Spinewert - Wahrheit oder Legende.

Fragen zu Pfeilen zum Bogenschiessen. Keine Fragen zum Pfeilbau.
Antworten
LaCroix
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 552
Registriert: 25.02.2005, 15:27

Spinewert - Wahrheit oder Legende.

Beitrag von LaCroix »

Hallo!

Ich habe mir grade mit einigen Schäften meinen Spinetester "justiert".

Dabei bin ich draufgekommen, das ich meinen 50# LB mit 70# Pfeilen betreibe. (Spitzen 125gr, 28", Kiefer)

Dies aber ziemlich erfolgreich, trotz der 30-40# zu viel. (Ausserdem habe die grademal 340 gr Gewicht, das ist ja ansich schon recht dürftig bei einem 50#-bogen)

Die Kinderbögen die ich gebaut habe haben ja nur ~25#@24" und benutzen 40-45#-Schäfte(5/16-Kiefer), treffen aber auch recht ordentlich.
Laut "Faustregel" würden diese aber einen 25(zuggewicht)-5(kein fenster) -20(4" weniger als 28") = 0 # Pfeil benötigen.

Wie stark wirkt sich der Spinewert überhaupt aus?

Oder merkt man das erst auf 30+ meter?

Habe nämlich lustigerweise einen Papiertest mit meinen Pfeilen egmacht, laut Anleitung aus 2m Entfernung... Der sagte aber, meine Pfeile wären zu WEICH!!! Auf welche Entfernung ist ein Papiertest sinnvoll?
temporarily out of order
Benutzeravatar
Ravenheart
Forengott
Forengott
Beiträge: 22591
Registriert: 06.08.2003, 23:46
Hat gedankt: 13 Mal
Hat Dank erhalten: 150 Mal

Beitrag von Ravenheart »

..ich würde mal sagen: Dein Spinetester stimmt nicht!

:o

Rabe
gian-luca
Sr. Member
Sr. Member
Beiträge: 370
Registriert: 10.03.2004, 08:37

schwabbelpfeile oder baumstämme?

Beitrag von gian-luca »

hallo LaCroix,

mit diesen spinewerten ist es so eine sache: im prinzip ja :-)
es ist so, dass die steifheit des pfeils sehr wohl den pfeilflug beinflusst, aber es spielen noch viele verschiedene faktoren eine rolle, wie z.b. die art wie dein bogen gebaut ist, das material der sehne, das spitzengewicht des pfeils und deine persönliche schiesstechnik.
nehmen wir zur ansicht mal zwei extreme beispiele:

- ich schiesse einen 55 pfund selfbow mit leinensehne, der ein bisschen zu lang ist, nicht übermässig stark beschleunigt aber "gutmütig" und präzise wirft. hinzu kommt, dass ich kein schussfenster habe und der pfeil sich um den bogen herum winden muss. ein pfeil mit spinewert 45-50 pfund fliegt bei mir wunderbar.
- du hast einen 50 pfund fiberglasrecurve mit fast flight sehne, centershot und wunderbar schnellem pfeilflug. bei dir schwabbelt mein pfeil schrecklich in der luft herum und vom gruppieren der pfeile kann keine rede sein. du bräuchtest in etwa einen 55-60 oder gar 60-65 pfund spine, um einen sauberen pfeilflug hinzukriegen.

ich sehe die spinewerte so, dass es gute angaben sind wie steif ein pfeil ist und nicht unbedingt zu welchem bogen er passt. um einen optimalen spinewert für deinen bogen zu finden, musst du testen und erfahrungen sammeln.

anmerken möchte ich, dass ein zu weicher pfeil immer probleme machen wird, während ein zu harter pfeil eher noch "gezähmt" werden kann, da er möglicherweise konstant etwas nach links fliegt (bei einem RH-schützen). ein freund von mir wechselte von einem knapp 50 pfund selfbow zu einem knapp 65 pfündigen und schoss erst wieder dieselben schönen gruppen, nachdem er einen deutlich steiferen pfeil dazu verwendete. lustig ist, dass der steifere pfeil auch mit dem 50 pfünder gut flog. allerdings ruinierte es ihm die federn, die dem bogen entlang strichen. ein weiters interessantes beispiel sind die naturvölker, die sehr dicke und (für uns) viel zu steife pfeile schiessen, diese aber überlang (bis zu einem meter) belassen und so möglicherweise dem "spineproblem" auch beikommen.

