Hanfgeflecht Waraji

Antworten
RUWI
Newbie
Newbie
Beiträge: 4
Registriert: 09.01.2017, 18:03

Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von RUWI » 20.04.2017, 15:31

Hallo,

beim letzten Kyudo-Lehrgang sah ich immer mal wieder Schützen, die mit einem Waraji ihre Sehne abrieben (aufwärmten).
Bei Hanf-Sehnen wird dabei wohl eine Harzmischung in die Sehne gerieben um diese haltbarer oder geschmeidiger zu machen.
Moderne Sehnen brauchen diese Hingabe wohl nicht mehr, oder doch?
Jedenfalls ist es wohl Mode sich so ein Ding aus einer gerissenen Sehne selber zu klöppeln.
Hat denn irgendwer eine Anleitung dafür?
Verlängert es die Lebensdauer einer Kyudo-Sehne aus Materialmix, wenn diese mit diesem Harz behandelt wird?

Liebe Grüße
Rudi

Benutzeravatar
shokunin
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 2061
Registriert: 22.02.2011, 16:13

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von shokunin » 20.04.2017, 16:21

Hi Rudi,

wie bei allem gibt es Anleitungen auf Youtube...
https://www.youtube.com/watch?v=b9up9PrWeLE

oder hier im Blog eines unserer Lehrer...
https://blogs.yahoo.co.jp/kuroken3147/59183847.html

Offiziell laufen die Dinger unter Magusune まぐすね, glaube ich. Waraji ("Strohsandale") ist eher der Kosename ;D
Unter Magusune findest Du mehr aufschlussreiche Bilder.

Ich stelle fest, dass die Sehnen weder merklich länger halten, noch dass sie z.B. an anderer Stelle brächen, wenn ich sie mit Kusune pflege. Die brechen meist mittig oder unten kurz vor der Schlaufe und nur eine in ein paar hundert bricht anderswo. Von daher ist die Pflege überall ausser dort eh eigentlich für die Katz, was die Haltbarkeit angeht - und unter'm Nockpunkt pflege ich eh nicht. Aber man kann den Nockpunkt erneuern, wenn er zu zerrupft wirkt - das hilft mitunter schon, finde ich.

Ich benutze Kusune also nur sehr gelegentlich und "kosmetisch" wenn Sehnen filzig werden oder ich alle heiligen Zeiten mal eine Hanfsehne schiesse. Und irgendwie ist der Geruch und das Ritual auch schön - wieso also nicht... ::)

Und das ist der nächste Punkt... Hanfsehnen... man braucht zur Herstellung eigentlich eine alte Hanfsehne...
...und die kostet mehr als das fertige Magusune im Laden :P

Gruss,
Mark
"I don't believe it!!" (Victor Meldrew)

Benutzeravatar
Markus
Global Moderator
Global Moderator
Beiträge: 3009
Registriert: 06.08.2003, 23:46

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von Markus » 20.04.2017, 16:25

Hallo und Willkommen im Forum!

Auch moderne Sehnen fasern mit der Zeit auf und das Einreiben mit einem Harz (der Name fällt mir grad nicht ein - s. shokunin kusune) hilft dabei, dass sich die Fasern nicht weiter aufdröseln. Die Sehne lebt länger, ist leiser und im Extremfall auch noch schneller (soweit ich gehört habe).
Nix anderes, als wenn woanders Sehnenwachs verwendet wird.
Moderne Sehnen werden ebenso gewachst, wie Naturfasern (z.B. Hanf).

Wie man ein Waraji/Magusune aus einer alten Sehne flechtet, zeigt Youtube oder ein paar der einschlägigen Lehrbücher. Leider gerade weder noch zur Hand.

