Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte 3

Bogenschiessen in der Praxis, mediterran, Daumentechnik u.a.
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Ragnar_AT
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Ragnar_AT » 01.09.2017, 12:01

Ich habe mir auch die anderen Bögen von Alibow angeschaut, zumindest auf ihrer Webseite.
Die meisten haben diesen zylindrisch runden Griff, selbst der Manchu Bogen ( ??? ??? )
Deswegen habe ich "Ming Bogen" als Verallgemeinerung verwendet, als Abgrenzung zu den Quing (=Manchu).
Ich will meinen noch etwas fragilen Stil nicht mit noch mehr Varianten (tibet. Stil) verrühren...

Sonst ist der Quinghai wirklich gut, zumindest im Verhältnis zum Preis.
Er sieht gut aus, zieht sich recht leicht - im Gegensatz 30# KTB - und wirft wirklich passabel.
(lies KTB als "Korean Traditional Bow").

Werd ich mich wohl entscheiden müssen ... ???
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Ralph
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Ralph » 01.09.2017, 15:33

Ähm...

Die Qinghai-Bogen und die Manchu - Bogen sind einander ähnlich, das sie aus derselben Quelle stammen. Daher sind auch die Griffe zumindest ähnlich (Die Originalen differieren zwischen zylindrisch-gerade und elipsoid. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie z. B. keine solche Ausbuchtung/Vorsetzung zum Bogenrücken hin, wie etwa bei Türken. Im modernen Herstellungsverfahren wird zugunsten von Massenproduktionen auf diese mögliche Variabilität verzichtet. Daher sind auch die Grifformen bei Alibow alle etwas ähnlich.)
Die Schußtechniken sind ähnlich bzw. miteinander verwandt.

Der Qinghai ist kein mingzeitlicher Bogen, die Bogen dieser Epoche hatten z. B. keine solchen Siyahs, Sehnenbrücken etc.. Moderne Varianten von Bogen aus der Ming-Dynastie findest Du hier:http://cinnabarbow.com/marinerbows/ming.html

Der Holz-Glasfiber-Qinghai von Alibow ist o. k. Ich hab so einen zum Anfang auch geschossen. Er hielt drei Jahre intensiven Beschuss aus. Damit kannst Du nichts falsch machen.

Von irgendeiner Kipp-/Drehtechnik würde ich Dir bei dieser Bogenform dringend abraten ! Diese gab es in Bezug auf diese Bogen auch historisch gesehen nicht.

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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von benzi » 01.09.2017, 16:27

meine Erfahrung zeigt, dass heute jeder seinen eigen Stil finden muss... dazu kann es natürlich zielführend sein, möglichst viele Stilelemente zu kennen um seinen/ihren Stil zu suchen und zu finden, dabei ist es nicht unbedingt erforderlich, dass der Bogen historisch so geschossen wurde..

hier ein Manschure aufgenommen in Tienshui/China 2015... er hat seinen Kippstil mit dem Qing-Bogen gefunden...

manchu4.jpg

manchu3.jpg


liebe Grüße benzi
Zuletzt geändert von benzi am 01.09.2017, 19:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Ragnar_AT » 01.09.2017, 18:24

Im Prinzip muß jeder seinen eigenen Stil finden, da stimme ich zu.
Aber der Bogen muß schon dazu passen - mit einem runden Griff macht sich die Drehtechnik nicht so gut ...
Von irgendeiner Kipp-/Drehtechnik würde ich Dir bei dieser Bogenform dringend abraten ! Diese gab es in Bezug auf diese Bogen auch historisch gesehen nicht.

Genau, der runde Griff impliziert das.
Deswegen werde ich die (reine) Kipptechnik mit dem Koreaner probieren.

Um ehrlich zu sein, ich habe beides schon mit beiden Bogentypen probiert, meist recht wild durcheinander, und entsprechender Streuung.
Zur Entschuldigung kann ich höchstens vorbringen, daß ich mit der Daumentechnik in meinem Club ganz allein bin.
Das Höchste der Gefühle ist der gutgemeinte Ratschlag, doch die Bogenhand nach dem Abschuß ruhig zu halten.
Eben ein Langbogen-fixierter Club ...
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Ragnar_AT » 04.09.2017, 14:15

Und wenn ich einmal dabei bin, gleich die nächste Frage, diesmal Freddie Archery.

