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Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 09.09.2008, 21:48
von Hamburger
Das stimmt – ich bin noch auf der Suche nach einem geeigneten Spanngerät. Tillerbrett o. ä. fehlt bei mir noch.

Hallo aus Hamburg.

Ich habe mir eine Vorrichtung an die Wang gebaut. Oben eine "Ablage" und unten eine Umlenkrolle ( Abstand etwa 120cm ).
Ich lege den bespannten Bogen auf die Ablage, hänge ein Seil ein, welches ich über die Umlenkrolle spanne. Ich stehe etwa drei Meter weg und sehe so in gutem Abstand die Biegung.

Entschuldigt meine laienhafte Darstellung, ein Foto wäre wohl besser, habe ich aber noch nicht.

Ich bin zwar kein Profi im Bogenbau ( bin beim ersten Bogen in Eigenregie ), aber das klappt meines Erachtens sehr gut.

Nette Grüße

Volker

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 09.09.2008, 22:00
von walta
und ich machs genau umgekehrt - der bogen bleibt im schraubstock eingespannt und die sehne wird an die decke gezogen.

allerdings ist eine leiste mit ein paar nägel drinnen schnell gemacht - viel mehr ist ein tillerstock eigentlich nicht.

grüsse
walta
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der keine signatur hat :-)

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 09.09.2008, 22:28
von Granjow
Hallo von weit weg von Hamburg.
Christopher hat geschrieben:ach ja, an deiner Stelle würd ich mir nen Schraubstock kaufen, ich weiß was für ne Plackerei das mit schraubzwingen ist...
Möp. Die Plackerei sind die Astlöcher (heut Nacht träum ich von einem total astfreien Rohling und einem sauscharfen Ziehmesser). Beim Schraubstock seh ich so grad auf den ersten Blick keinen Vorteil: Wo mach ich den denn fest? Mir mangelt es an was auch immer, das standfest genug ist, die Tischplatte im Garten wäre herrlich, nur wird sie von einer Fliege schon beinahe umgeworfen.

@Volker, klar versteh ich das, es wäre auch nicht schwer, so was zu bauen, ABER man muss dazu eine freie Wand haben (erstens) und da auch Löcher reinhauen dürfen (zweitens). Ich fürchte, bei mir scheitert es an beiden Punkten. Aber etwas muss es geben, ich denk mal etwas nach. Vielleicht kann ich den kleinen Bruder nehmen?

Sehne nach unten ziehen fände ich praktischer, da könnte man auch einen 10-l-Eimer anhängen, oder auch zwei, und so das Zuggewicht feststellen. Geht natürlich auch eleganter, aber da es so spät am Abend ist …

gn8
Simon

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 09.09.2008, 23:12
von acker
Hallo,
Wenn du keine Möglichkeit hast um dir nen gescheiten standfesten Werktisch aufzustellen ,oder eine Hobelbank...etc, dann bau dir einen zerlegbaren Schnitzbock der wird dir gute Dienste leisten und ist auch garnicht so schwer zu fertigen.Schau mal in Falkenstadels Gallerie da gibts Bilder.
Für meinen hab ich grad mal um die 3h gebraucht -sieht zwar nicht so nobel aus , ist aber volleinsatzbereit und gefährlich ;)

Um das Zuggewicht zu messen, kannst du den tillerstock auch einfach auf Deine Badwaage stellen und wenn du den Bogen dann spannst  kannste das Zuggewicht ablesen....easy.Ok die Waagen sind natürlich meist nit so genau aber schon mal besser als nix.
Ansonsten, viel Spaß beim Bauen :)
Gruß Acker

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 10.09.2008, 09:25
von Ravenheart
Zuggewicht messen mit der Badwaage geht gut, aber bitte 3 Dinge beachten:

1. richtig Umrechnen: 1# = 0,453 kg

2. Rutschfeste Unterlage auf die Waage legen (ich hab immer so ein Gummi-Läppchen genommen, mit dem man sonst Marmeladengläser aufdreht!)

3. Als Druckstab KEINEN Pfeil nehmen, sondern etwas stabileres, und das bitte auf der ABgewandten Bogenseite anlegen (falls es doch mal wegflutscht!), sonst kan das hart in die Ei...ei-ei, wie unangenehm...
;)

Rabe

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 10.09.2008, 17:20
von Christopher
das Gerät vom Volker hab ich auch, nur an ner Tür festgemacht... werd mal beizeiten n Foto machen... mehr quick and dirty geht eigentlich nicht ;D
wieso braucht man ne Wand? man kann auch ne freistehende Konstruktion bauen, schau mal in monashees galerie unter Bogenkurs in Köln nach, da ist son Teil von Konrad Vögele.
ich finde die Teile sind optimale Tillergeräte und ohne viel aufwand zu bauen.

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 10.09.2008, 17:27
von Bernhard Langbogen
Schon mal versucht einen 220cm langen Bogen zu spannen.

Bernhard

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 10.09.2008, 20:46
von Granjow
Danke für alle Tips :) Ich schau mal, was ich machen kann.