Mark war schneller :D

Gruß,
Markus

RUWI
Newbie
Newbie
Beiträge: 4
Registriert: 09.01.2017, 18:03

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von RUWI » 20.04.2017, 16:57

Hallo,
vielen Dank für die superschnellen Antworten.
Dachte mir fast, dass das eher eine rituelle Handlung ist, aber was tut man nicht alles, um das kurze Leben der Sehne zu verlängern ;-)
Waraji heißen die Dinger wohl, weil sie diesen Sandalen sehr ähnlich sind. So bezeichnet sie der Herr Brettschneider auch auf seiner HP.
Aber irgendwie gehört das Knoten und Nakajikake basteln ja irgendwie dazu...
Und natürlich ist ein gekauftes Magusune (Danke Mark!) billiger.
Aber selber machen ist doch irgendwie anders.

Vielen Dank nochmal
Rudi

Benutzeravatar
Markus
Global Moderator
Global Moderator
Beiträge: 3009
Registriert: 06.08.2003, 23:46

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von Markus » 20.04.2017, 17:04

"Nur rituell" würde ich nicht sagen.
Denn ich weiß, dass schon Leute auf Lehrgängen angezählt wurden, weil ihre Sehnen wie S... aussahen - aufgefasert, schlecht geknotet, abgewetztes nakajikake etc. pp.
Daher sollte die Sehne schon einigermaßen ordentlich sein, allein um ordentlich auszusehen.

Und wer zu faul ist, sich um seine Sehne zu kümmern, ist auch zu faul, um ordentlich schießen zu lernen. >:)

Benutzeravatar
shokunin
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 2061
Registriert: 22.02.2011, 16:13

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von shokunin » 20.04.2017, 17:20

Klar, das Gerät muss in Ordnung sein, wenn man damit treffen will, und ein wenig hilft es sicher auch bei Kevlarsehnen.

Und ich muss auch gestehen der Reiz der Hanfsehne ist ein gutes Stück weit, dass man zum Schluss damit basteln kann ;D
Ich hab' mir auch schon welche gekauft - nicht nur um mal zu sehen, wie die sich schiessen, sondern auch um dann damit zu basteln.
Für mich waren sie dann aber einfach zu teuer (und aufwändig). Bei meinem Pensum brauchte ich fast jede Woche eine Sehne. Vielleicht lag das aber auch an mangelnder Pflege... :-[

Gruss,
Mark
"I don't believe it!!" (Victor Meldrew)

RUWI
Newbie
Newbie
Beiträge: 4
Registriert: 09.01.2017, 18:03

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von RUWI » 20.04.2017, 17:40

Hallo,

naja, mit ner ausgefransten Sehne würd ich mich ehrlich gesagt garnicht auf einen Lehrgang trauen...
Bisher hab ich das mit Ponal immer ganz gut hinbekommen, nicht ganz stilecht vielleicht, aber haltbar ;-)
Schieß auch erst seit einem Jahr und das nur einmal die Woche, also noch nicht die ganz großen Erfahrungen sammeln können.
Aber soll in Zukunft sicher mehr werden und der letzte Lehrgang hat mir ein bisschen die Augen geöffnet, was noch so alles möglich ist, bzw. wo ich gerade stehe.

Liebe Grüße
Rudi

Benutzeravatar
killerkarpfen
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 2855
Registriert: 06.02.2005, 17:15

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von killerkarpfen » 20.04.2017, 20:11

Öhm... Japanisches Bogenschiessen ist mein Buch mit sieben Siegeln...

Was macht man nun mit diesem Geflecht ?
Die Sehne pflegen doch wohl nicht ?

https://blog-001.west.edge.storage-yahoo.jp/res/blog-b7-50/kuroken3147/folder/1452530/47/59183847/img_0?1268297791
Eppur si muove

Benutzeravatar
shokunin
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 2061
Registriert: 22.02.2011, 16:13

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von shokunin » 20.04.2017, 20:31

Doch, doch... ::)