In diesem Thread ist mehr als einmal gesagt worden, der KTB Carbon wäre leistungsmäßig besser als der Windfighter.
Ich habe keine Veranlassung, daß nicht zu glauben, hatte allerdings bis jetzt immer gedacht,
der Windfighter wäre im Prinzip nur ein KTB ohne Tapete.

Aber zu meiner Frage. Als ich mir kürzlich bei meinem HdV einen neuen KTB holen wollte, hatte er nur die "White Feather" Teile verfügbar.
Laut seiner Aussage ebenfalls von Freddie Archery, und speziell für den westlichen Markt hergestellt. Zumindest ist er in Englisch beschriftet.
Ich habe einen "Forever Carbon" in 53" kurz getestet und leistungs- bzw. handlingsmäßig kaum einen Unterschied festgestellt.
Bis jetzt habe ich einige Hundert Schüsse damit gemacht, ohne Probleme.

Hat sonst jemand Erfahrungen mit diesen Bögen ?
Wo wären sie leistungsmäßig einzuordnen ?
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Ragnar_AT » 11.09.2017, 16:04

Ein Nachtrag zur Technik.
Ein kippfreier, bzw. fast kippfreier Schußstil funktioniert prinzipiell auf beiden Bögen.
Mit passender Rückenspannung, was allerdings noch nicht ganz automatisiert ist ;-(

Beim letzten Schießen habe ich blöderweise zwei kleine Ausrüstungsteile vergessen, den Daumenring und den Daumenschutz für die Bogenhand. Nach 70 .. 80 Schuß hatte ich dann ein leicht dumpfes Druckgefühl im Daumen, klar. Damit kann ich leben.
Interessanter ist aber - nach vielleicht 20 Schuß ist mir das erste Mal ein Pfeil kräftig über des erste Daumengelenk der Bogenhand geschrammt.
In Folge dann noch 4 oder 5 Mal. War am Ende ein etwas blutige Angelegenheit ...
Ist das eine Ablaßschwäche, falscher Griff, oder ist vielleicht der Nockpunkt zu niedrig ?
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Sateless » 11.09.2017, 16:09

Die Ablassschwäche würde ich auch auf Distanz ausschließen. Wenn es dir mit nem Koreaner passiert ist, dann ist es eher der Nockpunkt. Ansonsten musst du Griff und Nockpunkt überprüfen.
Ich schreibe ohne Autokorrektur lesenswerter. Du etwa auch?
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Ragnar_AT » 11.09.2017, 19:30

Eigentlich eher mit den "Chinesen". Wobei ich nach derartigen Erfahrungen eben meistens einen Schutz an der Bogenhand trage.
Übrigens ein dickerer Lederring im Stil eines mongolischen Daumenringes.

Ein Nockpunktproblem hatte ich erst einmal ausgeschlossen, da würde ich ein Auf-/ Abwärtswedeln erwarten.
Die Pfeile sind übrigens alle an der Befiederung umwickelt.
Federgrannen haben kleine Widerhaken - ist ein komisches Gefühl, wenn man die unter der Haut vorzieht ...
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Arquerine » 12.09.2017, 11:47

Das mit den Schrammen am Daumengelenk an der Bogenhand passiert mir immer, wenn ich den Bogen zu hoch greife. Da machen schon ein paar Milimeter einen Unterschied.

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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Ragnar_AT » 12.09.2017, 12:11

Das macht Sinn - der Bogen (Quinghai) hat keinen irgendwie abgesetzten Griff, da rutscht man schnell ein paar Millimeter hoch oder runter.
Die Koreaner sind diesbezüglich besser.

Mein Nockpunkt ist übrigens oben, d.h. ich setze den Pfeil unterhalb auf, schiebe ihn nach oben bis zum Anschlag, und nocke ihn dann ein.
Macht sich gut zum Blind-Einnocken, obwohl ich nicht speziell auf Geschwindigkeit aus bin ...
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Janitschar » 13.09.2017, 08:55

So wie es Martina schreibt.

Zusätzlich kann eine Druckpunktverlagerung in der Bogenhand eben auch zu diesem Effekt führen, da sich dadurch auch die Abschußposition des Pfeils verschiebt.

Gruß
Stephan
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Ragnar_AT » 13.09.2017, 09:05

Macht auch Sinn.
Wie schon gesagt, der Bogen hat einen fast zylindrisch runden Griff.
Siehe da: https://www.alibowshop.com/blank-rwrlr/tibetan-qinghai
Da fällt es auch schwer, einen konsistenten Griff und Druckpunkt zu finden. Zumindest mir.
Ich frage mich, wie die Chinesen/Tibetaner (der Alibow Kayjuan z.B. hat den gleichen Griff) damit zurecht kamen ...

