Bogenbau in Survival-Situation

Was nicht in eine der anderen Kategorien passt.
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Frankster
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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von Frankster » 22.03.2014, 01:39

Ralf,

auch unter der Bedingungen, das man einen Bogen und und abgestimmte Pfeile dabei hat, wird es extrem schwer bis nahe unmöglich für die meisten von uns, sich dadurch in einer survival Situation zu verbessern.

Ich habe schon nur mit einem Taschenmesser ein paar Bögen gebaut. Über 20# kam ich bei grünem Holz nicht hinaus. Das Hautproblem war Pfeile zu bauen mit denen man was treffen kann.
Nimm nicht den ganzen Baum wenn Dir ein Ast genügt

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Eberesche
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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von Eberesche » 22.03.2014, 01:46

Klar klingt ein Steak attraktiver als ein paar Käfer (oder erstmal Beeren und Wurzeln). Dann solltest du aber schonmal üben, auf 15, besser 10m an ein Reh ran zu kommen, ohne dass es dich bemerkt. Kann man ja auch mit der Fotokamera bewaffnet machen. Die sind nämlich auf richtig gut hören, schnüffeln und rennen optimiert. Nehmen wir an, du weißt wo sie sich gerne rumtreiben und kommst innerhalb des nächsten Monats sogar mal nahe genug ran. So lange kommt man ja auch ohne Essen aus. Aber ob man dann noch 60# ziehen mag... Die Zeit lässt sich sinnvoller nutzen.
Eine Falle ist natürlich weniger cool und Abenteuerfilm, aber schneller gemacht als ein Bogen und dann musst du dich nicht mehr viel darum kümmern.
In dem vom Raben verlinkten Thema wurden ja schon verschiedene interessante Aspekte inkl. Umgang mit Zombies angesprochen...

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Wilfrid
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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von Wilfrid » 22.03.2014, 07:00

Ralf, die Grabfunde zeigen, auch mittelalterliche Pfeile waren selten tödlich, also sofort.
Und ein unter Adrenalin stehender verletzter Homosapiens hat immer noch genug Kraft, 10 m zu rennen und dir den Schädel einzuschlagen
Zum Thema Speer, so auf 10 20 m treffe ich damit auch. Nur hat das den Vorteil, triffst Du das Tier irgendwo, läuft das mit so ner 2 m Stange im Leib nicht allzu weit, jedenfalls nicht durch Gebüsch. Und ne Schlinge ist schnell gemacht und aufgehängt.

Um einen entsprechenden Haselnuß o.ä. Bogen zu bauen, brauchst Du etwas mehr als 12 -14 Stunden Zeit, davon hast du aber nur so 2-3 Stunden am Tag. Der Rest geht mit Futtersuche drauf. Dann kommt noch der Pfeilbau dazu. Und Saplingpfeile grün fliegen nicht besonders, da zu weich.

Wenn Du Dich also erstmal mit kuscheligem Lagerplatz, genug Grassamen und Beeren für den Winter, genug Brennholz etc eingerichtet hast, ist natürlich irgendwann auch ein Bogen mit Pfeilen , -erstmal als Zeitvertreib, dann zur Vogeljagd-, nicht das verkehrteste.

Nightbow
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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von Nightbow » 22.03.2014, 10:05

Bei einem survival bogen für die ersten tage ist die qualität eher 2. rangig. denn ich glaube die warscheinlichkeit das man in den ersten tagen mehr als sagen wir mal 10 schuss abgibt auf ein geeignetes ziel ( grösse eines raben oder hasen )auf geeignete distanz 7-15 meter. Ist eher klein den zuerst muss man lernen sich anzupirschen wissen wann sich welche tiere wo aufhalten. Und mit den ersten schüssen sich SCHNELL an den bogen und die ziemlich sicher unpassenden pfeile gewöhnen da bogenwage spinetester brauchbarer leim für federn garantiert fehlen. Und auch ein nochso schlecht gebauter bogen hält mit etwas set die ersten 50 oder 100 schuss!
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Idariod
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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von Idariod » 22.03.2014, 14:27

Also mit den gegebenen Werkzeugen kannst du auf jeden Fall einen Bogen bauen. Allerdings halte ich es da mit Wilfrid, erst wenn du anderweitig den Überleben gesichert hast (Wildwechsel finden, Eigengeruch maskieren - auf dem Wildwechsel liegt ja hoffentlich irgendwo Losung -, Falle bauen, etc.).
Wenn du dann aber einen Bogen hast (nachdem du Bogenholz und Schösslinge getrocknet hast), und vorrausgesetzt du bist waidmännisch so gut wie Eberesche andeutet, nämlich mit dem Bogen auf die Viecher in jagdliche Distanz zu kommen, dann solltest du:

- Nerven wie Stahlseile haben
- evtl. so gut wie Robin Hood treffen (mit einem frischen Setup, Wunschzuggewicht und perfekter Spine iss nich!)
- die besten Feuersteinjagdspitzen der Neuzeit haben.
- ausdauernd laufen können

Nur dann wirds was mit Rehbraten, ansonsten Kolbenpfeile für Kleinvieh. Was NOCH schwerer zu treffen ist.

Also ich würds mir keinesfall zutrauen, allein mit dem Bogen mein Überleben zu sichern in so einer Situation.
Über die Sache mit den anderen Homo S. diskutiere ich hier nicht.
Teile dein Wissen und gib nicht vor zu wissen was du nicht weißt - ein guter Ratschlag von einem tüchtigen Tischler. Das steht hier um mich daran immer zu erinnern, und für alle denen der Schuh passt.

