Kyudo Pfeile basteln

Sammlung von Bauanleitungen zum Thema Pfeilbau
Genni
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von Genni » 04.02.2012, 20:33

Ist das normal die Federn vorne höher sind und hinten niedriger, oder ist das Geschmackssache des SChützen/Erbauers?
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von Sateless » 04.02.2012, 21:54

wie es aussieht ist das federbedingt. die wird nach außen einfach dünner.
Ich schreibe ohne Autokorrektur lesenswerter. Du etwa auch?
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shokunin
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von shokunin » 04.02.2012, 23:22

@benzi

hier das was man bei Japancutters dazu zu sagen hat:

(http://japancutters.blogspot.com/2010/1 ... lagen.html)
Gerade bei hochwertigen Bambuspfeilen ist auf die überlieferte und korrekte Position der Nodien zu achten. Die Entfernung des ersten Nodie von der Spitze soll der Faust des Schützen entsprechen. Die erste und die dritte Nodie sollten auf der oberen Seite des Schafts, in Linie mit der Nockkerbe und einer Feder liegen. Die zweite Nodie sollten genau zwischen 1 und 3 liegen und anders als diese auf der unteren Seite des Schafts. Die dritte Nodie sollte bei 1/3 des Schaftes, gemessen von der Nocke, liegen. Die vierte Nodie sollte irgendwo in der Befiederung verborgen sein.
An den Nodien ist der Schaft steifer. Die erste Nodie wird deshalb an der Stelle platziert, wo der Schaft am meisten beansprucht wird, wenn der Pfeil das Ziel trifft, weshalb er nicht zu weit entfernt von der Spitze sitzen sollte. Die dritte Nodie befindet sich dort, wo der Pfeil am stärksten beim Lösen von der Sehne gebogen wird. Die Nodien sollten der Biegung des Schaftes standhalten, die durch die Krümmung des Schaftes durch die sinusförmige Schwingung der Sehne erzeugt wird.

@Genni/Sateless
Die Pfeile im Bild sind Makiwara Pfeile - für Schiessen auf Stroh-Übungsziel aus kurzer Entfernung.
Diese Pfeile sind oft ziemlich robuster Bauart. Man nimmt eher schwere Schäfte und lässt sie auch länger damit sie universell schiessbar sind. Sie werden auch nicht als Satz gebaut, daher die unterschiedlichen Nodien.
Flugeigenschaften sind eigentlich irrelevant. Federn werden so gestaltet dass sie lange halten. Meist haben Makiwara-Pfeile gar keine Federn. Manchmal (ich habe auch schon welche reingestellt) befiedert man mit Federresten - z.B. der schmalen Aussenseite von Schwingenfedern, die haben von natur her diese Form - vorne bauchig hinten schmal.
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von Mike W. » 05.02.2012, 00:05

shokunin hat geschrieben:z.B. der schmalen Aussenseite von Schwingenfedern, die haben von natur her diese Form - vorne bauchig hinten schmal.


Ja, aber meist nur die ersten 2-3 Schwungfedern. Die Nächsten haben eine etwa durchgängige Breite.
Da die Vorderkante ziemlich harte Grannen hat, kann man die auch von weiter innen stehenden Federn gut verwenden.

Ich baue gelegentlich auch Bambuspfeile mit Selfnock( nur etwas kürzer). Da kommt eine Wicklung an den Federanfang und Eine an's Endeder Feder. Von der Hinteren gehe ich mit einigen Windungen, mit 4-5mm Abstand, bis 10mm vor den Nockboden und mache noch eine Wicklung bis etwa 2mm an die Nocke ran. Auch Pfeile über 60er Spine( mit entsprechendem Bogen) haben bisher immer gehalten.

lG Mike
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von shokunin » 05.02.2012, 07:09

@Mike
danke für die info.
Klar man kann die Wicklungen etc in vielerlei Varianten machen.

In Japan gibt es halt für alles eine Form. Das ist dort mit allem so, man findet ein Ideal und bis man was besseres findet macht man es immer so. Manchmal ist das Ideal funktional, manchmal aesthetisch, aber es gibt immer eine "beste" Variante.

Bei den Pfeilen für Makiwara-Training ist es ja so dass nur immer der eine selbe Pfeil geschossen wird. Daher hat er meist gar keine Federn, er braucht sie nicht und Federn verschleissen an sochen Pfeilen auch relativ schnell.
Normal werden Pfeile in Japan in 6er Sätzen verkauft. Wenn ich immer nur einen schiesse wird er ca 6 mal schneller hin sein.

