Geeignete Pferderassen fürs Bogenreiten

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Hunbow
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Geeignete Pferderassen fürs Bogenreiten

Beitrag von Hunbow » 06.08.2004, 11:39

Welche Pferderassen sind fürs Bogenreiten besonders geeignet?
Oder kommt es weniger auf die Rasse und mehr auf die Ausbildung drauf an?
"Der starke Mann trotzt dem Regen. Der kluge Mann stellt sich unter."

Filmtipp:
http://www.struckthefilm.com/

Alphastern

Beitrag von Alphastern » 06.08.2004, 12:45

Es kommt wie so oft weniger auf eine spezielle Rasse als auf die Charaktereigenschaften des Tieres an. Es gibt ja meines Wissens (noch) keine speziell zum Bogenreiten gezüchtete Pferderasse.

Das Tier sollte ruhig, menschenbezogen und angstfrei (gegenüber "Stöckchen") sein, sowie eine gewisse Galoppierfreudigkeit zeigen. Wenn das Galoppieren dem Pferdchen keinen Spass macht bringts nix, wenn es wärend des Rittes in den Trab fällt und der Pfeil von der Hand (am Besten wärend des Releases 8-| )

Das Exterieur (Körperbau) sollten zum Reiter passen. Männlein oder Weiblein ist völlig egal.

Die Ausbildung sollte ganz allgemein auf Vertrauen und Rittigkeit abzielen.

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shewolf
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Beitrag von shewolf » 06.08.2004, 12:48

Ich denke prinzipiell kann man von jedem dazu trainierten Pferd aus mit dem Bogen schießen, aber Haltung & Ausbildung sind bei einigen Rassen einfacher als bei anderen.

Die klassischen Sportpferderassen (Hannoveraner, Trakehner etc.) sind anspruchvoller als zum Beispiel die Arbeitspferderassen (Quarter, Freiberger, Haflinger, polnische Warmblüter, etc.). Klein- und Robustpferde (Isländer, Norweger, Welsh etc.) sind am einfachsten zu halten, aber - wie Benzi leider erfahren hat - auch nicht immer uneingeschränkt zum Bogenreiten zu verwenden.

Wenn ich die Wahl hätte, würde ich was leichtes mittelgroßes mit solider Grundausbildung und straßensicher nehmen. Trittsicher, robust und guter Futterverwerter: also einen schlanken Haflinger, einen kleinen Polen bzw. Russen (wie "Basti") oder ein Quarterhorse.
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Hunbow
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wie siehts denn...

Beitrag von Hunbow » 06.08.2004, 13:39

... mit Kaltblütern aus?

Mit einem feschen Friesen oder Persheron (ist das überhaupt richtig geschrieben)?

Bin ja schon ausgelacht worden als ich auf einem zu kleinen Pferd gesehen wurde.


:-) :doh
"Der starke Mann trotzt dem Regen. Der kluge Mann stellt sich unter."

Filmtipp:
http://www.struckthefilm.com/

Alphastern

Beitrag von Alphastern » 06.08.2004, 13:51

Friesen vergiss mal wieder. Sind zwar hübsch aber sehr Primadonnenlike. Ausserdem hochsensibel. Einmal was falsch gemacht verzeihen sie nicht gerne. Ein Pferd für erfahrene Hände.

Percheron ist zwar Klasse, sehr temperemantvoll, bewegen sich gerne, aber ich bezweifele das das unbedingt die geeigneten Pferde wären.

Es ist imho unpraktisch nach einer bestimmten Rasse zu suchen. Das Pferd muss "passen". Egal wo oder für was es gezüchtet wurde.
Beispiel meine Stute: ehemaliges Rennpferd, da würde man pauschal auch sagen: zu schnell, zu versponnen. Das gerade dieses Pferd ruhiger und zuverlässiger als mancher Warmblüter oder Pony ist, glaubt man bei Angabe der Rasse erst wenn man es gesehen hat. Man muss das Tier individuell sehen.

Übrigens: Die Körpergrösse in cm von Pferd und Reiter spielen nur oberflächlich eine Rolle, es ist wichtiger WIE die zwei zusammenpassen. Da spielen Knochenbau, Muskulatur, Rippenwölbung etc. noch eine wichtige Rolle.
Es gibt durchaus große Reiter, die gut zu einem kleineren Pferd passen, da Körperbau und Art zu reiten (und zu sitzen) zueinander passt.
Einfach auf das Tier setzen und probieren.

