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Tiller Hickorybogen
Verfasst: 17.06.2007, 13:17
von Felsenbirne
Hallo
ich bin wieder mal dabei mir einen Bogen zu bauen und habe mir einen Hickory Stave von Gervase besorgt. Könnte mir ein Profi was zum Tiller sagen? Der Bogen ist leider sehr schlapp geworden. Ich werde Ihn aber noch Kürzen (derzeit 1,85m) um Ihn auf ca 40lbs zu bringen. Wo soll ich was wegnehmen?
Wo pass das noch nicht. Ichb traue mich nicht wirklich weiter

Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 17.06.2007, 14:09
von Squid (✝)
Alllso... zum Kürzen empiehlt es sich, an den Enden was wegzunehmen
Ansonsten kann man auf dem Bild zum Tiller noch nicht viel sagen: der is ja kaum ausgezogen...
Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 17.06.2007, 14:27
von Taran
Wir haben ja hier auf FC mal die Kunst des elektronischen Tillers entwickelt.
Wenn du ein gutes Foto hast, wie in diesem Fall (bravo!), dann gibt es zwei Möglichkeiten: Bogen spiegeln und übereinanderlegen, um Abweichungen der Wurfarme zu erkennen.
Zweitens: Mit Ellipsen, Tangenten usw die Gleichmäßigkeit der Biegung überprüfen.
@Squid: Natürlich ist der Bogen mal gerade so knapp auf Standhöhe. Aber Fehler, die jetzt nicht erkannt werden, können schon zu Set und Knicken führen, wenn man mal bei 12" ist. Also lieber gleich nachschauen.
Ich finde, der Bogen ist eigentlich recht gut so. Die Wurfarme sind gleichmäßig belastet. Es KÖNNTE sein, dass sich an den von mir rot markierten Stellen Steifezonen andeuten, aber vielleicht ist die Auflösung auch nicht gut genug. Lade dir das Originalfoto in ein Zeichenprogramm und bearbeite es. Für Ideen suche im Archiv unter virtueller Tiller oder so...
Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 17.06.2007, 15:02
von Squid (✝)
Mnjaa, da hab ich mich vielleicht falsch ausgedrückt.
Gemeint war: Für Standhöhe scheint er OK, der WEITERE Tiller im Auszug ist so nicht zu beurteilen.
Mea Culpa...
Die mögliche steife Stelle links aussen sehe ich übrigens so nicht: Die Sehne ist links ja recht weit oben befestigt, da guckt n ganzes Stück Wurfarm in die Luft. Ich meine, dass das optisch ein wenig verzerrt. Allerdings halte ich den linken Arm insgesamt für etwas stärker.
Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 17.06.2007, 20:07
von Felsenbirne
Hallo
vielen Dank für die Antworten und Tips! Momentan habe ich den Bogen erstmal auf 1,75m gekürzt und Kirschholztips aufgeleimt. Sobald das alles entsprechend fertig ist werden ich weitermachen und eure Tips beherzigen. Ich habe extra in einen so frühem Stadium nachgefragt um eben Fehler die ich eventuell gemacht habe rechtzeitig korrigieren zu können. Ich melde mich dann mal die Tage mit neuem Bild.
Das elektronische Tillern ist ein super Tip. habe beruflich bedingt entsprechende Profisoftware für so etwas

Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 18.06.2007, 09:29
von Ravenheart
Ne steife Stelle schein rechts zu sein, zwischen Mitte 12 und Mitte 15..
Bei beiden WA sind die Enden relativ lang steif, je zw. Mitte 16 und Mitte 18..
Rechts hat aus der Kombination des o.g. heraus scheinbar zw. Mitte 15 und Mitte 16 ne LEICHTE Schwachstelle, aber das liegt eben nur daran dass er im Bereich 12/15 etwas steifer ist... würde man das ausgleichen, wäre er ebenso gut wie der Linke, der (bis hierher) perfekt scheint.
Aber...:
Ob das so richtig ist, oder man mit der Krümmung noch weiter Richtung Enden gehen sollte, hängt von 3 Dingen ab:
1. Länge der Tillersehne
Ist die Tillersehne zu lang, also der Bogen ungezogen noch nicht auf der zum Tillerstand passenden Standhöhe, zieht die Sehne in einem anderen Winkel, die Enden werden weniger gekrümmt! (Auf Standhöhe gebracht, zieht die Sehne mehr Richtung Griff, was die Enden stärker krümmt! Wer mit überlanger Sehne fertig tillert, und dann den Bogen auf Standhöhe bringt, hat einen "schönen" Peitschentiller produziert!)
2. Breitenprofil des Bogens
Schmale Langbogen benötigen einen Tiller, der die größte Krümmung bei ca. (vom Griff aus) 2/3 der WA-Länge hat ("Elliptischer Tiller").
Pyramidale Bogen, die zum Griff hin deutlich breiter werden, benötigen einen Tiller, der über die ganze WA - Länge eine gleichmäßige Krümmung hat ("Kreisbogen-Tiller").
Der Übergang zwischen diesen beiden Extremen ist linear, also je breiter am Griff, desto kreisförmiger....
3. Vorspannung/Reflex
Bogen mit reflexen WA-Bereichen können bei Vollauszug in dem Abschnitt gerade und dennoch richtig getillert sein! Sie biegen sich dort ja auch, eben nur "von reflex zu gerade" statt, wie normal, "von gerade zu deflex"..
Um einen Tiller also wirklich beurteilen zu können, braucht man die Infos über Breitenprofil und den entspannten Zustand - und muss sich drauf verlassen können, dass die Tillersehne immer schön entsprechend dem Tillerfortschritt verkürzt wird (vgl.: Lexikon, Tillersehne)...
Rabe
Frustration beimTillern
Verfasst: 18.06.2007, 18:09
von Felsenbirne
Ich werde Wahnsinnig. Jetz habe ich den Bogen gekürzt (1,75m) und auf 2/3 Standhöhe gebracht und nun das:
Maße: Länge 1,75, Breite im Griffbereich: 4cm, an den Tips: 1,7cm
Das Zugewicht mess ich erst gar nicht die Waage geht glaub ich erst bei 5lbs los

Wenn ich gewust hätte was Hickory für ein Gummiholz ist hätte ich mir doch Esche bestellt

Um auf 40lbs zu kommen darf das ding höchsten 1,20m lang sein oder 16cm dick!
Kann man da noch was retten? Fragt der völlig frustierte Matthias

Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 18.06.2007, 19:05
von Mandos
Hickory Gummiholz?
Hickory ist wohl eher sehr hart und zäh...
Meine Flachbogen (siehe Maße im anderen Thread) lässt sich im moment noch sehr wenig biegen...
Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 18.06.2007, 19:06
von Taran
Backing drauf! Wenn's sein muss Hickory auf Hickory *g*
Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 18.06.2007, 19:43
von Felsenbirne
Experimet beendet
Fazit: Nie wieder Hickory!!!
Bogenlänge: 175cm
Bogenbreite: 4cm bis 1,7cm
Wurfarmdicke: ca. 1cm
Leistung (Wortwitz bei Hickory): 12Lbs auf 28
Das Holz war extrem reißfreudig, weswegen weder Hobel noch Ziehmesser
(frisch geschärft bei einem Spezialbetrieb) zum Einsatz zu bringen waren. An den dunklen Stellen riss das Holz so extrem das ich über 2 Wochen mit der Ziehklinge und senkrecht stehendem Cuttermesser abgezogen habe.
Das Holz selbst hat die Wurfkraft einer geplatzen Hämorrhoide.
Glücklicherweise habe ich eine Kamin zu Hause, so ist das Zeug zu etwas gut.
Der Tiller veränderte sich übrigens bei jedem Aufspannen extrem