Federn wie im Bild oben fallen eh beim Pfeilmacher als Reste an wenn er normale Pfeile baut. Sie haben einen geringeren Wert und sie haben den Vorzug dass sie sehr schmal sind und daher weniger schnell verschleissen. Im Kyudo hat man ja auch den Handschuh der drückt mitunter hinten auf die Befiederung, da sind die schmal anliegenden Federn sehr viel haltbarer als normale abstehende.
Dateianhänge
torikake0032_rez_inline.jpg
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von benzi » 05.02.2012, 13:19

shokunin hat geschrieben:Die Entfernung des ersten Nodie von der Spitze soll der Faust des Schützen entsprechen. Die erste und die dritte Nodie sollten auf der oberen Seite des Schafts, in Linie mit der Nockkerbe und einer Feder liegen. Die zweite Nodie sollten genau zwischen 1 und 3 liegen und anders als diese auf der unteren Seite des Schafts. Die dritte Nodie sollte bei 1/3 des Schaftes, gemessen von der Nocke, liegen. Die vierte Nodie sollte irgendwo in der Befiederung verborgen sein.


@shokunin

danke! aber das wäre die Theorie wenn ich für einen Satz aus hunderten von Bambusschäften auswählen könnte....... wenn ich 6 aus 30 Schäften auswähle und zuerst auf Geradigkeit und dann auf Gewicht schaue, dann kann ich in der Realität max EINE Nodie festlegen, der Rest ist einfach da wo er ist........

Ich verstand unter "Nodie" bisher diese Gnubel, dass ich das nach oben und unter legen kann war mir neu, das bezieht sich dann wohl konkret auf die Stelle des Blattansatzes. Wenn ich aber von "Kriegspfeilen" oder Yabusamepfeilen ausgehe, dann nocke ich die ja mal so und mal andersrum ein, dann ist oben also auch mal unten........

Ich muss mich also nun entscheiden welche Nodie mir am wichtigsten erscheint und diese festlegen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die dritte Nodie tatsächlich dort haben möchte wo der Schaft sich am stärksten biegt......... sind ja gekaufte und in China geschliffene Schäfte.......

und wenn ich das hier umsetzen würde:

"Yohazu
Dabei handelt es sich um einen sogenannten "Self-Nock", eine Kerbe die in das Ende des Pfeils geschnitten wird. Diese Art Nocke wird bei Kriegspfeilen verwendet. Die Nocke wird direkt, ca. 8 - 10 mm hinter der letzten Nodie in den Schaft geschnitten und dann mit einer Wicklung verstärkt."

Bild
http://japancutters.blogspot.com/2010/12/bambus-pfeile-teil-1-grundlagen.html

wäre ich eh schon festgelegt.......

danke und Grüße benzi
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von shokunin » 05.02.2012, 15:29

Ja, da wist Du irgendeinen Kompromiss schliessen müssen...

Das ist das Problem mit den wirklich guten Bambuspfeilen, man braucht Unmengen an Rohschäften um einen Satz zu finden der von Knoten, Gewicht, Spine, Durchmesser,.... zusammenpasst.
Bei langen Schäften für Europäer wird's dann noch schlimmer. Ok, Du bist mit Deinem Auszug noch im "normalen" Bereich für Japan aber dennoch, kürzer ist immer einfacher weil Gewicht und Spine halt leichter passen.

Wenn Du das Bild im Link hier anschaust...
download/file.php?id=23650&mode=view
(hatte ich oben schon mal rein) siehst du zwei Dinge...
erstens ist es kein Muss dass in der Nocke eine Nodie ist und zweitens kann man auch Bambusnocken einsätzen.

Nocken verschleisen doch irgendwann oder passen einfach nicht. Wenn Du sie dann erneuerst...
Ich würde die einzig wählbare Nodie dort hin tun wo sie am meisten leistet.
Ob das nun vorne ist oder in der Mitte... ???

Hier noch ein paar Bilder... ohne besonderen Grund...
Dateianhänge
e1705993.jpg
img_1452530_48201881_1.jpeg
pic14_k.jpg
pic15_k.jpg
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von benzi » 05.02.2012, 18:46

danke Mark! schöne Bilder, besonders die Greifvogelfedern...... Bild

was mir bei den Yohazu (self-nocken) aufgefallen ist: bei uns sagt man, es sei gut die Wicklung so nah wie möglich an den Nockschlitz zu bekommen, weil sie ein Aufspalten verhindern soll und bei allen Abbildungen die ich kenne, ist die Wicklung sehr weit weg.........

bei mir sieht nun der erste Bambus-"Kriegspfeil" so aus:

DSC00050.JPG


DSC00051.JPG


die sind natürlich nicht mit Marks Kunstwerken zu vergleichen, aber diese sind auch für den harten 3D Einsatz in Hohenlohe gedacht ;D

Mit der Wicklung am Federende bin ich nicht zufrieden, ich finds echt schwierig dort schön zu wickeln, obwohl ich mir die Pappscheibenlösung abgeguckt hatte....

