O.k., ich gebe zu, das Design ist zwar passend zur Jahreszeit, aber doch mit etwas "Augenzwinkern" gewählt...
Das Konstruktionsprinzip aber ist durchaus ernst gemeint! Das wollte ich so schon lange mal ausprobieren. Eigentlich schon zum Saplingbow-Wettbewerb, aber da war dann keine Zeit dafür.
Aber der Reihe nach:
Es gibt eine gewisse (entfernt) Verwandschaft zu Tarans "Grasbogen". Dennoch sind ein paar Konstruktionsansätze drin, die (mir zumindest) neu sind, daher ist es auch als ernsthafter Wettbewerbsbeitrag gemeint!
Material:
6 Schösslinge (Wassertriebe einer Zwetsche), die ich eigentlich als Versuchs-Pfeilschäfte geerntet und getrocknet hatte - die sich aber dann als zu schlängelig gewachsen herausstellten und nun "rumlagen".
Schon lange wollte ich versuchen, zu dünne Schösslinge zu einem Bogen zu bündeln.
Dabei sollte
1. der natürliche "Taper" der gewachsenen Verjüngung den Tiller "ersetzen".
2. durch das Kreuzen der Stäbe a) ein handlicher Griff und b) eine lanzettförmige Wurfarmform entstehen...

Rücken links, Bauch rechts

WA-Form, Rückenansicht
Vom Griff zum Ende (sh. Bild: Pfeile)..:
--> Der mittlere Stab ist der jeweils stärkste, die beiden äußeren sind gleich, aber etwas dünner.
Die jeweils im Griff aufeinander stoßenden Stäbe sind auf 20 cm Länge diagonal überblattet, verklebt und stramm gewickelt. Im Griff liegt der dickste Stab bauchseitig, die beiden Anderen nebeneinander rückenseitig, so dass sie eine Dreieck-Form bilden, die schlank bleibt und gut in der Hand liegt.
--> Kurz hinter dem Griff kreuzen sich die Stäbe. Dies erfolgt spannungsfrei, ich nutze hier die natürliche Krümmung der Stäbe aus. Der mittlere Stab spreizt so die beiden Anderen auseinander! Gleichzeitig erhält der Mittlere so eine reflexe Ausrichtung.
--> Eine Wicklungs-Brücke ein Stück weiter hält den Mittelstab in dieser Position, auch wenn später sein Ende wieder zwischen die beiden Anderen gebogen wird. Eine Leder-Lasche dient als Scheuer-Schutz, denn im Auszug verschieben sich die Stäbe ein wenig zueinander.

Die "Kreuzpunkt-Brücke" mit Scheuer-Schutz
--> Die Enden der beiden seitlichen Stäbe sind mit einer Wicklung verbunden, in die gleichzeitig eine Lederlasche eingewickelt ist, die als "Sehnenkerbe" fungiert.

Das Ende mit Sehnen-Halte-Lasche
Der mittlere Stab ist etwas kürzer (zur Gewichtseinsparung; er wird schlicht auf den letzten 10 cm nicht gebraucht!), und sein Ende ist setlich angespitzt. Er wird zwischen die beiden Seitenstäbe gebogen (wodurch er eine Vorspannung erhält!), und dann mit einer Wicklung dort gehalten...:
Der "Tiller" erfolgt ausschließlich über die Auswahl der Stäbe und anschl. Einkürzen. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich die einzelnen Stäbe vorher "spinetesterartig" ausgewogen.... q&d war das nicht drin...
So musste ich das obere Ende stärker einkürzen als erwartet, um den WA stärker zu machen und einen gleichmäßigen Tiller hin zu bekommen - mit der Folge, dass der untere WA nun länger ist...
Dennoch ist der Bogen auch wesentlich schwächer geraten als erwartet: 12#@26"....
Eigentlich logisch, wenn man bedenkt, dass die Schösslinge ja als Pfeile gedacht waren, also nicht mal fingerdick sind...
Länge von Sehnenkerbe zu Sehnenkerbe 1,49 m.
Das Expriment aber, also das Grundprinzip, würde ich als geglückt ansehen! Es zeigt, dass auch ungeeignete Schösslinge mit dem richtigen Konzept zu einem funktionierenden "Survival-Bogen" addiert werden können.
Demnächst teste ich es dann mal mit 6 dickeren Stäben!!
Rabe