Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

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Ravenheart
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von Ravenheart »

1. Sowohl aus Osage wie auch aus Hickory kann man Vollholzbogen ohne Facing und Backing machen.
2. In der mittleren Schicht zw Rücken und Bauch ist die Zug-/Druckbelastung 0.

D.h.: eigentlich sind die Schichtdicken egal.

Aber: Du möchtest ja auch am Bogenende bauchseitig noch was von dem Osage drauf haben, und auch mehr, als nur ein "Häutchen"...

Damit kommen wir zu folgender Bemessung:
a) die Dicke der WA kurz vor den Sehnenkerben ist abhängig vom Bogentyp. Beim ELB-Typ-LB sind es 13 - 15 mm, beim Flachbogen 8 - 10 mm.

Also sollte das Backing beim ELB-Typ max 8 mm, beim Flachbogen max 5 mm dick sein.
Es sei denn:
b) Ein ELB-Typ ist am Griff ca. 30 - 35 mm dick, ein Flachbogen je nach Breite 12 bis 20 mm. Auf dieses Gesamtmaß muss man natürlich kommen...
Sind die Bauch-Leisten für das angestrebte Gesamtmaß am Griff zu dünn, muss man entsprechend viel bei der Rückenleiste zugeben - oder eine 3. Zwischenlage einbauen - sonst wird der Bogen zu schwach...

Rabe
Anasazi
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von Anasazi »

Mal ein Beispiel für einen kurzen laminierten Osage/Bambus static recurve - 55lbs@26", der Bogen biegt hauchzart bis in den Griff hinein.
Aufbau vom Rücken zum Bauch: Papierdünne Birkenrinde mit Resorcinharzkleber auf Bambusbacking (3mm), Bambuslaminat <2mm, Osageleiste ca. 10mm Ursprungsdicke (stehende Jahresringe)- Im Griff mit ein paar dünnen Laminatstücken verdickt (zwischen Bambus und Osageleiste eingepasst),
An den Nocken Recurve aus Walnuß keilförmig eingesetzt (Basis liegt auf Osage und Bambusbacking geht durch über dem Recurve)

Länge ntn 130cm, über den Rücken gemessen, größte Breite nach dem Fadeout 3,25cm, vor den Recurvenocks noch gut 2cm.
Dicke direkt hinter Fadeout (mit Rohhaut umwickelt) 1,25cm, vor den eingesetzten Recurves 0,95cm

Der Bogen ist übrigens über 26 Jahre alt (1998 /1999 ) und ja früher war alles besser - auch das Osage 8)
Gebaut von Gregg Coffey (USA), als er noch keine Glasfiberbelegten Bögen baute.
Dateianhänge
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von Windkanter »

Danke Euch für die weiteren Infos. Ihr lasst nicht locker und das ist gut so. Da kommt einiges an Info zusammen.

Anasazi ist so hartnäckig, daß ich mir tatsächlich überlege, auch mal einen Osage-Bogen mit Bambusbacking zu bauen, hatte mal früher einen fehlgeschlagenen Versuch gemacht, auch schon mit vielen Infos und mäßigem Bambus. Jetzt weiss ich deutlich mehr. Hab jetzt kein O.O. mehr, muss mal schauen, wo ich Latten mit halbwegs liegenden Schichten herbekomme. Oder gehen bei O.O als Bauch mit dünnem Bambusbacking auch stehende Schichten ? Glaube, nicht ganz so gut (?).

Grüße
Windkanter
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von Anasazi »

Stehende Ringe sind gut s.o.
Die Kombi ist eigentlich bekannt und liefert gute Ergebnisse - wichtig ist das Bambusbacking dünn zu machen.
Hickory ist auch gut und erprobt.
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Ravenheart
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von Ravenheart »

Windkanter hat geschrieben: 12.01.2026, 11:35 Bei Holz-Backing (Esche, Hickory, Kirsche....) auf Rattan empfiehlt Rabe liegende Schichten (ich nehme an, schichtparallel geschnitten), die biegen sich wohl besser und weniger riskant (?) oder ein Backing mit liegenden Schichten stresst das Rattan nicht so?
Wg. stehende vs liegende Ringe

In beiden Fällen geht es darum, einen Rücken herzustellen, der Zugkräfte aufnehmen kann.

