Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

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Markus
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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von Markus » 30.04.2010, 11:31

Bevor hier eine Diskussion losgetreten wird, was denn nun ein Kyudoka, zumal ein "richtiger" Kyudoka sei, bitte ich darum, sich seine Beiträge nochmals durchzulesen, bevor sie abgeschickt werden.

Jeder Kyudoka muss für sich herausfinden, was Kyudo für ihn bedeutet und wieviel Energie er dafür aufbringen kann und will (so wie überall halt). Dass es darüber Diskussionen geben kann, sei dahingestellt.
Eine Verallgemeinerung halte ich (wie überhaupt) hier für nicht angemessen.
Und so nebenbei - ich kenne viele Japaner, die auch nur 2-3 mal die Woche trainieren und da auch nur 20-30 Pfeile pro Training schießen.

P.S. selbst im Kniestand sollte die Raumhöhe mind. 3,50 m betragen, sonst langt es nicht nach oben (als Info für Nichtkyudoka)

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Rackhir
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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von Rackhir » 30.04.2010, 12:26

Markus,

ich wollte keine Diskussion lostreten.

Für mich bedeutet Kyudo ein ausgleich zur meiner beruflichen Tätigkeit.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Zur Zeit kann und will ich mein Trainigspensum nicht erhöhen, daß ich dadurch
länger brauche als andere ist mir bewußt und egal.

Gruß

Uwe

P.S. Könnte man die letzten Beiträge zu einem anderen Thread zusammen fassen?
      Gehören ja nicht zu eingentlichen Thema
Zuletzt geändert von Rackhir am 30.04.2010, 12:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von benzi » 30.04.2010, 12:58

Yabusame hat geschrieben:
Wo ein Wille…………. seltsam, dass ein (Nochnicht-) Kyudoka das erkannt hat:



als ich vor 14 Jahren angefangen habe mit dem Jagdrecurve ohne Visier zu schiessen, gab es kein FC..... wir mußten uns die Trainingsmethoden hart erarbeiten: Schiessen im Dunkeln, Schiessen gegen ein Wand ohne Zielscheibe, Schiessen in völliger Dunkelheit auf eine Kerze......

Rackhir hat geschrieben:
P.S. Könnte man die letzten Beiträge zu einem anderen Thread zusammen fassen?
       Gehören ja nicht zu eingentlichen Thema


gute Idee, ich schlage vor: Kyudo/Schiesstechnik/Trainingsmethoden

Ich wollte eigentlich mit meinem Zitat von Mark Rashid darauf hinaus, dass auch 1000 Pfeile pro Tag u.U. keine Verbesserung bringen können, denn wenn bei den 1000 Pfeilen ein Fehler wiederholt wurde, hab ich mir den ganz schön tief eingearbeitet, vom Hundetraining und Pferdetraining abgeleitet würde man sagen: es benötigt mindestens 1000 Pfeile um den Fehler zu korrigeren.

Ein korrekter Pfeil pro Tag wären dann also sinnvolleres Training als 200 nicht korrekte............

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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von the_Toaster (✝) » 30.04.2010, 13:16

benzi hat geschrieben:[...]
Ein korrekter Pfeil pro Tag wären dann also sinnvolleres Training als 200 nicht korrekte............
[...]


Klasse statt Masse halt.
Eine Regel, die heute gerne vergessen wird.

Das ist der Grund, warum ich nach einer wirklich guten Serie einfach mit dem Schießen aufhöre oder zumindest eine Pause mache.
Denn DAS ist es ja was ich verinnerlichen möchte. Und nicht meine Fehler.

---

Ach so...

Wie ist es denn mit dem japanischen Handwerk?
Hat keiner mehr was dazu zu sagen?
Zuletzt geändert von the_Toaster (✝) am 30.04.2010, 13:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von benzi » 30.04.2010, 13:38

the_Toaster hat geschrieben:
Das ist der Grund, warum ich nach einer wirklich guten Serie einfach mit dem Schießen aufhöre oder zumindest eine Pause mache.
Denn DAS ist es ja was ich verinnerlichen möchte. Und nicht meine Fehler.

---



ja das versuche ich auch, aber es ist echt schwer oder? Die Versuchung es wiederholen zu wollen oder gar besser zu machen ist für mich groß, sehr groß........

