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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 16.01.2026, 13:41
von kra
Ich klebe zumeist mit Epoxydharz, Epoxy L plus Härter gehen gut, sollten aber etwas mit Baumwollfasern eingedickt werden, weil der Kleber sehr dünnflüssig ist. Das unten geschriebene gilt für Epoxy (da der spaltenfüllend ist und eine gewisse Mindestdicke der Klebefuge braucht)!
Ich habe mir angewöhnt, mit einem "verbogenen" Sägeblatt einer Metallsäge die glatten Klebeflächen stark aufzurauen (das Sägeblatt wie eine Ziehklinge verbiegen) und dabei besonders die Innenbereiche konkav auszuarbeiten. Der Rand darf dabei gerne unbehandelt bleiben, damit hier die Klebefuge nicht auffällt. Klappt natürlich nur, wenn die Wurfarm Form bereits weitgehend ausgeschnitten ist.
PS. wenn die zur Verklebung vorgesehenen Flächen "nur" sägerauh sind (also wie auf Bild 1-4) und keine tieferen Macken (Bild 5 und das letzte Bild) haben würde ich nur mit dem Sägeblatt arbeiten und die Sägerauhigkeit als "Bonus" für das Verkleben mitnehmen.
Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 16.01.2026, 15:04
von Benedikt
Ich kleb immer mit Uhu Endfest 300, erst Klebeflächen leicht konkav mit Ziehklinge ähnlich kra, dann mit 40er Schleifpapier anrauen, bisher hat alles gehalten

Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 16.01.2026, 21:58
von Windkanter
Ok, danke.
Ich denke, beide Epoxid-Kleber gehen auf jeden Fall, sie unterscheiden sich in der Viskosität. Mit Epoxid L klebe ich ganz gerne, weil er dünnflüssiger ist und vermutlich mehr in das Holz eindringt. Die Bläschen gehen auch etwas schneller raus. Bei beiden Klebern kann man das auch noch verbessern, wenn man etwas vorwärmt, sie werden halt dann dünnflüssiger. Da hat jeder so seine Methode.
Klebefläche mit Metall-Sägeblatt oder 40er aufrauhen: ja, immer. Innenbereiche konkav mit Sägeblatt ausarbeiten: versuche ich mal ganz minimal.
Die meisten nehmen wohl Epoxid-Harz (Eule oder Epoxid L). Ist einfacher zu handeln als Hasenhautleim oder Hausenblasenleim und die Aushärtung / Trockung ist schneller. Man muss nicht grundieren. Über die Klebeleistung dieser Glutenleime im Verhältnis zu Epoxidharz weiss ich nichts, sie soll sehr gut sein, muss bei Gelegenheit mal im Karpowicz nachlesen. Ich nehme Epoxid L.
Grüße
Windkanter
Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 17.01.2026, 11:38
von Ravenheart
Der entscheidende Vorteil von Epoxidklebern ist der:
Sie härten durch chemische Reaktion der beiden Komponenten. Es geht keine Masse, und damit auch kein Volumen verloren. Darum sind sie "spaltfüllend", d.h. es entstehen beim Härten selbst dann keine Hohlräume, wenn die Oberfläche nicht 100% eben ist.
Wasserverdünnter Leim härtet durch das Verdunsten oder Einziehen des Wassers. Damit verliert er Masse, und damit Volumen. Ist die Oberfläche nicht 100% eben, oder die Verpressung ungleichmäßig, ergeben sich in der Klebeschicht dickere und dünnere Stellen. Durch das Schrumpfen beim Trocknen können an den dickeren Stellen Hohlräume entstehen, wo dann zwischen den verklebten Schichten keine Verbindung besteht.
Was die Klebkraft angeht, spielt Epoxi in der oberen Liga mit. Hautleime sind etwas toleranter gegenüber Fett- und Harzspuren auf den Klebestücken, und natürlich 100% tolerant gegen Wasser. Für Epoxi müssen die Klebeflächen sehr sauber und trocken sein.
Rabe
PS: Im Epoxi müssen die Moleküle sich verbinden, d.h., sie müssen sich ein wenig bewegen, ordnen. Wird Epoxi sehr stark verpresst, können sie das nicht, weil die Schicht zu dünn wird.
