Seite 1 von 2

Sehnenbefestigung

Verfasst: 18.04.2004, 09:42
von Clee
Moin moin
Zunächst will ich mich als Neuer lobend über Fletchers Corner äußern.- Gehört für mich zu den interessantesten Möglichkeiten der Internetnutzung.
Was ich fragen wollte:Beim Haitabu-Langbogen ist die Sehne in eine einseitige Kerbe eingehakt.Ist es die pfeilabgewandte Seite ?
Soll die Sehne dadurch zur Pfeilseite versetzt
werden? Sind die Bogenenden nicht durch das trompetenförmige Ende genügend gegen Spalten geschützt ? Warum sind die Enden nicht zur anderen Seite gebogen ?
Grüße Clee

RE: Sehnenbefestigung

Verfasst: 19.04.2004, 00:14
von Ravenheart
Original geschrieben von Clee
Was ich fragen wollte:Beim Haitabu-Langbogen ist die Sehne in eine einseitige Kerbe eingehakt.Ist es die pfeilabgewandte Seite ?
Soll die Sehne dadurch zur Pfeilseite versetzt
werden?
Genau!
Original geschrieben von Clee
Sind die Bogenenden nicht durch das trompetenförmige Ende genügend gegen Spalten geschützt ?
Nein! Sie spalten ja vom Ende weg! Darum brauchen sie eine Wicklung!
Original geschrieben von Clee
Warum sind die Enden nicht zur anderen Seite gebogen ?
Tja, das hab ich mich auch schon gefragt! Und warum sind sie so lang? Vermute, es hat mit der Spannmethode zu tun. Is aber geraten!

Rabe

P.S.: Willkommen in der Corner!

Verfasst: 20.04.2004, 06:32
von Clee
Na ja gut die Wicklung werd ich nicht vergessen-ansonsten lebt wohl keiner mehr der seienen Bogen verbiegt (in die Richtung),und weis warum.
Es wird wohl mit zeitgenössischen Lebens-oder Arbeitsbedingungen zu tun haben,die sich heute keiner vorstellen kann.Aus Spass haben die das bestimmt nicht gemacht.
Danke für die Info
Clee

Verfasst: 20.04.2004, 10:15
von locksley
Hab mal den titel erweitert, um unsere Wikinger drauf aufmerksam zu machen.

Harbardr oder Bowina können bestimmt näheres zu dieser Art der Sehnenbefestigung sagen.

die Haithabu-Bogen...

Verfasst: 20.04.2004, 20:15
von Harbardr
...sind sehr gut beschrieben in dem "Bericht über die Ausgrabungen in Haithabu" (Bericht 33 , Das archäologische Fundmaterial VI).

Bild

Die Haithabu-Bücher findest Du hier.

lange Enden

Verfasst: 21.04.2004, 09:36
von Ravenheart
Mir ist immer noch unklar, warum die Enden so lang und abgewinkelt waren.

Zu meiner Theorie als Spannhilfe; ich stelle mir das so vor:

Bild

Wird der Bogen so gespannt, wirken die Enden als Hebel. Durch das Abwinkeln wird die Kraftausübung in Sehnen-Längsrichtung erleichtert...

Rabe

Verfasst: 21.04.2004, 09:56
von Clee
Moin moin
Schade das ich als armer Minimalkonsument aus Hameln (Ratte) keine 49 Mäuse für das Buch übrig habe.
Neuer Gedanke-lohnt es sich in Sachen Bogenkonstruktion mal wieder in Haitabu vorzufahren?Kann mich nicht an viel Bogenmaterial erinnern - wobei ich auch nicht speziell danach suchte.
Ansonsten sieht es auf dem Bild ja doch danach aus als sei die Sehnenbefestigungskerbe auf der
Pfeilseite ! Ist es so ? macht das Sinn ?
Die einseitige Fixierung der Bogensehne ist meines Erachtens sinnvoll um im enspannten Zustand wenigstens das eine Sehnenende in der der Position zu halten wo es gefälligst bleiben sollte.
Betreff der Zeichnung von ravenheard - Wirklich gute Erklärungsmöglichkeit ! Die robusten Bogenenden ermöglichen einen guten Griff ans obere Bogenende,und ein gnadenloses Herumgetrample auf das Untere.-Versuch das mal beim englischen Langbogen ! (besonders wenn Du schon ein paar Hörner Met weggezogen hast)
- allerdings Wikingerhelme hatten keine Hörner -
Grüße Clee
Clee

Verfasst: 21.04.2004, 16:27
von Nacanina
nach meiner Erinnerung steht auch nur ein Bogen in einer Vitrine.
Der ist im Katalog beschrieben:
"Langbogen aus Eibenholz, Länge 191 cm"
jetzt kommts:" mittlere Stärke 13,2 cm" (wird wohl ein Druckfehler sein) " Zugkraft 45 Kg"
Er ist aber in der Zeichnung, die dazugehört als Reflexbogen dargestellt.