viele Grüße benzi
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von RoLi » 05.02.2012, 23:03

Zu den Nodien ist, denke ich, alles gesagt.
Zu Makiwarapfeilen mit Federn sei gesagt, dass ein Satz Makiwarapfeile für die Makiwara-Zeremonie aus zwei befiederten Pfeilen besteht, die von der Qualität her nichts mit den "normalen" Makiwarapfeilen zu tun haben. Sie sind befiedert, meist mit weißen Federn, und haben Nocken und Spitzen aus Horn oder Elfenbein. Es werden immer die ungeschnittenen äußeren Schwingenfedern verwendet. Warum? Keine Ahnung. So ein Pfeil kann leicht mehr als hundert Euronen kosten.

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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von shokunin » 06.02.2012, 10:03

Interessant das mit den Zeremoniepfeilen...
ich hatte keine Ahnung dass die einen besonderen Zweck haben - man sieht sie halt oft so...

Hier, für die allgemeine Sammlung, ein Link zu einer Pfeilmacher-Seite mit mehr Bildern:

http://homepage2.nifty.com/nichiyouyashi/

Hier wären Bilder zu dem befiederten Makiwara-Pfeilen - inc Horn- und Beinspitzen und Federmaße für Yabusame-Pfeil:

http://homepage2.nifty.com/nichiyouyash ... hi_016.htm

Er hat sogar eine Anleitung für Flöenpfeil...

http://homepage2.nifty.com/nichiyouyash ... hi_020.htm

und EDIT Mark...
@benzi
nicht übel für den Anfang die Pfeile.
Wenn Du schöne Wicklungen willst dann nimm ein schönes Garn. Das liegt halt gleich schon mal anders. €2,80 die Spule bei House of Brunner reicht für mindestens ein Dutzend Pfeile...
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3c7b98f6862964e4a21e-1024.jpg
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von benzi » 09.02.2012, 22:16

shokunin, Du müßtest mich doch langsam kennen, wenn alle Garn nehmen, WILL ich Hanf nehmen ;D ;D ;D

aber egal welches Wickelmaterial, es liegt an den Federn........

so macht das ein jap. Profi:

kyudopfeilewickeln.jpg

aber wie hat er diese Röllchen genau angebracht hat, damit sie doch die Federn recht wenig "zerstrubeln"?

und was hat er hier auf dem Dampfkessel:

kyudopfeiledämpfen.jpg


Bildquelle: http://www.youtube.com/watch?v=j0Nbb7g9jTQ&context=C3967d4eADOEgsToPDskJJwOIz0GZ8J3C4ZsMluv49

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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von shokunin » 10.02.2012, 07:23

hmm...

ich will auch Hanf nehmen, aber in Cookies und nicht für Pfeilwicklungen ;D

ich habe schon gelesen, dass man mit Hanf unterwickelt, wenn z.B. eine Wicklung mit Kirschrinde gemacht wird. Sonst nimmt man auch in Japan einen Faden. Man kann Seide nehmen oder "natur"-farbene Synthetik-Garne. Es muss ja nicht knallig und bunt sein aber Hanfschnur ist zum einen zu fusselig und wird auch beim Lackieren pampig.

Zu deinen Buildern...
Papier-Röhrchen oder Scheibe geht beides und in dem Topf is nur Wasser. Im Wasserdampf stellen sich zerzauste Grannen wieder auf.
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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von benzi » 10.02.2012, 10:58

shokunin, nicht IN, sondern AUF dem Topf!

Auf dem Dampfkessel hat der Mann einen Aufsatz über den er die Federn streicht, was ist das?

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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von the_Toaster (✝) » 10.02.2012, 18:58

Das ist wohl schlicht ein Rohr was den Dampf nach oben ablenkt.
So nen Flötenkessel würde sonst zu sehr zur Seite dampfen...
Es hat keinen Sinn zu versuchen einen Sinn im Versuchen des Menschen zu erkennen.

Es ist traurig zu glauben, dass der Mensch stets schlecht sei.

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Re: Kyudo Pfeile basteln

Beitrag von benzi » 14.02.2012, 12:43

@Toaster

warum sollte der Dampf aus einer Verlängerung dieser Art SO anders rauskommen, als aus der Öffnung des Kessels? Ich denke eher, es handelt sich um etwas das den Dampf gleichmäßiger verteilt und über das er die Federn direkt streicht und damit besser wieder in Form bringen kann.

Da mir sowohl bei der Röhrchen- als auch bei der Scheibemethode die Federn zu sehr rampuniert wurden und ich das unnötigerweise hinterher wieder dämpfen muss, hab ich mir diese Methode überlegt:

DSC00086.JPG


funzt super und die Federn müssen hinterher nicht in den Dampf!

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