Zu dem Thema gibt es einen guten Artikel in der aktuellen Cavallo. Ich kann ihn Dir Oktober mitbringen.

Niels

Beitrag von Niels » 06.08.2004, 14:37

Erstmal vielen Dank an unsere Admins und Mods, dass Ihr uns Reiterbogenschützen, Bogen- und Steppenreiter und Pferdenarren im allgemeinen jetzt so eine schöne Plattform innerhalb des FC geschaffen habt. Ich bin begeistert.:bussi :-)

Es ist sicher nicht falsch zu sagen, dass sich alle Pferderassen bei entsprechender Ausbildung zum Bogenreiten einsetzen lassen.

Aber:

Meiner Ansicht nach eignen sich aber bestimmte Rassen von vornherein mehr und andere weniger.

Ein zu hoch angesetzter Hals, wie er zum Beispiel bei den angesprochenen Friesen zu finden ist, weil es ursprünglich Zugpferde waren, ist nachteilig für den erwünschten erschütterungsarmen Galopp. Außerdem stört der Hals bei Schüssen nach vorn. Die Westerpferderassen sind diesbezüglich klar von Vorteil.

Natürlich kann man auch auf einem Kaltblut recht gut reiten. Gezüchtet wurden sie dazu allerdings nicht. In erster Linie ist der oft spagatartige Sitz gewöhnungsbedürftig.

Ein zu großes Pferd (so ab 1,70 Stockmaß) ist meiner Ansicht nach auch nicht optimal. Schon weil es schwierig wird, sich ohne Steigbügel draufzuhieven.

Hochgezüchteten Warmblütern fehlt es oft an Gelassenheit. Aber da gibt es auch Ausnahmen.

Araber sind sicher prächtige Reitpferde, aber eher nichts für Anfänger, weil sie sehr sensibel sind.

Dann spielen ja auch noch die eigenen Zielsetzungen eine Rolle.

Wer zum Beispiel dem historischen Vorbild nahe kommen möchte sollte sich, wenn es mit der eigenen Körpergröße passt, eher in der Mongolei und den angerenzenden Regionen umschauen. Die kleinen struppigen Pferdchen halt. Die idnianische Fraktion wird sich eher in Richtung Apaloosa oder Paint orientieren.


Würde mich jetzt also ein Bogenreitanfänger fragen, welche Rasse sich für ihn besonders eignet, würde ich neben dem Hinweis auf eine solide Grundausbildung des Pferdes dem Betuchten die Westerpferderassen (Quarter Horse und Co.) und dem weniger Betuchten einen robusten und gelassenen Mix oder einen Haflinger empfehlen.

Da bei der Beurteilung der Pferderassen die Meinungen häufig weit auseinandergehen, Ausnahmen die Regel bestätigen und häufig viel Emotion im Spiel ist, sei nochmals betont: Ich will keine Rasse schlechtmachen (Ich reite selbst zum Beispiel Warmblüter) und es ist nur meine Meinung, die ich ohne jeglichen missionarischen Eifer zum besten gebe.

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Beitrag von Archiv » 07.08.2004, 00:06

Ich möchte mich zuerst gaaanz herzlich für dieses neue Forum bedanken. Bogenschützen sind schon sehr eigenwillige Leute, Reiter ein unmögliches Volk, bogenschießende Reiter sind absolut Verrückte.

Nun zur eigentliche Frage:
unsere Rika ist ein Fjord-Trakehner Mix. Ich denke das alle Probleme, die ich mit ihr hab von Menschen verursacht wurden und nicht rassespezifisch sind. Sowohl die Angst vor Stöckchen, also auch die Rückenprobleme haben ihre Wurzeln zu hoher Wahrscheinlichkeit in der Grundausbildung.
Bogenreiten stellt an die Pferde keine hohen körperlichen Anforderungen, ein 90 Meter Galopp auf weichem Boden und dann im Schritt zurück oder Pfeile ziehen stellt eine gute Übung für Fitness da ohne besonders hohe Anforderungen an Gymnastizierung, Muskelausbildung u.ä. zu stellen. Das sieht bei den Westernreitdisziplinen anders aus. Wie schon geschrieben, liegt das Hauptaugenmerk auf der Gelassenheit und Rittigkeit, die werden vorallem über eine gute Grundausbildung erreicht, denke ich. Dies beim Kauf eines Pferdes zu beurteilen ist aber nicht einfach, dazu würde ich gern Eure Meinung lesen. Im Übrigen bedauere ich den Kauf des Pferdes nicht, denn alle Probleme, die ich mit ihr hab, veranlassen mich zur intensiven Beschäfftigung mit dem Thema Pferd und da gibt es für mich viel zu lernen, sehr viel.
benzi

