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wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 10.10.2007, 20:28
von Fritzig
habe heute drei Reiterbögen mal geschossen. huh was für ein Handschock. Der eine von Grozer war noch einigermassen. Zwei andere eher schocking :-\ im warsten Sinne des Wortes. Alles kein Vergleich mit meinem Recurve Black hawk.
kann mir jemand einen empfehlen mit wenig Handschock, der auch noch kurz ist? wahrscheinlich darf er nicht so dicke Enden (Siyas) haben.
Der Längenunterschied ist eigentlich auch nicht so gravierend. Frage mich warum man überhaupt einen Reiterbogen brauchen soll. Habe es heute mal von meinem Pferd mit meinem Bogen probiert. Sie war ganz cool. Treffer waren auch ordentlich.
danke für eure Tipps
Fritzig ;D

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 10.10.2007, 20:36
von dschin
am wenigsten handschock haben mMn die skythen. eben weil sie keine schweren siyas haben.

meine rangreihenfolge (qualität:leistung) der produzenten:
kovac (python)
grozer
samick (skb)


warum kurzer reiterbogen: beim schuss nach hinten (kommt doch hin und wieder vor) beleidigt der untere wurfarm das pferd

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 11.10.2007, 12:59
von benz
Hallo Fritzig,

wir testen ja gerade verschiedenen Reiterbogen. Wir haben dabei gerade festgestellt, dass der Handschock ein sehr individuell empfundenes Gefühl ist. Ich denke ausschlaggebend dafür ist die Haltung der Bogenhand und vorallem wie fest man den Griff umklammert.

Du brauchst natürlich keinen Reiterbogen um Pferd zu schießen. Auf einem Turnier allerdings darf keine Pfeilauflage dran sein, womit praktisch alle anderen Bogen ausscheiden, außer kurze Selfbows. Darüber hinaus find ich Gewicht und Handlichkeit sehr sympatisch. Dann kommt hinzu, dass die meisten von uns Recurves oder Langbogen mit viel zu hohem Zuggewicht fürs Reiten schiessen und wenn schon einen neuen leichteren Bogen kaufe, warum dann nicht gleich einen Reiterbogen?

Mir hat es früher schon beim Wort Reiterbogen den Magen rumgedreht, bis ich den Türken von Grozer in der Hand hatte, dabei hatte mich gerdnix gewarnt, aber ich wollte ja nicht hören.  ;D

Mittlerweile gibt es andere Modelle und Hersteller, die durchaus den Namen Bogen verdienen und nicht nur Deko aufm MA sind.

Was für eine Grozer hast Du geschossen und wie stark war der?

liebe Grüße benzi

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 11.10.2007, 14:33
von redeye
Hallo, hab mir selber grad einen Türken von Grozer geleistet, absolut kein Handschock, kann ich nur empfehlen, v. a. klein & sauschnell.
lg

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 11.10.2007, 20:45
von sundance
Welche Bögen hast Du denn mit welchen Pfeilen benutzt?

Manche RB's brauchen da etwas schwereres Gerät, Ungarische oder Hunnische Bögen sind ja eigentlich Nachbauten von Bögen, die ursprünglich nicht gerade für den Wettkampf gemacht sind. Wenn man so was z. B. mit einem leichten Karbonpfeil benutzt, dann bleibt ein Teil der Energie im Bogen (bzw. in der Hand).
Grundsätzlich braucht ein Bogen mit schweren Siyahs schwerere Pfeile. Bögen mit leichten Enden haben (normalerweise) weniger Handschock. Fiberglaswurfarme neigen mehr zum Handschock als laminierte und Horn am Bogenbauch dämpft Handschock und Vibrationen so ziemlich am besten.

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 11.10.2007, 22:50
von Fritzig
danke für eure Antworten. Zu euren Fragen (teilweise):
Der mir am besten gefallen hat war ein Grozer (welcher stand nicht drauf, wußte mein Bekannter auch nicht. nur 45# hatte er), noch sehr liebevoll gearbeitet und dazu völlig leicht. wer meinen Bogen (Black Hawk, Samick) kennt, weiß er sieht sehr gewöhnungsbedürftig aus mit einem guten brennholzstück als Mittelteil. Dafür hat er null Schock und schießt wie ein Black Widdow und das ist die absolute Königsklasse.
Geschossen habe ich sie mit Alu 2016 (XX75), 4# Federn, 125 grain Spitzen. Auf Anhieb ganz gut getroffen.
Aber irgendwie spucken mir noch die asymetrischen im Kopf herum (Hunnen) von wegen schockfrei (und sieht besser aus) wie auch die kleinen Türken.
Gut fände ich einen kleinen Bogen mit nicht so dicken Enden vgl. mit den Türken.
Übrigens was ihr immer zu der Stärke schreibt, die früheren Berufsreiter haben i.d.R. minimum 80 # geschossen bis zu über 100 #. Bei Menschen zu Fuß waren es meistens 130 #. Dagegen schiessen wir heute alle Kinderbogen. Machen wir uns nichts vor, es ist halt Freizeit und kein Ernst. Knochenfunde zeigen bei Bogenschützen meistens starke Verformungen aufgrund der Belastung. Aber gut, wir sind dafür heute nicht gemacht und es soll Spaß machen. Am Boden schiesse ich gerne stärkere Bogen, weil es meinem Rücken gut tut.
Nebenbei es würde mich mal interessieren, wie gut ihr vom Pferd trefft. Bei welcher Distanz trefft ihr einen Kreis von 5 cm noch zu 75%?
Gruß Fritzig ;D