Das erfordert bei den meisten Hölzern, dass die Fasern des Holzes über die ganze Länge der biegenden Bereiche durchlaufen, also nicht durchschnitten sind.

Bei liegenden Ringen kann man meist gut erkennen, ob ein Ring durchläuft, oder unterbrochen ist.

Bei stehenden Ringen sieht man es nur, wenn das Holz gespalten wird. Im Regelfall folgt der Spaltverlauf dem Faserverlauf.
Wird das Holz längs aufgesägt bzw ein Streifen abgesägt, erkennt man den Faserverlauf nicht oder nur mühsam.

Hat der Stave nun seitliche Wellen, der Sägeschnitt läuft aber gerade, (und das möchte man als Backing ja!), werden die Fasern an den Wellen durchtrennt und das Backing kann dort reißen.

Das zu umgehen gibt es zwei Wege:

1. Man wählt einen Stave, der linealgerade gewachsen ist, und sägt ihn präzise parallel zum Faserverlauf. Oder...

2. Man wählt ein Holz, dessen Fasern von Natur aus seitlich so stark mteinander verklebt sind, dass ein Bogenrücken auch mit durchtrennten Fasern hält.

Dies trifft auf Hickory zu, und bedingt auch auf Ulme.

Rabe
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von locksley »

Beim angedachten Osage/Bambus Projekt, kann Dir bestimmt Kra auch zur hand gehen. Er kommt ja aus Deiner Ecke und wenn
Jemand Erfahrung mit Bambus belegten Bögen hat, dann Kra.
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Wenn das Atmen schwieriger waere, haetten wir weniger Zeit um Unsinn zu reden.

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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von Anasazi »

@ Ravenheart
Bei meinem Beispiel geht es um die Bauchlage mit stehenden Jahesringen. Als Backing da drauf dann Bambus.

Osage mit stehenden Jahresringen ohne Backing würde ich nicht so empfehlen......
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von Neumi »

Auch bei der Bauchlage mit stehenden Ringen sollte der Faserverlauf einigermaßen gerade sein. Mir hat es wegen ungünstigem Faserverlauf bei einem Bogen die Bauchlage zerrissen.
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kra
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von kra »

Osage stehend geht sehr gut ALS BAUCHLAGE. Ich bevorzuge es sogar gegenüber liegenden Jahresringen, weil ich so die Qualität/Verlauf der Jahresringe) im Osage besser einschätzen kann. was ich ungerne nehme sind Osage-Leisten in denen die Jahresringe schräg drin liegen oder zu "wellig" verlaufen.

Wie Rabe oben richtig schreibt ist die Mittellage eher weniger relevant für die Leistung des Bogens, sie muß nur den Druck zwischen Bauch und Rücken im Auszug aushalten und möglicher Verdrehung Wiederstand leisten. Deswegen nehme ich hierfür gerne stabverleimten Bambus der eigentlich aus dem Möbelbau kommt. Und nebenbei, drei dünnere Lagen lassen sich einfacher in Form biegen als 2 dickere.
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von Windkanter »

Hallo, heute habe ich zwei Hickoryleisten bekommen, 5mm Dicke für einen Rattanbogen als backing (Bauchseite wäre die natürliche Aussenschicht) und 7mm für einen O.O.-Bogen mit Hickory-backing und meinen beiden O.O.-Leisten. Das was geliefert wurde, habe ich so nicht erwartet, Hickory gibt besseres her, ich überlege ob ich die Leisten zurückschicke.

In der website (Bogenbau, Bogenmaterial etc.) werden die Leisten so beschrieben:
Schichten senkrecht oder leicht schräg, Schichten laufen gerade durchs Holz, ohne Äste, plan gehobelte Flächen. Für Kompositbogenbau und fürs Backing. Das Gelieferte seht anders aus.

Die Äste könnten in die Spleisstellen gelegt werden und wegfallen. Die unebene Fläche kann ich ebnen. Damit könnten beide Leisten gerade knapp für die geplanten Bögen reichen.

Aber: Die Schichten stehen bei der 5mm-Leiste mit ca. 45° schräg und bei der 7mm-Leiste mit ca. 10° flach und meist gewölbt. Und einige Schichten sind etwas schräger an der Leistenkante geschnitten, die Schnitte wären im Bereich der gerundeten Bogenkanten.