Alphastern

Na dann...

Beitrag von Alphastern » 08.08.2004, 00:07

...sag ich auch mal DANKE!!!
Hab ich gar nicht gesehen das bogenschiessende Reiter und berittene Bogenschützen nun eine eigene Sparte bekommen haben, ist ja supi! :anbet :anbet :anbet

Was die Pferdchen angeht: wer evtl. in den Genuss kommt einen bogenschiessenden Reiter zu kennen könnte diesen ja noch bei einer Begutachtung eines in Frage kommenden Pferdes mitnehmen. Man muss sich die Tiere einfach ansehen.
Apropos: in unserem Stall gibt es einen Criollo-Percheron-Mix. Wem das nix sagt: Criollo ist die argentinische Cowhorserasse, Percheron französischer, recht beweglicher und hübscher Kaltblüter. Das Ergebnis ist ein Traum! Ca. 1,60 Stockmass, ruhig, aussreichend Vorwärtsdrang und traumhaft zum Bogenreiten gebaut!!! Was gäb ich drum den mal auszuprobieren...
Aber sein "Herrchen" hat ja auch schon Interesse am Bogenreiten gezeigt ;-)

Der Steppenreiter

Beitrag von Der Steppenreiter » 10.08.2004, 13:11

Die Frage, welche Pferderasse geeignet sei, ist etwas zu kurz gegriffen. Natürlich bestimmt das Blut den Charakter, aber gut die Hälfte macht die Aufzucht aus und die lässt in Deutschland mehr als zu Wünschen übrig.

Viele Pferde kennen von Jugend an nur ihre 100m x 100m Koppel, haben immer genug zu fressen und verblöden vollkommen bis sie ins reitfähige Alter kommen. Jeder Busch erschreckt sie, Pfützen und Bäche sind der Horror, Rangordnung haben sie nie gelernt. Sie wissen nicht was Entbehrungen sind und sind deshalb verweichlicht und verletzungsanfällig. Egal was für eine Rasse!

Mühsam müssen wir ihnen den normalen Umgang mit der Natur wieder beibringen, andernorts nennt man das dann Aussacken und erhöhte Tierarztkosten in Kauf nehmen. Versuchen wir dann auf solchen Schreckies das Bogenschiessen erleben wir ein Blaues Wunder, obwohl ihre Rasse eigentlich super ist!

Niels

Beitrag von Niels » 10.08.2004, 13:43

@ Steppenreiter

Mit Deiner Ergänzung hast Du sicher recht.

Aber so dramatisch schlecht sieht es doch in Deutschland gar nicht mehr aus. Immerhin ist eine immer deutlichere Tendenz hin zur Offenstall/Robusthaltung im Herdenverband zumindest im Freizeitreitbereich erkennbar und die Ständerhaltung wurde wenigstens in vielen Bundesländern schon ausdrücklich verboten.

Da es aber nun mal an Fläche in Deutschland mangelt, wird der Idealzustand des frei Herumlaufenlassens von Pferdeherden auf riesigen Arealen bei Nichtnutzung als weitere Steigerung einfach nicht zu realisieren sein.

Der Steppenreiter

Beitrag von Der Steppenreiter » 10.08.2004, 14:10

Hallo Niels,

habe mich in Karbadiner verkuckt, weißt du wie die groß werden?, da haben noch nicht einmal die Ungarn eine Chance.

Gebirgspferde leben auf 1500m werden im Sommer bis 4000m hohe Almen aufgetrieben und verbingen dort ihre Zeit in komplett freien Gelände. Die haben alles erlebt, was es zum Überleben braucht bis sie 5 Jahre sind. Sind sehr menschenbezogen, absolut cool, kaum 160cm groß, Ausdauer ohne Ende, harte Hufe, klug und sehr mutig.

