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Nadelhölzer?
Verfasst: 27.03.2010, 19:32
von Messerer
Hi,
ich habe gerade zufällig gelesen, dass man auch Nadelhölzer (manche nur) für den Bogenbau nehmen kann.
Aber dabei sollte man wohl beachten dass die jahresringe kleiner sein sollen?!
Eigentlich ist ja bekannt das man keine nadelhölzer nehmen kann?!
Ist da jetzt was dran?

Re: Nadelhölzer?
Verfasst: 27.03.2010, 19:41
von Squid (✝)
Hasi, versuchs doch erst mal mit etablierten Hölzern!
Nein, ernsthaft: Das ideale Nadelholz ist natürlich Eibe. Und die ist um so besser, je langsamer sie gewachsen ist, d. h. je dünner die Jahresringe sind.
Was ebenfalls funktioniert sind Thuja (Lebensbaum) und Wachholder. Letzterer braucht allerdings meistens ein Backing.
Das Problem bei dünnen Jahresringen ist nur, dass man sie kaum erkennen kann und versehentlich potentielle Bruchstellen einbaut. Gute Eibe kann echt nervig sein...
Alles weitere - Kiefer, Fichte, Tanne - KANN einen Bogen ergeben. AAAAABER dieser Bogen MUSS überdimensioniert sein, weil das Holz relativ schwach ist. Ein 198 cm langer, 8 cm breiter Kiefernbogen mit 38 lbs hält natürlich einige Schüsse aus.
Andererseits ist wegen der gigantischen Wurfarme nicht damit zu rechnen, dass man annehmbare Schussweiten (sagen wir, über 80 m) oder eine Durchschlagskraft erzielt, bei der der Pfeil auch in einer etwas störrischen Scheibe stecken bleibt.
Praktisch ist allerdings bei diesen Bögen, dass man im Sommer Schatten hat und sich schlanke Menschen sogar dahinter umziehen können.
Re: Nadelhölzer?
Verfasst: 27.03.2010, 19:41
von captainplanet
Eibe geht sowieso, Wacholder ist auch gut. Einige Zedernarten funktionieren wohl auch und dann gibt es Kandidaten die ich mit einem Fragezeichen versehen würde. Ich meine mal was von einem Bogen aus Weymouthskiefer gelesen zu haben. Sehnenbelegte Douglasie spukt auch in meinem Hinterkopf herum, war da nicht was? Und wollte nicht irgendjemand mal Lärche probieren?
Re: Nadelhölzer?
Verfasst: 27.03.2010, 19:53
von Messerer
Okay, eibe war damit oder Wachholder gemeint.
Re: Nadelhölzer?
Verfasst: 27.03.2010, 19:55
von Squid (✝)
Lärche ist den Werten nach 'ne ziemliche Katastrophe.
Dichte um 0.45 - 0.50 g/ccm und eine Druckfestigkeit von 48 - 60 N / mm².
Das ist machbar, aber entspricht von den Werten her ganz mieser Eibe.
Zum Vergleich: Gute Eibe hat bis zu 0.8 ccm Dichte und Druckfestigkeit bis zu 0.75 N mm².
Wichtig: Diese Werte können nur Anhaltspunkte sein. Ich habe Tropenhölzer kennengelernt, die eine Dichte von deutlich über 1.0 g/ccm haben (also im Wasser absaufen) und dennoch umgehend massive Stauchrisse bekommen haben.

