Leben im Mittelalter in der ARD

Sonstige Themen rund ums Mittelalter.
Trollmann
Full Member
Full Member
Beiträge: 202
Registriert: 04.08.2005, 09:16

Leben im Mittelalter in der ARD

Beitrag von Trollmann »

Hallo MA-Interessierte,

derzeit läuft Montags in der ARD mal wieder so eine "Zeitreisen-Doku", diesmal hat es die Probanden in das späte Mittelalter verschlagen, wo sie das Leben des Gesindes nachempfinden sollen.
Wie seht ihr dieses Projekt an, findet ihr es als gelungen, realitätsfern (sofern jemand es überhaupt gesehen hat)????
Benutzeravatar
Marty
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 5238
Registriert: 06.08.2003, 23:41
Hat gedankt: 4 Mal
Hat Dank erhalten: 12 Mal

Beitrag von Marty »

Ich schaue die Serie, habe aber keine richtige Meinung. Dafür kenne ich mich mit dem Mittelalter zu wenig aus. Gestern waren sie Bogenschiessen und haben so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Da hätten sie sich doch mal professionelle Hilfe holen können.

Ein paar Fragen stelle ich mir:
- Schreit der Burgvogt wirklich ständig rum?
- Isst der Burgvogt wirklich mit dem Gesindel zusammen an einem Tisch?
- Überwacht der Burgvogt die Arbeiten des Gesindels persönlich?
- Wird am Sonntag wirklich "nur" rumgelegen?

Viele Sachen kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
Amicus certus in re incerta cernitur
Zentaur (✝)
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 1825
Registriert: 06.08.2003, 23:46

Beitrag von Zentaur (✝) »

mittelalter war glaube ich schon so ziemlich die besch...... epoche überhaupt
ich bin froh, dass ich da nicht gelebt habe.

viel elend, viel krieg, viele krankheiten, viel dreck, wenig zu fressen, inquisition, kreuzzüge u.s.w.u.s.f

nix für mich.
was interessiert mich mein dummes geschwätz von gestern. :)
(K. Adenauer)
Nighty
Sr. Member
Sr. Member
Beiträge: 405
Registriert: 14.12.2003, 10:12

RE:

Beitrag von Nighty »

Original geschrieben von Zentaur

mittelalter war glaube ich schon so ziemlich die besch...... epoche überhaupt
ich bin froh, dass ich da nicht gelebt habe.

viel elend, viel krieg, viele krankheiten, viel dreck, wenig zu fressen, inquisition, kreuzzüge u.s.w.u.s.f

nix für mich.
Da bin ich eher der Meinung das es auch keine bessere oder schlechtere Epoche war,als jede andere in der Menschheitsgeschichte auch.
wenn ich in deiner Aufzählung mal Kreuzzüge streiche und aus Inquisition "Verfolgung Andersdenkender" mache ,dann sieht es heutzutage auf unsererm Planeten ,meiner Meinung nach in viel zu viel Gegenden immer noch so aus.
...lerne auch aus den Fehlern anderer ,das Leben ist zu kurz um Alle selber zumachen...
benz

RE:

Beitrag von benz »

Original geschrieben von Zentaur

mittelalter war glaube ich schon so ziemlich die besch...... epoche überhaupt
ich bin froh, dass ich da nicht gelebt habe.

viel elend, viel krieg, viele krankheiten, viel dreck, wenig zu fressen, inquisition, kreuzzüge u.s.w.u.s.f

nix für mich.
sehe ich auch so und muss mich immer fragen, warum nur alle sich Gewandungen aus dieser Zeit machen und woher der Zulauf zu den Märkten und so kommt. Ich verstehe ja den Wunsch sich mit der eigenen Geschichte und Herkunft zu beschäftigen aber so..........?

liebe Grüße benzi
Trollmann
Full Member
Full Member
Beiträge: 202
Registriert: 04.08.2005, 09:16

Leben im ...

Beitrag von Trollmann »

Original geschrieben von Zentaur

mittelalter war glaube ich schon so ziemlich die besch...... epoche überhaupt
ich bin froh, dass ich da nicht gelebt habe.

viel elend, viel krieg, viele krankheiten, viel dreck, wenig zu fressen, inquisition, kreuzzüge u.s.w.u.s.f

nix für mich.
Ich glaube, dass auch die Zeiten vorher nicht gerade ein Zuckerschlecken waren. Eine Dokuzeitreise in die Bronzezeit (glaube ich) wird auch gerade vorbereitet, um das Leben des Ötzi nachzuempfinden. Dazu wurde eine Großfamilie gesucht...
Aber auch zu jener Zeit hätte ich nicht gern gelebt, ebenso wie in der Antike... Neee, ich bin froh jetzt hier zu sein. :anbet :-)
Benutzeravatar
Marty
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 5238
Registriert: 06.08.2003, 23:41
Hat gedankt: 4 Mal
Hat Dank erhalten: 12 Mal