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 12.10.2007, 07:51
von Esteban
Hallo Fritzig,

ich hab gestern auf der Rückfahrt von München einen kleinen Umweg gemacht und bei Familie Sundance diverse Grozer Bögen probegeschossen, alles so um 40 lb. Einen wirklich fühlbaren Hanchock hatte ich nur einmal, als ich einen von meinen Alus aufgelegt hatte. Die anderen Pfeile die ich dabei hatte, waren 5/16" Zedernpfeile mit 100 gr. Spitzen.

Eine Hunne war auch dabei mit 45lb. Handschock fand ich keinen.

Und mit Andreas TRH Hunne mit 33lb schiessen zu dürfen ist ein Erlebnis  8) 8)


Ich hab zu Hause noch einen Türkischen RB mit 40 lb aus Fiberglas im Regal - der tritt im Vergleich wie ein störrisches Muli.


Gruß

Stefan

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 12.10.2007, 08:53
von Taran
Dschin, ist deine Rangfolge aufsteigend oder absteigend?  ;D

Handschock häng vom Eigengewicht und der Masse an den Wurfarmenden ab. Während also mein Trad. Hunting recurve von Grozer mit leichten Pfeilen schon Handschock hatte, benimmt sich der laminierte Assyrer von Grozer einwandfrei -ich denke, auch wegen der schmaleren Siyahs.

Beim alten Skythen gehen die Meinungen auseinander. Ich finde ihn angenehm, andere spüren da deutlich was, liegt vielleicht an der Griffweise.

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 12.10.2007, 09:51
von sundance
Esteban hat geschrieben: Und mit Andreas TRH Hunne mit 33lb schiessen zu dürfen ist ein Erlebnis  8) 8)
Das ist kein TRH Hunne, sondern das neue Modell des Hunnenbogen. Ein Erlebnis ist es trotzdem.

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 12.10.2007, 10:57
von Niels
Fritzig hat geschrieben:
Übrigens was ihr immer zu der Stärke schreibt, die früheren Berufsreiter haben i.d.R. minimum 80 # geschossen bis zu über 100 #.
Wir haben in einem Fachforum zur Geschichtsdarstellung ziemlich lange (und leider ziemlich ergebnislos) die Frage des wahrscheinlich verwendeten Zuggewichts zum Beispiel bei skythischen Bogen diskutiert. Hast Du eine verlässliche Quelle für Deine Aussage. Das würde mich sehr interessieren.

Und zum Thema kann ich eigentlich nur wiederholen: Wenn er kurz, giftig, mit weichem Auszug und wenig Handschock sein soll, ist der TRH Türke eine gute Wahl. Wenn es ohne diese elend lange Wartezeit auf den Türken laufen soll, ist der TRH-laminierte Assyrer von Grozer eine klasse Alternative (etwas länger, dafür aber noch gleichmäßiger im Auszug). So jedenfalls meine persönliche Erfahrung.

Ich schieße einen 39 # Türken (bei meinem Auszug dürften da deutlich über 40 # auf den Fingern liegen) und muss sagen, dass er eigentlich für das berittene Schießen zu stark ist. Ich komme zwar inzwischen halbwegs klar damit, aber ideal für eine saubere Technik auf dem Pferd sind mE die immer wieder empfohlenen 35 # bei 28'. Mehr Zuggewicht behindert einen nach meiner Erfahrung mehr, als es was nützt. Mach doch mal den Test und stelle Dich auf ein Bein, strecke das andere nach vorn aus und gehe dabei leicht in die Hocke. Nun schieße in dieser Position einen starken Bogen ohne zu wackeln oder gar völlig aus dem Gleichgewicht zu kommen. Eigentlich erklärt sich mit dieser Übung die Situation beim Schießen auf dem Pferd ganz gut  selbst (unterhalb der Hüfte ohne stabilen Stand und mit ausbalancieren beschäftigt und oberhalb der Hüfte Gewicht stemmen). 

