
Es gibt keine Grabfunde von ungarischen Köchern, nur Eisenstreben tauchten in den Gräbern auf, die den Rahmen der Köcher bildeten.
Einige neuzeitliche Nachbauten sind aus Birkenrinde, die im Osten in voller Stärke abgeschält & getrocknet wird. Was mich daran stört ist die "Winzigkeit", mehr als sieben Pfeile passen da nicht rein.
Darum wollte ich einen Köcher aus Leder bauen, stieß allerdings bei jedem Schritt auf "Tüftelaufgaben", denn es galt die Form völlig neu zu konzipieren.
Meine Ellbogenentzündung half dem Projekt auch nicht gerade auf die Sprünge, aber zwischen einigen Fruststrecken entstand dann schließlich doch ein Köcher zur Aufnahme von Kriegspfeilen, mit Klappe zum Schutz gegen Regen, aus wasserdichtem (!) Leder.
Am Anfang stand die Überlegung, die Pfeile - nach zeitgenössischen Darstellungen - mit den Federn nach unten im Köcher aufzubewahren.

Federschonend werden sie Schäfte dazu in ein Seidentuch gelegt, und so in den Köcher geschoben.

Der Deckel stabilisiert den Köcher oben, ein Versuch mit Holz & Horn schlug völlig fehl. Nun ist das Oberteil aus Leder, das ich naß gebacken habe, wobei es sich zufällig genau so verzog wie es nun ist...

Das Leder ist mit heißem Wachs unter Einsatz eines Haarföns behandelt worden, und ist nun wasserfest & standfest. Auch der Boden ist wachsgetränkt, sowie innen mit Holz verstärkt und mit Schaffell gepolstert (soll ja nix klappern auf dem Kriegszug

Die Wachsbehandlung hat auch die dunkle Farbe verursacht, einzig die "Aufhängung" der Verschlußklappe ist aus hellem, unbehandeltem Leder. Ich muß noch mal mit dem Fön alle Flecken nacharbeiten, bis das Leder überall völlig gesättigt ist.
Zusätzlich hat das Wachs das Leder sehr formstabil gemacht, obwohl die form sehr hoch & schmal ist steht der Köcher gut.
Hier noch mal in hängender Position geschlossen. Die Schraubnieten müssen noch ersetzt werden, aber mir fällt noch keine schöne Lösung ein, einfach nähen wollte ich die Seitenteile auch nicht.

Tja, insgesamt wird das zweite Modell leichter zu bauen sein
Es passen locker 15-20 Pfeile mit Kriegsspitzen rein (oder, im Fall unserer Vorführung, einige mit Gummiblunts). Auch die Federn sind unten gut geschützt. Mal sehen, wie sich der Köcher auf dem Pferd macht. Optional kann ich ihn auch senkrecht hängen, auf der Rückseite habe ich eine Öse von der ersten (als untauglich beurteilten) Befestigung gelassen...
Erster Einsatz soll in Vechta beim Rattenturnier sein, wahrscheinlich kann ich dann genaue Ausssagen zur Wasserfestigkeit machen...
;-) ;-)


