Da ich über eine größere Auswahl an Bogen verfüge (und ständig neue baue), habe ich auch eine größere Auswahl an Pfeilsätzen.
Wenn ich einen neuen Bogen teste, nehme ich also Pfeile mehrer (benachbarter) Spinegruppen mit, und schieße die im Vergleich, um zu sehen, welche am besten passen.
Die Abstufung der Gruppen liegt im üblichen 5#-Bereich - und die Unterschiede sind meistens deutlich! (Meistens heißt: es gibt auch Ausnahmen. Manche Bogen schießen nur mit EINER Gruppe gerade, andere mit allen z.B. 3 benachbarten Gruppen gleich gut..)
Für meine "Turnierpfeile" habe ich sogar schon die Schäfte auch INNERHALB einer Gruppe mit der jew. Spinezahl beschriftet, da bei kleinen Zielen (Bsp.: Rattenjagd Vechta) schon 3# Unterschied spürbar sind.
Mit "Kopfschütteln" denke ich immer noch an Neubrunn 2006 am "Eisendrachen". Nur 1 Schuss war erlaubt, und ich hatte im Köcher einen "Ausreißer", der hatte Spine 47, während alle anderen 42 - 44 hatten.
Da dachte ich (Depp): "Nimm den Ausreißer, um den is im Zweifel nicht so schade.." - und hab ihn natürlich 1 cm vom Rand LINKS vom Kill auf das Eisen gesemmelt... Ich bin sicher, ein 43er wäre drin gewesen!
Tja, und wie haben die Leute das im MA oder der Steinzeit gemacht?
QUELLEN kennen ich nicht, doch selbst, wenn es keine Überlieferungen dazu gäbe, bedeutet das ja nicht, dass es nicht dennoch beachtet wurde!
Zum Einen weiß ich schon mal, auch wieder aus eigener Erfahrung, dass wenn man mal über eine längere Zeit viele Pfeile baut, man schon ein ziemlich präzises Gefühl für die Steifigkeit eines Schaftes entwickelt. Und MEINE Pfeilbauzahlen sind sicher ein WITZ gegenüber den Leuten die ganze Armeen ausstatten mussten! Und meine Motivation, die richtigen Pfeile zu bekommen, ist sicher geringer als die eines Menschen, dessen Überleben (Nahrungsbeschaffung) davon abhängt!
Und eine VERGLEICHENDE Spinemessung zu machen, ist wirklich einfach:
Man nehme:
Refernzpfeil(e),
einen Holzklotz (oder flachen Stein), Durchmesser 1/2 Schaftlänge,
ein beliebiges, anhängbares Gewicht von 1 -2 #,
einen Stock mit einer Reihe Markierungen (Kerben).
Vorgehen:
Referenzpfeil auf den Klotz legen, Schaftende hinten bündig.
Kerbenstock an die Schaftspitze in die Erde stecken.
Gewicht an die Schaftspitze hängen, Durchbiegung ablesen, z.B. Kerbe 3.
(Schaft hinten natürlich festhalten).
Neuen Schaft (auf Länge geschnitten) drauflegen, Gewicht anhängen, ablesen.
Kerbe 3 = gleich, 2 = steifer, 4 = weicher.
Schon kann man alle Schäfte grob in 3 Spinegruppen teilen.
Mit mehreren Refenzpfeilen natürlich noch differenzierter!
Weder Klotz, noch Gewicht oder Kerbenstock würden ein paar hundert (oder gar tausend) Jahre später, so sie überhaupt aufgefunden werden, als "Spinetester" identifiziert...
Das heißt aber nicht, dass es sie nicht gegeben hat!
Rabe
P.S.: wg. "Vermutungen": Archäologie besteht zu einem sehr großen Teil aus "Vermutungen", meist vornehm "Interpretationen" genannt.
Natürlich kann man den Standpunkt einnehmen: "Ich glaube nur, was unzweifelhaft bewiesen ist".
Jemand mit DER Einstellung muss sich aber folgenden Einwurf gefallen lassen:
Haben die Menschen in der Steinzeit GESCHISSEN?
Wo bitte ist der Nachweis eines steinzeitlichen "Haufens"?
Bitte Quelle angeben!