Ich glaube, für alle Dinge abseits einem reinen Techniktraining (gaozhen) werde ich mich wohl auf die Koreaner "einschießen".

PS: und/oder den Griff des Chinesen ändern ...
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Ralph » 13.09.2017, 22:43

Ragnar_AT hat geschrieben:Wie schon gesagt, der Bogen hat einen fast zylindrisch runden Griff.
Siehe da: https://www.alibowshop.com/blank-rwrlr/tibetan-qinghai
Da fällt es auch schwer, einen konsistenten Griff und Druckpunkt zu finden. Zumindest mir.
Ich frage mich, wie die Chinesen/Tibetaner (der Alibow Kayjuan z.B. hat den gleichen Griff) damit zurecht kamen ...

PS: und/oder den Griff des Chinesen ändern ...


Wie man damit zurechtkommt vgl. z. B. hier!.

Man kam damit zurecht, indem man es immer wieder, bis zur buchtäblichen "Vergasung" übte - bis es saß. Das dauerte eben. Und Du machst das vielleicht noch nicht lange genug.... ::)

Eine Griffanpassung ist keine gute Idee - dadurch verändert man das Zusammenspiel der Bogenbestandteile und das Schußverhalten meist in keinem positiven Sinne.

Die Altvorderen werden schon ihre Gründe gehabt haben, warum sie die Griffe in dieser Weise gestaltet haben - diese lagen meist darin, etwas in einer Weise zu gestalten, dass es funktionierte und man daher damit überleben konnte.
Deshalb waren die Griffe bei den chinesischen/tibetischen Bogen in jener Weise ausgeführt. Bei koreanischen Bogen, die auch ansonsten anders ausgeführt waren, sind sie deswegen anders gestaltet (und die Bogen werden u. a. deshalb auch anders geschossen); ebenso bei Türken etc. .

Nur mal am Rande:
Sie hier ist ja sicher bekannt. Sie ist auch ähnlich "zylindrisch/elyptisch" ausgeführt, wie die angesprochenen Bogengriffe. Wie man sie korrekt zu fassen hatte, war auch eine Sache langwieriger Übung. Dass sie deswegen unhandlich wäre bzw. jemand versucht hätte, sie zu ändern, um sie korrekt / effizient gebrauchen zu können, ist nicht, bzw. nicht in einer von Erfolg gekrönter Weise bekannt.
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Ragnar_AT » 14.09.2017, 08:38

Wie man damit zurechtkommt vgl. z. B. hier!.

Soweit so gut.
Aber: der Griff auf den Abgebildungen ist nicht rund wie der meines Quinghai.
Bei letzteren ist das Verhältnis Höhe zu Breite annähernd 1.
Bei den laminierten Varianten, auch bei Alibow, ist das nicht so.

Bei meinem koreanischen Bogen ist das Höhen/Breitenverhältnis übrigens ähnlich wie beim abgebildeten Bogen.
Bis auf die getaperten Übergänge.

Ich werde mich jedenfalls erst einmal auf den Koreaner konzentrieren.

Man kam damit zurecht, indem man es immer wieder, bis zur buchtäblichen "Vergasung" übte - bis es saß. Das dauerte eben.


Ich schätze mal, das haben die Türken, Koreaner, etc. auch getan, trotzdem hat sich bei ihnen ein stärker ausgeformter Griff durchgesetzt.

Und Du machst das vielleicht noch nicht lange genug.... ::)


Ich weiß ... :)
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Re: Daumentechnik, Techniken, Veränderungen und Fortschritte

Beitrag von Ralph » 14.09.2017, 10:01

Also ich habe selber einen solchen Qinghai von Alibow mit "rundem" Griff.

Eine notwendige, unterschiedliche Herangehensweise hinsichtlich der Handhabung desselben ist dennoch nicht notwendig bzw. konnte ich nicht feststellen.

Es ist und bleibt im wesentlichen eine Frage der Übung und des sich dabei einstellenden Gefühles.

Dass die Griffe von Türken und Koreanern anders sind, ist unbestritten.
Die Bogenform und die sich aus der Gesamtkompostition ergebende Schußtechnik sind es aber auch. Äpfel lassen sich nur schwer mit Birnen vergleichen, auch wenn beide Obstsorten im Endeffekt mit Mühe gewaschen, geschält, entsteint etc. werden müssen. ;)
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