Also alles in allem diese Tscherkessen haben es mir angetan. 70% wegen der Haltung, der Rest wegen der Rasse! Oft findest Du auch Naturtölter und/oder Passgänger unter ihnen - wers mag...

Niels

Beitrag von Niels » 10.08.2004, 17:10

Karbadiner sind wirklich Pferde, die sich für das Bogenreiten gut eignen dürften. Wir haben im Nachbardorf einen Züchter, der sich dieser Rasse verschrieben hat. Mir gefallen sie.

Allerdings haben deutsche Tierärzte so ihre Probleme mit diesen Pferden. Ich durfte vor Gericht mal eine veterinärmedizinische Stellungnahme zu einem meiner Ansicht nach völlig normal proportionierten Pferd dieser Rasse (in allerdings schlechten Trainingszustand) hören, die zu dem Ergebnis kam, das Pferd sei vollkommen unterernährt. Meinem mit viel Info-Material unterlegtem Einwand, dass Karbadiner nun mal nicht mit den Warmbluternährungskriterien, die Veterinären in der hiesigen Ausbildung vermittelt werden, zu messen sind, folgte das Gericht zum Leidwesen des Pensionsstallbesitzers nicht, weil die "Fachleute" ja gesprochen hatten.

Die Pferdchen sind halt noch wirkliche "Exoten" in Deutschland.

Ich stelle es mir aber gar nicht so einfach vor, die tatsächlich im Kaukasus aufgewachsenen Pferde zu kaufen und nach Deutschland zu bringen.

Für diejenigen, die mehr über diese Rasse erfahren wollen: www.kabardiner.de

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Re: Geeignete Pferderassen fürs Bogenreiten

Beitrag von Urd » 20.07.2008, 21:46

Hallo Niels,
toll, dass ihr die Kabardiner erwaehnt, von denen habe ich auch viel Gutes gelesen! Was haltet ihr von Karabaghen (bezueglich Bogenreiten, meine ich)?  (Sind meine absoluten Favoriten, neben chilenischen Criollos, Araber-Berbern, und Hafis natürlich).

Hat jemand Erfahrung mit diesen Rassen? Berber und Araber-Berber müssten doch eigentlich für das Bogenreiten optimal geeignet sein, schliesslich dürften die Anforderungen einer Fantasia an die Pferde dem Bogenreiten ziemlich nahekommen? Ich würde mich über "Insiderwissen" sehr freuen, auch bezüglich Haltung usw.
"Minimierung der Ansprüche ist Optimierung der Freiheit"
Otl Aicher (in: Adrian&Weick 2008)

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Angela
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Re: Geeignete Pferderassen fürs Bogenreiten

Beitrag von Angela » 20.07.2008, 21:58

Urd hat geschrieben:Hallo Niels,
toll, dass ihr die Kabardiner erwaehnt, von denen habe ich auch viel Gutes gelesen! Was haltet ihr von Karabaghen (bezueglich Bogenreiten, meine ich)?  (Sind meine absoluten Favoriten, neben chilenischen Criollos, Araber-Berbern, und Hafis natürlich).
Hat jemand Erfahrung mit diesen Rassen?


Klaro, frag mal Andrea (Navalas), ihr Karabagh Savalan ist ein klasse-Bogenpferd. Kabardiner sind auch einige sehr erfolgreich dabei (Sezon und Harun).

benz

Re: Geeignete Pferderassen fürs Bogenreiten

Beitrag von benz » 21.07.2008, 13:16

ganz nett diesen thread nach so langer Zeit mal wieder zu überfliegen...

Viele Turniere sind seither vergangen, viele Pferde die Bahn runtergedonnert...

Vom Kaltblut bis zum Araberhengst, vom Isi bis zum Warmblut, ich finde alle haben gezeigt, dass jede Rasse zum Bogenreiten taugt, viel wichtiger sind Ausbildung und vorallem der/die ReiterIn. Ich finde es immer wieder total interessant, wie ein und das selbe Pferd mit selber Ausbildung und selber Abstammung unter zwei verschiednen Reitern völlig unterschiedlich geht.

lG benzi

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