Leim hingegen gibt nur das Wasser ab und schrumpft, und das Klebestück muss ihm dabei folgen, damit der Kontakt erhalten bleibt.
Darum werden Leimklebungen stärker verpresst als Epoxiklebungen.
Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 17.01.2026, 15:22
von kra
Wobei das Schrumpfen der Kollagenleime zur Folge hat, das in den Klebeflächen Spannungen entstehen, die die zu verklebenden Teile (natürlich im Rahmen) fester zusammenziehen und sogar Glasflächen beschädigen können. Ich hatte den Fall das Hautleim in einem Laborglas dünn eintrocknete und dabei aus der Glasoberfläche ganze Flakes rausgebrochen hat. Die Spannung parallel der Glasoberfläche wurde so stark das das Glas nachgegeben hat. Von den erreichbaren Festigkeitswerten können Kollagenleime durchaus mit Epoxydklebern mithalten.
Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 17.01.2026, 16:49
von Windkanter
Daß wasserverdünnbarer Leim, in diesem Fall Glutinleim (Hasenhautleim, Hausenblasenleim) beim Trocknen Wasser abgibt und schrumpft ist natürlich richtig. Und er ist, wie Rabe schreibt, etwas fett-/öltoleranter, was bei Osage Orange (auch nach entfetten, was nie zu 100% gelingt) interessant ist.
Dem Schrumpfen der Leimschicht wirkt man dadurch entgegen, daß man die Leimschicht sehr dünn hält, also die Fügeteile (Horn, Holz) zusammenpresst und die auf diese Weise verringerte Schrumpfung durch die Elastizität des Holzes ausgeglichen wird. Glutinleim wird auch heute noch im anspruchsvollen Instrumentenbau oder Kompositbogenbau (auch japan. Yumi) verwendet. Zusätzlich werden, zumindest bei Kompositbögen, die Fügeteile mit rel. tiefen Rille (ca. 0,3-0,6mm tief, glatt, gerade, ununterbrochen) versehen um die Klebefläche zu vergrößern. Es wird mehrfach grundiert und zwischengetrocknet bis die Rillen vollständig mit trockenem Leim gefüllt sind. Blasenarm ! Erst dann wird, nach Auftragen und Trocknen der letzten Leimschicht nochmal Leim aufgetragen, feucht verklebt und gepresst. Ergebnis ist eine relativ große Klebefläche bei am Schluss sehr dünner zu trocknender Leimschicht. Holz, Horn, Tiersehne und Hasenhautleim (=Glutinleim) passen sehr gut zusammen. A. Karpowicz /Osman. Kompositbogen beschreibt die Klebetechnik ausführlich.
Das Kleben mit Glutinleim muss sorgfältiger gemacht werden, die Klebestellen beim Verkleben warm gehalten werden und das Verfahren ist insgesamt viel aufwändiger und dauert länger als das Kleben mit Epoxidharz. Ich wende dieses Verfahren immer noch, aber nicht immer an.
Bei Backing werde ich die Glutenleimverklebung auch irgendwann mal probieren, könnte vielleicht klappen. Vielleicht ist die Gefahr des Holzverzugs wegen der lang andauernden Feuchte größer? Vorversuche !! Bei Backing mit Epoxidharz gibt es halt mehr Erfahrungswerte, weil es fast alle so machen.
Glutinleim wurde, wie kra schon andeutet, früher auch zur Ornamentierung/Verschönerung von Festerglasflächen benutzt. Man hat in die Glasfläche oberflächlich sehr fein (nicht so tief wie mit dem Glasschneider) Linien eingritzt, Glutinleim aufgetragen und ließ das Ganze trocknen. Der Glutinleim riss dann beim Trocknen, beginnend an den Ritzlinien, Glas aus der Oberfläche heraus. Es entstand ein eisblumenartiges Muster, Spezialisten konnten Glas so sehr hübsch gestalten, das Glas wurde durchscheinend aber undurchsichtig. Das Verfahren wird wohl nicht mehr angewandt, weil es sehr aufwändig ist und ev. einigen Ausschuss produziert. Vielleicht auch, weil die heutigen Gläser spannungsärmer produziert werden.
Ich denke, daß Epoxidharz und Glutinleim in etwa gleich gut sind, Anwendung und der Verarbeitungsaufwand sind unterschiedlich.