Ohne das Veränderungen am Holz gemacht wurden.
Werde mit richtigen Hölzern weiterüben. Mein Ahornbogen ist mir schon ganz gut gelungen. Habe noch einen Ahornstave bei dem Die Jahresringen rauslaufen. Wollte eigentlich ein Hickorybacking (Hab ich schon bei Gervase gekauft) drauf machen. Gibt es da noch Alternativen? (will mir den Stave nicht mit dem Zeug versauen!)
PS. Der Bogen ist seit gestern nur gekürzt worden. Normalerweise sollte sich der Tiller dadurch nicht so extrem verändern (Ja ich habe die Maße überprüft

) Auch sollte das Zuggewicht beim kürzen um 10cm wenigstens um 30g steigen
@Mandos
Freut mich das dein Holz funktioniert. Bei mir kann ich die Fasern mit den bloßen Fingern anheben und rausreißen. Ich konnte nicht mal meine neue Raspel einsetzten, weil das Zeug völlig kaputtreißt
Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 18.06.2007, 20:03
von Squid (✝)
Komich...
ich hab Hickory mit gutem Erfolg als Backing und als Facing verbaut. Im Falle des Backings gab es 3 cm Set, der Bogen mit dem Facing schiesst gut, aber er wird früh sterben, da das Stärkeverhältnis von Bambusbacking und Hickoryfacing falsch ist und er mutmaßlich Stauchrisse bekommen wird. In beiden Fällen lags nicht am Hickory.
Auch viele Erstlingswerke sind aus Hickory und zählen zu den robusteren Bögen...
Entweder du hast Murks fabriziert... kann ja vorkommen ... der wievielte wars denn? Oder du hast einfach ein ganz mieses Stück Holz erwischt...
Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 18.06.2007, 20:10
von Felsenbirne
@squid
Ich habe den Bogen komplett aus Hickory, also kein Backing.
Es ist mein vierter Bogen (einen habe ich bei einem Kurs gemacht) und einer ist mir durch Dummheit beim Tillern gebrochen.
Ich denke auch das es meine Schuld war. Aber da man mir immer wieder versichert hat wie toll Hickory für Anfänger geeignet sei, bin ich arg entäuscht.
War der Tiller bis gestern einigermassen, so hat das Zeug gar nicht mehr auf Veränderungen reagiert.
Bin letzlich ganz froh, wenn ich überlege ich hätte nicht so viel Holz abgenommen und der wäre was geworden, so müsste ich jetzt mit 8cm breiten und 6cm dicken Wurfarmen durch den Wald rennen um einen 35lbs Bogen zu schießen

Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 18.06.2007, 21:45
von Taran
Sowas kannte ich bis jetzt nur bei Esche, wenn die Frühjahrsringe dicker waren als die Spätholzringe...
Hat der Bogen in der Sonne gelegen und wurde heiß aufgespannt?
Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 19.06.2007, 08:57
von Felsenbirne
@Taran
der Bogen hat nur in meiner Garagenwerkstatt gelegen. Keine Sonne, keine Hitze.
Obwohl meine Frau bettelt ich soll Ihr einen kurzen leichten Flachbogen draus machen, werde ich ihn heute Abend in den Kamin stecken!
Man hat mir das Ding gestern den Tag versaut

So langsam krieg ich mich wieder ein.
Ich konnte übrigens den bauch auch mit 600 papier nicht glatt schmiergeln. Es kammen immer wieder diese superfeinen tiefen Haarisse in Längsrichtung durch.
Wie macht Ihr solch ein Holz glatt; spachteln?
Re: Tiller Hickorybogen
Verfasst: 19.06.2007, 09:17
von Ravenheart
*lol* Du Armer....

(...nein, nein, mein Mitleid ist ernst gemeint!)
Mein letzter Hickorybogen (in Neubrunn gespendet) hatte ca. 4 x 2,5 cm nahe Griff (1,5 x 1,6 am Ende), war ca. 1,85 lang und zog gut 60#...
Vollholz, versteht sich! Glatt wie Kindepopo war er auch...
Da musst Du wirklich ein "Montagsstück" erwischt haben!
Das gibt es leider, Holz is nun mal ein Naturprodukt...
Nicht entmutigen lassen!! Der Nächste wird wieder was...
Rabe