Beitrag von Marty »

Desshalb guckt man sich sowas aus dem Sessel mit ner Flasche Bier und Chips im Fernsehn an. :-)

In 2000 Jahren werden die Leute auch sagen "Um 2000 möchte ich nicht gelebt haben, diese Armut, die Krankheiten die es da gab, die Politik ..... Niemals". Man wird immer sagen "gut dass ich heute lebe und nicht damals", wenn man nur die Vergangenheit als Abschreckendes Beispiel hat. Die Leute im Mittelalter kannten das Jahr 2005 nicht, also haben sie auch nichts vermisst.
Amicus certus in re incerta cernitur
Zentaur (✝)
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 1825
Registriert: 06.08.2003, 23:46

Beitrag von Zentaur (✝) »

leben im jahre 4005?

ohweh!


lieber nicht. :)
was interessiert mich mein dummes geschwätz von gestern. :)
(K. Adenauer)
Trollmann
Full Member
Full Member
Beiträge: 202
Registriert: 04.08.2005, 09:16

RE:

Beitrag von Trollmann »

Original geschrieben von Marty

Die Leute im Mittelalter kannten das Jahr 2005 nicht, also haben sie auch nichts vermisst.
Außer man nimmt "Die Zeitmaschine" als bare Münze und die dort geschilderte Zukunft wird Realität.
Aber zurück zum Mittelalter, sonst werden vielleicht andere Forumianer, die den Thread erst lesen, abgeschreckt zu antworten. :-)
Niels

Beitrag von Niels »

Genau Eure verständlichen Reaktionen auf diese Sendung, sind das, was ich den Machern vor allem vorwerfe. Sie ist nur auf die Bestätigung vorhandener Klischees und Fehlvorstellungen unter völlig missverständlichem Titel ausgerichtet.

So nach dem Motto: Wir zeigen einen Städter des 21. Jhdt. (offenbar ganz gezielt nach fehlender Vorbildung diesbezüglich ausgesucht) der dilletantisch am Euter einer Zicke rumknautscht. Damit wird dann für die Menschen des 21. Jhdt. wieder mal ganz klar: "Die hatten es echt schwer damals. War doch eine finstere Zeit. Wie ich mir das eben schon immer gedacht habe."

Das Scheitern eines modernen, nicht entsprechend vorgebildeten Menschen an inzwischen weitgehend in Vergessenheit geratenen Alltagsverrichtungen in mittelalterlich angehauchtem Ambiente hat allerdings mit dem "Leben im Mittelalter" so gar nichts tun.

Hier noch ein amüsanter Artikel dazu:

http://www.welt.de/data/2005/12/12/816462.html?s=1

Ist halt mal eine Big-Brother-Version mit anderem Ambiente. Wer es mag ...

Ich habe nur zweimal kurz reingeschaltet und dann hat es mir gelangt. Gerade weil ich mich sehr für das mittelalterliche Leben und dessen Rekonstruktion im Rahmen der Möglichkeiten interessiere und ich mich jetzt schon darüber ärgere, von nur oberflächlich Interessierten, denen man das ja nicht vorwerfen kann, auf künftigen Veranstaltungen mit diesem Nonsens in Verbindung gebracht zu werden
Benutzeravatar
michael leva
Sr. Member
Sr. Member
Beiträge: 339
Registriert: 07.01.2005, 15:45

Beitrag von michael leva »

schließe mich zentaur an.. elend, pest, kreuzzüge und hexenverbrennung (wie kann man frauen mit roten haaren nur verbrennen?! so eine verschwendung! :motz)... mittelalter ist nix für mich. dann eher noch nen tick zurück ab zu den römern. relativ ruhig, gutes gesundheitswesen, gscheiten wein, brot und spiele, was will man mehr?

;-)

obwohl chips und bier, wie marty so nebenbei einwirft, durchaus positive punkte für das hier und jetzt mit sich bringen.. vielleicht bleib ich dann doch da.
Maxime peccantes, quia nihil peccare conantur.
Falkenstadl
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 571
Registriert: 18.11.2005, 12:05

Vergangenheitsbewältigung?

Beitrag von Falkenstadl »

@ benz,
aus welchem Grund ziehst Du (ich nehme an selbst gefertigte) Indianerbekleidung an? Ist das nicht auch aus Interesse und Freude an den alltäglichen Dingen einer Kultur, die Dich interessiert.
Ich glaube, genau aus diesem Grund ziehen sich manche mittelalterliche Gewandung an.
Nur diese Leute setzen sich mit der Vergangenheit Ihres Kulturkreises auseinander, um die Wurzeln Ihres Daseins zu erleben und zu pflegen.
Bist Du indianischer Abstammung, dann verseh' ich Deine Ambitionen und freu mich, wenn Du Erfüllung in Deinem Hobby findest.
Gruß
Falkenstadl
Bei den Alten schauen, für die Jungen bauen.
horsebow
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 846
Registriert: 06.08.2003, 23:46

Leben im Mittelalter?

