Was macht einen Bogen Fast Flight-tauglich?

Fragen zu Boegen zum Bogenschiessen. Keine Fragen zum Bogenbau.
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macspezi
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Was macht einen Bogen Fast Flight-tauglich?

Beitrag von macspezi » 07.04.2014, 10:46

Hallo Zusammen,

ich bin sehr interessiert am traditionellen Bogenschießen und möchte mir, gerne auch gebraucht, einen Jagdrecurve kaufen um ihn in unserem Verein zu schießen.

Nun werden die Bögen (gaaanz grob gesagt) in die Gruppe der Fast-Flight tauglichen und die untauglichen unterteilt. Ein sehr versierter und lieber Schießkollege sagte, dass er nicht mehr auf Dacron schießen möchte, da ihm das Gefühl zu schwammig sei gegenüber Fast Flight. Er ist auch der Meinung, dass man eigentlich (fast) jeden Recurve, der mit Glas belegt ist, mit Fast Flight schießen könne.

Nun geben manche Hersteller aber ausdrücklich die Angabe heraus, dass ihr Bogen eben nicht Fast Flight-tauglich sei (obwohl die Arme mit Glas belegt sind - z.B. der Buck Trail Antelope).

Wer hat nun Recht? Der Hersteller, der um seine Gewährleistung halten zu können, der Bogen eher "sanft" beschießen lässt oder der Kollege, der sagt, dass es nach Ablauf der Händlergewährleistung auch gerne mal egal sei und man auch auf schnelles Material wechseln kann.

Darüber hinaus wäre es interessant zu erfahren, was den FF-tauglichen Bogen vom "untauglichen" unterscheidet. Könnte man den "untauglichen" Bogen dahingehend "tunen" ohne, dass die Schießeigenschaften schlechter werden als sie es mit einer Dacron-Sehne wären?

Vielen Dank vorab für das Teilen Eurer Erfahrungen und Eures Wissen.

Liebe Grüße,
Richard

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Bowster
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Re: Was macht einen Bogen Fast Flight-tauglich?

Beitrag von Bowster » 07.04.2014, 10:55

ich meine daß es reicht 3 Punkte zu berücksichtigen, wenn man FF schiessen will.
-die Nocken sind hart genug, durch die dünnere Sehne keinen Schaden zu nehmen
-bzw die Öhrchen sind mit ausreichend vielen Strängen FF unterfüttert, sodaß potentiell weichere Nocken ebenfalls keinen Schaden nehmen
-die Pfeile sind sicherheitshalber nicht zu leicht(d.h. in den meisten Fällen mind. 8-10gn/#)

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Re: Was macht einen Bogen Fast Flight-tauglich?

Beitrag von Wilfrid » 07.04.2014, 11:12

Wenn der Hersteller seinen Bogen als nicht FF tauglich bezeichnet, dann ist der das auch nicht. Eine FF Sehne oder endlos Leinen, nicht eingedreht, dämpft kaum bis nicht. Sie schwingt also gefühlt ewig nach und dämpft auch die Schwingungen der WA nicht. Der Erfolg des Tuns kann also sein, das es zu "Schwingungsschäden/Brüchen" in den WA kommt, gerade bei so "harten" Werkstoffen wie Glasfaser/Kohlefaserverstärktem Kunststoff. Glas/Kohlefaserbelegte sind nämlich nichts anderes.

Holzbögen hingegen vertragen eigentlich alle "harte" Sehnen, sonst wären denen ja früher die Bögen reihenweise um die Ohren geflogen.

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Ravenheart
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Re: Was macht einen Bogen Fast Flight-tauglich?

Beitrag von Ravenheart » 07.04.2014, 14:10

Was GEHT ist immer die eine Sache, Gewährleistung/Garantie die andere.

Jeder Hersteller hat m.E. das Recht, für sein Produkt (im Rahmen sinnvoller Grenzen) zu definieren, was unter "bestimmungsgemäßen Gebrauch" fällt, und die Garantie darauf zu beschränken, so lange das für den Kunden VOR Erwerb erkennbar ist.

WIE und WARUM er zu der Einschränkung kommt, ist seine Sache.

Wenn ich einen Bogen mit FF schießen will, kaufe ich also einen, der vom Hersteller dafür zugelassen ist.
Einen Bogen zu kaufen, der für FF ausgeschlossen ist, und ihn dann DOCH mit FF zu schießen, macht nach meiner Sichtweise ABSOLUT keinen Sinn. Warum sollte man das tun?

Es gibt aus meiner Sicht keinen logischen Grund dafür.

Rabe

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Re: Was macht einen Bogen Fast Flight-tauglich?

Beitrag von shortRec » 07.04.2014, 16:35

Mir erschließt sich auch nicht, warum man einen neuen Bogen kaufen sollte, dem der Hersteller nicht zutraut, aktuellem Sehnengarn standzuhalten.

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Heidjer
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Re: Was macht einen Bogen Fast Flight-tauglich?

Beitrag von Heidjer » 07.04.2014, 17:01

Schießt man FF auf nicht tauglichen Bögen, sieht man häufiger die Fadeouts auseinander fliegen. ::)
Die "Restenergie" bzw der Restimpuls beim Abstopen der Sehne beim Erreichen der Standhöhe wird schneller oder härter in die Wurfarme abgeleitet.


Gruß Dirk
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Re: Was macht einen Bogen Fast Flight-tauglich?