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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von Yabusame » 30.04.2010, 14:16

Ein korrekter Pfeil pro Tag wären dann also sinnvolleres Training als 200 nicht korrekte............



Gibt es den korrekten Pfeil?
Irgendeine Unzulänglichkeit ist immer da und Fehler machen und lernen aus den gemachten Fehlern wieder raus zu kommen ist besser. ;D
Ohne Fehler gibt es kein Weiterkommen. :-\


Grüße
Yabusame
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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von the_Toaster (✝) » 30.04.2010, 15:18

Yabusame hat geschrieben:Gibt es den korrekten Pfeil?


Und ob es den gibt.

Immer dann, wenn ich von dem Augenblick an, an dem ich mich an die Linie stelle bis zu dem Moment, an dem der Pfeil auf der Scheibe auftrifft, das Gefühl habe, dass alles stimmt.
Das sind die Momente, bei denen ich nicht denke, sondern nur handle. Das ist höchst subjektiv und ein Außenstehender mag wahrscheinlich massig Fehler sehen, aber in dem Moment ist mir das schnuppe.
Wenn ich schieße und das Gefühl habe, dass alles richtig war und auch treffe (wer trifft hat recht) und dann einer kommt und mich korrigieren will, höre ich mir das gerne an und probiere das aus. Wenn ich aber merke, dass die Korrektur den Ablauf stört und ich zum Beispiel die Spannung nicht mehr gleichmäßig aufbauen kann, dann gehe ich zum alten Verfahren über. Das ist auch der Grund, warum ich auf Links schieße.

Selbst die Japaner mögen es nicht, wenn etwas "perfekt" ist. Kleine Fehler lassen sie immer zu.
Blöd ist es dann, wenn deswegen ein Gaspedal klemmt oder die Bremsen versagen...
Zuletzt geändert von the_Toaster (✝) am 30.04.2010, 15:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von benzi » 30.04.2010, 15:25

Yabusame hat geschrieben:
Gibt es den korrekten Pfeil?

Grüße
Yabusame


Wie Toaster richtig beschreibt, ist das sehr subjekitv, und wenn von außen Fehler entdeckt werden können, kann es nicht der perfekte Pfeil gewesen sein, warum fühlt es sich dann für den Schützen so an? Weil es seinem Können, seinem Trainingsstand entsprechend der beste Pfeil war.
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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von Firestormmd » 30.04.2010, 15:26

LOL!

Manche behaupten auch, dass die Arbeitschritte in japanischen Firmen durch Kaizen und Kanban etc. mittlerweile so idiotensicher sind, dass dort nur noch Idioten arbeiten können. Die wissen dann nicht, was sie tun sollen, wenn bei der Montage was schief geht. Also bauen sie trotzdem weiter und schon klemmt das Pedal.  ::)

Meine Meinung: Wer alle Arbeitschritte bis zum erbrechen perfektioniert und ständig wiederholt, verliert manchmal den Blick fürs Wesentliche. Problemlösungsfähigkeit und Kreativität leiden dann unter Umständen.

Grüße, Marc
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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von the_Toaster (✝) » 30.04.2010, 15:38

Firestormmd hat geschrieben:Meine Meinung: Wer alle Arbeitschritte bis zum erbrechen perfektioniert und ständig wiederholt, verliert manchmal den Blick fürs Wesentliche. Problemlösungsfähigkeit und Kreativität leiden dann unter Umständen.


Das sind eher Fordsche Fließbandtechniken. Eine Vorgehensweise wird in so kleine Arbeitschritte zerlegt, dass sie jeder nach wenigen Minuten beherrscht. Das ist noch gar nicht so lange her, dass von dieser Methode wieder Abstand genommen wird. Das nennt sich dann Teamarbeit. Interessant ist, dass das Pendel gelegentlich wieder zu weit in Richtung Teamarbeit umschwenkt. Vor lauter "Team" wird die eigentliche Aufgabe völlig vernachlässigt.
Aber wir sprechen ja eher von Handwerk und nicht von Industriearbeit und da haben die Japaner immer noch ein paar wunderbare Eisen im Feuer.
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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von benzi » 30.04.2010, 16:06

es ist Euch ja prima gelungen zum Thema zurückzufinden  ;D


Firestormmd hat geschrieben:
Meine Meinung: Wer alle Arbeitschritte bis zum erbrechen perfektioniert und ständig wiederholt, verliert manchmal den Blick fürs Wesentliche. Problemlösungsfähigkeit und Kreativität leiden dann unter Umständen.