Grüße
Windkanter
Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 17.01.2026, 18:06
von Anasazi
Ich habe bei Holz Holz oder Holz Bambus Verleimungen immer gerne Resorcinharzleim genommen, der ist leicht fugenfüllend, hat ne relativ lange offene Zeit, ist für D4 wasserfeste Verleimungen und sogar seewasserfest sowie auch auf leicht öligen bzw. gerbstoffhaltigen Hölzern verwendbar (Eiche, Tropenhölzer, ....).
Aus dem Amiland gab es da Urac und hier hatte ich immer Bindan Cin. Gibt es das noch? Es war dann immer schwieriger zu bekommen.
Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 17.01.2026, 18:29
von Haitha
Gibt es noch, aber bei uns nur mit Gewerbeschein.
Und leider nicht beide Komponenten in flüssiger Form, der Härter ist in Pulverform.
Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 17.01.2026, 20:47
von kra
Wie Haitha schrub, für "Normalsterbliche" nur über Beziehungen zu bekommen ... da Formaldehydhaltig/-ausgasend als Gefahrstoff einsortiert

Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 17.01.2026, 21:10
von Anasazi
Ja, ja das Formaldehyd (ist im weissen Pulver ) und bei der Zubereitung sollte gut gelüftet werden (+ Atemschutz).
Die Schutzmassnahmen sind aber auch bei Epoxy sinnvoll, oder.
Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 17.01.2026, 22:38
von kra
Nu ja, da ist Bindan Cin im Vergleich zu Epoxy schon ne andere Nummer. Epoxy wird unerfreulich, wenn man es zu sehr erhitzt, bei Bindan Cin sollte man schon bei Normaltemperatur sehr gut lüften.
PS, was noch gegen Bindan Cin spricht ist die dunkelrote Klebefuge
Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 18.01.2026, 07:21
von Ravenheart
In der 10. Klasse im Chemieunterricht hat unser Lehrer ein Reagenzglas mit Formaldehyd rum gehen lassen, und jede(r) musste zum Probieren ein Schlückchen nehmen...
Wg. Epoxi:
M.W. ist Epoxi unbedenklich, wenn man Hautkontakt vermeidet. Dass es ausgast, wäre mir neu... (?)
(..und selbst wenn: selbst ne FFP2-Maske fängt zwar Partikel, aber ja kein Gas!)
(Wegen der Fettempfindlichkeit sollte man eh OP-Handschuhe tragen..)
Rabe
Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 18.01.2026, 10:29
von Anasazi
Formaldehyd ist potentiell krebserregend. Deswegen auch Schutzmaßnahmen empfehlenswert. In Laboren und der Medizintechnik wird Formaldehyd aber auch als Desinfektionsmittel verwendet....
Bisphenol A und Epichlorhydrin sind aber auch keine Zückerchen und gasen aus, sollte das Epoxy noch nicht verarbeitet sein. Amine (im Härter) werden teilweise als noch gefährlicher angesehen (und die gasen ebenfalls aus dem unverarbeiteten Härter aus).
Zusammengefasst kann Epoxi durch seine Bestandteile erbgutverändernd, krebserrregend und ein potentiell sehr starkes Allergen sein (einmal ausgelöst hat man ein Leben lang etwas davon - auch schon bei kleinsten Mengen)
Deswegen sind ebenfalls Schutzmaßnahmen für die Verarbeitung empfohlen....
Ausgehärtet sind beide Kleber recht unbedenklich.
Was nun schlimmer ist, das sollte jeder Mensch für sich entscheiden oder Hautleim rulez!
P.S. Die dunkle Klebefuge ist aber bei dunklen Hölzern (Eibenkern, Osage, diverse Tropenhölzer) egal.
Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?
Verfasst: 18.01.2026, 18:01
von kra
@Rabe, das sehe ich nicht so entspannt. Zu Formaldehyd dat Anasazi das relevante gesagt und bei Epoxy riecht der Härter mit der Zeit "äußerst ungesund" und wenn man eine Verklebung wieder lösen will und man mit der HLP etwas zu viel Wärme einbringt wird es sehr, sehr unerfreulich - die Dämpfe nehmen mir fast den Atem. Und ich bin nicht gerade empfindlich aber durch Hitze weich gewordener (und sich zersetzender) Epoxy --- nö, das suche ich tunlichst zu vermeiden.