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Bogenbau aus Birke
Verfasst: 27.09.2007, 20:17
von Galighenna
Hallo alle zusammen
Wie ich in einem anderen Thread schon angedroht habe, werde ich mich an einem Bogen aus Birke versuchen, da ich aus irgendeinem Grund auf Teufel komm raus kein anderes Holz bekomme.
Alle anderen Bäume die halbwegs gerade und Astfrei waren, hatten Drehwuchs.
Da hier anscheinend noch niemand so richtig einen Birkenbogen gebaut hat, oder darüber berichtet hat, werde ich nun mein Erstlingswerk aus Birke bauen und hoffe das einige davon profitieren.
Heute habe ich sie gefällt und das hier ist einer der Staves die ich daraus gespalten habe:

Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 27.09.2007, 20:25
von Galighenna
*sch...* jetzt hatte ich gerade noch ein bissl was beschrieben über das Holz und da is doch glatt die SItzung abgelaufen. jetzt darf ich alles nochmal schreiben... sowas blödes
Naja auf ein Neues:
Also viele Denken das Birke eher kurzfaserig und nicht gut zum Bogenbau geeignet ist.
Beim Spalten habe ich gemerkt das man Splitter nicht komplett über den ganzen Stamm aus dem Holz abziehen kann. Irgendwann reißen sie einfach ab. Das ist z.B. bei Haselnuss nicht so.
Ausserdem ist mir beim Vierteln einmal der Spalt quer durch die Jahresringe aus dem Stamm gelaufen.
Deshalb werde ich wohl einen breiten, sehr langen (ca. 2-2,1m) und flachen Bogen bauen.
Morgen werde ich schonmal ganz grob die Form aus dem Holz holen damit es nicht so lange zum trocknen braucht.
Wenn ich Zeit dazu finde werde ich auch nochmal ein oder zwei Bilder davon machen.
Gruß
Gali
Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 27.09.2007, 23:04
von Markei
Hallo Galighenna
Ich finde es toll das du dich an einen Birkenbogen wagst.Ich kann dir nur einen Ratschlag geben,nähmlich du mußt bei den Ästen aufpassen,denn da hebt sich sehr gern und sehr leicht ein Span ab.Den Birkenbogen den ich gebaut habe ist 60" lang, und hat bei 25"Auszug 38#.Er funktioniert nach wie vor und ist nun schon 11 Monate Alt.
Ich wünsche dir viel erfolg mit deinem Birkenbogen.
Schöne Grüße aus TIROL
Markus
Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 28.09.2007, 09:23
von Galighenna
Danke Markei für den Tip.
Du hast wohl recht, bei Birke bilden sich an Ästen immer richtige knubbel. Das muss wohl daran liegen das ein Toter Ast nur sehr sehr langsam aus dem Stamm rauswächst bzw. sich der Stamm dort nur sehr sehr langsam "heilt"
Ich bin allerdings froh das ich in meinem Stave nicht einen einzigen Ast habe. Zumindest ist bis jetzt keiner zu sehen.
Gruß
Gali
Edit:
Ich bin mittlerweile damit angefangen die Rinde ab zu machen... Entweder liegt das an schlechtem/mangelndem Werkzeug, oder die Birkenrinde ist wirklich so schwierig zu entfernen. die Borke ist wirklich verdammt brüchig und man bekommt nur einzelne kleine Brösel vom Stamm ab.
Wenn man es mit dem Messer versucht, dann muss man höllisch aufpassen nicht ins Holz zu schneiden da man durch das laute Raspeln in der Borke und deren großen Wiederstand, gar nicht fühlt ob man im Holz oder zwischen Borke und Holz schneidet...
Ausserdem hab ich noch eine Frage:
Zwischen der Borke und dem Holz befindet sich so eine saftige Schicht. Die besteht auch aus Holzfasern, ist aber sehr weich und man schneidet verdammt leicht rein. Gehört das auch zum ersten Ring und sollte man es vermeiden reinzuschneiden?
was mache ich wenn ich den ersten Ring beim entdernen der Rinde ganz leicht oberflächlich "angesäbelt" hab?
Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 28.09.2007, 14:55
von tyron
nach deinen Fotos zu urteilen hast du ne komplett andere Birke als ich hier bei uns finde.
Bei mir hier und der Umgebung ist das eine Birke mit der eigentlich weißen/hellen Rinde mit den dunkeln/schwarzen Flecken, die sich dünnst und fetzenartig "häutet".
Bei diesem Typus habe ich gute Erfahrungen zur Speerschaft-Herstellung gemacht, um um die Rinde runter zu bekommen, 2 Tage nach Fällung warten. Dann ein flaches abgerundetes Holz nehmen und über die Rinde KRÄFTIG reiben. Ab und an LEICHT gegen die Rinde klopfen. Ist anstrengend aber insgesamt bei mir effektiver als das Finger beanspruchende Abkatscheln der Rinde in kleinsten Bröseleien.
Bei mir kam die weiche "Zwischenschicht" immer runter, weil das die Werkzeuge für die Speerschaftherausarbeitung (nette Wortschöpfung) zu sehr verdreckte.
Meine andere Erfahrung ist eine Verbesserung der Birkeneigenschaften mit Hitze. Nur beim Bogenbau würd ich das so wie beim Speerschaften nicht machen...
Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 29.09.2007, 14:06
von Galighenna
Also so weit ich das beurteilen kann wächst bei euch wohl eher die Hängebirke.
Da wir hier in Ostfriesland aber sehr viel Moor haben wächst bei uns eher die Moorbirke. Allerdings bekommt die Moorbirke auch irgendwann diese weiße Rinde.
Ich vermute aber das die braune Färbung der Rinde eher damit zusammenhängt das dort sehr wenig Licht an den Stamm kam, weil die Birke komplett von sehr hohen Tannen umwuchert war. Deshalb ist sie auch so relativ gerade und Astfrei hochgewachsen.
Der Stammdurchmesser betrug schätzungweise 16-20cm und die meisten Birken die ich so kenne von dieser Größe haben alle einen weißen Stamm, nur die die im Schatten wachsen scheinen länger braun zu werden.
Die Rinde habe ich jetzt auch komplett runter, aber ich befürchte, dass ich die Fasern des ersten Ringes schon verletzt hab. Als ich deine Methode mit dem abklopfen und abrollen der RInde gelesen hab war es nämlich schon zu spät.
Aber falls dieser hier bricht, habe ich noch 3 weitere Staves an denen ich mich versuchen kann. Ich geh ja eh nicht davon aus, dass es ein besonders guter Bogen wird, zumal ich vorher noch nie einen Bogen gebaut habe.
Und jetzt werde ich wieder in die Werkstatt gehen und den Rohling weiter in die grobe Form bringen damit er nicht so lange trocknen muss. Für meinen Geschmack ist nämlich noch viel zu viel Holz dran

Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 29.09.2007, 19:09
von Galighenna
Sooooo...
Ich hab nun alles erstmal ganz grob rausgearbeitet.
Hier ein paar Bilder vom "Rohling" und dazu noch ein paar Fragen
Wie man an dem Rohling sehen kann verläuft die Mittellinie nicht gerade sondern ist leicht gebogen. Somit müsste ich, wenn ich den Bogen gerade haben will, damit er sich beim Auszug nicht verdreht, den Verlauf der Fasern mehr oder weniger ignorieren und ihn soweit es geht gerade aus dem Holz arbeiten.
Kann man das so machen?
Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 30.09.2007, 14:50
von Ravenheart
Jaein...
kommt drauf an, wie stark sie rauslaufen und wo...
Auf den letzten 20 cm ist es gar kein Problem, da kann es sogar recht heftig zugehen...
Im restlichen Bereich macht es nix, wenn auf rund 50 cm Länge die Fasern um ca. 1 cm seitlich aus der Längsachse rauslaufen.
Wird's aber mehr, musst Du mit Drehreaktionen rechnen...
GERINGE Reaktionen gibt es zwar auch schon bei leichtem Verlauf, aber die lassen sich leicht ausgleichen....
Rabe
Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 30.09.2007, 15:30
von Galighenna
OK Gut, Danke
Dann werde ich einfach sehen das ich den Bogen so gerade wie möglich aus dem Holz bekomme und dann mal schauen wie er sich schießt.
(Falls er was wird)
Gruß Gali
: Nachtrag:
Ich wollte eigentlich noch sagen, das das Holz ja jetzt erst noch trocknen muss... ihr müsst euch also noch ein wenig gedulden, bis es weiter geht.
Da der Stave nun in meinem warmen Zimmer steht und schon relativ weit in Form gebracht ist, wird das aber wohl nicht etliche Monate dauern...
In diesem Sinne: Bis denn dann
Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 04.10.2007, 14:29
von Galighenna
Hallo alle zusammen...
Unerwartet schnell melde ich mich schon wieder.
Da ich die Bogenform ohne Tillern schon fast genau ausgearbeitet hatte ist das Holz echt schnell getrocknet. Es verliert pro Tag so gut wie kaum noch an Gewicht. von gestern auf heute z.B. nur noch 20g. Das Trocknen dürfte sich also in den nächsten paar Tagen dann mehr oder weniger komplett erledigt haben.
Im Internet hatte ich auch schon gelesen das Birke schnell trocknet. Anders als andere Holzarten braucht es z.b. als Brennholz auch nicht ein ganzes Jahr gelagert werden.
Deshalb bin ich heute schon vorsichtig und langsam angefangen ein wenig zu tillern.