Verfasst: 21.04.2004, 23:39
von horsebow
@Nacanina: In der TB 30/2003 auf S. 46-7 schreibt Ingo Partey über den Sehnenknoten der Haithabu-Bögen. Dabei abgebildet ist ein Bild einer englischen Handschrift des 11.Jh. aus der Pierpont-Morgan Library in New York, soweit ich weiß ein Ausschnitt aus dem Martyrium von Eadmund, König von East-Anglia, der von Wikingern getötet wurde, darauf sieht man sehr genau, daß die Bogenenden zum Schützen gebogen waren.
Wenn jemand den link zur Originalillustration kennt, wär' ich dankbar, ich komm' irgendwie mit der Suchmaschine der Library nicht klar...
www.morganlibrary.org

Gruß, horsebow

Verfasst: 22.04.2004, 08:09
von Nacanina
Ja natürlich sind die zum Schützen hin gebogen.
In dem Buch ist ein stilisierter Schütze mit ausgezugenem (auch stilisierten) Bogen dargestellt und daneben der Haitabu-Bogen ungespannt als Reflexbogen, also m. E. falsch herum. Die Bögen sind in der Hand des Schützen gezeichnet (oh, was für ein Deutsch).
Hier die Literaturangabe:
Hildegard Elsner: Wikinger Museum Haitabu: Schaufenster einer frühen Stadt
Hrsg Archäologisches Landesmuseum der Uni Schleswig (!)
Gekauft im Museumsshop.

Verfasst: 22.04.2004, 12:03
von nordbogen
Habe mal mit Harm Paulsen über den in Haithabu ausgestellten Bogen gesprochen.Er hat ihn gemacht und sagte mir,das dieser nach einem Fund im Hafenbecken v.Haithabu gemacht wurde und in diesen Dimensionen auch für die kraftstrotzenden Wickies unschiessbar war.

Verfasst: 23.04.2004, 05:25
von Katur
Ein Freund hat sich den Wiki-Bogen bei Jürgen Junkmans im Seminar gebaut und er hat die Enden zum Schützen ( der Bogen).
Der Jürgen hat irgent einen Studiengang in Richtung Frühgeschichte gemacht.

Der alamanische Langbogen hat auch seine Enden zum Schützen.

Sind die Recurvebögen nicht eher im Orient bei den Reitervölkern gebaut wurden und später bei den Indianern in Amerika?

Verfasst: 23.04.2004, 08:09
von Nacanina
Ich habe mich vielleicht mißverständlich ausgedrückt.
Ja, die Enden sind bei den Vik.Bögen zum Schützen hin gebogen. Aber auf dem Bild aus dem Haitabu Museum waren sie es nicht. Aber da stimmte ja auch die Dicke des Bogens nicht...

Verfasst: 23.04.2004, 09:24
von horsebow
@Thomas: Nach meinen Informationen (u.a. Holger Riesch, Pfeil und Bogen zur Merowingerzeit, Wald-Michelbach 2000) sind die Bogenenden der alamannischen und merowingerzeitlichen Langbögen zwar auch zum Ende hin verdickt, aber nicht gebogen, dies stellt den konstruktiv wohl wichtigsten Unterschied zu den Bögen von Haithabu dar.

Gruß, horsebow

Verfasst: 25.04.2004, 23:11
von Clee
Ok-alles klar,an Haithabu fahr ich wohl doch vorbei.Die Fotos betreffend wüßte ich gerne ob die Verknotung der Sehne am unteren Ende in der Form nachgewiesen sind.-Wenn ja,was sind das für Knoten ? Hatten die auch andere zeitgenössische Bögen ?
Verträgt sich die Knoterei mit dem flämischen Spleiß ?
Ansonsten ist mir mein neuer Eibenbogen vorgestern beim Tillern um die Ohren geflogen,-aber was solls,die neue Bogenhälfte ist seit heute angeleimt,- die Spannung steigt und das Leben geht weiter.
Bogenbauer aller Länder,lasst euch nicht runterkriegen !
Grüße Clee