Schlemmen auf "A"-lte Art

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dietze
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Schlemmen auf "A"-lte Art

Beitrag von dietze »

Gefunden in der Frankfurter Rundschau am 9.1.:

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Haggis - denn auf drei ungleichen Beinen steht man nur am Berg

Der Schotte, wenn nicht gerade erfolglos darum bemüht, an internationalen Fußballwettkämpfen teilnehmen zu dürfen, pflegt ja die absonderlichsten Rituale. Gerne wirft er im Hochland mit Baumstämmen um sich, bedeckt das Gemächt mit kariertem Tuch oder stülpt sich einen Mopp über die Rübe und verwandelt sich in Rod Stewart. Manchmal, meistens im Januar, stiefelt er auch in die Berge und jagt ein ziemlich seltsames Tier. Das „Haggis", so sagt man, habe drei unterschiedlich lange Beine, weswegen es zwar einerseits an noch so aberwitzigen Hängen problemlos stehen und grasen kann, andererseits aber er
hebliche Schwierigkeiten mit dem Vorwärtskommen hat. Um eines Haggis habhaft zu werden, treibt man es daher am besten aufs flache Land, wo es schnurstracks umkippt und hilflos liegen bleibt.
Oder aber man geht in eine Imbissbude. Dort liegt, zwischen. gevierteiltem Kabeljau, pinkfarbenen Wurst-Attrappen und
von Frittierfett mürbe gemachtem Pizzateig, in er Regel auch etwas rum, was reichlich hilflos wirkt und von den Schotten Haggis genannt wird. Es ist ihr Nationalgericht. Man sollte also besser nichts dagegen sagen. Auch wenn es schwer fällt. Haggis erinnert entfernt an eine pralle Bockwurst, die in langen, qualvollen Monaten unter der Sonne ergraut ist und sich seither mit ähnlichen Hautproblemen wie eine Erdkröte herumplagen muss. „Schmeckt prima", pflegte unser schottischer Mitbewohner Neal zu sagen. Andererseits hörte der auch die Musik der „Fields of the Nephilim", malte sich das bleiche Antlitz regelmäßig weiß an und studierte künstliche Intelligenz. Wir hatten also Grund, seine Expertise anzuzweifeln, begaben uns selbst auf Recherche ...
... und fanden heraus, dass das, was den Haggis im Äußeren zusammenhält, ein Schafmagen ist. Den stülpt man zunächst mal um und weicht ihn diverse Stunden in Salzlake ein. In der Zwischenzeit lässt man eine Schafsleber und ein Schafsherz-Gourmets legen gerne auch noch eine Schafslunge bei-eine Stunde lang köcheln. Anschließend wird alles liebevoll zerhackt und mit drei Zwiebeln, 200 Gramm Nierenfett, einer Tasse Hafermehl, einer Tasse Brühe und Gewürzen (Salz, Pfeffer, Muskatnuss) verrührt. Den so entstandenen - nun ja: Brei kann man nun getrost in den Schafmagen stopfen und bei kleiner Hitze drei Stunden lang kochen. Aber Obacht: Den Magen nicht zu arg mästen, sonst könnte er explodieren, und am Ende steht wieder irgendein Terrorexperte vor der Küchentür. Und erklären sie dem mal, dass sie nur Herz und Lunge und Leber ...
Bild

Wie gesagt: Soll toll schmecken, das Ganze. Wie eine pikante Leberwurst, sagen die einen. Oder wie Saumagen. Wir können leider nicht mitreden. Haben uns damals doch dagegen entschieden und statt dessen die Frittierfett-Pizza genommen.
War vielleicht ein Fehler. Als wir reinbissen, schossen kochend heiße Tomatenfontänen in unsere Ärmel, verbrannten die Haut und versauten das Textil. Wär' mit Haggis nicht passiert. Der liegt einfach nur aufdem Teller. Hilflos. Und irgendwie rührend.

Alle Teile der Serie im Internet: www.fr-aktuell.de/topfstars

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Taran
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Danke, Dietze!

Beitrag von Taran »

Ich hab#s übrigens mal probiert. Wenn man das Aussehen ignorieren kann und zu vergessen versucht, was drin ist und außerdem genug Whisky zum Nachspülen und Desinfizieren hat, schmeckt es super. Es sollte aber auch draußen eiskalt sein, und du selbst solltest einen 30km Fußmarsch hinter dir haben.
Dann schmeckt sowieso alles.
Aber im Ernst: Gar nicht übel!
Taran von Caer Dallben

[size=2] [color=blue][b]... και δόξα τω Θεώ ![/b][/color][/size]
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