Im Moment tiller ich noch grob ohne Sehne, da das Holz leicht reflex gebogen ist und ich ja erstmal soweit kommen muss überhaupt die Sehne leicht aufspannen zu können.
Aber er biegt sich schon recht gleichmäßig und weich.
Wenn er nicht bricht, wovon ich aber ausgehe, da es mein erster Bogen ist, noch dazu aus Birke, dann wird er schon ne anständige Zugkraft haben.
Ich habe mir gedacht, vielleicht so 30# anzustreben.
Wenn ich eine Sehne drauf habe werde ich auch wieder das ein oder andere Bildchen Posten.
Dann könnt ihr mich vorwarnen falls etwas schief läuft oder ihr Fehler entdeckt die ich nicht sehe.

Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 04.10.2007, 14:40
von Matthias Herp
Hallo Galighenna!
Willst du nicht doch noch mindestens 1-2 Wochen warten, bis der Bogen KEIN Gewicht mehr verliert?
Ich habe keine Erfahrung mit Birke, aber wenn du "feuchtes" Holz tillerst, dann kann das schnell zu viel Set führen...
Lass ihn doch lieber ganz trocknen....
Viel Erfolg!
Liebe Grüße,
Matthias
Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 04.10.2007, 16:38
von Galighenna
Ja im Prinzip hast du recht Matthias...
Ich bin nur relativ ungeduldig

und denke mir, je mehr ich den Bogen in Form bringe, desto weniger Holz muss trocknen.
Ich habe ihn ja auch noch nicht auf dem Tillerbrett und der Auszug geht jetzt gerade eben erst so über die Griffhöhe, beträgt also nur wenige Zentimeter.
Das grobe Bodentillern ist heute aber auch schon mehr oder weniger abgeschlossen und jetzt muss ich noch so lange warten, bis mein Sehnengarn und meine Zugwaage da sind.
Bevor ich ihn richtig tiller hat er also noch ein Weilchen Zeit zu trocknen.
Set habe ich auch bis jetzt noch nicht einen millimeter festgestellt.
Denkst du denn, dass sich bei dem geringen Auszug schon Set entwickelt? Ich hab da ja keine Erfahrung.
Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 04.10.2007, 16:54
von Archiv
Der geringe Auszug ist es nicht, doch wenn eine Schwachstelle schon stark belastet wird.... Es ist eher ein zu hohes/ zu frühes Zuggewicht, unabhängig von der Auszugslänge, die in dem Zustand den Set fördert.
Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 04.10.2007, 21:25
von Galighenna
Hmm das leuchtet ein...
Naja Birke scheint da recht robust gegen Set zu sein. Jedenfalls hat der Bogen keins bekommen.
Aber er ist ja auch nicht mir klatschnass.
Wie gesagt, Bodentiller ist soweit beendet und jetzt hat er noch weiter Zeit zum trocknen.
Richtig tillern werde ich ihn tatsächlich erst wenn sich das Gewicht nicht mehr ändert.
Achja: von Anfang an hatte ich zwei verschiedene Wurfarme. Einer mit recht starker reflexer Krümmung und der andere relativ gerade.
Dieser Unterschied gleicht sich nachher beim tillern aber von selbst aus und muss nicht weiter beachtet werden, solange sich beide Arme gleich stark und weit ausziehen lassen, oder?
Edit:
Hier jetzt noch ein paar Bilder vom grob getillerten Bogen:

Ich weiß nicht warum, aber es sieht auf den Bildern immer so aus als wären die Wurfarme nicht gleich lang. Aber der Griff ist mittig. Ich habe es schon tausendmal nachgemessen. Das muss ne optische täuschung oder so sein.
Für diejenigen die sich fragen warum denn der Griff nicht in der Mitte des Bogens sondern seitilich versetzt ist:
Das Holz war/ist krum, und auf diese Weise sitzt der Griff in der Mitte zwischen den Sehnenkerben...
Re: Bogenbau aus Birke
Verfasst: 06.10.2007, 18:53
von Christopher
Nur mal ein Tipp nebenbei:
Wenn er nicht bricht, wovon ich aber ausgehe,
Sage
niemals im Voraus, dass ein Bogen bricht.
