker?

Meiner bescheidenen Meinung nach herrschte hierzulande eher ein feuchtes mildes Klima, das einem aus organischen Rohstoffen hergestellten verleimten Bogen nicht so gut bekam. Gekannt hat man diese Bögen sicher. Hätte man sie benutzt würden sich entsprechende Spuren vermehrt finden lassen. Zudem die Armbrust in späterer Zeit dem begüterten Bürger zugänglicher war.
Dennoch auch andere näher lebende Völker haben unsere Kultur hier geprägt.
Nur meine bescheidene Interpretation, unter Anerkennung Deiner Vorliebe.

@ Betelguese zu Deinem langen Auszug auch zu Deiner Körpergrösse solltest Du Dir sicher einen in der Länge passenden Bogen beschaffen. Meine angegebenen Bögen sind mir bekannte Fundstücke. Die gab es sicher auch grösser.
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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von Wilfrid » 13.10.2015, 17:28

Also, verleimte Bögen, da gibts nen Fund aus Finnland, sicher nicht so trocken da und Island ist nun noch nasser.

Das Komposits im nassen Klima den Geist auf geben, ist ein Gerücht. Mit Kasein dabei wird Hautleim "wasserfest"

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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von Betelgeuse » 13.10.2015, 17:48

Also spezielle Vorlieben hab ich da nicht, lediglich eibe gewisse Affinität zu den Vorchristlichen Europäern, aber keine Abneigung zum christlichen früh und Hochmittelalter. So ab 15Jh hört mein vorhaben auf, da wirds mir zu "modern" und zu religions-spießig.
Der RB hat glas unterm Leder, ist ein sehr flotter Mongole von Kassai, und der dient auch nur als Übergangslösung fürs reenactment, bis authentischeres Material da ist.
Ich würd auch was neolithisches machen, finde diese Zeit hochinteressant, nur würd ich damit relativ allein sein, ne echte community gibts da nicht.
Also im moment würd ich als Bogen was in Richtung Holmegaart bevorzugen, weils eben ein ausgewiesener Jagdbogen ist, denn ich wollte ganz bewusst einen Jäger mimen, keinen Krieger, denn dafür wäre noch ein haufen unbequemes und teures zeug erforderlich. Ausserdem hab ichs so gar nicht mit Militär.
Und auch auf die Gefahr hin dass mich manche nicht mehr mögen, ich mag Armbrüste einfach nicht und finde Speere unelegant und sperrig.
Wie gesagt, ich weiß, dass ich schwierig bin.
Gruß, Olli
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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von Wilfrid » 13.10.2015, 18:09

Über welche Zuggewichte reden wir hier eigentlich? Denn so ein stabförmiger Bogen, mannshoch ist zwar auch recht schnell, wenn man ihn richtig baut, aber so mit 40# wird der dann recht spillerig.
Der Bow swap von mir hat ~60#@28", ist 69" lang und ist 28x25 mm im Griff bei 534g, aus Esche.
Da kannst Du Dir ausmalen, was für ein Spargel so ein Teil werden kann, auch wenn man den statt 174 185 cm baut.
so ein 30#er wäre dann optimal 14 x25mm. Bei so 230g Bogengewicht mußte aufpassen, das Deine Mittelalterpfeile nicht schwerer sind als der Bogen.
Bild
Das Teilchen, was die Dame da in der Hand hat, hat ~50# und ist aus Eibe.
im Griff 30 breit und 32 hoch

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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von Sateless » 13.10.2015, 18:24

Wär denn ein Schäfer so ungewünscht, Olli?

@Killerkarpfen: Jeder Bogen lebt und stirbt mit der Pflege. Wenn man nen Selfbow ohne Versiegelung für ne Woche aufgespannt ins Rundhaus stellt, dann gibt der auch nach. Allgemein sind Bodenfunde von Bögen einfach selten. Eben weil jegliches organisches Material so "schnell" Kompostiert. Völlig egal, ob vom Baum, oder vom Tier. Und so lange man Lebensmittel darren kann, kann man auch einen Bogen Pflegen. Egal ob vom Baum oder auch aus tierischem Material.
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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von Betelgeuse » 13.10.2015, 20:04

Ich wollt grad voreilig sagen Schäfer klingt so langweilig, aber da wirst du mich wohl gleich eines besseren belehren. Ich wusste garnich, dass die Jagen durften?
Gehörte den Schäfern ihr eigenes Weidekand? Sprich, waren das "selbstständige"?
Ansonsten spricht nichts gegen den Schäfer, bis auf die Tatsache, dass ich sonst nichts besitze, das damit auch nur entfernt was zu tun hat.
Zur Preisfrage, wenn meine entscheidung feststeht, liegt meine Grenze gewiss nicht nur bei 200€.

P.S. Zuggewicht 50-60# @ 30"
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Re: Reale Bogentypen der Bronze/Eisenzeit

Beitrag von Wilfrid » 13.10.2015, 20:24

Schäfer haben mit flitzebogen Wölfe und "wilde Hunde" von der Herde vertrieben bzw getötet. Und Niederwild durften die in NDS ganz sicher jagen, genauso wie Landbesitzer/Bauern.
Ihnen gehörte das Land nicht, aber sie hatten Huderechte. Einer meiner Urahnen saß als Schäfer im Landtag, gut , der war zu der Zeit mit über 1000 Schafen in 2 Herden auch kein ganz armer Mann.
Es gab selbstständige Schäfer, Lohnschäfer und eben auch Schäfer, die irgendwo angestellt waren.
Was die Kleidung angeht, ganz normal, wie jeder andere auch zu der Zeit.

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