Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Fragen zu Boegen zum Bogenschiessen. Keine Fragen zum Bogenbau.
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Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von RubenAryala » 19.12.2008, 17:26

Ich wollte mal um Eure Erfahrungen bitten. Ich habe eine Endlossehne 14 Strang aus B50 gemacht und mit Wickelgarn die Mittenwicklung schön hinbekommen, habe aber das Gefühl, als würden die Pfeile besonders fest und nachhaltig einrasten.

Da frage ich mich, wie fest üblich ist. Gibt es einen Punkt an dem die Pfeilgeschwindigkeit und das Schußverhalten allgemein durch die Klemmnocke nachteilig beeinflußt wird und - falls ja - gibt es eine Faustformel oder irgend einen handhabbaren Anhaltspunkt, mit dem man das Testen kann (beispielsweise mit dem Bogen in der Hand aus 10 m Höhe auf eine Betonplatte springen, wenn der Pfeil noch dran ist, war es zu fest ?)

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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von mbf » 19.12.2008, 17:56

Als Faustregel gilt, dass man den eingenockten Pfeil einen halben bis einen Zentimeter weit ausziehen sollte, bis sich der Pfeil von der Sehne löst. Dann sitzt der Pfeil weder zu fest noch zu locker - wobei, zu locker gibt es eigentlich nicht. Aber wenn man schon Klemmnocken hat, sollen die ja auch klemmen.  ;)
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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von Old Sam » 19.12.2008, 18:22

Lass beim 10m Betontest bitte 'ne Highspeed Kamera mitlaufen, damit man hinterher sehen kann, ob der Pfeil bei der Landung ausnockt oder erst, wenn es den Springer zerlegt  ;D

Aber gute Frage, ich bin auf die weiteren ernsthafen Antworten ebenfalls sehr gespannt
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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von RubenAryala » 19.12.2008, 19:02

Hach ich stand schon auf dem Dach, als meine Frau ruft, "es hat einer was geschrieben, komm nomma runter". Das mit dem 1 - 2 cm Auszug ist sehr hilfreich, soetwas in der Art hatte ich gemeint.

Weiß jemand, wie sich "zu feste" Klemmnocken auswirken ? Mich interessiert insbesondere, ob die nicht den Pfeil letztlich bremsen, immerhin muß ja ein Teil der Energie (wenn auch ein geringer) dafür aufgewandt werden, die Nocke zu spreizen.

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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von Old Sam » 19.12.2008, 19:16

Die Kraft, die ich benötige um einen Pfeil aus der Scheibe zu ziehen, die ja der Energie entspricht, die mein 40#Bogen dem Pfeil mit auf den Weg geben hat (minus Luftwiderstand) ist doch sehr beachtlich. Besonders wenn der Pfeil in feuchten Strohscheiben steckt. Da kann ich mir kaum vorstellen, das die "Nockenbremse" eine tatsächlich fühlbare Auswirkung hat.
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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von Squid » 19.12.2008, 19:42

Dennoch können ZU feste Nocken ein Problem hinsichtliche der Genauigkeit darstellen (Pfeil schlingert stärker, kann am Bogen anschlagen, etc).
Ausserdem geht natürlich die Energie, die zum Lösen nötig ist, dem Pfeil verloren. Dadurch wird er - minimal - langsamer.

Ich kenne noch eine andere Faustregel für die "richtige" Klemmstärke: Man hängt den Pfeil - senkrecht nach unten baumelnd - auf die Sehne und er fällt erst runter, wenn man mit 2 Fingern kräftig auf die Sehne neben dem Pfeil klopft.

Kunststoffnocken kann man übrigens mit etwas Vorsicht und Wärme ein wenig auf- oder zubiegen.
Die Heissluftpistole ist dafür aber eher unbrauchbar, wenn sie nicht eine diskrete Einstellung hat, ein Fön ist die bessere "Waffe".
Zuletzt geändert von Squid am 20.12.2008, 12:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von Archiv » 19.12.2008, 19:58

Squid hat geschrieben:...
Ich kenne noch eine andere Faustregel für die "richtige" Klemmstärke: Man hängt den Pfeil - senkrecht nach unten baumelnd - auf die Sehne und er fällt erst runter, wenn man mit 2 Fingern kräftig auf die Sehne neben dem Pfeil klopft.
...


Ich kenne es so ähnlich, doch nur leise auf den Bogen klopfen. wenn der Pfeil dann nicht abfällt ist die Nock zu fest.
Die FITAnesen in unserem Verein sehen das anders. Die Berühren den Pfeil beim Ausziehen ja nicht. Da muss der Pfeil dann einen hauch fester auf der Sehne klemmen, damit er nicht vorzeitig herunter fällt.

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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von Squid » 19.12.2008, 20:17

Aye, das ist sicher eine Frage der Definitionen "leise" und "kräftig".
Was die Fitanesen tun, ist mir ehrlich gesagt egal.
Aber ich hab' beim Roven festgestellt, dass ein sicher klemmender Pfeil eine gute Sache ist, wenn man auch noch mit dem Gelände, der Vegetation und den abartig kleinen Zielen  ;) klar kommen muss.

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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von mbf » 19.12.2008, 20:30

Deswegen das mit dem Ziehen am Pfeil. Was nun "kräftig" oder "weich" klopfen ist, ist über das geschriebene Wort nicht zu vermitteln.

Die o.g. Angaben stammen übrigens aus dem "FITA-Bereich" (genauer: aus dem Buch von Ullrich/Bachmann, Mit System ins Gold*), wo es bekanntermaßen drum geht, das Gold auszustanzen. Und was dort recht ist, kann auch dem Traditionellen zumindest als Anregung nur billig sein, oder?