Somit vermute ich ein Restrisiko, soll ich das eingehen oder geht das garnicht ?

Hier die 5mm-Leisten
5mm_10-15cm_V.JPG
5mm_37-50cm.JPG
5mm_150cm_R.JPG
5mm_150cm_V.JPG
5mm_182-184cm_V.JPG
5mm_Schichtlage_02.JPG
Hier die 7mm-Leisten
7mm_86cm_beidseitig.JPG
7mm_86cm_R.JPG
7mm_Schichtlage_01.JPG
7mm_183 u 195cm.JPG
7mm190-196cm_V.JPG
Grüße
Windkanter
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von Ravenheart »

Vom Faserverlauf ist nur die Stelle auf Bild 1 unten bedenklich, aber die liegt so am Rand, die kann man vmtl umgehen. Der Rest ist für Hickory voll i.O....
Die verhobelten bzw versägten Stellen gehen, wenn die Rückseite glatt ist UND die Stellen nicht so tief gehen, so dass sie beim Dickentaper wegfallen. Gehen die tiefer als 2 mm, reklamieren.... my2ct

Rabe
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von kra »

ad 1, die aber auch nicht wirklich gut gesägt oder gehobelt. Dem Händler würde ich neue Hobelmesser bzw. ein frisch geschärftes Sägeblatt empfehlen und ihn auch darauf hinweisen!
Für den Verlauf gehe ich mit Rabe d'accord, passt so, speziell bei dem angestrebten Zuggewicht.
Für die Aststelle erwarte in dem Zuggewichtsbereich auch kein Problem

Als einzigen Knackpunkt sehe ich ob die Leisten nach ausschleifen der Macken noch dick genug sind.

PS. Auch wenn die Sägemacken am Ende der 7mm Leiste (siehe letztes Bild) vermutlich beim Taper wegfallen können, für Professionalität spricht das nicht.
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von Benedikt »

Wär auch meine Meinung. Der Faserverlauf geht schon, aber wenn ich Hickory-Backings kauf, sind die verklebefertig gehobelt ??? :-X Hat ja nich jeder n ganzen Maschinenpark daheim ::)
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von Anasazi »

Da der Bogen ja kürzer als 1600mm werden soll, machen die Macken an den Enden der 2000mm Leiste eigentlich nicht so viel. Ob da der Aufwand des Reklamierens und Zurückschickens wirklich sinnvoll wäre?
Windkanter
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Re: Osage Orange Leisten, nicht idealer Schichtverlauf, Bogen ?

Beitrag von Windkanter »

Vielen Dank für die Antworten,

ich behalte die Hickory-Leisten, der Lieferant bekommt jedoch eine deutliche Nachricht von mir und ich ziehe die Konsequenzen daraus. Falls ich nochmal Material brauche, muss ich halt in den sauren Apfel beissen und hier in BW eine Quelle aufsuchen, persönlich aussuchen, ev. auf einer größeren Bogenmesse.

Zu den Macken: die sind max. 1mm tief und liegen entweder an den WA-enden und werden dünner geschliffen oder fallen ganz raus, dieses Problem kann ich umgehen, ebenso wie die Äste. Trotzdem sollten Hickory-Backing-Leisten nicht solche Probleme aufweisen.

@ Benedikt: ja, mein "Maschinenpark" ist eher schon eine Puppenstube und wenig auf Bogenbau ausgelegt, ich muss viel und manchmal aufwändig improvisieren. So geht es aber vielen, die nicht viele Bögen bauen, die vertrauen dann auf die Aussagen der Holz-Lieferanten. Die Klebeflächen der Hickoryleisten muss ich auf jeden Fall noch bearbeiten.

Letzte Frage: klebt Ihr die Backings (Hickory auf Osage Orange) mit Hausenblasenleim oder Hasenleim auf und macht vorher Längsrillen rein und grundiert mehrfach, was ich machen könnte ? Oder nehmt Ihr Epoxidharz (ich könnte Epoxid L + Härter L, 90min von R&G nehmen) und rauht die Klebenflächen auf ?

Grüße
Windkanter
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