kürzlich habe ich in einem englischsprachigen bogenforum die aussage gelesen, dass die art wie ein selfbow gehalten wird auch sehr wichtig für einen sauberen pfeilflug ist. es wurde ausgesagt, dass bei einem festeren griff sich der spinewert deutlich stärker auswirkt. persönlich müsste ich das noch ausprobieren. Tim Baker (DER holzbogenguru) behauptet, dass mit einem sehr lockeren griff, fast wie beim einem fiberglas jagdrecurve, die besten schiessresultate erzielt werden. ich war immer der meinung, dass ein selbow etwas fester gepackt werden müsse als ein fiberglas recurve, aber ich lasse mich gern eines besseren belehren. im moment bin ich am testen. es wäre schön, wenn auch andere schützen hier ihre erfahrungen darlegen würden, man bräuchte dann als einzelindividuum weniger zu tüfteln und würde interessante ideen aufnehmen, die einem selber vielleicht nicht kommen würden
(vier augen sehen mehr als zwei).

der langen rede kurzer sinn: die spinewerte sind sehr gute anhaltspunkte um mit dem ausprobieren anzufangen... nicht mehr aber auch nicht weniger.

hoffe dich mit meiner antwort nicht völlig verwirrt zuhaben.

gut schuss,
gian-luca
Benutzeravatar
Haebbie
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 996
Registriert: 06.08.2003, 23:46

Beitrag von Haebbie »

Hmmm --- Der Spinewert des Pfeiles muss zum Bogen passen, sonst fliegen die Pfeile nicht richtig. In erster Linie hängt der Spinewert von der Kraft ab, die der Bogen auf den Pfeil überträgt und von deren Entfaltung. Sprich: Hohes Zuggewicht ist nicht gleichbedeutend mit hoher Kraft. Einfluss hat auch die Bauform des Bogens (z.B. mit oder ohne Schußfenster).

Anhaltspunkte für die Kraft des Bogens gibt die Messung der Pfeilgeschwindigkeit. Ich würde mich freuen, wenn wir hier im Forum mal eine Tabelle erstellen könnten, die den Spinewert und díe Pfeilgeschwindigkeit in Zusammenhang stellt, das ist auf jeden Fall besser als der Bezug zum Zuggewicht des Bogens. Dann bleibt als Unwägbarkeit aber immer noch die Entfaltung.

Außerdem hängt der Spinewert von der Länge des Pfeils und dessen Masseverteilung (Spitzengewicht, Taper ...)ab, und auch ein weing vom Material des Schafts. Aber da gibt es zur Bestimmung eigentlich ganz brauchbare Faustformeln.

Letztlich kann auch der Ablass scheinbar den Spine ändern, aber dann sollte doch besser der Ablass statt dem Spine geändert werden.

Das mit dem lockeren Griff: Mein alter Lehrmeister hat immer gesagt: "Du musst dem Bogen seine Freiheit geben." damit meinte er: Der Griff muss sowohl in der horizontalen und in axialer Richtung zum Pfeil Spiel haben. Das erreicht man durch den lockeren Griff und einen leicht eingeknickten Ellbogen. ABER!!! Auch wenn durch die "Freiheit" des Bogens die Auswirkungen von Spinewertfehlern etwas verringert werden, ein passender Spinewert ist für guten Pfeilflug eigentlich unabdingbar.
... let your arrows fly

Herbert
Wikinger
Jr. Member
Jr. Member
Beiträge: 89
Registriert: 01.06.2005, 14:30

spinewert

Beitrag von Wikinger »

hallo gian luca, ich seh das so wie du. ich hab da noch ein extrembeispiel auf lager mit meinem awaren bogen von 55 lbs. der schießt am besten mit 25-30 lbs. spine, da ich sehr kurze peile habe (62cm), was ja schon steife zusätzlich bringt und außerdem mit 30 grain spitzen schieße.( das mag der bogen am liebsten und das sind auch die gewichte der original dreiflügeligen bronzespitzen in etwa)sowas geht echt nur mit testen. insofern ist ein spine wert echt was tolles.
Benutzeravatar
mbf
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 1562
Registriert: 01.09.2004, 11:14
Hat gedankt: 8 Mal
Hat Dank erhalten: 18 Mal

Beitrag von mbf »

Argh, Tabellen...