Beitrag von Eberesche » 07.04.2014, 17:03

Dann ist die FF-Sehne quasi ein Test, wie sorgfältig der Bogen verklebt wurde?
Vor zehntausend Jahren musste jeder Bogen FF-tauglich sein, das Gummiband war ja noch nicht erfunden...

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Re: Was macht einen Bogen Fast Flight-tauglich?

Beitrag von Heidjer » 07.04.2014, 17:51

Eberesche hat geschrieben:Dann ist die FF-Sehne quasi ein Test, wie sorgfältig der Bogen verklebt wurde?...


Nicht nur, es ist auch eine Frage der Grundkonstruktion, da die FF-Sehne wesentlich weniger dämpft, muß der Restimpuls im Wurfarm gedämpft werden und alle Schwingungen laufen im Wurfarm von den Tips in die Fadeouts. Ist das FO nicht sauber konstruiert, zerreißt es nicht unbedingt die Kleberschicht, ich habe dort auch schon zerissenes Holz gesehen!


Gruß Dirk
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Re: Was macht einen Bogen Fast Flight-tauglich?

Beitrag von killerkarpfen » 07.04.2014, 19:01

Gute Frage gute Antworten

Etwas verstehe ich auch nicht. Früher hiess es immer die Nocken/Tips einiger Recurves seien zu schwach und könten dort einreissen. es bedürfe nur einer zusätzlichen Verstärkung wie ein Overlay und das ganze soll kein Problem sein.

Das Pfeilgewicht spielt da sicher das seinige dazu. Die leichten Carbonpfeile kommen mir fast wie ein Leerschuss vor wenn ich sie mit dem Gewicht meiner Holzpfeile vergleiche. Also sehe ich da eine Möglichkeit zu kompensieren. Sprich ein schwerer Pfeil könnte sicher mit FF geschossen werden, oder liege ich da falsch.

Auch eine eingedrehte Sehne, das heisst wenn sie recht eng gedrillt wird um die Standhöhe zu vergrössern, dämpft doch ganz anders, als eine in der die Fäden alle gerade laufen.

Zu guter letzt die Frage des Nutzens. Wie viel schneller wird ein Pfeil mit FF geschossen, im Gegensatz zu einer dünnen Dacronsehne? 2-3 Fuss/sek oder doch mehr?
Und wie viel fehlerverzeihender ist eine "gutmütige" Dacron- gegenüber einer "nervösen" FFsehne.

Nicht zuletzt die Frage, ist es überhaupt sinnvoll als Anfänger FF zu schiessen oder ist es genau das Quentchen mehr Erfolg zum Fortschritt?

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Re: Was macht einen Bogen Fast Flight-tauglich?

Beitrag von Heidjer » 07.04.2014, 20:48

1. Nicht FF-taugliche Bögen die mit FF kaput geschossen werden, gehen entweder an den Tips oder an den Fadeouts auseinander. Entweder da wo der "Sehnenschock" eingeleitet wird, oder da wo er im Griff tot läuft.
Die Verstärkung des Overlays soll nur ein Einschneiden der Sehne verhindern, FF kann bei gleicher Festigkeit den halben Durchmesser haben.

2. Pfeilgewicht ist Wichtig, je höher das Pfeilgewicht desto besser der Wirkungsgrad. Ein hoher Wirkungsgrad sorgt dafür das wenig Energie im Bogen verbleibt.

3. Ja, eine stark eingedrehte Sehne dämpft.

4. Eine leichte, gute FF-Sehne kann bis 5% mehr an Geschwindigkeit, gegenüber einer dicken Dacronsehne bringen.

5. Glaubensfrage, FF ist nervöser, erzieht einen zum sauberen Lösen, kann aber auch demotivieren. ;)


Gruß Dirk
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Re: Was macht einen Bogen Fast Flight-tauglich?

Beitrag von macspezi » 07.04.2014, 22:35

Vielen Dank an alle für die Erfahrungen, Meinungen und zum Teil kontroversen Diskussionen. Nun ist die Sache für mich recht eindeutig:

1. Wenn seitens des Herstellers Dacron-Sehnen vorgeschrieben sind, gehört das zum Gesamtbild des Bogens und somit auch die Schusseigenschaften. Ein mit FF beschossener Dacron-Bogen könnte sogar viel schlechtere Schusseigenschaften damit haben, da die Vibrationen, evtl. Handschock ein angenehmes Schießen verhindern. - Andererseits kann ein Dacron-Bogen für einen Anfänger sogar geeigneter sein, da er eher Fehler verzeihen kann als ein FF-Bogen. Ein solcher Dacron-Bogen kann mit der richtigen Sehne auch alt werden. Eine FF-Sehne würde den Bogen zu sehr stressen, dass er evtl. früher oder später daran kaputt geht.
2. FF- Bögen sind, da sie stärkere Belastungen aushalten wohl auch aufwändiger verarbeitet. Das verspricht eine höhere Haltbarkeit trotz schnellerer Sehne. Für erfahrene Schützen, da der Schießstil gefestigt ist, ein sicherlich besseres Instrument als ein Dacron-Bogen.
3. Die Möglichkeit mit schwereren Pfeilen eventuell doch FF auf einem Dacron-Bogen zu schiessen schließe ich mal für mich aus, da mir dies als "Krücke" erscheint und zusätzlich eine Einschränkung bedeutet, da ich keine leichten Pfeile mehr schiessen könnte. Der Effekt "schnelle" Pfeile zu schiessen wird damit ja ein Stückweit egalisiert.

Kurz: es macht keinen Sinn einen Dacron-Bogen mit FF zu schießen.

Liebe Grüße,
Richard

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