Grüße, Marc



das ist für mich schon der entscheidende Punkt, eine Arbeitsteilung und damit eine Spezialisierung findet ja schon vor einer Industriealisierung statt, eben auch schon beim Handwerk, nennt sich dann Manufaktur wenn ich mich nicht irre..... vielleicht ist die Gefahr dabei den Blick fürs Wesentliche zu verlieren in Japan, kulturell bedingt, geringer als bei uns........?

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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von Yabusame » 01.05.2010, 14:33

P.S. selbst im Kniestand sollte die Raumhöhe mind. 3,50 m betragen, sonst langt es nicht nach oben (als Info für Nichtkyudoka)

ANKF-Schützen mögen da "Schwierigkeiten" haben, Heki-Schützen nicht.
Das Heben des Bogen muss nicht über Kopf sein, man kann (wenn es die Situation erfordert) auch bis zur Hozuke-Position heben und dann reichen 2,50m i.d.R..

Grüße
Yabusame
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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von Markus » 02.05.2010, 07:11

Yabusame hat geschrieben:Das Heben des Bogen muss nicht über Kopf sein, man kann (wenn es die Situation erfordert) auch bis zur Hozuke-Position heben und dann reichen 2,50m i.d.R..


Das reicht gerade so, wenn man um die 1,70 m groß ist und einen Nami-Bogen (aufgespannt ca. 2,15 m, oberes Ende Griffwicklung bei ca. 82 cm, Hozuke bei ca. 1,18 m) schießt.
Wer Gardemaß hat (1,90 m) und einen yonsunnobi (aufgespannt: 2,29 m, Griff: 89 cm, Hozuke ca. 1,29 m über Boden)  schießt (eine nicht sehr seltene Kombination in D) braucht mind. eine Raumhöhe von 2,70 m. Und da wird es bei vielen Wohnungen schon wieder schwierig. Und immer eine gute Technik vorausgesetzt, die im Abschuss den Bogen nicht nach oben verreißt.  (P.S. das sind gemessene Werte).

Yabusame - Dein Enthusiasmus und Ehrgeiz in allen Ehren (ich begrüße es ehrlich, wenn sich jemand mit Haut und Haaren dem Kyudo verschreibt), aber sei mit solch allgemeinen Aussagen etwas vorsichtiger. Leute ohne jegliches Wissen um Kyudo könnten ein verzerrtes Bild des heutigen Kyudo bekommen und das wollen wir doch nicht (zumindest will ich das nicht). Wenn überhaupt, wäre Deine Lösung nur für Leute möglich, die nach der Heki-Technik schießen und eben max. 1.70 m groß ist. Andere Schulen könnten so was gar nicht machen, egal wie groß der Schütze ist.

Schönen Sonntag noch,
Markus
Zuletzt geändert von Markus am 02.05.2010, 07:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Traditionelles Handwerk in Japan, war: Bambuspfeile

Beitrag von Yabusame » 03.05.2010, 21:21

Yabusame - Dein Enthusiasmus und Ehrgeiz in allen Ehren (ich begrüße es ehrlich, wenn sich jemand mit Haut und Haaren dem Kyudo verschreibt), aber sei mit solch allgemeinen Aussagen etwas vorsichtiger. Leute ohne jegliches Wissen um Kyudo könnten ein verzerrtes Bild des heutigen Kyudo bekommen und das wollen wir doch nicht (zumindest will ich das nicht). Wenn überhaupt, wäre Deine Lösung nur für Leute möglich, die nach der Heki-Technik schießen und eben max. 1.70 m groß ist. Andere Schulen könnten so was gar nicht machen, egal wie groß der Schütze ist.


Mit diesen Federn mag ich mich nicht schmücken.

Das Schießen auf ein Makiwara auf dem Küchentisch habe ich während einer privaten Übernachtung in Wien gesehen - völlig unverzerrt. ;D

Und der Schütze war größer als ich (1.82).

Diese und andere Lösungen ergeben sich, wenn man will.
Für manche Leute mag das aber Privat-Ideologie sein.
Mit Enthusiasmus hat das nichts tun, schon garnicht mit Ehrgeiz - solche Eigenschaften ehre ich auch nicht.

Grüße
Yabusame
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