Mit dem Papiertest haben so manche Schützen ihre Probleme. Die meist bessere Alternative ist der Rohschafttest. Dafür sollte man allerdings schon einen gefestigten Stil haben vernünftige Gruppen schießen können, sonst macht das keinen Sinn. Wenn der Schütze nur in seltenen Fällen auf 20 m ein Scheunentor trifft, ist es eh egal, wie die Abtimmung ist, da gibt es andere Probleme.

Davon ab, ist der Rohschaft eine gute Gelegenheit, den Pfeilflug zu studieren, sollten die Federn bei Regen mal platt am Pfeil anliegen. Wenn der Pfeil dann noch fliegt, stimmt das Setup. Wenn nicht, kann irgendetwas nicht stimmen.

Zwischen "ich treffe so leidlich" und "mine Pfeile fligen gut" ist ein großer Unterschied. Auch mit nicht optimal noch treffen. Die Pfeile eiern dann zwar durch die Luft, treffen aber noch irgendwie. Das kann man gerade bei etwas zu steifen Schäften beobachten - und 6"-Federn gleichen eh viel aus. Aber hier offenbart der Rohschaft, was Sache ist.

Nur bei einem passenden Spine kommt der Pfeil auch wirklich gerade aus dem Bogen raus, stabilisiert sich schnell, liegt gut in der Luft und trifft... zumindest, wenn der Schütze keinen Mist gebaut hat.
Der Pfeil fliegt hoch, der Pfeil fliegt weit.
Warum nicht - er hat ja Zeit!
-- Modifiziert nach einer Vorlage von Heinz Erhardt
Benutzeravatar
Peter O. Stecher
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 2358
Registriert: 21.03.2005, 09:16

Beitrag von Peter O. Stecher »

Wikinger-

30 grain Spitzen ?? Oder Gramm ?:-(

To all,

das mit dem lockeren Griff kann schon was auf sich haben da der Bogen ja möglicherweise eine Ausweichbewegung macht und der Pfeil so klarer raus kommt...
https://classic-archer.com/
Benutzeravatar
Pictor Lucis
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 1189
Registriert: 06.03.2005, 15:50

Mehr Spine bei Fastflight?

Beitrag von Pictor Lucis »

Habe zu meinem 40lbs Bearstick 5/16 Pfeile mit 40 lbs bestellt und sie mit 37lbs bekommen. Nachdem ich sie von 28,5" auf 28 gekürtz hatte flogen sie einigermassen. Dann habe ich in der Pause 3 Pfeile gesehen: 46er Spine 30" lang. Die habe ich dann ausprobiert. Ich hab noch nie mit dem Bogen so eng geschossen. Die nachfolgende Runde hätte auch Hunter sein können. Immer 1. Körper :D (Ok, 2x nix) Jetzt sind es meine und die nächsten 6 sind bestellt.
Frage:
Kann es sein, das die Fastflight-Sehne beim Spinewert mit 5 lbs dazugezählt werden muss, oder ist der Bearstick nur für 11/32 geeignet?

Edit: Habe jetzt ein Bild und die Daten in der Usergallery
»Arbeite, als bräuchtest du kein Geld; liebe, als wärst du nie verletzt worden; tanze, als würde niemand zuschauen; schieße, als hättest du nie einen Pfeil verloren.«
daritter

Beitrag von daritter »

jupp, fastflight gibt +5# in etwa

mein 50# Border braucht Pfeile mit 78#er Spine damit sie ohne Federn sauber fliegen[1].
Wenn der Bogen an sich schnell ist und dann noch dinge wie Fastflight, lange Pfeile, etc. dazukommen dann ist man recht schnell bei hohen werten

[1] ziehe 29", hab also 30er Pfeile und 55# auf den Fingern. noch Fastflight ergibt 70er Spine (55 Grundwert, +10 Länge, +5 Sehne) und dann noch Bauart/Schiesstil bedingt rauf oder runter.
Benutzeravatar
Peter O. Stecher
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 2358
Registriert: 21.03.2005, 09:16

Beitrag von Peter O. Stecher »

Pictor - über 30# würde ich keine 5/16" Schäfte verwenden, überhaupt bei Pfeillängen über 27". Dickere Pfeile, etwas schwerer fliegen einfach, unabhängig vom Spine, satter und weniger nervös...

Allgemein würde ich sagen, die beste Methode die richtigen Pfeile zu finden ist einige verschiedene von Kollegen zu schießen. Der welcher am saubersten fliegt wird ausgemessen und reproduziert. So erspart man sich die ganzen Tests und sich verschiedene Schäfte zu besorgen.
https://classic-archer.com/
Antworten

Zurück zu „Pfeile“