Man verwendet eine Mischung aus Öl und Kolophonium als eine Art Sehnenwachs. Das verklebt die Fasern, gibt Halt und verdichtet die Sehne.
Das Harz heisst Kusune im Japanischen. Es wird recht zäh geliefert (es gibt zwei Härtegrade für Sommer und Winter). Ich erwärme meines ein wenig in warmem Wasser - weiss nicht ob das sein muss, aber naja,...
Dann tupft man ein klein Wenig davon auf die "Strohlatsche". Man faltet die Strohlatsche um die Sehne und reibt mit Druck auf und ab. Das Kusune erwärmt sich und verschmilzt auf der Sehne mit dem Zeug das schon drauf ist. Nach dem Erkalten ist die Sehne wieder schön glatt und dicht und sie klebt auch nicht.
Gruss,
Mark
"I don't believe it!!" (Victor Meldrew)

Benutzeravatar
killerkarpfen
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 2855
Registriert: 06.02.2005, 17:15

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von killerkarpfen » 20.04.2017, 20:54

Voilà danke

also doch- die Sehne wachsen...arme Leut so wie ich, machen das zwischen den Fingern, Die Herrschaften benutzen ein Leder und der Japaner flicht seine alte Sehne.

Eine edle Würdigung einer guten Sehne.

aber ist das auch praktisch ?
das Wachs flieht ja vor allem zwischen das Gewebe ein und wird nicht auf die aktive Sehne aufgetragen btw eingerieben...

Die Leinensehnen wachse ich auch intensiv mit etwa den gleichen Zutaten, irgendwie stelle ich mir hingegen ein Leder zum Einmassieren geeigneter vor.

PS
Ich habe ja auch alte Leinensehnen die sind bereits voll getränkt mit Sehnenwachs und davon habe ich noch genug. Das macht mich neugierig ...
Eppur si muove

Benutzeravatar
Markus
Global Moderator
Global Moderator
Beiträge: 3009
Registriert: 06.08.2003, 23:46

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von Markus » 21.04.2017, 09:07

RUWI hat geschrieben:naja, mit ner ausgefransten Sehne .... hab ich das mit Ponal immer ganz gut hinbekommen, nicht ganz stilecht vielleicht, aber haltbar ;-)

Ponal ist für Nakajikake ganz brauchbar, aber als Ersatz für Kusune mMn nicht. Da hilft entweder das Magusune / Waraji oder halt ein "westliches" Sehenwachs, wobei Kusune einfach "japanischer" ist. :D
Nur mit den Fingern würde ich die Sehne nicht mit kusune einreiben wollen, denn zum einen klebt das Zeugs fürchterlich und zum anderen kann ich es nur mit kräftigem Reiben einreiben und das gibt ganz schnell ganz heiße Finger.
Ergo - Lederlappen, Magusune oder ähnliches erleichtert die Arbeit enorm. Und es riecht auch noch gut.

Schieß auch erst seit einem Jahr und das nur einmal die Woche, also noch nicht die ganz großen Erfahrungen sammeln können.
Aber soll in Zukunft sicher mehr werden und der letzte Lehrgang hat mir ein bisschen die Augen geöffnet, was noch so alles möglich ist, bzw. wo ich gerade stehe.

Gute Einstellung. Dran bleiben!
Wo schießt Du denn?

Gruß,
Markus

RUWI
Newbie
Newbie
Beiträge: 4
Registriert: 09.01.2017, 18:03

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von RUWI » 21.04.2017, 09:38

Hallo,

ja, japanisches Bogenschießen ist wirklich ein Buch mit sieben Siegeln, das ist meiner Meinung nach aber auch das Interessante daran, man lernt nie aus!
Hab mir beim "Kyudohändler" meines Vertrauens auch so ein Töpfchen mit Sehnenharz bestellt und werde nun kräftig reiben ;-)