@Rabe ich bin ein vorsichtiger Mensch. Mit dem Ziehmesser habe ich mir zum Beispiel noch nie in die Hand geschnitten *hahaha*

Habe vorher noch was im «Der Gebogene Stock» von Paul Comstock (oder ähnlich) gelesen, er hat da überdimensionierte Bogen drin, die recht angenehm zu schiessen sind. Klingt toll. Sind aber auch nicht länger als zwei Meter.

Ähm, ja, das mit dem Spannen hat schon was. *g*

Simon

Und morgen abend geh ich die Bogenbau-Bibeln holen. Falls ich a) genügend früh heim komme, b) es nicht vergesse, c) … das heisst, es wird doch wieder Wochenende :-/

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 11.09.2008, 18:46
von Kyujin
Bernhard Langbogen hat geschrieben: Schon mal versucht einen 220cm langen Bogen zu spannen.
Ja  ;D

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 11.09.2008, 20:17
von Bernhard Langbogen
@Kyujin

Eure Jap.Bögen sind ja nicht so extrem stark.
Ich hab einen 2.05m langen ELB mit 132lbs, da sieht die Sache schon anders aus.

Bernhard

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 11.09.2008, 22:56
von Kyujin
Stimmt, wir schießen bloß ein M16 des japanischen Mittelalters, keinen leichten Mörser.

Aber mal abgesehen von der Bogenstärke, die ja nun in keiner notwendigen Relation zur Länge steht:

Ich amüsiere mich schon über die "unerhörte" Bogenlänge von 220 cm, die bei uns (jedenfalls für europäische Kyudoka) eher wenig ist: Ein namisun mit 221cm ist nur bis 165 cm Körpergroße geeignet (Auszugslänge = halbe Körpergröße). Ich schieße einen nisun nobi (227 cm) und bin mit 182 gerade an der Grenze zum yonsun-nobi (233cm). Im Prinzip werden japanische Bögen bis 245 cm gefertigt - für Kyudoka über 2 Meter.

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 12.09.2008, 07:15
von the_Toaster (✝)
So ein Yumi wird ja auch bis zur Schulter gezogen, gell.
Also etwa 30 bis 35 cm weiter als bei uns Abendländlern.
Das wären bei mir etwa 110 cm gegen 75 cm die ich sonst ziehe.
Da DARF der Bogen ruhig auch was länger sein...

So langsam kriege ich echt Lust auf so ein Ding...

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 12.09.2008, 08:11
von skerm
Kyujin hat geschrieben: Stimmt, wir schießen bloß ein M16 des japanischen Mittelalters, keinen leichten Mörser.
Hi!

Ich habe vor 2-3 Monaten oder so in Loughborough Gelegenheit gehabt, einem japanischen Meister (oder wie man das nennt, ich bin nicht vom Fach) zu sehen, der zwei Pfeile geschossen hat. Das war aber mehr Muskete als M16, dauerte so 20 Minuten. ;)
Leider waren die Bögen alle schon aufgespannt, als ich hingekommen war. Ich hätte gern gesehen, wie die gespannt werden. Macht man das zu zweit?

Daniel

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 12.09.2008, 09:11
von Kyujin
@ Toaster: Gezogen wird nicht ganz bis zur Schulter, aber schon hinter das Ohr. Auszugslänge ist etwa halbe Körpergröße plus minus ein paar cm, auf 110 kommen da nur wenige (Standard: von der Kehle bis zum Ende des seitlich ausgestreckten linken Mittelfingers.)

@Skerm: Was du da gesehen hast, war eine Demonstrationsform, die aus höfischem Zeremoniell abgeleitet ist (und damals schon aus ganz banalen Sicherheitsgründen langsam ausgeführt wurde), aber auch eine didaktische Bedeutung hat: Genau hinsehen, nachmachen. So schießt man im normalen Training nicht - außer, man übt eben diese Form.

"M16" soll heißen: Standardwaffe der Infanterie. Mit den Musketen hat der Bogen im 16. Jahrhundert ein paar Jahrzehnte lang konkurriert, erfolgreich zunächst, weil er eben viel schneller war. Dann hat man herausgefunden, wie man den Einsatz von Feuerwaffen taktisch / organisatorisch optimiert, bei der Schlacht von Nagashino 1575 war die Sache entschieden (siehe Kurosawas Kagemusha).

Wenn du "M16" im Einsatz sehen willst: http://www.youtube.com/watch?v=bSxuQ5ahRJ4

Und eine richtig feierliche, klassische Zeremonieform mit Flötenpfeil und großem Kimono gibt's hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=hcnuo9QKFf8

Beides sind historische Formen, also nicht mit modernem Kyudo verwechseln.

Re: 220-cm-Bogen, warum nicht?

Verfasst: 12.09.2008, 10:12
von benz
am vergangenen WE konnten wir in Bamberg, bei der ersten offenenen europäischen Meisterschaft, den Einsatz der langen japanischen Bogen auf dem Pferderücken bewundern:

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