Uiuiuiui da ist man mal ein Weilchen etwas Abwesend im FC und schon gibts die wildesten DIskussionen über Wirkungsgrade etc, und das auch noch ohne mich... wie könnt ihr nur!!!
Hmm also wo fange ich an, da muss ich erstmal nachdenken.
Zuerst mal zur Trefferlage:
Nehmen wir mal 2 verschiedene Bögen die bis 30" gezogen werden. Der Erste hat bis 30" eine nahezu lineare Auszugskurve, völlig ohne Stacking, der Zweite hat dagegen ab 28" einen deutlich sicht- und fühlbaren Anstieg im Zuggewicht und zeigt daher ordentlich Stacking.
Ich stelle mir das folgendermaßen vor:
Zieht man den ersten Bogen ohne Stacking bis 28" oder bis 30" steigt die Energie ganz normal quadratisch mit dem Auszug, so wie an jedem Punkt entlang des Auszugs und die auf den Pfeil wirkende Kraft beim Lösen steigt linear.
Der Bogen der ab 28" ins Stacking gerät, verhält sich anders. Das Zuggewicht steigt stärker an, und weil die Kurve steiler ist, ist auch der ZUWACHS an Energie auf dieser Strecke größer als vorher.
Das muss man jetzt mal ganz genau lesen und ganz genau betrachten: Der Energiezuwachs im Stackingbereich ist größer als der Energiezuwachs im Bereich vor dem Stacking.
Aber: Vergleicht man den Bogen mit Stacking mit dem Bogen ohne Stacking, ist der Energiezuwachs insgesamt immer kleiner als bei beim Bogen ohne Stacking.
Wenn wir jetzt weiterdenken und uns vorstellen, das beim stackingfreien Bogen ein Auszug um 2" länger (z.B. 30" statt 28") wegen der Energiezunahme z.B. den Pfeil 5cm höher auf der Scheibe und wegen der Änderung des benötigten Spine um weitere 5cm weiter rechts (bei mediterranem rechtshandschützen) auf treffen lässt, dann folgt daraus, dass wegen der geringeren Energiezunahme beim stackenden Bogen, diese Abweichung geringer ist. Der 2" verlängerte Auszug hat ja dort weniger zusätzliche Energie eingebracht als beim Stackingfreien Bogen. Deshalb ist eine Ungenauigkeit im Ankerpunkt weniger dramatisch und schlecht fürs Ergebnis wenn der Bogen stackt.
Ich habe dazu mal 2 fiktive Auszugsdiagramme gemacht um den Energieunterschied zu zeigen.
Die oberen beiden Diagramme zeigen Bögen mit 60#@30", von dem einer Stackt und der andere nicht. Die Lila bzw schwarze Fläche unter der Kurve zeigt die Energie an, die beim Auszug von 28" bis 30" in den Bogen eingebracht wird.
Im dritten Diagramm habe ich dann die Fläche des stackenden Bogens über die Fläche des nicht stackenden Bogens gelegt. Man sieht, das noch ein Rest schwarze Fläche zu sehen ist. Der Energiezuwachs ist mit Stacking also geringer als ohne Stacking.
Mathematisch ist das beschreibbar durch die Steigung der Kurve und damit die erste Ableitung der Funktion der Kraft über dem Weg.
Zugegeben, die Differenz ist, gemessen am Gesamtbetrag der Energie echt klein. Deshalb würde ich dem nicht sonderlich viel bedeutung zumessen. Mir erscheint ein anderer Aspekt viel wichtiger.
Das Stacking fühlt sich unangenehm an, das subjektiv stark gesteigerte Zuggewicht sorgt für eine größere Belastung des Schützen und so wird die Haltung und der Schussablauf unruhiger, so das in der Gesamtrechnung das Trefferbild durch Stacking wohl eher verschlechtert wird, einfach weil sich der Schütze mit einem solchen Bogen nicht so wohl fühlt und nicht so entspannt schießt.
Und jetzt hab ich so viel geschrieben, das ich aus dem Kopf gerade nicht mehr weiß, welche weiteren Fragen noch offen waren.
PS: Achja und als Resümee würde ich sagen: Ich würde eher bis "ans Stacking ran" aber nicht hinein ziehen. Eben weil es für den Schützen angenehmer ist.
Jo sagte ja auch schon, die "richtigen" klassischen Reiterbögen hatten lange Hebelenden, bei denen das Stacking bei weitem Auszug nicht, oder viel geringer war als bei modernen Reiterbögen. Deshalb: Sweetspot wins!