Ich schieße in einem Judoverein in Schweitenkirchen, dort hat vor einiger Zeit ein doch schon älterer Herr eine kleine Unterabteilung für Kyudo gegründet und versucht sich dort als Trainer. Ich formuliere das so vorsichtig, da mir der besagte letzte Lehrgang gezeigt hat, auf welchem Niveau wir bisher trainieren. Nun werde ich bei nächster Gelegenheit mal einen der größerern Vereine in der Umgebung aufsuchen und wahrscheinlich eher dort weiter machen. Ist zwar ein größerer Aufwand wegen der längeren Fahrstrecke, aber mit unserem Trainer kommen wir hier nicht weiter, leider.
Wir haben schon versucht andere Schützen zu überreden bei uns den Lehrer zu geben, aber irgendwie zieht da keiner richtig.
Es sei denn ich könnte Mark noch überreden....

Liebe Grüße
Rudi

Benutzeravatar
Markus
Global Moderator
Global Moderator
Beiträge: 3009
Registriert: 06.08.2003, 23:46

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von Markus » 21.04.2017, 09:56

Danke für die Rückmeldung und gutes Gelingen in Schweitenkirchen.

Der Rest per PN.

jbf0404
Newbie
Newbie
Beiträge: 10
Registriert: 18.11.2012, 12:33

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von jbf0404 » 16.05.2017, 22:26

Hallo zusammen,
mir ist nicht klar, ob man über die ganze Sehnenlänge Kusune einarbeitet auch über die Sehnenverstärkung? Oder macht man das über die ganze Sehne bevor man die Sehnenverstärkung anlegt.
Die letzte Hanfsehne war mir nach noch nicht 100 Schuss direkt unterhalb der Sehnenverstärkung gebrochen, leider hatte ich die Sehne nicht geharzt, vielleicht war das der Grund, oder war das Ponal zu aggressiv?
Für Kommentare und Infos bin ich dankbar.
Gruss Johannes.

Benutzeravatar
shokunin
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 2061
Registriert: 22.02.2011, 16:13

Re: Hanfgeflecht Waraji

Beitrag von shokunin » 17.05.2017, 06:49

Ich pflege Sehnen gelegentlich mit Kusune bevor ich das Nakajikake dran mache, besonders wenn sie schon eine Weile in der Schublade waren. Ich kaufe meine Sehnen aus Japan und bestelle daher meist einmal im Jahr gleich meinen Jahresbedarf. Kann also schon passieren, dass eine Sehne ein Jahr und mehr bei mir herum gelegen hat...

Wenn die Sehe frisch ist (besonders bei Hanf), dann fühlt sie sich eher fast "wachsig" an. Nach einer Weile härtet das Kusune aus und die Sehne wird "knirschig". Solche Sehnen reibe ich mit Kusune ein bevor ich die Wicklung dran mache - schaden tut es aber sicher nie...

Man kann, denke ich, auch nachher die Mittenwicklung mit berubbeln, wenn man möchte, ich glaube aber nicht, dass das bei einer "ponalisierten" Wicklung die Haltbarkeit verbessert. Man harzt aber ja auch die Kerbe im Handschuh... so wird Harz auf der Wicklung also sicher auch nicht schaden...

Ich denke auch, dass man bei Hanfsehnen die Wicklung evtl besser auch mit Kusune fixiert als mit Ponal. Ponal ist die bequeme moderne Variante für moderne Sehnen. Traditionell war die Wicklung aber auch mit Kusune gemacht.
Und so eine Wicklung kann man dann auch mit pflegen und, (weil sie weniger haltbar ist), auch leichter mal erneuern.

Eine Ponal-veklebte Wicklung ist auf der Hanfsehne vielleicht zu hart und der Kleber zieht evtl auch in die Sehne ein und macht diese hart und spröde, sodass sie schneller bricht.

Probier' vielleicht einmal ein Nakajikake mit Kusune als Kleber und schau' ob die Sehne dann später oder anderswo bricht...

Gruss,
Mark
Zuletzt geändert von shokunin am 17.05.2017, 09:54, insgesamt 1-mal geändert.
"I don't believe it!!" (Victor Meldrew)

Antworten