Pfeilbau ala Heidjer

Sammlung von Bauanleitungen zum Thema Pfeilbau
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Heidjer
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Pfeilbau ala Heidjer

Beitrag von Heidjer » 22.01.2014, 00:44

Ein Hallo an alle Fletcher und Pfeilbauer
und dabei ganz besonders an unsere tolle Forengemeinschaft.

Da ja immer wieder viele Fragen zum Pfeilbau kommen, habe ich mal Bilder von meinen Pfeilbauprojekten gesammelt und zu einer Pfeilbauanleitung zusammen gestellt.
Der gesamte Inhalt geht nur auf meine Kappe, dennoch möchte ich Padma, Squid und acker ganz besonders Danken für die Korrekturvorschläge, wenn dennoch Fehler bemerkt werden, dann gehen auch die nur auf mich.

Im Vorhinein will ich noch bemerken das ich übers Jahr so einige Pfeile baue und ich deshalb immer mehr die Hilfe von Maschinen in Anspruch nehme, ich kann die gezeigten Arbeitsschritte auch alle von Hand mit einfachsten Werkzeugen ausführen, nur das dauert dann.

So und nun kommt hier, die Anleitung

Pfeilbau ala Heidjer

Zuerst einmal die benötigten Schäfte zusammensuchen und sortieren. Wenn man gleich eine größere Menge an Schäften bearbeitet, dann lohnt sich wenigstens der ganze Maschinenpark. Die Schäfte werden nach Spine, Gewicht und Länge zu verschiedene Gruppen zusammen gestellt.
01. Schäfte auswählen.jpg


Dann wird die Tiefe des Einschnittes am hinteren Ende, und dessen Lage markiert.
02. Sägemarkierung.jpg


Die Hornplatten für die Inlays müssen leicht plangeschliffen werden. Dazu klebe ich sie mit doppelseitigem Klebeband auf ein Rum-Fort-Brett und gehe mit dem Bandschleifer einmal drüber, nur soviel das die groben Riefen und Sägespuren beseitigt sind.
03. Horn schleifen.jpg


Danach werden die Hornplatten erst halbiert,
04. Horn zusägen 1.jpg


und dann noch mal der Länge nach geteilt.
05. Horn zusägen 2.jpg


Aus dicken Hornplatten werden Keile für Flightpfeile geschliffen.
06. Horn anschleifen.jpg


Schon etwas zu spitz um sie bequem im Schaft einzupassen. Die Spitzen werden wieder auf Sägeblattdicke „stumpfgeschliffen“, passend für den Keilausschnitt im Schaft.
07. Hornkeile.jpg


Die Pfeilschäfte werden mit der Bandsäge geschlitzt.
08. Schaft schlitzen.jpg


Und mit einer Schlüsselfeile wird der Schlitz an die Horninlays angepasst.
09. Inlay einpassen.jpg


Sie werden dann mit einen Epoxid eingeklebt, eine Wäscheklammer kann helfen.
10. Inlay eingeklebt.jpg



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Ein Pfeil, den Schaft gemacht aus der Pflanzen hölzern Teil, versehen mit eines Vogels Federn und einer Spitze, aus der Erde Mineral, wird von der Natur gern zurückgenommen.

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Re: Pfeilbau ala Heidjer

Beitrag von Heidjer » 22.01.2014, 00:45

Die Hornkeile werden ebenso eingepasst und eingeklebt.
11. Hornkeil eingeklebt.jpg


Danach müssen die Inlays auf Maß gebracht und die Kleberreste entfernt werden.
12. Inlays ausgehärtet.jpg


Das geht mit meinen kleinen Winkelschleifer und Fächerscheiben am schnellsten.
13. Überstände abschleifen.jpg


So steht schon mal nichts mehr seitlich über.
14. Grob geputzt.jpg


Damit die Pfeile nachher gleichmäßig werden, richte ich alle Maße am unteren Ende des Horninlays aus, auch das hintere Pfeilende.
15. Längenmarkierung.jpg


Das absägen mit der Bandsäge, geht schneller wie das Ausmessen und Anzeichnen der Länge.
16. Abgelängt 1.jpg


