Däumlingskummer mit dem Han Wind 3

Bogenschiessen in der Praxis, mediterran, Daumentechnik u.a.
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deltaideus
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Däumlingskummer mit dem Han Wind 3

Beitrag von deltaideus » 18.01.2019, 20:50

Hallo Daumenschützen und Liebhaber der Recurves,

ich habe mal eine Frage bzgl. Abstimmung / Fehlerbild - ich kann mir das nicht erklären und weiß nicht weiter. Seit einigen Tagen bin ich Besitzer eines Han Wind 3 von Cinnabarbow ( https://tinyurl.com/y76uv7c4 ). Das beigefügte Bild enthält eine exemplarische Abbildung des Trefferbildes.Das merkwürdige daran: ich habe bereits am Setup geschraubt. Das Bild zeigt Pfeile mit 340 sowie 400 und 500er Spines. Die Spitzen variieren von 75 über 100 bis 125 gr. Entfernungen von 12, 15, 18 und 30 Metern - es ist jedesmal dasselbe: keine Veränderung beim Trefferbild, alle Pfeile schlagen schräg nach links geneigt ein. Woran kann das liegen? Mit meinem Kaya KTB XL passiert das nicht - da stecken die Pfeile bolzengerade. 600er kann ich auf dem Bogen (47# @31") nicht schiessen, und wahrscheinlich würde auch das nichts ändern. Was also kann ich tun? Schade eigentlich - der Bogen ist toll, super angenehm, agil, ohne Handschock - aber an diese schrägsitzenden Pfeile kann ich mich nicht gewöhnen... :-[ :-[ :-[

Danke für Tips,
Peter
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Ralph
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Re: Däumlingskummer mit dem Han Wind 3

Beitrag von Ralph » 18.01.2019, 21:19

Hast Du bitte mal die Werte hinsichtlich Zuggewicht und Auszugslänge Deines bisher verwendeten Bogens (Kaya ?) und jetzigem Han 3 ?
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Was ? Ihr missbilliget den kräftigen Sturm
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Re: Däumlingskummer mit dem Han Wind 3

Beitrag von Sateless » 19.01.2019, 14:42

Du hast eine PN.
Ich schreibe ohne Autokorrektur lesenswerter. Du etwa auch?
.مع سلامة في أمان السهم و القوس

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deltaideus
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Re: Däumlingskummer mit dem Han Wind 3

Beitrag von deltaideus » 19.01.2019, 17:50

Hallo nochmals,
um nicht zu orakeln, habe ich die Parameter nochmals gemessen. Die Werte sind wie folgt:
-----------
Kaya: 30,5" Auszugslänge, dann 46,7# auf dem Daumen(ring).
Han Wind: 32" Auszugslänge, dann 47,8# auf dem Daumen(ring), s. Bild. Die Werte stimmen.
-----------
Den Kaya kann ich mit den 500er GoldTip und 100gr Spitze einwandfrei schießen (ist zwar ´ne Zicke, wenn man nicht wirklich sauber schießt, aber wie gesagt: wenn man technisch akkurat arbeitet, dann paßt das).
Für den Han Wind hatte ich mir auch Bambuspfeile gekauft (Arrowforge) mit 33" Länge, 100gr Spitze und 70# - 75#. Die sind zwar mit gut 550gr eher schwer, fliegen aber auch sauber und...stecken genauso schief im Ziel wie die anderen ???

@Sateless: melde mich noch persönlich bei dir.
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Ralph
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Re: Däumlingskummer mit dem Han Wind 3

Beitrag von Ralph » 19.01.2019, 19:21

Bei dem Trefferbild ist meist der Standardtfehler, dass der Schulterzug der Bogenschulter, also die Bewegung des Zugarmschulterblattes um die Wirbelsäule herum - bzw. das Bestreben dazu - nicht sauber funktioniert.

Folge dessen ist ein lascher bzw. nicht kräftig genug erfolgender Ablaß, der, oft noch über ein Anschlagen oder Schleifen des Pfeiles am Bogen - zum Wedeln der Pfeile führt, die dann letztlich schräg einschlagen. Dies wird in der Regel schon auf kurzen Distanzen ersichtlich, bei längeren normalisiert sich das in der Regel bzw. das Einschlagen kommt weniger "schief". Du hast dahingehend schon recht weite Entfernungen, auf kürzere Distanzen dürfte die Auslenkung noch größer ausfallen.

Ursache für o. g. Standardtfehler sind:
*Höheres Zuggewicht als zuvor und Unfähigkeit des Schützen damit klarzukommen, daraus wiederum nicht ausreichende "Kraft" zu genügendem Schulterzug.

*Niedrigeres Zuggewicht als zuvor - man fühlt sich leicht, macht alles somit "mit links" und verschludert so die notwendige Technik mit der Folge ungenügendem Schulterzuges oder kann vor "überschießender Kraft" den Zug nicht mehr sauber ausführen (wie die Mannschaft beim Tauziehen, die unkoordiniert umfällt, wenn die andere Seite unvermittelt das Tau loslässt).