So richtig nett sind natürlich Nocken, die über haupt nicht auf der Sehne klemmen. Aber wie hier im Thread schon gesagt, das muss nicht für jede Gelegenheit** und für jeden Schützen das Optimum sein.

Das alles nur mal so als Info.

-----
* Dort wird auf ca. einer Buchseite diskutiert, was ein mögliches Optimum sein kann. Man sieht, das ist kein ganz triviales Thema, wenn man es ernsthaft in die Abstimmung mit einbeziehen möchte.

** Ich will jetzt keine Diskussion losbrechen, ob jetzt lose sitzende Nocken oder Klemmnocken das nonplusultra sind, beide Systeme haben ihre Nachteile. Die Klemmnocken ermöglichen es, die Nocke nicht festhalten zu müssen, was einen Einfluss der Zughand eliminiert. Dafür klemmen sie aber auf der Sehne...
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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von Detritus » 20.12.2008, 02:38

Also die gängige Methode ist, den Pfeil einnocken, an der Sehne hängenlassen und leicht mit ein, zwei Fingern neben dem Pfeil auf die Sehne klopfen, dann sollte er runterfallen. Wenn die Nocke zu sehr klemmt, kommt der Pfeil nicht mehr sauber vom Bogen weg, schlägt an, ist laut und ungenau.

Meiner Erfahrung nach ist es recht sinnlos, die Plastiknocken aufzubiegen, weil sie sich mit der Zeit wieder zurückbiegen. Besser ist, sie mit Sandpapier etwas auszufeilen. Noch besser, weil weitaus weniger mühsam, ist es, den Sehnendurchmesser mit einem dünneren Wickelgarn zu reduzieren.

Nocken, die gar nicht klemmen, sind etwas gefährlich, wenn man sie nicht gewöhnt ist. Ich hatte meine Nocken ausgefeilt, weil ich eine recht dicke Sehne hatte. Als die den Geist aufgegeben hatte, hatte ich nur noch eine dünnere von meinem leichteren Bogen, wo die Nocken überhaupt nicht mehr klemmten. Hat nicht lange gedauert, hat sich beim Ausziehen die Nocke von der Sehne gelöst, der Pfeil ist aber noch am Finger gelegen, so habe ich es nicht gemerkt. Beim Release ist die Sehne dann neben dem Pfeil vom Pfeil abgelenkt direkt in meinen Bogenarm geschnalzt und frei nach Murhpys Law knapp neben dem Armschutz eingeschlagen, Autsch.

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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von Granjow » 20.12.2008, 09:52

Old Sam hat geschrieben:Die Kraft, die ich benötige um einen Pfeil aus der Scheibe zu ziehen, die ja der Energie entspricht, die mein 40#Bogen dem Pfeil mit auf den Weg geben hat (minus Luftwiderstand) ist doch sehr beachtlich. Besonders wenn der Pfeil in feuchten Strohscheiben steckt. Da kann ich mir kaum vorstellen, das die "Nockenbremse" eine tatsächlich fühlbare Auswirkung hat.


Quatsch. Dann hätte ein Pfeil, der mit Leinöl eingerieben ist, viel weniger Energie als ein mit Schellack lackierter. Den bringst du nämlich garantiert weniger schnell raus, da der Pfeil klebt.

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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von Old Sam » 20.12.2008, 11:21

@Simon,

Da hast Du recht, denn mein physikalischer Ansatz ist natürlich stark vereinfacht.  :'( Ein Pfeil lasst sich ja auch einfacher aus Schaumstoff als aus Holz ziehen... Aber die FITANESEN scheinen sich ja umfassend mit dem Thema befasst zu haben. Allerdings stehen die auch immer auf waagerechtem Untergrund und haben immer dieselbe Distanz, da lohnt es sich vielleicht, derlei Effekte zu untersuchen :-)

Löst der Pfeil sich schwer vom Bogen, trifft das Ziel er leicht verschoben ;D
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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von RubenAryala » 20.12.2008, 11:34

Dem Zupf-Test zufolge gehen die Goldtip erst ab, nachdem die Sehne sich 4 cm bewegt hat. Dann habe ich noch preisgünstige Fichtenholzpfeile mit Klebenocke, die gehen nach 1 bis 1,5 cm ab, lösen sich aber nicht im Klopftest. Also steht schon mal für mich fest, daß es unterschiedlich enge Klemmnocken gibt. Diejenigen, die an den Goldtip montiert sind, weisen eine Kerbe auf, die eher an ein Schlüsselloch erinnert, also wie eine Bohrung mit einer sich anschließenden, konischen Kerbe aussehen. Die Nocken an den Holzpfeilen sind wiederum nur Schlitze, die zum Pfeil-Ende hin leicht enger werden.

Die Wicklung von der Sehne entfernen und dünneres Wickelgarn verwenden empfinde ich als ähnlich aufwendig, wie das Aufweiten von einem Dutzend Nocken. Auf jeden Fall scheinen sie zu fest zu sein.
Zuletzt geändert von RubenAryala am 20.12.2008, 11:42, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von Old Sam » 20.12.2008, 12:11

...na zum Glück biste nicht gesprungen :-)
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Re: Klemmnocken: Wie fest ist noch tolerabel ?

Beitrag von Acim Massul » 22.12.2008, 16:14

  Nehm doch ma ne Nagelfeile,und feil die nocken aus, bis sie den gewünschten erfolg bringen!!!!!!!! ;D
Der viel liest,und wenig schreibt

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