Sieht dann von hinten so aus.
17. Abgelängt 2.jpg


Sie werden dann noch leicht angefast.
18. Anfasen.jpg


So gibt es keine scharfen Grate, die das Schleifpapier der Schleiflade beschädigen könnte.
19. Angefast.jpg


In der Schleiflade werden sie ein ganz kleines bisschen getapert bzw. eigentlich nur abgerundet und feingeschliffen.
20. Schleiflade.jpg



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Re: Pfeilbau ala Heidjer

Beitrag von Heidjer » 22.01.2014, 00:45

Und so sieht der Motor zum Schleifen aus.
21. Schleifmotor.jpg


Das richtige Tapern für gebarrelte Schäfte in der Schleiflade würde lange dauern und viel Schleifpapier verbrauchen, also Schäfte in die Bohrmaschine einspannen und mit der Flex loslegen.
22. Nocktapern 1.jpg


Die linke Hand mit dickem Handschuh hält den drehenden Schaft und mit rechts wird geflext.
23. Nocktapern 2.jpg


Der Feinschliff erfolgt dann mit Schleifklotz, dort kann man das Schleifpapier viel leichter wechseln wie in meiner Schleiflade, wo dennoch der aller letzte Schliff erfolgt.
24. Nocktapern 3.jpg


So bekommt man 11/32 Schäfte mit 6mm Nocktaper.
25. Nocktapern 4.jpg


Für einen Barreltaper muß natürlich auch das vordere Ende getapert werden. Dazu schütze ich den fertigen Nocktaper mit Malerkrepp, hier gilt: Viel und feste wickeln, das schützt.
26. Einspannschutz.jpg


Vor dem Tapern sollte der Spitzenkonus geschliffen werden, wenn eine konische Spitze für die Pfeile vorgesehen ist, danach wird es nur ungenauer.
27. Spitzenkonus.jpg


So sehen dann die Schäfte für Flightpfeile an Spitze, Nockkerbe und in der Mitte aus.
28. Gebarrelt.jpg


Nun wie konische Spitzen aufgeklebt werden, wird jeder wissen: anrauhen, entfetten, kleben.
29. Spitzen kleben.jpg


Für die Nockkerbe säge ich mir an der Bandsäge einen Führungsschlitz. So geht das einarbeiten der Nockkerbe am einfachsten, egal womit ich den Schlitz aufweite. Die Holzleiste dient dabei als Tiefenanschlag.
30. Führungsschlitz.jpg



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Re: Pfeilbau ala Heidjer

Beitrag von Heidjer » 22.01.2014, 00:46

Mit dem kleinen Winkelschleifer wird die Außenform hergestellt.
31. Nocke formen.jpg


Mit dem Dremel und einen 2mm Fräser die Nockkerbe.
32. Nockkerbe.jpg


Schon sind die Nockkerben in der Grobform.
33. Grobform.jpg


So sehen dann die Nockkerben bei Flightpfeile aus, die Pfeile sind hinten spitzer wie vorne.
34. Flightpfeile.jpg


Und so die normalen Nocken wenn sie fertig mit einem 120’er Schleifleinen geschliffen sind.
35. Normalnocke.jpg


Den roten Schellack zum Anfeuern der Maserung, den hellen als Schutz über andere Farben. Selbst gemischt aus Blätterschellack und Ethanol.
36. Schellack.jpg


Aufgetragen wird er von mir mit einen Papiertaschentuch oder einen gefalteten Küchentuch.
37. Schäfte lackieren.jpg


Sind die Pfeile für mich selbst, kommt noch mein Cresting drauf, dazu nehme ich meistens eine Acrylfarbe auf Wasserbasis für den Modelbau. Die Farbe ist unterschiedlich, die Ringbreite und der Abstand sind bei mir immer gleich. Dafür habe ich mir extra verschiedene Schablonen gemacht.
38. Cresten.jpg