EDIT: @Messerer: Dann stell dich doch nicht doof sondern frag' gezielt nach!!!
Eibe ist das Holz für den klassischen englischen Langbogen, aus Wacholder kann man relativ kurze Indianerbögen mit paddelförmigen Wurfarmen und Sehnenbacking bauen.
Re: Nadelhölzer?
Verfasst: 28.03.2010, 10:29
von klaus1962
Es wurde hier auch ZEDER genannt.
Hat eigentlich schon jemand daraus einen Bogen gebaut ?
Ich hab mal gehört oder gelesen, daß früher aus Zedern die Masten der großen Segelschiffe hergestellt wurden und speziell an der Adria viele Zedernwälder dafür fast ausgerottet wurden.
Die mußten sicher auch was aushalten.
Also sollte das doch gutes, zähes Holz sein, wenns für den Schiffbau verwendet wurde.
Klaus
Re: Nadelhölzer?
Verfasst: 28.03.2010, 10:50
von Bello
Hallo
Ich hab mal hier in einem Thread nachgefragt ob Zeder taugt, konnte an eine rankommen... Die Meinung war folgende: Besorg dir lieber ein Stück Esche, das wird auf jedem Fall ein besserer Bogen als aus Zeder. Ich muss aber auch sagen Es so viele Zederarten gibt und das sich einige wenige wohl auch zum Bogenbauen eignen. Die "Gartenzeder" gehört eher nicht dazu...
Aber es heißt ja immer man kann aus jedem Holz einen Bogen bauen, ob der effizient arbeitet und lange hält ist eine andere Sache.
lg
Bello
Re: Nadelhölzer?
Verfasst: 28.03.2010, 10:51
von Squid (✝)
@Klaus 1962: Leider nein. Blöderweise wird vieles unter "Zeder" abgehandelt, was nicht Zeder ist. Insbesondere ist die "Red Cedar" aus USA eigentlich eine Thuja (Lebensbaum). Auch die stark riechenden Pfeilschäfte sind nicht aus Zeder, denn deren Holz ist geruchsneutral, sondern aus Zypressengewächsen (wie Wacholder).
Die echte Zeder ist nicht besonders Artenreich, im Gegensatz zu den Arten, die mit dem Namen fälschlich bezeichnet werden.
Am besten guckt man auf den lateinischen Namen: "Cedrus" ist echte Zeder, wenn da z. B. was von Thuja oder Juniperus (Wacholder) steht, sind es Zypressengewächse.
Re: Nadelhölzer?
Verfasst: 28.03.2010, 11:30
von klaus1962
Ich denke auch, daß Nadelhölzer (außer Eibe) keine Zukunft im Bogenbau haben werden.
Meine 3 Eiben sind zwar schon über 10 Jahre alt, haben aber auch noch immer zuwenig Holzdicke. Das Zeug wächst unheimlich langsam.
Auf die Zeder (ist eine "Cedrus atlantica") die ich vor 3 Jahren gepflanzt habe müßte ich noch ca. 20 Jahre warten, bis ich daraus ein Bogen probieren könnte.
Deshalb nehm ich sowieso meistens Esche (mein Lieblingsholz), Robinie oder Hasel.
Davon hab ich genug im Garten bzw. wächst es in unserer Gegend überall.
Gruß
Klaus
PS:
@Squid
Du hast übrigens recht. Ich habe auch Jahrzehnte geglaubt, ich hätte ein Zeder (ca.80 Jahre alt) im Garten stehen, weil es meine Oldies immer behauptet haben. Stattdessen war es in wirklichkeit ein "Platycladus orientalis", also Lebensbaum. Das war auch der Grund, warum ich mir vor ein paar Jahren eine echte Zeder gekauft und gepflanzt habe.
Ich hab mal einen Ast von diesem Lebensbaum (Sturmschaden) unter die Lupe genommen.
Kann nur sagen: seltsames Holz.
Solange es feucht war bog es sich wie eine Liane, aber mit null Rüchstellkraft. Nach dem trocknen ist es gebrochen wie ein Butterkeks mit Fasern.
Re: Nadelhölzer?
Verfasst: 28.03.2010, 11:36
von acker
Also Wacholder ist klasse .
Thuja / Lebensbaum hat arcus mein ich schon was raus gebaut und auch hier berichtet.
Lärche, ein starker feinringiger Ast könnt auch einen Versuch werd sein.- das ist aber nix für unerfahrene Messer

Gruß acker
Re: Nadelhölzer?
Verfasst: 28.03.2010, 13:27
von captainplanet
Genau, da war es! Roland Bauer bietet auf seiner Website unter anderem laminierte Langbögen aus "Lärche mit Eschenbacking, für Zuggewichte unter 60 lbs" an:
http://www.langbogen-bauer.de/langbogen.htm
(runterscrollen bis zu den Laminierten)
Wenn am Bauch eines Langbogens bis zu 60 lbs drin sind, geht für Flachbögen mit Backing sicher auch mehr...
Re: Nadelhölzer?
Verfasst: 28.03.2010, 13:38
von acker
@captain: Ich glaube da ist die Lärche das centerlam und Ulme als belly
Aber die Idee find ich nicht übel Lärche als Mittellage zu nehmen.
Gruß acker