Beitrag von horsebow »

Ich finde, Niels hat es absolut auf den Punkt gebracht:

Was man uns da zeigt, ist Big Brother im härenen Gewand.
Keiner von uns würde im Mittelalter leben können, weil wir nicht mal mehr die grundlegendsten Fähigkeiten/Fertigkeiten dazu besitzen, und weil wir alle durch die Zivilisation verweichlicht sind und absolut nix mehr aushalten.
Überlegt mal, was Ihr in einer Woche machen würdet, wenn jetzt der Strom ausfiele! Kochen, Heizen, Licht - alles finito!

Das heißt aber nicht, daß das Leben im MA grundsätzlich schlecht oder schlechter als in anderen Epochen war.
Die Gesellschaft war klar gegliedert, jeder hatte "seinen Stand", in den Handwerkergilden der Städte gab es z.B. ein funktionierendes soziales Absicherungssystem. Kunst und Kultur blühten genau wie in späteren Epochen auch - man braucht sich bloß mal in Museen umzusehen. Klar gab es genug Not und Elend - genau wie heute in der Dritten Welt und in Katastrophen- oder Kriegsgebieten beispielsweise, wo marodierende Kindersoldaten ethnische Minderheiten ausrotten. Was ist daran besser?

Glaubt Ihr vielleicht, in der Renaissance wär's schöner gewesen, bloß weil die Leute so hübsch gepuderte Perücken aufhatten? Im 30jährigen Krieg wurden ganze Landstriche durch Krieg und Seuchen entvölkert, und die Leute waren unbeschreiblich viel dreckiger als im MA.

Und @Michael Leva: "gutes Gesundheitswesen" im alten Rom? Klar, wenn man auf Säftelehre, Schröpfen, Aderlaß und chirurgische Eingriffe ohne Betäubung steht, 2000 Jahre vor Einführung der Asepsis ... in einer Sklavenhaltergesellschaft.

Es war bestimmt auch kein Honiglecken, im frühen Zeitalter des Kapitalismus als Industriesklave zu leben.

Kommt also immer auf den Standpunkt an, auf dem man gerade steht. Es ist unglaublich leicht, in einer westlichen Gesellschaft des 21. Jh. mit dem goldenen Löffel im Mund zu leben und zu sagen: Gott sei Dank, was geht's und gut. Ob das die Leute in den Drittweltländern genauso sehen?

Gruß, horsebow
I shot an arrow in the air,
it fell to earth, I knew not where;
for so swiftly it flew, the sight
could not follow it in its flight.
Longfellow, Oct. 16, 1845
Benutzeravatar
Netzwanze
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 2267
Registriert: 06.08.2003, 23:46

RE: Leben im Mittelalter?

Beitrag von Netzwanze »

Original geschrieben von horsebow
Überlegt mal, was Ihr in einer Woche machen würdet, wenn jetzt der Strom ausfiele! Kochen, Heizen, Licht - alles finito!
Kein Problem.
Wir heizen mit Holz. Kochen geht auf dem Ofen auch sehr gut. Machen wir auch. Backen geht natürlich nicht, da wir kein Holz-Backofen haben. Ginge aber auch.
Licht: Wir haben sowieso öfter Kerzen an. Ist halt oft schöner so. Im Schuppen Holz holen machen wir auch mit Kerzenlaternen. Also auch kein Strom.

Gut, wir könnten, wenn wir wollen.

Aber ansonsten ist das Mittelalter für die dortige Bevölkerung nicht schlimmer als bei uns gewesen. Natürlich gibt es jetzt modernere Dinge und Verfahren, trotzdem hat es damals keiner vermisst (wie auch).

Das MA hatte auch gute Seiten. Genau diese möchte einige in ihrer Freizeit nachspielen.
Andere sitzen am Computer und spielen. Was ist daran anders?

Teilweise ist es einfach ein Spaß; eine Alltagsflucht. Andere sehen es als experimentelle Archeologie.

Christian
"Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann was er will, sondern dass er nicht tun muss was er nicht will" (Jean-Jacques Rousseau)
duxallamanorum
Newbie
Newbie
Beiträge: 40
Registriert: 08.02.2005, 14:21

Beitrag von duxallamanorum »

Wenn wir schon dabei sind, die Zeitalter zu kritisieren:
Römerzeit - der überwiegende Bevölkerungsteil
waren Sklaven oder sonstige Unterprivilegierte
(Plebs), ständig irgendwelche Kriege mit sogenannten "Barbaren", um den Ruhm Roms zu mehren, bzw. die Geldtruhen der Oberschicht, und um den Bedarf an billigen Arbeitskräften zu
befriedigen.
Antworten

Zurück zu „Mittelalter Sonstiges“