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Squid
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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von Squid » 22.03.2014, 15:34

Fallenbau ist gar nicht mal sooo schwer. Natürlich ist es von Vorteil, mal davon gelesen zu haben. Aber dann findet sich irgendwann auch ein Wildwechsel, denn man mit Fallgrube, Schlagfalle oder Schlingenfalle ausstatten kann.

Und ein Speer ist deutlich im Vorteil gegenüber dem Bogen, wenn man von der Materie keine Ahnung hat. Das Spitze muss in den anderen.

Klar, wenn einer hier aus dem Forum in Survival-Not gerät, wird er über einen Bogen nachdenken. Aber er hat eben auch das Fachwissen.
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.

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killerkarpfen
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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von killerkarpfen » 22.03.2014, 16:14

@ Idariod

Gut gesagt! ;)

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ralfmcghee
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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von ralfmcghee » 22.03.2014, 18:04

Das mag ich an diesem Forum: Tolle Kommentare, von Leuten, die sich bei ihren Beiträgen etwas denken. Ganz anders, als meine Facebook-Erfahrung. :) Leute, Ihr seid klasse!

@Idariod:

Du hast meine volle Zustimmung. Über den Homo S. wollen wir gar nicht diskutieren.

@all:

Auch das Thema Jagd kann man getrost herauskürzen; ich persönlich würde es weder können noch wollen. Dementsprechend käme für mich auch der Fallenbau nicht in Frage. Fleischwaren erjage ich, indem sie in den Einkaufswagen fallen lasse (und selbst das wird mit meinem zunehmenden Alter allmählich seltener). Mein ursprünglicher Gedanke war im Wesentlichen die Frage nach der Brauchbarkeit eines Bogens in einer Survival-Situation. Darauf beschränke ich mich zweckmäßigerweise. Der Meinungstrend imThread zeigt eindeutig in Richtung

- zu langwierig im Bau
- nicht haltbar genug
- Leistungsfähigkeit und Genauigkeit mehr als zweifelhaft
- völlig ungeeignet, wenn man die notwendigen anderen Fähigkeiten nicht hat (klar).

Aber ich zeige mich ja gerne als unbelehrbar. ;) Ich habe mich entschlossen, ein "Survival-Projekt" im geschützten Raum stattfinden zu lassen. Im Grunde ist das nichts Neues. Wir kennen das als Sapling-Turnier. Ich will das aber in Grün. Dementsprechend werde ich mir bei passender Gelegenheit unsinnigerweise einen Bogen aus grünem Holz mit passenden Sapling-Pfeilen (grün) basteln. Das Ergebnis wird hoffentlich quick und vermutlich extrem dirty. Dann probiere ich das Ganze aus. Meine Survival-Situation ist im heimischen Garten, die Jagd findet wie bei uns üblich auf eine Zielscheibe statt (nein, ich maskiere meinen Eigengeruch nicht mit Losung...) und die erjagte Mahlzeit wird eine Portion Spiegeleier vom eigenen Herd oder so etwas. Ja, ja, ich bin schon so ein ganz knallharter Zivilisationsheld. ;)

Diese Aktion verbuche ich unter "wer nicht hören will, muss fühlen". Wenn es damit losgeht, lasse ich Euch gerne per Thread an dem Blödsinn teilhaben.

Ach ja: Sollte der Bogen überhaupt etwas werden (Scheitern ist eingeplant), geschweige denn ein paar Tage überdauern, kriegt er eine Langzeitperspektive. Auch das ist dann möglicherweise dokumentierenswert.

Bis dahin machen wir wie gehabt Späne
Ralf
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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von Gornarak » 04.04.2014, 12:46

Ich glaub ja, dass man Kaninchen mit nem ordentlichen Steinwurf einfacher erlegt, als mit nem Bogen. Für das nächstgrößere Wild würde ichs dann mit nem Atl Atl probieren und erst wenn ichs so richtig gemütilich habe, über Bogenbau nachdenken. Immerhin braucht man ja auch passendes Sehnenmaterial.

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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von Ravenheart » 04.04.2014, 14:10

Das Sehnenmaterial würde mir weniger Kopfzerbrechen machen als die Pfeile!

Rabe

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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von Gornarak » 04.04.2014, 22:10

Na dass Saplingpfeile funktionieren zeigt das Forum doch inzwischen jährlich.

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MoeM
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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von MoeM » 04.04.2014, 22:19

Hatten wir das Thema nicht unlängst? Egal, YT ist voller survival how-tos und zum Thema Bogen hatte Rabe erst eine Grafik des TD-Schößlingsbogens gepostet- Zwei möglichst identische Saplings unten abschrägen (15-20cm) und mit Wicklung verbinden... inkl. Pfeilauflage und naturgegebenem Taper.
Grüße Moe

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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von Gornarak » 05.04.2014, 17:11

Dafür brauchste aber auch wieder Seil. (Der andere Beitrag aus dem Armbrustbereich ist übrigens weiter oben verlinkt)

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ralfmcghee
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Re: Bogenbau in Survival-Situation

Beitrag von ralfmcghee » 10.04.2014, 15:05

Heute habe ich mein kleines Wellness-Überlebenstraining gemacht. Wenn es Euch interessiert, dann gibt es hier mehr:

http://www.fletchers-corner.de/viewtopic.php?f=15&t=24784

LG
Ralf
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