*Mangelnde Koordinierbarkeit der Bewegung des Schulterzuges aufgrund neuen Bewegungsmusters oder neuer Bewegungsamplituden.

Insbesondere bei verlängertem Auszug kann es vorkommen, dass der Schütze aufgrund der ungewohnten Länge des neuen Auszuges am Anfang der Schießpraxis mit diesem verlängerten Auszug nicht in der Lage ist, das Zugarmschulterblatt konsequent und kräftig genug um die Wirbelsäule zu ziehen zu suchen. Folge ist dann - siehe oben - ein lascher Ablass mit der o. g. Folge (Wedeln, schiefes Einschlagen).

Das gibt sich bei konsequenter Beachtung und Beübung des Schulterzuges mit der Zeit - wenn der neue, verlängerte Auszug für den Schützen anatomisch gesehen überhaupt noch händelbar ist.

Erreicht der Auszug des Bogens für den Schützen aufgrund der anatomischen Verhältnisse jedoch ein Ausmaß, dass er selbst bei konsequenter Beübung keinen kraftvollen Schulterzug gerieren kann - etwa weil die Zughand im Vollauszug schon in Höhe des Schuktereckgekenkes der Zugarmschulter liegt (vgl. dazu https://www.chinese-archery.de/ausruest ... l/schaefte unter dem Punkt Auszugslänge), so kann auch meist ein konsequentes Beüben keinen ausreichend kräftigen Ablass gerieren.

In diesem Falle hilft nur ein Kniff, mit dem man sich durch Erhöhung der Hebelwirkung beim Ablass die "Kraft" für einen kräftigen Schukterzug anderweitig "holt".
Dieser Kniff liegt in der Verlängerung des Auszugsarmes, welches von außen her betrachtet oft als - sinnentleertes - Wegschleudern der Zughand gesehen wird.
Dazu siehe Weiteres hier:https://www.chinese-archery.de/technik- ... und-loesen - dort unter dem Punkt "Involvierung der Zughand und des Zugarmes:...besondere Aspekte der Involvierung der Zughand und des Zugarmes bei langem Auszug".

Kurzum:
Denke, die ersten beiden Ursachen kann man hier wohl ausschließen, da die Zuggewichte so unterschiedlich nicht sind.

Ich denke, es liegt bei Dir am längeren Auszug, der die Bewegungsausführung stört.
Du solltest daher eine kräftigen/konsequenten Schulterzug und dessen sauberer Ausführung mehr Beachtung schenken. Erweist sich der Auszug von 32 Zoll für Dich allerdings schon als zu weit bzw. im Grenzbereich, solltest Du über einen Auszug mit letztlich fast extendiertem Zugarm nachdenken.

Gruß

Ralph
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Re: Däumlingskummer mit dem Han Wind 3

Beitrag von Esmar » 20.01.2019, 09:21

Es stimmt, dass dieses Problem einerseits durch die Schusstechnik begründet sein kann ... ABER .... Oft ist es so, dass der Pfeil nicht zum Bogen passt ...
Schau dir bitte folgendes Video auf youtube von Clay Hayes an:
Tuning a Recurve, longbow, or selfbow for perfect arrow flight

..... und du wirst den Grund sehen, warum deine Pfeile Nocken Links landen, und was du tun kannst, damit deine Pfeile gerade rauskommen ..... Vorausgesetzt deine Schusstechnik ist oke (das schätze ich aber so ein)

Hoffe dir geholfen zu haben und viel Freude mit Clay
Esmar

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Re: Däumlingskummer mit dem Han Wind 3

Beitrag von fatz » 20.01.2019, 09:57

@Esmar: Er schiesst doch mitm Daumen und da ist doch alles gaaaanz anders ;)
Nebenbei: man kann hier auch Links posten. Hier der zu Clays Video: https://www.youtube.com/watch?v=pE2YHfr2rXA
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Däumlingskummer mit dem Han Wind 3

Beitrag von Esmar » 20.01.2019, 11:41

Da hast schon recht, Daumentechnik ist nicht gleich Mediterran .... Da muss man nicht diskutieren .... Ich spreche nur aus meiner Erfahrung mit Koreanischen Bögen, wo ich mit selbstgebauten Bambuspfeilen und den wertvollen Tips von Clay's Video, meine Pfeile und mein Schussbild sich so verändert hat, dass aus schräg landenden Pfeilen ... gerade einschlagende Pfeile wurden.
Durch das Ausdrehen des Bogens mit der Bogenhand wird ja annähernd ein "Schussfenster" geschaffen und der Pfeil muss sich nicht so viel, wie bei mediterraner Schusstechnik um den Griff schlängeln ... Daher gleicher Bogen mediterran geschossen, verlangt anderen Spine als mit Daumentechnik geschossen ... Aber nur die Technik bei den Däumlingen für das Schussbild zu verantworten, wäre nicht mein einziger Lösungsansatz.
Esmar

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