Die Federn für meine Pfeile schneide ich mir selbst aus Federn voller Länge mit einem Rollmesser. Die Feinheiten am Federkiel werden mit einen Cuttermesser geschnitten und eventuelles nachputzen geschied mit einer Haarschere. Die Schablonen dafür fertige ich mir aus dünnen Aluwinkeln.
39. Federn schneiden.jpg


Nach einer weiteren Schicht Schellack als Schutz für das Cresting werden die Pfeile befiedert. Früher verwendete ich dazu 3 oder 4 Befiederer, seitdem ich das mit Pattex Ultra Gel mache reichen mir 2 Geräte im Wechsel. Geht wirklich schnell mit dem Kleber, aber man hat dennoch 10 – 20 Sekunden Zeit für Korrekturen.
40. Befiedern.jpg



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Re: Pfeilbau ala Heidjer

Beitrag von Heidjer » 22.01.2014, 00:46

Vor dem Anbringen einer Wicklung werden noch die Federkiele angeschrägt.
41. Federkiele anschrägen.jpg


Dann folgt das Wickeln der Befiederung, ich mache das Freihand, so geht es mit etwas Übung am schnellsten.
42. Federn wickeln.jpg


Zum Abschluss wird die Wicklung noch geschützt, meistens mit Schellack oder aber mit Leinölfirnis. Sollte sich davon etwas in die Federgrannen ziehen, macht das nichts, es blättert nach der vollständigen Trocknung bei der Pfeilbenutzung von den Grannen wieder ab.
43. Wicklung lackieren.jpg


Erst jetzt wird der Pfeil auf die richtige Länge gekürzt, als Maß nehme ich gerne einen Schweißdraht mit 90° Winkel, der in die Nockkerbe kommt. Der Draht muß dann die Länge des Auszuges plus der Länge für die Spizenmontage haben.
44. Pfeillänge.jpg


Abgeschnitten wird der Pfeilschaft dann mit einem Messer, mit dem der Pfeilschaft über eine feste Auflage mit steigendem Druck gerollt wird.
45. Ablängen.jpg


46. Schaft kürzen.jpg


Fehlt noch das Anbringen der Pfeilspitze, bei Schraubspitzen komprimiere ich die Schäfte vorne durch Rollen mit einer Glasflasche.
47. Spitze komprimieren.jpg


Und schraube dann die Pfeilspitze auf und ziehe sie gegebenenfalls mit einer Zange fest. Dazu markiere ich die Aufschraubtiefe am Pfeilschaft so, dass sie in der Spitze verschwindet. Bei Tophat-Spitzen z.B. bei 19mm.
48. Spitze aufdrehen.jpg


49. Spitze aufdrehen.jpg


So kann dann zum Beispiel ein Pfeilsatz aussehen, wenn ich denn mal einen Satz für jemanden anderen bastele und versende. Hier liegen die Spitzen nur lose bei, um Pfeillänge und Spitzengewicht noch selbst zu tunen.
50. Satz fertig.jpg




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Re: Pfeilbau ala Heidjer

Beitrag von Heidjer » 22.01.2014, 00:47

Zu guter letzt, ich arbeite viel mit Maschinen, erstens weil ich sie habe, und zweitens, weil es doch viel schneller geht. Ich kann alle diese Arbeitsschritte auch nur mit Japansäge, einen Satz Schlüsselfeilen, einem Messer und etwas Schleifpapier durchführen, nur dauert dann der Pfeilbau zwei bis dreimal so lange.

Ich habe das alles natürlich auch in ein PDF gepackt, manch einer möchte sich ja diese Anleitung runterladen oder sogar ausdrucken.
Hier nun die Anleitung, ich mußte sie leider in vier Teile aufteilen wegen der Dateigrößenbeschränkung.


Pfeilbau ala Heidjer Teil 1.pdf
(1.49 MiB) 249-mal heruntergeladen

Pfeilbau ala Heidjer Teil 2.pdf
(1.86 MiB) 225-mal heruntergeladen

Pfeilbau ala Heidjer Teil 3.pdf
(1.21 MiB) 207-mal heruntergeladen

Pfeilbau ala Heidjer Teil 4.pdf
(1.05 MiB) 214-mal heruntergeladen



Gruß vom Heidjer
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