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 12.10.2007, 11:20
von Esteban
@ sundance: Ups - da hab ich was durcheinandergebracht.

Ich hab auf meinem Olympic Recurve 34lb Arme. Da merke ich beim Ziehen was. Bei Andreas Bogen, wie auch beim 40 lb Türken ( DAS war aber ein TRH)  hatte ich gefühlsmäßig wenig bis gar nichts auf den Fingern, fast schon Kinderbögen. Bis man den Pfeilflug sieht  :o :o :o :o

Ich mach jetzt gleich Feierabend und geh mit meinem neuen Bogen auf den Parcour  ;D


Gruß

Esteban

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 12.10.2007, 14:36
von Sir Lancelot
Niels hat geschrieben: Mach doch mal den Test und stelle Dich auf ein Bein, strecke das andere nach vorn aus und gehe dabei leicht in die Hocke. Nun schieße in dieser Position einen starken Bogen ohne zu wackeln oder gar völlig aus dem Gleichgewicht zu kommen.
Immer diese versteckten Tipps  ;D

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 12.10.2007, 15:24
von Angela
Niels hat geschrieben:
Fritzig hat geschrieben:
Übrigens was ihr immer zu der Stärke schreibt, die früheren Berufsreiter haben i.d.R. minimum 80 # geschossen bis zu über 100 #.
Wir haben in einem Fachforum zur Geschichtsdarstellung ziemlich lange (und leider ziemlich ergebnislos) die Frage des wahrscheinlich verwendeten Zuggewichts zum Beispiel bei skythischen Bogen diskutiert. Hast Du eine verlässliche Quelle für Deine Aussage. Das würde mich sehr interessieren.
Mich auch  ;) Das ist so eine Behauptung, die immer wieder kursiert (auch mal in manchen TV-Dokus) aber Quellen sucht man vergeblich. Wird dann meistens gefolgt von "und sie hatten eine Reichweite von 400-500 Meter"  ;D Ich lasse mich gerne durch Quellen vom Gegenteil überzeugen, aber ich glaube eher, dass sowas aus Mythen und Legenden entstanden ist (z.B. "so ein Bär von einem Hunnen zieht doch locker 100#... Oder?")

Wer selbst vom Pferd aus Bogen schießt, kann ganz einfach nachvollziehen, dass man vom Pferderücken aus bis zu einer bestimmten Stärke gut schießen kann, ab einer bestimmten Stärke wird's zum Nachteil. Soweit ich weiß schießt bei uns keiner über 40#, obwohl manche rein von der Kraft her locker das Doppelte ziehen könnten.

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 12.10.2007, 16:56
von benz
es wird darüber auch nie verlässliche Quellen geben können, denn wer selber Bogen baut weiß, daß es praktisch nicht möglich ist durch Funde von Teilstücken, oder sogar ganzen Bogen direkt auf ein Zuggewicht zu schließen. Die Funde selber sind nicht mehr schießtauglich und Rekonstruktionen sind, was das Zuggewicht angeht niemals verläßlich, zu viele Faktoren beeinflussen das Zuggewicht.

Die zweite Quelle sind Projektileinschläge in Knochen. Ich hab da mal mit einem Steinzeitfachmann drüber diskutiert, der gerade schweißgebadet mit seinem 120 Pfünder von einem Parcour kam. Auf mein Frage "und was ist wenn dieses Projektil mit einem Fussbogen abgeschossen wurde", konnte er keine Antwort finden. (Fussbogen - der Bogen wird mit den Füssen in Position gebracht und mit beiden Armen ausgezogen). Und wie groß war die Schussentfernung bei einem Projektil in einem Knochenfund? Diese fragen werden wir nie beantworten können.

Wer von Kindesbeinen an reitet und schießt kann bestimmt Pferd und starken Bogen beherrschen. Aber die meisten von uns sind doch schon über der durchschnittlichen Lebenserwartung der damaligen Zeit - also ab in die Kiste, A-freaks  ;D

Re: wenig handschock beim Reiterbogen/Erfahrung

Verfasst: 12.10.2007, 17:22
von Niels
benz hat geschrieben: Wer von Kindesbeinen an reitet und schießt kann bestimmt Pferd und starken Bogen beherrschen.
Mag sein oder mag nicht sein, nur wozu sollte man?. Immerhin sind diese Bogenschütze doch deshalb beritten, damit sie schnell da und wieder weg sind  (zu dieser Taktik gibt es zumindest schriftliche Quellen). Und da schnell da und wieder weg sein, auch kein Selbstzweck gewesen sein dürfte, wird es im Ergebnis wohl um möglichst kurze Schussdistanzen gegangen sein (anders als z.B. bei Langbogenschützen). Und bei kurzen Distanzen braucht es einfach keinen Bogen mit Mordszugewicht.